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U.D.O.: Interview mit Udo Dirkschneider

26.06.2020 | 23:24

U.D.O. trifft auf das Musikkorps der Bundeswehr! In der Vergangenheit gab es, beispielsweise auf dem Wacken Open Air 2015, schon imposante und tiefgreifende Auftritte. Und so kam eins zum anderen, eine felsenfeste Institution des deutschen Schwermetalls präsentiert seine Kollaboration mit dem Orchester unter der Führung von Oberstleutnant Christoph Scheibling. "We Are One" ist ein Album geworden, das allerdings nicht nur musikalisch von sich reden macht. Wir sprachen mit DIRKSCHNEIDERs Udo und nehmen hierbei dieses durch und durch spezielle Album ein wenig genauer unter die Lupe.

Udo, wie geht es dir?

Uns geht's gut, wir haben ziemlich viel zu tun momentan. Auch im Hinblick auf die kommende U.D.O.-Scheibe. Durch die Corona-Situation haben wir jetzt auch die Zeit, ein neues U.D.O.-Album hätten wir eh angefangen, also machen wir das jetzt auch in Ruhe. Natürlich geht es nicht ganz so schnell, wie wir das eigentlich geplant hatten. Unser Gitarrist Andrey sitzt in Russland, unser Bassist Tilen kommt aus Slowenien nicht heraus und so geschieht alles über Skype-Konferenzen und WhatsApp. So dauert das alles zwar etwas länger, aber es funktioniert.

Du hattest im letzten Jahr mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Wie geht's dem Knie?

Das ist alles wieder in Ordnung. Ich hatte mit einer Entzündung zu kämpfen, auch das hat etwas länger gedauert, aber ist vollkommen verheilt und im grünen Bereich.

Super, das freut mich zu hören. Du sprachst vorhin schon das neue U.D.O.-Album an, in das ich im Vorfeld schon reinhören konnte.

Du sprichst aber die neue Scheibe mit dem Orchester an. Das dir vorliegende ist kein astreines U.D.O.-Album.

Und für wann ist das jetzt in der Mache befindliche Album geplant?

Ich schätze Anfang des nächsten Jahres. Das ist nicht mehr weit entfernt, hehe.

Dann sprechen wir doch mal über "We Are One", die Kollaboration mit dem Musikkorps der Bundeswehr. Musikalisch ist es eines der abwechslungsreichsten U.D.O.-Alben der Historie meiner Meinung nach. Lag das einzig und allein an dem Musikkorps oder wolltest du stilistisch auch wieder etwas mehr über den Tellerrand schauen?

Die Songs bzw. das Album sind ja keine reinen U.D.O.-Sachen, sondern wurden sowohl für Orchester als auch für unsere Band komponiert. Dabei haben wir alle Freiheiten, die es gibt, auf uns zukommen lassen. Es gab jetzt keine Arrangements, die wir extra heavier machen mussten oder so. Und so kam es eben zur großen Abwechslung und auch Songs, die man in dieser Form von U.D.O. gar nicht kennt. Normalerweise machen Bands in dieser Form ja eher Sachen mit Sinfonie- bzw. Streichorchester, aber diesmal haben wir uns für ein reines Blasorchester, also Blech, entschieden, und entsprechend heavy klingt das auch.

Und wie kam es zu der Idee?

Wir haben schon vereinzelt ein paar Shows zusammen gespielt und nach unserem letzten Auftritt haben wir uns ganz klassisch zusammengesetzt und uns gefragt, ob wir nicht mal ein Album zusammen machen wollen. Beide Parteien fanden die Idee gut und man darf sich nicht täuschen, denn in dem Orchester sind auch sehr viele Rocker. Die Songs wurden dann später gemeinsam ausgesucht und am Ende gab es wirklich nur winzige Kleinigkeiten, die man noch etwas harmonischer machen musste. Das war eine recht unkomplizierte und lockere Zusammenarbeit, obwohl das alles in allem ein ganzes Jahr gedauert hat. Wir haben viel gelernt, das Orchester hat viel gelernt, schließlich hat es solch eine Sache auch noch nie gemacht

Und wie kam die einstige Zusammenarbeit mit dem Musikkorps zustande?

Das war eigentlich eine komische Geschichte. Die Idee, mal was mit einem Orchester zu machen, hatte ich zusammen mit Stefan Kaufmann schon vor über 15 Jahren. Doch das klang damals alles zu weichgespült und wir haben dadurch die Idee wieder verworfen. Und dann fand das Mixing zur damaligen "Steelhammer"-Scheibe statt. Und unser Soundengineer hatte mit dem Musikkorps zu tun, das damals einen Auftritt in der Kirche hatte. Und dann gingen Fitty [Wienhold - Anm. d. Red.] und ich dorthin und schauten uns das einmal an. Zunächst dachten wir, die würden passend dazu Weihnachtslieder spielen, aber dann kamen Songs von ABBA und MICHAEL JACKSON. Ich schaute Fitty dann an und sagte ihm, dass das genau das war, wonach ich jahrelang gesucht hatte. Bei den ersten Versuchen hat das Korps dann zu einigen U.D.O.-Songs die Arrangements geschrieben und die Stücke verändert. Das Ergebnis war dann die "Navy Metal Night". Und die Neuauflage dieses Korps kam dann irgendwann noch einmal auf mich zu und wollte das noch einmal machen. Und ein Auftritt, das war in Elspe, ging dann über zwei Stunden, wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, da das Publikum nicht nur aus Rockern und Metallern bestand. Und durch diese tolle Erfahrung entsprang dann die Idee, ein Album gemeinsam zu machen. Und das Ergebnis ist "We Are One".

Mit am Songwriting beteiligt waren auch deine ehemaligen Mitstreiter Stefan Kaufmann, der euch ja 2018 aushalf, und Peter Baltes. Wie kam denn der Kontakt speziell zu Peter wieder zustande und wie war es persönlich für dich, mit den beiden an neuen Songs zu sitzen?

Nach der ACCEPT-Reunion 2005 hatte ich keinen Kontakt mehr zu Peter, hab nur am Rande mitbekommen, dass er vor kurzem bei ACCEPT ausgestiegen ist. Da Stefan von vorneherein bei der Orchestergeschichte als Soundengineer und Komponist mit eingeplant war, musste ich dann zu ihm ins Studio. Und urplötzlich saß dann Peter Baltes bei ihm im Studio und bastelte selbst an Songs. Wir haben uns dann lange unterhalten und er fand unsere Kooperation mit dem Orchester sehr gut, hatte auch selbst schon Ideen, die in die Richtung gingen. Für "We Are One" waren wir offen für neue Ideen, insofern konnte er sich mit einbringen.

Also habt ihr euch 13, 14 Jahre gar nicht gesehen?

Richtig, das war also eine ziemliche Überraschung im Studio, fühlte sich aber so an, als hätten wir uns erst einen Tag zuvor das letzte Mal gesehen. Das hatte aber auch Gründe, warum ich zu Peter ein anderes Verhältnis habe als zu den restlichen Mitgliedern und dabei möchte ich es auch belassen, hehe.

Hat Oberstleutnant Christoph Scheibling selbst denn in den letzten Jahren und Jahrzehnten deinen musikalischen Werdegang verfolgt oder musste er erst einmal lernen, wofür Udo Dirkschneider in der deutschen Musikgeschichte steht?

Da kannte er sich wohl auch aus. Er wusste, wer ich bin und was wir tun. Er war von Beginn an mit Begeisterung dabei und fand es toll, die beiden Komponenten - also Orchester und Band - zusammenzubringen.

Wie schwierig war es denn, mit einem 60-köpfigen Orchester zusammenzuarbeiten?

Nun, ganz so eng haben wir nicht zusammengearbeitet. Wir haben unsere Songs komponiert und danach kamen vom Orchester samt Hauptarrangeure dann deren Parts dazu. Natürlich hat man sich kurzgeschlossen, wie das Ganze ablaufen soll, was passt, was noch nicht so passt und noch verändert werden soll. Genauso kam aber auch vom Orchester das Feedback, welche Stellen noch etwas harmonischer werden könnten. Es war ein gegenseitiges Befruchten. Stefan Reich, der Leiter der Tonabteilung der Kölner Oper, hat das dann in die Hand genommen und das Orchester aufgenommen, während wir unsere Stücke dann bei uns aufgenommen haben. Und dann wurden Band und Orchester zusammengemischt. Das war ein Akt, kann ich dir sagen, hehe.

Von den neuen Songs haben sich 'Love And Sin', 'Children Of The World' und 'Mother Earth' schon recht früh zu meinen Favoriten gemausert. Gibt es Pläne, die eine oder andere Single zu veröffentlichen?

Tatsächlich. Es wird ein Video zu 'We Are One' geben, eine Art Zusammenschnitt der Studioaufnahmen, wo der Prozess dargestellt wird. Dann gibt es demnächst einen Dreh zu 'Future Is The Reason Why' sowie zu 'Neon Diamond' und danach geht es auch schon mit 'Pandemonium' weiter. Da wird einiges auf uns zukommen, die Plattenfirma gibt Vollgas.

Promotion in vollen Zügen?

Absolut. Schließlich gibt es ja auch noch die Presseabteilung der Bundeswehr, die wiederum Kanäle hat, an die wir als normale Metalband gar nicht herankommen. So hat die Kollaboration einen positiven Effekt sowohl für die Bundeswehr als auch für uns, wir erreichen dadurch in Sachen Promotion wesentlich mehr Menschen als wenn wir ein normales U.D.O.-Album herausbringen. Vielleicht interessieren die sich dann auch für unsere Band abseits des Orchesteralbums. Vielleicht kann man dann auch künftig bei U.D.O. ein wenig ausbrechen, also ein paar Sachen ausprobieren, die man sich in der Vergangenheit vielleicht nicht getraut hätte.

"We Are One" hat im Prinzip nur positive Effekte. Wir sind total happy und merken, dass die Platte auch draußen sehr gut angenommen wird. Zumal das auch eine Angelegenheit war, die man in dieser Form noch nicht gehört hat.

Generell geht es auf "We Are One" um sehr viele aktuelle Themen: den Kampf gegen Rechts, den Klimawandel, die weltweite Flüchtlingslage oder auch die Erdverschmutzung. Das waren sicherlich allesamt Themen, die dir speziell auf der Seele brannten, oder?

Absolut. Das war aber ein Stück weit auch Vorgabe des Orchesters, dass es vermehrt um Themen bzgl. unserer Mutter Erde geht. Wenn wir jetzt nicht aufpassen, werden die jüngeren Leute Probleme kriegen.

Wie denkst du denn - fernab von Corona - über die Behandlung der Menschheit mit Mutter Erde, mit ihrer Umwelt?

Das ist eine Katastrophe. Wenn ich Sachen wie Plastikmüll im Meer sehe, dann darf das eigentlich gar nicht wahr sein. Oder man nehme den Song 'Rebel Town': Hier geht es um die Wiedervereinigung, die durch eine menschliche, friedliche Revolution stattgefunden hat. Eine ähnliche Thematik behandelt auch 'Future Is The Reason Why'. Es sind also vorwiegend Themen, mit denen wir uns dringend beschäftigen müssen und die uns allen, also der Band und der Bundeswehr, am Herzen lagen. Und so werden auch die Texte auf dem kommenden U.D.O.-Album etwas kritischer als früher.

Ist "We Are One" ein lauter, musikalischer Weckruf für die Menschen, endlich verantwortungsbewusst mit sich, ihrer Umwelt, ihren Mitmenschen und ihrer Zukunft umzugehen?

Auf jeden Fall, mit absoluter Sicherheit! Wir haben schließlich nur diese eine Welt.

Hätte das Album anders ausgesehen, wenn es nach der Corona-Krise entstanden wäre?

Das könnte sein, durchaus, ja. Aber ich glaube, dass "We Are One", so wie es ausgefallen ist, schon kritisch genug ist, hehe. Dieses Jahr liegt eh erst einmal fast alles auf Eis. Es könnte aber nächstes Jahr ein sehr ereignisreiches folgen, wenn alles wieder halbwegs geregelt abläuft. Wir mussten auch viele Shows und Festivals absagen, hatten Südamerika schon fest eingeplant. Und die Russland-Tour ist jetzt schon zum dritten Mal verschoben worden. Und dann stand auch noch die HELLOWEEN-Geschichte im Raum, da sollten wir ja als Support mit dabei sein. Für die Tour gibt es zwar noch keine konkrete Absage, aber wir müssen einmal abwarten, was da noch auf uns zukommt [Inzwischen wurde auch diese Tour verschoben. - Anm. d. Red.]. Momentan können wir dahingehend auch nur von Tag zu Tag denken.

Zumal HELLOWEEN und DIRKSCHNEIDER gemeinsam an einem Abend für sehr viel Nostalgie gesorgt hätten.

Auf jeden Fall. Das war ja auch vorgegeben, dass wir dann eben als DIRKSCHNEIDER alte ACCEPT-Songs zum Besten geben, obwohl ich mit U.D.O. eigentlich schon genug zu tun habe. Aber so hätte HELLOWEEN Hitparade gemacht, wir natürlich auch, das wären Abende für die Fans geworden. Falls die Tour für Herbst doch abgesagt werden sollte, dann wird sie auf jeden Fall nachgeholt. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wie ich schon sagte, das kann ein sehr intensives Jahr 2021 werden.

Wir harren der Dinge, die da kommen. "We Are One" wird ab dem 17. Juli erhältlich sein.

Redakteur:
Marcel Rapp

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