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UNLEASHED: Interview mit Johnny Hedlund

21.09.2006 | 15:40

Wer noch immer irgendwelche Zweifel daran hat, dass UNLEASHED die oberste Macht der schwedischen Death-Metal-Szene sind, der sollte sich entweder mal das neue Album "Midvinterblot" zu Gemüte führen oder die Band bei einem ihrer Gigs auf der bald anstehenden "Masters Of Death" besuchen – beides sind Garanten für beste Todesblei-Unterhaltung, zumal man gerade dem aktuellen Release noch nachsagt, es sei die beste Veröffentlichung in 17 Jahren Bandhistorie. Frontmann Johnny Hedlund, gleichzeitig Sprachrohr der nordischen Wikinger, äußerste sich dementsprechend auch sehr begeistert über die aktuellen Ereignisse, nahm aber trotzdem kein Blatt vor den Mund, als es darum ging, sich über die Death-Metal-Szene im Allgemeinen zu äußern.

Björn:
Na Johnny, alles klar soweit?

Johnny:
Ja, alles bestens, danke der Nachfrage. Wir wählen gerade die Songs für die bald anstehende "Masters Of Death"-Tour aus, und das stimmt uns natürlich ziemlich euphorisch.

Björn:
Gleichzeitig steht ja auch der Release eurer neuen Scheibe "Midvinterblot" an, welche ja bereits die dritte Platte nach dem Comeback ist. Wie schauen die ersten Reaktionen denn aus?

Johnny:
Manche Leute haben schon gesagt, es sei unser bislang bestes Album überhaupt, und das hört man nach 17 Jahren und acht Alben natürlich gerne. Und ich glaube, so etwas passiert auch nur den wenigsten Bands!

Björn:
Als ich mir "Midvinterblot" zum ersten Mal angehört habe, sind mir sofort die vielen Highspeed-Parts aufgefallen, wobei der Begriff Highspeed in eurem Fall ja noch eine ganz andere Bedeutung hat. Welche Idee steckt dahinter?

Johnny:
Nun, das war so beabsichtigt; wir wollten die Songs ein bisschen schneller gestalten und sie so auch noch brutaler machen. Unser Ziel war es, auf dem gesamten Album ein sehr intensives Feeling zu verbreiten.

Björn:
Es gibt ja immer noch viele Leute, die behaupten, dass die meisten UNLEASHED-Songs gleich klingen bzw. dass ihr euch als Musiker sehr stark limitiert. Was hältst du von solchen Aussagen?

Johnny:
Ähem, wir wechseln jetzt nicht in den Nu-Metal-Bereich, um ein paar Alben mehr zu verkaufen, falls es das ist, was du meinst. UNLEASHED sind eine der wenigen Bands, die ihrem Sound treu ergeben sind, und dafür gibt es auch einen Grund: Wir sind, was wir spielen! Wir gehen nicht mit jedem Wind und sind auch verdammt stolz darauf. Aber das heißt ja nicht, dass wir uns nicht weiterentwickeln. Die meisten Leute, mit denen ich darüber spreche, sagen, dass wir uns in vielerlei Hinsicht eindeutig verbessert haben, sei es nun bei der Produktion oder auch im Songwriting. Für mich reicht das vollkommen!

Björn:
Wie würdest du denn das Wort Flexibilität im Hinblick auf euren Sound beschreiben?

Johnny:
Wir versuchen so dynamisch wir nur möglich zu sein. Metal ist nicht mit Beethoven vergleichbar, aber deshalb kann man dennoch eine sehr variable Arbeitsweise haben, gerade bei den Strukturen der Songs. Wir spielen, schnelle, mittelschnelle und langsame Songs, und das alles auf einem Album – genauso wie jede andere Band in meiner Heavy-Metal-Sammlung. Der Unterschied ist lediglich, dass wir Death Metal spielen!

Björn:
Aber es ist schon klar, dass die Fans keine großen Entwicklungsschritte erwarten können, was ja auch cool ist, denn man weiß schließlich auch, was man an UNLEASHED hat. Man kann die Band daher auch meistens schon beim ersten Riff erkennen. Ist das okay für euch?

Johnny:
Exakt! Und ich mag das nicht nur, das ist die volle Absicht unserer Musik, dem eigenen Stil und Songwriting treu ergeben sein. Es ist aber auch sehr wichtig, innerhalb dieses Stils Fortschritte zu erzielen, anstatt sich bei Misserfolg anderweitig zu orientieren. Das machen nur Schwächlinge!

Björn:
Heißt dies auch, dass du keine anderen Ideen im Kopf hast, die du irgendwann einmal abseits von UNLEASHED ausprobieren möchtest?

Johnny:
Nein, ich habe nur Zeit für UNLEASHED.

Björn:
Wenn du nun einmal einen Blick über die letzten anderthalb Dekaden in dieser Band wirfst, wie würdest du dann eure Entwicklung als Musiker beschreiben?

Johnny:
Death Metal Victory!

Björn:
In Schweden gibt es viele Bands, die anscheinend vergessen haben, was den heimischen Death Metal ausgemacht hat. Nur noch wenige haben die verschiedenen Trends überlebt, wie zum Beispiel GRAVE, DISMEMBER und in gewisser Hinsicht auch ENTOMBED. Doch eines ist ihnen allen gemeinsam: Ende der Neunziger sind sie jeder für sich in ein größeres, kreatives Loch gefallen. Genau zu der Zeit, als ihr euch auch eine Auszeit genommen habt. Wie denkst du über diese Parallele?

Johnny:
Das ist schon okay, denn wir brauchten alle eine längere Pause. Wir waren ein dauernd brennender Motor und kümmerten uns nicht um persönliche Freiheiten. Ich denke, es ist sinnvoll, ab und zu mal eine Pause einzulegen.

Björn:
Hast du denn eine Idee, warum so viele verwandte Bands sich diese Pause zur ungefähr gleichen Zeit gönnten?

Johnny:
Klar, weil jeder in derselben miesen Situation steckte. Nur noch wenige trauten sich zu dieser Zeit, auf Tour zu gehen, weil das Genre nicht sonderlich beliebt war. Es geht aber auch darum, wo du dich gerade in deinem Leben befindest und was du gerade tun möchtest.

Björn:
Glaubst du denn, dass diese Pause der gesamten Szene geholfen hat, neue Inspiration zu finden? Und mehr noch: Glaubst du, dass sich die Szene verglichen mit der Situation in den frühen Neunzigern verbessert hat?

Johnny:
Oh ja, im Falle von UNLEASHED glaube ich das auf jeden Fall, schließlich konnten wir uns im Nachhinein noch einmal gehörig steigern. Wir sind sehr hungrig zurückgekehrt, und das war auch der Hauptgrund für unser kurzzeitiges Verschwinden. Doch nicht nur die Songs, sondern auch das gesamte Drumherum hat sich stark verbessert. Wir sind fähiger an unseren Instrumenten und haben uns in der Zwischenzeit auch nützliches Wissen bezüglich des Produzentenjobs angeeignet. Und das gilt für jeden einzelnen von uns.

Björn:
Was denkst du von denjenigen, die diese Fortschritte nicht akzeptieren und stetig nach Old-School-Sachen verlangen?

Johnny:
Ach, das sind nur noch sehr wenige. Ich habe zum Beispiel noch niemanden gefunden, der nicht zustimmte, dass "Midvinterblot" unser bestes Album überhaupt ist. Daher kümmere ich mich um so was auch kaum. Wenn es überhaupt ein Problem sein sollte, dann nur ein arg geringes.

Björn:
Dann sprechen wir doch mal über das neue Album. Es ist nicht zu übersehen, dass ihr euch lyrisch erneut der Wikinger-Thematik gewidmet habt. Worum geht es dieses Mal?

Johnny:
Der Titelsong handelt von der Tradition des Julfestes, genauer gesagt von der Wintersonnenwende. Wir schreiben Texte über die Schwierigkeiten im Leben, die sich in den letzten 1000 Jahren nicht grundlegend geändert haben, mal ganz abgesehen von der Zeit. Aber immer noch ist es manchmal ein sehr harter Kampf, den man zum Überleben fechten muss, genauso wie bei unseren Vorfahren. Meistens ist es eine Kombination aus alten Geschichten und neueren Zusammenhängen. Ich schreibe die Texte aus der historischen Perspektive, doch den Inhalt könnte man ganz leicht auch auf unser Zeitalter übertragen, und die unterschiedlichen Szenarien würden zu jeder Stadt in der Welt passen.

Björn:
Was hältst du denn von politischen Themen im Death Metal. Manche Bands haben sich ja im Laufe der Jahre in eine solche Richtung entwickelt?

Johnny:
'Triumph Of Genocide' vom neuen Album ist ein sehr politischer Song. Schau dir mal die Texte an, dann wirst du verstehen, was ich meine.

Björn:
Würdest du demzufolge auch zustimmen, dass Death Metal zu gewissen Teilen auch politisch sein sollte? Von der Basis auf war diese Musik ja nur einer einzigen Sache verhaftet, nämlich dem Tod.

Johnny:
Die Musik hat auf jeden Fall ein Recht dazu. Meiner Meinung nach entstammt unser Sound ja nicht nur bloß der Metal-Szene sondern auch aus dem Punk-Rock-Genre. Und damit ist dann auch dieselbe revolutionäre Aussage verbunden.

Björn:
In der Vergangenheit ist es ja auch öfter zu Beschuldigungen gekommen, die euch als rechtslastig darstellten. Gibt es heutzutage denn immer noch Leute, die euch Derartiges unterstellen?

Johnny:
Nein, dieser Blödsinn gehört der Vergangenheit an. Die Nazis können mich mal. Für solche Idioten ist kein Platz im Death Metal! Wenn immer noch jemand glaubt, dass Thor's Hammer in direkter Verbindung mit der Nazi-Ideologie steht, sollte er vielleicht noch einmal den Geschichtsunterricht besuchen – oder meine Texte lesen und darin die Wahrheit finden.

Björn:
Na denn, dann kommen wir noch einmal kurz zurück zu eurer neuen Platte, genauer gesagt zu einem Song, der sich 'I Have Sworn Allegiance' schimpft. Inwiefern hängt dieser Track mit eurem letzten, fast gleichnamigen Album zusammen?

Johnny:
Die Nummer wurde tatsächlich nicht damals geschrieben, aber es besteht natürlich schon eine gewisse Verbindung. Der Song ist all unserer treuen Warriors gewidmet, die immer wieder zu unseren Shows kommen, egal was auch kommt. Es ist ihr Song!

Björn:
Dann darf man die harschen Grunts im Chorus sicher auch als Statement der gesamten Band verstehen?

Johnny:
Ja, du hast völlig Recht. Gleichzeitig ist es aber auch ein Statement unserer Warriors in der ganzen Welt!

Björn:
Viele von ihnen wirst du ja auf der eingangs angesprochenen Tour wieder sehen. Es scheint ja eh ein ganz besonderer Event zu werden; erzähl mir doch bitte mal Näheres.

Johnny:
Der Titel der Tour lautet "Masters Of Death" und das kannst du auch gerne wörtlich nehmen. Wir werden mit GRAVE, ENTOMBED und DISMEMBER unterwegs sein, und das wird mit Sicherheit eine atemberaubende Erfahrung. Wir haben sogar die Hoffnung, dass alle Konzerte ausverkauft sein werden, aber das werden wir dann sehen. Anschließend werden wir im Februar noch eine Headliner-Tour durch die Staaten starten, was garantiert auch ziemlich stark wird. Das sind die derzeitigen Pläne, aber es wird sicher noch einiges hinterherkommen. Ich hoffe, wir beide werden uns ebenfalls bei einem der Gigs sehen, im November ist es soweit!

Björn:
Darauf kannst du wetten. Last words?

Johnny:
Hail Thor!

Redakteur:
Björn Backes

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