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The New Black - Interview mit Christof Leim

15.06.2009 | 11:13

"Das ging alles damit los, dass Fabs und ich uns bei einem Earthshaker 2006 oder 2007 fürchterlich besoffen haben, weil wir LORDI so langweilig fanden. Und natürlich haben wir über Riffs und Bands und Leute geredet. Da führt ein Caipirinha zum anderen, also wollten wir - ist doch logisch! - irgendwann eine Band gründen. Glücklicherweise hat sich die Idee auch nach dem Kater noch gehalten."

THE NEW BLACK Bandpic

Nachdem THE NEW BLACK ein gelungenes, frisch klingendes Debüt hingelegt haben und dieses auch auf positive Resonanzen stoßen konnte (u. a. hier bei POWERMETAL.de), ist Gitarrist Christof Leim gerne bereit, einige Dinge richtig zu stellen und dazu noch ein paar lustige Anekdoten aus dem Ärmel zu schütteln. Aber lest selbst...

Tilmann:
Hat bei eurem Bandname DEVIN TOWNSEND Pate gestanden?

Christof:
Nein, von STRAPPING YOUNG LAD kommt der Bandname nicht. Ich hatte den schon länger in der Schublade, weil ich schon länger eine Heavy-Rock-Band machen wollte, mit all den Riffs, die nicht zu THE TRACEELORDS gepasst haben. Und das waren nicht nur viele, sondern auch meine liebsten. Eine große Deutung gibt es nicht, selbst wenn THE NEW BLACK ein feststehender Ausdruck ist. Der klingt einfach gut für meine Ohren. Ich finde "Black" cool, aber die meisten Namen sind albern oder zumindest platt: BLACK SYMPHONY, BLACK TIDE usw. THE NEW BLACK gefiel mir aber, weil es eben ein bisschen anders klingt, genauso wie IN FLAMES, was meines Erachtens übrigens ein großartiger Bandname ist. Und das "New" macht's dann doch ein bisschen aufregender, finde ich, und zwar nicht im Sinne von "neue Musik", sondern im Sinne von "Da ist eine neue Gang in der Stadt".

Tilmann:
Sowohl die hohe Qualität der Musik und des Sounds als auch die Zusammenstellung der Musiker sind bei euch nicht alltäglich. Im Info ist zwar zu lesen, dass durch einen Jam und dem Spaß an der Musik alles ins Rollen gekommen ist. Mich würden da in diesem Zusammenhang ein paar Anekdoten interessieren, wie ihr letztlich zusammengefunden habt und was euch dazu bewogen hat neben den anderen Bands, die ja bestimmt auch zeitintensiv sind, noch etwas anzufangen?

Christof:
Was im Info steht, stimmt schon: Das ging alles damit los, dass Fabs und ich uns bei einem Earthshaker 2006 oder 2007 fürchterlich besoffen haben, weil wir LORDI so langweilig fanden. Und natürlich haben wir über Riffs und Bands und Leute geredet. Da führt ein Caipirinha zum anderen, also wollten wir - ist doch logisch! - irgendwann eine Band gründen. Glücklicherweise hat sich die Idee auch nach dem Kater noch gehalten.
Ich habe Fabs dann ein paar Riffs geschickt, er seinen Kram beigesteuert und Demos aufgenommen - und gleich noch mehr Songs geschrieben. Das gefiel uns so gut, dass wir da einfach weitergemacht haben. Das lief alles immer so weiter, und weil wir das nicht seit gestern machen, ging es auch überraschend schnell. Und wir fühlten uns so gut damit, dass wir den ersten Gig schon gebucht hatten, bevor die Songs alle fertig waren.

Tilmann:
Apropos Anekdoten: Gibt es schon lustige Sachen der letzten Zeit zu berichten über Proben, Konzerte oder Privates?

Christof:
Wir proben nicht. Also bitte! Wer probt, kann nix, wer heimlich probt, hintergeht seine Kollegen. Haha. Nein, wir proben soviel wie nötig ist, aber eine Band, die jeden Mittwoch einen Kasten Bier leerprobt, sind wir nicht. Wie auch? Wir wohnen in drei verschiedenen Bundesländern!
Zu den besten Konzerterlebnissen gehören wohl die VOLBEAT-Shows, vor allem die ersten beiden, als Fabs schön 40 Fieber hatte, und die letzten beiden, als die Grippe666 Fludid erwischte. Das Beste: Bei der ersten VOLBEAT-Show in Bremen waren nicht nur über 2000 Leute da, sondern auch der Labelboss, der Agent und VOLBEAT selber natürlich, mit denen wir gerne noch mehr spielen würden. Zu fünft geprobt hatten wir nicht... Scheißegal. War ein Hammergig!

Tilmann:
Ihr probt also nicht!? Wie läuft denn dann bei euch das Songwriting ab?

Christof:
Proben: Selten. Wenn es sein muss, aber nicht vor jeder Show. Dafür machen wir das alle lange genug, und dafür spielen wir auch genug. Der musikalische Direktor ist zweifelsohne Fabs, der ist richtiger Musiker und kann auch so komische Sachen, die mich an schwarze Magie erinnern. Notenlesen und so. Haha. Ich schreibe einen Sack voll Riffs, und Fabs macht auch die zu Songs. Gesangslinien kommen meist von Fabs und Flu im Studio, manchmal nehme ich auch Gesangsdemos zu meinen Texten auf, mit denen ich wohl irgendwann mal erpresst werde. Wenn man die öffentlich abspielt, fallen tote Vögel aus den Bäumen, da bin ich sicher. Die Texte auf dem Debüt stammen zu 90% von mir, ein paar kommen auch von Fludid. Das meiste lief ziemlich schnell. Instrumentales Demo, einen Abend singen, selten noch Korrekturen, dann Musik nochmal ordentlich aufnehmen, Drums nochmal einspielen, Soli dazu, fertig. Beim Debüt ging das alles sehr schnell. Wir werden sehen, wie das weitergeht. Wir denken darüber nicht so sehr nach bzw. wir versuchen es, und schreiben, was aus uns herauskommt. Wenn die zweite Platte Reggae oder Thrash wird, dann wisst ihr warum.

THE NEW BLACK Bandpic

Tilmann:
Da euer Debut ja schon ein paar Monate in den Läden steht und meiner Meinung nach von AFM auch richtig ordentlich beworben wurde, interessiert mich, ob du mit der bisherigen Entwicklung zufrieden bist oder ob du schon etwas bemerkt hast, was beim nächsten Mal anders gemacht werden muss?

Christof:
Man kann immer Sachen besser machen, z. B. was das Timing angeht, außerdem weiß man beim zweiten Album, wen man wo kontaktieren sollte. Aber wir sind sehr zufrieden. AFM stehen hinter der Band und das passt.

Tilmann:

Welche Konzertaktivitäten sind in nächster Zukunft geplant?

Christof:
Wir spielen erstmal einige Festivals, worauf wir auch richtig Bock haben. Es könnten natürlich mehr sein, aber eigentlich sieht das schon ganz geil aus, finde ich. Guckt mal auf unsere Homepage. Im Herbst würden wir gerne bei einer coolen Tour mitfahren und arbeiten gerade genau daran. Wenn man sich die Tourpläne in den Medien so anguckt, dürfte klar sein, wer so unsere Wunschkandidaten sind... :-)

Tilmann:
Was nervt euch derzeit am meisten im Musikbusiness?

Christof:
Mich nervt einiges. Auf geschäftlicher Seite eigentlich weniger, als man denken könnte. Den Firmen steht das Wasser bis zum Hals, die müssen und sollen Musik verkaufen. Deshalb suchen sie ihre Bands nach Verkaufbarkeit aus. Das ist legitim. Trotzdem kotzt es mich an, wenn Marketing wichtiger wird als die Musik selber, wenn Bands offensichtlich ein Produkt sind. Was, nebenbei bemerkt, aber die Songs nicht notwendigerweise schlechter macht.
Und das nervt mich an der Konsumentenseite: Ein guter Song ist ein guter Song, selbst wenn er von SCOOTER kommt. Es kommt drauf an, wie ein Lied klingt, nicht wofür es oder der Interpret steht. Musik heißt "Töne", nicht "Szene".
Mich nervt außerdem, dass viele immer noch nicht kapiert haben, dass Raubkopiererei auf Dauer alles kaputt macht. Das wird nicht weggehen und ist in gewissem Maße ja auch in Ordnung, aber man sollte zumindest einsehen, das niemand das Recht dazu hat. Lars Ulrich hat vollkommen und absolut und total Recht, als METALLICA Napster verklagten. Alle Bands, die da von Ausverkauf und Fan-Nähe gefaselt haben, hatten nur keine Eier in der Hose. Alle. Warum sollte Musik umsonst sein?

Tilmann:
Die andere Seite interessiert natürlich auch: Was gibt es Positives über das Musikbusiness von deiner Seite zu berichten?

Christof:
Weil die Nachfrage nach Musik ungebrochen ist, wird die Musikwelt nicht untergehen. Und mit der Hoffnung im Sack suchen viele Labels etc. nach neuen Wegen. Nicht immer gut, aber es passiert was.
Mir gefällt, dass sich Qualität auch abseits von Trends und Mainstream-Medien durchsetzt. Man muss sich nur mal die Besucherzahlen bei Festivals angucken. Dass darunter die Club-Landschaft zu leiden scheint, steht auf einem anderen Blatt.

Tilmann:
Welche Ziele hast du noch mit THE NEW BLACK? Ich meine nicht nur Ruhm, Erfolg und Spaß, sondern auch z. B. musikalische Experimente, Zusammenarbeiten etc.?

Christof:
Dass wir mit irgendwem zuammenspielen, sehe ich nicht kommen. Haben METALLICA auf den ersten Platten nicht gemacht, machen wir auch nicht. Experimente? Wir schreiben echt, was uns gefällt.
Ziele: Mehr coole Sachen machen, z. B. große Shows, geile Festivals, coole Touren. So definiere ich Erfolg, und deshalb will ich auch Erfolg: Um mehr coole Sachen zu machen.
Natürlich brauchen wir auch Kohle, aber dass wir dieses Jahr nicht mehr AC/DC den Rang ablaufen, ist mir auch klar. Vielleicht nächstes Jahr... :-)

Redakteur:
Tilmann Ruby

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