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U.D.O.: Interview mit Udo Dirkschneider

12.02.2006 | 20:42

Prolog: Udo betrat die Umkleidekabine und sagte sofort mit einem Grinsen: "Keine Frage, wie die Tour läuft und keine Frage zu ACCEPT, haha..."

Uli:
Hallo Udo, wie läuft eure momentane Tour?

Udo:
Die Tour läuft gut, sie lief erst schleppend an, muss ich sagen, wir haben mit U.D.O. so ein Nord-Süd-Gefälle. Hamburg war diesmal klasse, denn wir haben lange dort nicht mehr gespielt. Gestern im Süden, Ulm, Stuttgart und die ganze Ecke, Nürnberg war alles hervorragend und auf heute Abend bin ich mal gespannt, denn wir waren schon ewige Zeiten nicht mehr in Bochum.

Uli:
Normalerweise ist ja Bochum ein Garant für gut besuchte Konzerte!

Udo:
Wir werden mal alles beobachten. Aber ich bin zufrieden, nur am Anfang, da gab es so ein paar kleine Probleme, so allgemein, gestern ist fast ein Trailer zusammen gebrochen und da mussten wir etwas umdisponieren und ansonsten kann man sagen, alles geht seinen Gang.

Uli:
Und wie lang geht diese Tour noch?

Udo:
Gute Frage, die Tour geht so bis um den 12. März rum. Wir machen heute und morgen noch eine Show in Deutschland, und dann geht es nach Italien, dann Portugal, Spanien.
Weiter geht es komplett durch Skandinavien, und dann sind wir in St. Petersburg
und Moskau. In St. Petersburg spielen wir auf einem Festival und in Moskau gibt es eine Headlinershow.

Uli:
Wie ist das Publikum dort drüben? Dankbarer als hier?

Udo:
Ja logisch, aber dieser Aha-Effekt speziell in St. Petersburg oder Moskau, der ist mittlerweile auch vorbei. Da spielt momentan alles und es wird nicht mehr gesagt, ah, jetzt kommt eine westliche Band. Aber trotzdem, es ist immer noch eine andere Atmosphäre als hier bei uns. Und danach geht es in die baltischen Staaten, Polen und die Tschechei. Ich mach es mal einfacher, außer Liechtenstein, Andorra und England spielen wir überall. Machen wir es mal so rum.

Uli:
Macht ihr dieses Jahr auch Touren in Übersee?

Udo:
Übersee nicht, im Prinzip komplett Europa und dann machen wir im April noch zwei Sachen, Israel, evtl. noch Libanon, aber das weiß ich noch nicht genau, später kommen die ganzen Sommerfestivals. Auf welchem wir da spielen, weiß ich noch nicht, und ab September, schätze ich mal, touren wir drei Wochen durch Südamerika. Und danach kommt die Ukraine, Russland, China und das erste Mal die Mongolei. Das Ganze wird dann mal in Japan aufhören, so Ende des Jahres.

Uli:
Und wie hältst du dich fit auf so einer ausgedehnten Tour? Du bist jetzt 54.

Udo:
Wie hält man sich fit? Sagen wir mal so, man sollte vernünftig mit seinem Körper umgehen. Es ist ja nicht so, dass wir wie Klosterbrüder leben, wir trinken uns ab und zu mal gerne einen an, aber das hält sich auch in Grenzen, das machen wir nur, wenn Party-Time ist, also wenn am nächsten Tag Day off ist. Ansonsten muss ich sagen, ist alles sehr diszipliniert. Ich treib keinen Sport, und ich jogge auch nicht. Alles was ich mache, ich rauch seit einem Jahr nicht mehr, war vorher ziemlich starker Raucher und ansonsten muss ich sagen, hab ich gesundheitlich keine Probleme.

Uli:
Ja dann, toi, toi, toi.…

Udo:
Lacht. Ja, toi, toi, toi. Ich hoffe, noch viele, viele Jährchen können wir so weitermachen.

Uli:
Zu deinem neuesten Album "Mission X". Warum gerade dieser Titel?

Udo:
Eigentlich "Mission Nr. Ten", das zehnte U.D.O.-Album. Es war diesmal ziemlich leicht einen Titel zu finden. Es klingt schon ein bisschen banal, aber wir sind mit unserer Musik immer noch auf einer Mission, und wenn man es so in Anführungszeichen setzt, haben wir hier ein Album, das total nach vorn losgeht und ziemlich frisch klingt und dafür gibt es einen Grund. Wir mussten mit dem Album eigentlich früher anfangen als wir wollten.
Das war auf Grund der ACCEPT-Geschichte, die ich letztes Jahr gemacht habe. Wir wollten eigentlich 2005 bis auf Bang Your Head gar nix machen mit U.D.O. und wollten eigentlich ganz in Ruhe live pausieren. Und dann haben wir praktisch die "Thunderball"-Tour angefangen, und ich glaube, dadurch waren wir etwas unter Zeitdruck, so dass wir nicht so viel überlegen konnten. Wir haben einfach drauf los komponiert, ohne großartig darüber nachzudenken und ich glaube, wie gesagt, ich bin mehr als glücklich mit dem neuen Album.

Uli:
Ja, jetzt kommen wir zu ACCEPT!

Udo lacht schallend...

Uli:
Erzähl mir mal ein bisschen, wie es war mit der alten Band auf der Bühne zu stehen, die Fans liegen einem zu Füssen, deine Emotionen, dein Feeling?

Udo:
Vom Feeling her, sagen wir mal so, es hat Spaß gemacht. Es wäre gelogen, wenn ich das Gegenteil behaupten würde. Aber auch im Grunde glaube ich, dass wir ohne Druck arbeiten konnten, wir mussten nichts Neues fabrizieren, wir haben mehr oder minder "Best of" gespielt. Für mich persönlich? Ich habe nicht direkt hurra geschrieen! Doch es war klar, wir machen das jetzt, und es hat bei mir eine ganze Zeit gedauert auch wegen UDO. Die wurden natürlich erstmal nervös, als sie hörten, oh Gott, der macht jetzt ACCEPT. So, und dann haben wir mal genau überlegt: Wie machen wir das?
Die ACCEPT-Geschichte für mich persönlich war, wie soll ich das sagen, eine wichtige Sache, glaube ich, um für mich selber rauszukriegen, ist da noch was oder ist da nichts mehr. Und für mich hat sich raus kristallisiert, menschlich kann man sich unterhalten, aber ich würde mal meinen, als Band würde das nicht mehr funktionieren.
Und ich weiß es auch z. B. von Peter Baltes, wenn es zu einer Reunion kommen würde, dass er nicht mitmachen würde und daher glaube ich, da ist nichts mehr, da fühl mich bei U.D.O. mehr zu Hause. Zudem machen wir eigentlich die Musik mit U.D.O., die ich, sagen wir mal so, zu achtzig Prozent mit ACCEPT machen würde und weiß, dass diese Musik mit ACCEPT nicht in der Form machbar ist.
Nee, das war schön. Klar, die Leute waren begeistert, es war für sie ein Aha-Erlebnis. Sie haben gut abgefeiert, ich muss sagen auf Festivals passiert eigentlich mit U.D.O. auch nichts anderes, denn wir sind auch eine beliebte Festivalband. Das war für mich zum Beispiel wichtig, es war sehr interessant, denn ich habe an einem Tag Bang Your Head mit U.D.O. und nächsten Tag Graspop mit ACCEPT gespielt. Ich hab meine Schlüsse draus gezogen, ich kann gut Leute von der Bühne aus beobachten. Sagen wir mal so, es gibt einen Unterschied zwischen abfeiern und herzlich abfeiern. So eine andere Atmosphäre.

Uli:
Also gehen die Fans bei UDO richtig ab und bei ACCEPT herzlich?

Udo:
Nein, genau andersrum. Das haben mir sogar einige Leute hinterher bestätigt, nachdem die ACCEPT-Nummer vorbei war. Viele Leute haben sich während der ACCEPT-Zeit gar nicht richtig rausgekotzt, aber danach haben sie es getan. Ja, was soll ich sagen, es war ein schöner Sommer. Für mich im Nachhinein ist so ein bitterer Nachgeschmack, dass da der Wolf in einigen Interviews den Spieß umdrehte, obwohl vorher ganz klar war, dass in keiner Weise eine Reunion geplant ist. Aber auf einmal gibt er Sachen von sich, ich weiß nicht, ob er Blut geleckt hat auf der Bühne, mag ja sein. Er kann ja gerne ACCEPT machen, nur dann muss er
sich einen anderen Sänger suchen. So nach dem Motto, ich bin der Böse, wir könnten die Band noch mal formieren und wegen mir würde das nicht gehen.
Dann ist noch eine DVD im Raume von Wacken. Was da passiert, weiß ich nicht, ich habe keine Nachrichten. Angeblich habe man Stress mit mir und man verhandelte mit mir ganz extrem, aber ich würde der Sache nicht zustimmen.
Alles dummes Zeug. Ich hab mal vorsichtig nachgefragt, ob irgendwas im Busch ist. Aber ich habe nichts gehört. Also, ich wüsste das mit Sicherheit als Erster und müsste da auch unterschreiben. Da wird mal irgendwann mal mit Sicherheit was kommen, aber wann wissen die Götter.

Uli:
Und was macht der private Udo, wenn er nicht auf Tour ist?

Udo:
Ja, was macht der private Udo? Da kümmert er sich um die Familie, die dann auch noch da ist. Aber ansonsten habe ich nicht viel Zeit, denn es sind so viele Sachen noch nebenbei zu tun.

Uli:
Was hörst Du eigentlich so privat an Musik?

Udo:
Radio! Also nicht, dass ich jetzt zu Hause da rum sitze und den ganzen Tag MOTÖRHEAD oder PRIEST höre, ich mache einfach das Radio an. Da gibt es Sachen, die ich mir ab und zu mal anhöre, aber das ist nicht festgelegt. Eigentlich höre ich alles bis auf Free Jazz.

Uli:
Und wie siehst du die Zukunft des Metals?

Udo:
Rosig! Zur Zeit kann ich nicht klagen. Die Territorien ändern sich, mal sind die besser, dann sind die anderen besser. Also im Augenblick ist Frankreich nicht unbedingt unser Favorit, Italien werden wir sehen, da wir lange nicht mehr dort waren. Skandinavien ist immer gut für uns, aber das kann sich jedoch schnell ändern, denn in den Neunzigern war Metal dort total tot, da lief gar nichts und jetzt kommt alles von dort runter. Es gibt so viele neue Märkte, wo man spielen kann. Ich glaube, diese Art von Musik, die wird immer da sein. Mal weniger und mal mehr.

Uli:
Und der Nachwuchs?

Udo:
Traurig! Das ist wirklich so, es gibt ja wirklich gute Bands, und das ist ein Thema für sich und da gibt es einige Faktoren, warum einige Sachen nicht funktionieren. Die Leute sind einfach nicht mehr bereit, wie kann ich das mal vorsichtig ausdrücken: zu arbeiten. Also man ist nicht direkt Rockstar. Es dauert eine Zeit lang bis man es ist oder es funktioniert überhaupt nicht. Aber es ist so, dass die Bands heute zwei Jahre zusammen spielen und sich dann auflösen, dann gibt es wieder eine neue Besetzung, und dann hat sich auch schon einiges auf dem Markt verändert, und das hängt mit dem Business zusammen, den Plattenfirmen.
Es gibt meiner Meinung viel zu viel auf dem Markt, und es muss mal ein wenig aufgeräumt werden. Ich sag es mal ganz krass: Es ist zu viel Schrott auf dem Markt! Das ist nicht böse gemeint, es ist einfach so. Und da sollten mal vielleicht einige Leute von der Plattenfirma aufräumen. Es ist ganz interessant, wenn die Journalisten fragen, was passiert denn, wenn ihr alten Recken mal weg seid? DIO, OZZY und so weiter, wenn die mal alle aufhören, was kommt denn dann? Oder schau dir die Bands auf den Festivals an. Was soll ich dazu noch sagen?
Wir werden es alles beobachten...

Uli:
Ja, Udo dann wünsche ich euch heute Abend einen tollen Gig und viel Spaß noch auf eurer Tour.

Udo:
Danke, das werden wir bestimmt haben.

Redakteur:
Ulrich Bechstein

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