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Tattooed people do it better!

01.07.2011 | 09:40

Seit 20 Jahren steht ENDLESS PAIN für Tätowierkunst und Qualität. Chef-Tätowierer Frank Krabbenhöft veranstaltet praktisch nebenbei die Hamburger Internationale Tattoo Convention in der familiären Markthalle, die dabei fast aus allen Nähten platzt. Ungemütlich ist es trotzdem nicht, wie die jüngst erschienene DVD zeigt.

Bikes, Bier und Brüste, dazu die nackte Frau auf dem Oberarm. Laute Musik, Pogo, auf den Gliedmaßen bunte Bildchen. Straßenszene, Iro, Piercings und das Logo der Lieblingsband auf der Schulter. So lebendig können Tätowierungen sein. Aufgeräumte Stände, gesittetes Publikum vor der Bühne, saubere Toiletten – so ordentlich ist eine Tattoo-Messe. Alle zwei Jahre findet in der Hamburger Markthalle die Hamburger Internationale Tattoo Convention statt, 2010 bereits zum zwölften Mal. Schon die erste Messe 1993 tagte in der Markthalle, die Besucherzahl stieg stetig an. Mittlerweile müssen Gäste mit langen Wartezeiten rechnen, doch es lohnt sich: Künstler aus der ganzen Welt – etwa 25 Nationen sind vertreten – reisen an, um ihre Werke zu zeigen, leere Hautpartien zu verschönern und dem Treiben der Convention beizuwohnen. Verschiedenste Stile gibt es zu entdecken, einige Tätowierer spezialisieren sich auf einen, andere wiederum beherrschen sie alle – old-school nennen sie es. Der Kunde ist König. So auch auf der Messe, bei der der Besucher nicht nur Bilder schauen und Schmerzen erleiden kann, sondern auch seine Tätowierungen zur Schau stellen und dafür in verschiedenen Kategorien Preise gewinnen kann. Auch das Rahmenprogramm mit Musik und Tanzeinlagen stark tätowierter Tänzerinnen kann sich sehen lassen.

Der Motor hinter der Tattoo Convention ist das Studio ENDLESS PAIN, das in der Erichstraße 1 in Hamburg ansässig ist – also direkt auf dem Kiez, dem pulsierenden Herzen der Stadt. Heiko Schneider eröffnete es 1991,  sein bester Freund Frank Krabbenhöft ging kurze Zeit später bei ihm in die Lehre. Nach Heikos Tod 1995 übernahm Frank das Ruder und führte sowohl das Studio als auch die Convention weiter – keine leichte Aufgabe, aber er meisterte sie. ENDLESS PAIN wurde immer bekannter und namhafte Gasttätowierer kamen ins Studio: Theo Jack, Claus und Sabine Fuhrmann, Don Juan, Little John, Sabine Gaffron, Dean Deakyne usw. Frank selbst tätowiert seit 25 Jahren und hat selbst so viele Tattoos, dass er sie nicht beziffern kann. Dass Tattoos nicht nur hübsche Bildchen sind, sondern auch sehr persönlich sein können, zeigt seine Antwort auf die Frage nach seinem Lieblingstattoo: "Der Name meiner verstorbenen Hündin." Das Alter spielt bei Tattoos keine Rolle – die älteste Person, die Frank tätowiert hat, war 89 – allerdings führen andere Faktoren dazu, dass ein Wunsch abgelehnt werden muss: "Ja, das passiert tatsächlich öfter aus unterschiedlichen Gründen: Zum Beispiel ist sehr häufig der Maßstab auf der Haut nicht umsetzbar." Der Alltag eines Tätowierers besteht dabei nicht nur aus Körperkunst – auch ausgelernte Tätowierer müssen ihren Arbeitsplatz sauber halten, zeichnen und natürlich Kundengespräche führen. Daran erkennt man auch ein gutes Studio: "Gute Beratung, Ehrlichkeit und natürlich ein gepflegtes Erscheinungsbild sollten Standard sein", sagt Frank.

Schließlich ist die Zufriedenheit des Kunden der entscheidende Maßstab. Deshalb ist Frank auf keinen bestimmten Stil festgelegt – nur politische Darstellungen lehnt er ab. Neues reizt ihn, da ist es nur logisch und vorteilhaft, dass Frank viel reist und häufig auf Tattoo-Conventions in aller Herren Länder anzutreffen ist. Dabei entstehen viele Kontakte und einige Freunde kommen gerne als Gasttätowierer zu ENDLESS PAIN – und natürlich zur Convention. Frank kennt fast alle Tattoo-Künstler, die sich und ihre Werke auf der Hamburger Internationale Tattoo Convention präsentieren. Über die 12. Convention entstand eine DVD, die seit wenigen Tagen in den Läden zu finden ist. Frank ist von der Umsetzung begeistert: "Eine Berichterstattung ohne Realitätsverzerrung zu machen, war ein Traum – vor allem in der heutigen Zeit. Auch wenn sie natürlich noch sechs Stunden länger gehen müsste, um so ein umfangreiches Thema abzuhandeln. Es ist nicht möglich, das in 90 Minuten zu behandeln. Dazu müssten noch viel mehr Menschen zu Wort kommen und dadurch würde es zu langatmig." Eine DVD über die nächste Convention wird es trotzdem nicht geben.

Im Film kommen viele Tätowierer aus unterschiedlichen Ländern und unterschiedlichen Hintergründen zu Wort: Europäer, Amerikaner, Asiaten, die eine Ausbildung hinter sich haben, sich autodidaktisch alles selbst beigebracht oder sich sogar selbst eine Maschine aus Kassetten und Nadeln gebaut haben. Sie sprechen auch über Trends und Veränderungen in der Tattoo-Szene. Frank kommentiert: "Nun, ja. Alles verändert sich, vor allem, wenn es mit Menschen zu tun hat und so ein lebendiges Thema ist, wie das Tätowieren. Wir folgen auch gewissen Trends, was die Auswahl der Motive angeht, wenn auch in den vergangenen Jahren die Wünsche immer individueller geworden sind und die Leute sich mehr Gedanken um ihren Körper machen. Im Moment ist deutlich zu erkennen, dass die Leute den Mut zum Text auf ihrem Körper als Statement entdeckt haben." Die Technik selbst habe sich allerdings nicht so stark verändert: "Bis auf dass die einzelnen Komponenten in der Verarbeitung ab Hersteller besser geworden sind, ist die grundsätzliche Technik dieselbe geblieben."

Viele Promis aus dem Fernsehen, Sportler und Musiker sind tätowiert und einige davon gehören auch zum Kundenstamm von ENDLESS PAIN: BIOHAZARD, GODFATHERS, M.O.D., DIE ÄRZTE, PRO-PAIN, ROSE TATTOO und FUN FACTORY zum Beispiel. Vor allem viele Metal-Musiker tragen Bilder als Verzierung und Statement auf ihrem Körper. Frank erklärt den Zusammenhang zwischen Heavy Metal und Tattoos: "Sie sind untrennbar verknüpft. Schon lange, bevor der Mainstream sich für Tattoos interessiert hat, waren Heavy-Metal-Musiker und deren Fans schon tätowiert. Die Aufmachung der Platten- und CD-Cover liefert ja auch schon eine unglaubliche Flut an Ideen." Allerdings hat er keinen favorisierten Stil bei Musikern ausgemacht: "Ich glaube nicht, dass der Geschmack sich von dem anderer Tattoo-Fans unterscheidet. Allerdings sind Musiker häufig sehr limitiert, was ihre Möglichkeiten angeht, durch viele Live-Shows und Tourneen ist es sicher schwierig, Termine mit einzelnen Künstlern einzuhalten. Somit haben Musiker häufig sehr viele Tattoos von unterschiedlichen Tätowierern aus verschiedenen Ländern und Städten." Auch ein Zusammenhang zwischen favorisiertem Musikstil und den Tattoos gäbe es kaum: "Natürlich währen Leute aus Subkulturen ihre Motive anders als sogenannte normale Leute, aber grundsätzlich wählen die Leute doch sehr individuelle Dinge aus, die dann meist persönliche Hintergründe haben." Frank selbst ist bei seiner Musik fast so offen wie bei seinen Tattoo-Motiven: "Alles querbeet, solange Gitarren dabei sind!!! Ich kann mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen und manchmal kann Musik positive Energie freisetzen."

Piercings gehören vermutlich auch zur Körpergestaltung, den der Untergrund – und somit auch die Heavy-Metal-Gemeinde – viel früher für sich entdeckt hat als der Mainstream. ENDLESS PAIN war eines der ersten Tätowierstudios in Norddeutschland, der Piercings anbot. Bis heute arbeitet es mit einem Goldschmied zusammen, dadurch können auch individuelle Kundenwünsche umgesetzt werden. Besonders spannend wird es, wenn Piercing und Tattoo kombiniert werden.

Nicht nur Tattoos können Geschichten erzählen, sondern auch Tätowierer. Allen voran das Urgestein Herbert Hoffmann, dem die DVD zur 12. Hamburger Internationale Tattoo Convention gewidmet ist. Im vergangenen Jahr verstarb Herbert Hoffmann – auf der DVD ist als Bonus das komplette Interview mit ihm zu finden. Frank beschreibt das Verhältnis zu Herbert als freundschaftlich respektvoll. Auf die Frage, was jetzt mit seinem Stand auf der Convention geschehen soll, antwortet Frank: "Er hat für immer einen Platz in meinem Herzen und somit auch auf der Convention." Eine Lieblingsgeschichte hat er nicht: "Es war immer ein Geschenk, ihm zuhören zu dürfen."

Redakteur:
Pia-Kim Schaper

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