TWINS CREW: Interview mit Dennis Janglöv

14.02.2009 | 18:33

Ein neuer Stern ist im Begriff aufzugehen am Heavy-Metal-Himmel. Er hört auf den Namen TWINS CREW und wird bald seine Leuchtkraft mittels einer neuen, selbstproduzierten EP mit dem Titel "Twin Demon" verstärken. Remember where you read it first!

Auf meinen regelmäßigen Streifzügen durch den Heavy-/Power-Metal-Underground begegnete mir vor nicht allzu langer Zeit ein äußerst vielversprechender Newcomer aus Schweden namens TWINS CREW. Bereits die mit bescheidenen Mitteln produzierte Debüt-EP aus dem vergangenen Jahr zeigt kristallklar das bemerkenswerte Talent dieses Quintetts. Hier wird der Metal zwar nicht neu erfunden, doch durch ihre Frische, die Spielfreude und das kompositorische Niveau machen die Songs eine Menge Freude und Lust auf mehr. Und genau das steht nun in Form einer zweiten EP mit dem Titel "Twin Demon" in den Startlöchern. Exklusiv für POWERMETAL.de durfte ich schon mal vorab in das brandneue Material reinhören und bat bei der Gelegenheit gleich Gitarrist Dennis Janglöv zum Interview.

Martin:
Dennis, der Name TWINS CREW wird kaum einem unserer Leser ein Begriff sein. Stelle uns deine Band doch bitte kurz vor!

Dennis:
Die TWINS CREW hat fünf Mitglieder: Andreas Larsson ist unser Sänger, mein Zwillingsbruder David und ich spielen Gitarre, dazu kommen noch Fredrik Hammer am Bass und Uno Eriksson auf dem Drumhocker. Ganz zu Anfang haben wir auch mit Keyboard-Parts experimentiert, aber irgendwie hat das nicht gepasst. Es war aber auch schwer, einen vernünftigen Metal-Keyboarder bei uns in der Gegend zu finden. Das war 2005, damals haben wir aber nur drei Gigs gespielt und ausschließlich Cover-Versionen im Programm gehabt. Wir gingen damals zusammen zur Schule, nach dem Abschluss haben sich unsere Wege erstmal getrennt. David und ich zum Beispiel haben die Koffer gepackt und fuhren nach Hollywood, um uns am GIT (Guitar Institute Of Technology) einzuschreiben. Dort haben wir eineinhalb Jahre hart an uns gearbeitet und viel gelernt. Kurz vor unserer Rückkehr nach Schweden schalteten wir Anzeigen in Schweden, um passende Musiker für eine Neuauflage von TWINS CREW zu finden. So stieß zuerst Andreas zur Band, mit dem wir auch gleich anfingen Songs zu schreiben. Die allererste Recording-Session fand statt in Davids Schlafzimmer mit einem miesen Computer-Mikrophon. Damals haben wir 'Raven Souls', 'Different Kind Of Love' (beide auf der Debüt-EP zu hören) und 'Twin Demon' (Titelsong der neuen CD) aufgenommen.

Martin:
Wie würdest du eure Musik beschreiben? Ich meine, die Einflüsse klassischer Metal-Bands wie IRON MAIDEN und JUDAS PRIEST sind deutlich zu hören, aber was macht aus deiner Sicht das Besondere an TWINS CREW aus?

Dennis:
Ach, weißt du, wir spielen einfach die Art von Musik, die wir selber toll finden, die natürlich aus uns heraus kommt. Wir haben niemals offiziell beschlossen einen bestimmten Stil zu spielen. Klar will man eine neue Band immer gerne irgendwo einordnen. Wir passen dann wohl am besten in die Heavy-Metal- und Power-Metal-Schubladen. Beeinflusst ist unsere Musik unter anderem von MALMSTEEN, HELLOWEEN, RACER X, ACCEPT und IN FLAMES.

Martin:
Eure Debüt-EP hat mich durchaus beeindruckt, auch wenn man ihr anhört, dass ihr nicht viel Zeit und Geld für die Aufnahmen hattet. Was kannst du uns zur Entstehungsgeschichte erzählen und welchen Song findest du heute im Nachhinein besonders gelungen?

Dennis:
Wir waren in einem Studio namens Deep Blue. Die ganze Arbeit musste in zwei Tagen getan sein. Wir haben die Songs live eingespielt, alle Instrumente zugleich. Nachträglich hinzu gefügt wurden der Gesang sowie die Lead- und Akusitkgitarren-Parts. Wir hatten auch kaum Gelegenheit, noch lange am Mix herum zu tüfteln. Die besten Songs auf dieser CD sind wohl 'Davy Jones' und 'Beauty And The Beast', würde ich sagen. Beide Nummern haben schön eingängige Refrains, das mag ich sehr!

Martin:
Gutes Stichwort, ich wollte dich eh fragen, wer oder was euch inspiriert hat, einen Song über 'Davy Jones', den Teufel des Meeres, zu machen. Lass mich raten: Die "Fluch der Karibik"-Filme? Oder die Computer-Spiele der "Monkey Island"-Reihe? Oder Spongebob...? Daniel Defoe...??

Dennis:
Hahaha, wir schreiben halt einfach Texte über alles, was wir irgendwie cool finden: Drachen, Dämonen, Piraten, den Teufel... David kam eines Tages mit der ersten Strophe des von dir angesprochenen Songs in den Proberaum und Andreas war glaube ich derjenige, der vorschlug ihn 'Davy Jones' zu nennen. Meine Vermutung ist, dass er dabei in der Tat an "Fluch der Karibik" gedacht hat. Filme und Bücher sind bei uns sowieso oft die Grundlage für Musik und Lyrics.

Martin:
Was passierte nach dem Release der Debüt-EP? Hattet ihr die Chance regelmäßig live zu spielen?

Dennis:
Seit März 2008 ist die erste EP erhätlich. Wir haben das Teil an die einschlägigen Magazine und einige Plattenfirmen geschickt. Leider kam nur ein Angebot, aber das war ein total mieser Deal, den wir einfach nicht annehmen konnten. Wir haben ziemlich viele Gigs in Stockholm und Umgebung und auch einige weiter im Norden von Schweden gespielt. Der bisher größte war wohl auf der MAIDEN-Aftershow-Party, die der skandinavische IRON-MAIDEN-Fanclub nach dem Auftritt der Jungfrauen in Stockholm organisiert hatte.

Martin:
Lass uns jetzt über eure kommende, zweite EP sprechen! Ihr seid gerade aus dem Studio zurück und ward so nett, mir sofort ein paar Auszüge aus den neuen Songs vorzuspielen. Hat mir sehr gut gefallen, was ich da gehört habe. Das neue Material zeigt eine klare Weiterentwicklung: straffere Arrangements, mächtigere Gitarrenwände, besserer Gesang, feiner ausgefeilte Melodien und natürlich ein besserer Sound. Wann und wie sind die Songs entstanden?

Dennis:
Der Titeltrack ist wie schon erwähnt einer der allerersten TWINS CREW-Songs überhaupt. Die anderen Nummern sind ganz neu, alle im Sommer und Herbst 2008 im Proberaum entstanden. Den größten Anteil am Songwriting hatten David und ich, während die Texte wieder hauptsächlich von Andreas geschrieben wurden.

Martin:
Und wo siehst du selbst den Unterschied, den Fortschritt zur ersten EP?

Dennis:
Ich finde vor allem, dass die "Twin Demon" deutlich härter, druckvoller und entschlossener rüberkommt. Klar liegt das zu einem großer Teil auch an der stärkeren Produktion, für die Chris Snyder, der Eigentümer des Standstraight Studios, verantwortlich war. Er wird auch den finalen Mix übernehmen.

Martin:
Warum macht ihr eigentlich wieder nur eine EP und kein komplettes Album?

Dennis:
Wir hoffen sehr, mit der "Twin Demon"-EP das eine oder andere Label auf uns aufmerksam zu machen, einen ordentlich Deal zu bekommen und danach ein komplettes Album aufzunehmen. Zur Zeit müssen wir ja noch alles selbst bezahlen, und das ist verdammt noch mal nicht billig!

Martin:
Ich nehme an, ihr spielt live immer noch diverse Cover-Versionen, um euren Set voll zu kriegen. Werdet ihr in absehbarer Zeit auch mal eine aufnehmen?

Dennis:
Klar spielen wir auf unseren Konzerten viele Cover-Songs. Manchmal verlangen die Pubs und Bars sogar von uns, überwiegend Cover zu spielen. Das ist uns natürlich nicht so nach dem Sinn, aber irgendwie kann ich das auch verstehen, und für uns ist es allemal besser als gar nicht zu aufzutreten. Konkrete Pläne für eine Aufnahme gibt es keine, aber wenn, dann würde ich gerne was Nicht-Metallisches machen. Vielleicht eine Nummer von ABBA oder THE POLICE.

Martin:
Du erwähntest bereits, dass David und du eineinhalb Jahre am GIT studiert habt. Wie ist es denn da so? Inwiefern beeinflusst eure Zeit dort die Musik von TWINS CREW?

Dennis:
Seit ich mit dem Gitarrenspielen anfing, habe ich schon davon geträumt, einmal auf eine professionelle Schule in den Vereinigten Staaten zu gehen. Die Zeit am GIT war einfach nur großartig. Wir haben Unterrichtsstunden genommen bei Leuten wie Paul Gilbert, Carl Verheyen und Bill Lafleur. Wir trafen Gitarren-Götter wie Andy Timmons und Frank Gambale, Allan Holdsworth, Scott Hendersson und Tony MacAlpine. Wir lernten sehr viel über Musik und über das Gitarrespielen, theoretisch und praktisch. Dabei ging es nicht nur um Rock und Metal, sondern auch um viele andere Stile. Ich glaube schon, dass das, was wir heute mit TWINS CREW machen, tief in unseren GIT-Erfahrungen verwurzelt ist. Ohne diese würde unsere Musik simpler und oberflächlicher klingen.

Martin:
Welche fünf Platten nimmt Dennis Janglöv mit auf eine einsame Insel?

Dennis:
FRANK GAMBALE - Think Out Loud
AC/DC - Highway To Hell
DREAM THEATER - Scenes From A Memory (Metropolis Part 2)
BLACK SABBATH - Heaven And Hell
LED ZEPPELIN - Houses Of The Holy

Martin:
Die größten Metal-Songs aller Zeiten heißen?

Dennis:
Oh je, schwierige Frage. Da gibt es so viele, HELLOWEEN haben 'I Want Out' gemacht, JUDAS PRIEST 'Living After Midnight' und ACCEPT 'Balls To The Walls'. Hey, wart's ab, die fünf größten Heavy-Metal-Songs aller Zeit werden bald die fünf Titel sein, die wir gerade mit TWINS CREW aufgenommen haben, hahaha...

Redakteur:
Martin van der Laan

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