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VOODOO GODS: Interview mit Alex Voodoo

27.09.2007 | 16:10

Für Alex Voodoo war der frühe Samstagnachmittag beim diesjährigen Wacken Open Air sicher nicht der glücklichste Moment seines Lebens - obwohl es ein großer Augenblick hätte werden können. Denn beim weltgrößten Metal Open Air sollte auch sein Werk präsentiert werden, dass er zusammen mit sechs international renommierten Extrem-Metal-Musikern aufgenommen hatte, unter anderem Nergal von BEHEMOTH und David Shankle, dem Ex-Gitarristen von MANWOAR. Doch wegen Terminschwierigkeiten seiner Kollegen saß er plötzlich fast allein im großen Pressezelt. Kaum ein Journalist interessierte sich dafür, die schreibende Zunft steht eben auf große Namen. Doch Alex Voodoo verzagte nicht und legte das bisher einzige Tonzeugnis seiner Allstar-Band VOODOO GODS ein. Und plötzlich erklangen Töne, mit denen VOODOO GODS, wenn sie denn einmal in kompletter Besetzung auftreten, für Journalisten und Fans gleichermaßen als eine der hoffnungsvollsten Death-Metal-Neuentdeckungen dieser Tage gelten dürften. Denn obwohl es nur eine weitgehend unbearbeitete CD war: Hört man sie sich später zu Hause noch einmal an, sind die Qualitäten unverkennbar. Geboten wird progressiver Death Metal mit unglaublichen Breaks, treibenden Riffs und Melodien, die bei DEATH-Fans durchaus Gänsehaut auslösen könnten. Und da ist eben auch noch die formidable Bandbesetzung: Einen großen Namen hat Alex mit Nergal gefunden, ebenso mit solchen Musikern wie eben David Shankle, Mike Browning (Ex-MORBID ANGEL) oder Seth Van De Loo (SEVERE TORTURE). Auch Hiro von DIES IRAE und Jean Baudin von den NUCLEAR RABBITS machen mit. Grund genug für ein Interview... und um unter http://www.myspace.com/voodoogodsband könnt ihr euch bereits einen Song anzuhören. Geil ohne Ende, versprochen!

Henri:
VOODOO GODS ist ja zuerst einmal ein ganz schön starker Name. Wie seid ihr darauf gekommen?

Alex:
Naja, erst mal hießen wir ja SHRUNKEN HEAD und da ein totaler Neubeginn anstand, habe ich den Namen in VOODOO GODS umbenannt - erst recht, nachdem wir schon sechs Leute hatten. Das ist nun mal God's like! Und als Afrikaner hatte ich ja keine christlichen Wurzeln, daher die Sache mit Voodoo. Es ist mehr ein symbolisches Wort für Spiritualität und den Kampf gegen Missionierung und Christianisierung.

Henri:
Also bist du der Bandkopf? Was hat dich persönlich dazu inspiriert, diese Band zu gründen?

Alex:
Ja, ich schreibe die ganze Musik und auch alle Texte! Ich war ja über vier Jahre hinweg der Tourmanager von VADER und wir haben überall gespielt. Damals fing ich mein Musik-Studium anfing und wollte unbedingt mehr spielen, besonders live. Da ich mit Lee und Tony von MONSTROSITY in Tampa in einem Haus lebte, kam eines zum anderen und ich fing mit Tony an zu jammen. Seth, unser zweiter Sänger, war damals noch Sänger bei CENTURIAN und ich liebte seinen Style. Er kam mit CENTURIAN-Gitarrist Rob nach Bonn und wir probten einige Ideen. Damals war Mike Browning noch unser Textschreiber und seine Lyrics waren ziemlich sick. Ich sehe mich mehr als denjenigen, der seine Musik versucht zu verwirklichen. Es gibt diese Momente im Leben, wo dir halt eine Melodie im Kopf vorschwebt oder auch ein Riff - das baut man dann aus. Und ich hatte eben viele dieser Songs, die ich unbedingt vertonen wollte. Dafür braucht man nicht nur gute Musiker, sondern auch Sänger, die deinem "Ohrwurm" entsprechen. Deshalb sind wir nun auch sieben Mann. Den Bass sollte damals Steve di Giorgio übernehmen, doch er war gerade mit Sebastian Bach im Studio und hatte keine Zeit. So kam die Zusammenarbeit mit Jean zustande und ich war überglücklich, als ich das Resultat hörte, denn er ist nicht aus dem Metal-Lager und klang so viel mehr nach dem Vibe, den ich suchte.

Henri:
Okay, das klingt nach Herzblut, nach viel persönlicher Hingabe. Erkläre doch bitte einmal deinen persönlichen musikalischen Werdegang?

Alex:
Naja, Musik war immer schon im Haus. Meine Mum spielte 30 Jahre lang Klavier und in Kenia faszinierten mich die Trommeln, daher war auch SEPULTURA meine Alltime-Band, obwohl nach "Arise" Schluss war. "Chaos AD" war zwar auch noch gut, aber vom Drumming her doch zu lahm. Ich war immer mehr ein Fan vom "good old Thrash Metal" à la KREATOR, SACRIFICE, SODOM etc. Ich begann wie wohl fast jeder mit Blockflöte, ging dann über zur Gitarre und übte dann fast acht Jahre lang Klavier, was mir enorm beim Notenlesen half. Mit 15 Jahren bekam ich mein erstes Drumset. Ich jammte dann mit mehreren Gitarristen in unserem Keller - und auch während meiner Schulzeit. Eines Tages hatte ich ein Date bei GUERILLIA als Drummer in Köln. Später wurde ich wie gesagt VADER-Tourmanager und Merchandiser - und wir gingen sogar bis Japan. Dann folgte mein Drum-Studium in den USA und noch einige Studio- und Live-Sessions für Schlager- und Pop-Bands. 2001 kam schließlich SHRUNKEN HEAD...

Henri:
Ja. Zurück zu ihnen, die jetzt VOODOO GODS heißen. Ihr habt ja sehr bekannte Namen in ihren Reihen, unter anderem eben Mike Browning (Ex-MORBID ANGEL), David Shankle (Ex-MANOWAR) oder Seth Van De Loo (SEVERE TORTURE). Und natürlich noch Nergal von BEHEMOTH. Stelle uns bitte noch einmal die gesamte Band vor.

Alex:
Wie gesagt, Seth war einer der Gründungsmitglieder von SHRUNKEN HEAD. Wir hatten uns alle etwas aus den Augen verloren und ich begann mit den Aufnahmen meiner Drums und Songideen zu Beginn von 2006 in Olsztyn in Polen, der Heimat von VADER. Mein originaler Plan war einfach, Session-Leute anzuheuern und meine Musik zu realisieren. Dann kam ich auf die Idee die Urbesetzungsmitglieder von SHRUNKEN HEAD zu fragen. Tony sagte sofort zu, obwohl er sehr bei MORBID ANGEL eingespannt war. Und von VADER sagten alle: Frag doch Hiro von DIES IRAE, ob er Gitarre spielen will? Er ist in Polen der Beste in Sachen Session und Metal. So hatte ich also Hiro als Rhythmus- und Tony als Lead-Klampfer. Als dann alle Gitarren und Drums fertig waren, rief ich Nergal an: Er solle doch einige Passagen singen. Er kam und machte seinen Job sooo gut und professionell, dass ich sagte: "Bleib doch in der Band...!" Ich mailte Steve Di Giorgio, doch er war voll ausgebucht und mit Sebastian Bach im Studio und halt ohne Zeit. Wir kannten uns gut, da wir mal zwei Nächte in Straßburg gezecht haben. Ich flog dann nach London und bekam Jeans E-Mail. Ich schickte ihm die Songs und fragte, ob er nicht mal Bock hätte Metal zu spielen. Er sollte nur auf einem Song vertreten sein und als er damit fertig war, hatte ich schon mit Seth telefoniert und auch er sprang ins Boot. Wir nahmen seinen Gesang in Rotterdam auf, wo wir auch Jeans Bass-Lines bekamen. Wir waren geschockt, wie krass er spielte und entschieden, er soll die ganze Scheibe einspielen. Es machte ihm so viel Spaß, dass er dann auch gleich bei VOODOO GODS blieb. Er ist ja ein echter Bass-Guru und in der Bass-Szene ein echter Kult! Tony hatte leider keine Zeit und wir mussten uns nach einem richtig schnellen Lead-Gitarristen umschauen. Seth und ich sprachen und ich meinte: Schau mal das MANOWAR-Bonus-Video mit David Shankle, lass uns mal den fragen, was er so macht. Dann riefen wir David an und es stellte sich heraus, dass er ein großer BEHEMOTH-Fan ist. Er war sofort dabei. Und Mike Browning war schon immer ein guter Freund von mir und in Tampa tranken wir oft einen und sahen uns auf Shows. Er war damals schon für die SHRUNKEN HEAD-Texte zuständig. Ich rief ihn an, da ich noch eine wirklich sicke Stimme brauchte, die nicht typisch Black oder Death ist. Ich meine: Er singt ohne Effekte und alles klingt echt sick und passt super in diese Voodoo-Vibe. Er ist auch ein guter Drummer und im Gespräch sagte er, er wolle auch etwas Percussion mit einbringen was den afrikanischen Flair in den Trommeln verstärkt. Dann waren wir komplett: VOODOO GODS.

Henri:
Okay. Das war jetzt viel Information auf einmal. Wann seid ihr denn nun genau zusammen gekommen?

Alex:
Also 2001 mit Seth und Tony Norman haben wir uns gegründet und 2006 bis 2007 aufgestockt - in die nun ideale Besetzung.

Henri:
Wie oft könnt ihr proben?

Alex:
Das ist so eine Sache. Wir wollen erst das komplette Debüt-Album aufnehmen. Ich beginne damit jetzt Ende September. Aber das ist ein anderes Thema als die Proben. Der Vorteil an so vielen Profis ist, dass man zu Hause proben kann - auch mit Hilfe von den Bändern, die individuell mit den entsprechend fehlenden Spuren gemixt werden. Dann brauchen wir vor den Shows höchstens eine Woche intensiv proben. Alle sind "tight" mit "click" und das vereinfacht vieles.

Henri:
Aber ist es nicht schwer, wenn so viele gestandene Musiker in einer Band spielen?

Alex:
Nein, da wir alle Freunde sind und bis auf Jean und David wir uns schon seit Jahren kennen. David und Jean sind sowieso Profis und keine Ego-Tussen. Ich verbrachte drei Tage mit David während des Magic Circle Festivals und er ist supernett und ein sehr freundlicher und umgänglicher Mensch.

Henri:
Also gibt es keine Probleme mit dem Ego der Künstler?

Alex:
Nein, jeder hat seinen Part und oft ist weniger mehr - paradoxerweise auch mit sieben Musikern.

Henri:
Okay. Dann zu eurer ersten Platte, die demnächst erscheint: Wie wird sie heißen?

Alex:
Wir werden sie nach dem Urnamen der Band betiteln: "Shrunken Head", auch mit dem originalen Logo!

Henri:
Erste Höreindrücke lassen auf eine fulminante Mischung aus DEATH, ATHEIST und NECROPHAGIST schließen. Wie siehst du euren Stil? Beschreibe ihn.

Alex:
Naja, ich habe gezielt auf Blastparts verzichtet und versucht Midtempo mit so genanntem Skunkbeat zu mischen. Dazu versuche ich viele Klassik-Elemente in der Gitarre auszuleben, da ich ein großer Fan von Paganini bin und auch gerne Malmsteen und STRATOVARIUS höre. Man hört das in den Soli. Beim Gesang mag ich Dialoge mit zwei verschiedenen Stimmen - eine Art Frage-Antwort-Konzept. Aber klar, DEATH und ATHEIST sind sicher Einflüsse, die wir alle in der Band haben.

Henri:
Besonders faszinierend finde ich die Trommeln... Welche verschiedenen Einflüsse habt ihr denn verarbeitet?

Alex:
Ich mag straighte Beats sehr - und auch einen normalen Rock-Beat. Allerdings versuche ich diesen durch 64'stel Verschiebungen "aufzuspicen". Das Becken habe ich auch bewusst reduziert, damit es straighter klingt. Ein Song ist ein Ostinati, also eine sich stetig wiederholende musikalische Figur, die vom Drumming von Terry Bozzio beeinflusst ist, der auch bei Frank Zappa getrommelt hat. Ich mische den Bass-Drum mit Ostinati und das mit afrikanischen Rhythmen - und das klingt sehr geil. Bei den staighten Beats mag ich Phil Rudd's Style bei AC/DC. Sehr knapp und sehr treibend... Bass Drums mag ich bei Midtempo am liebsten, triolisch oder als Sechstole. Das gibt der Musik eine dritte Ebene.

Henri:
Wow. Hier kann man ja als Laie noch etwas von Musik lernen. Doch nun einmal zu den Texten. Um was drehen sie sich? Mache dies einmal an einem Song deiner Wahl deutlich.

Alex:
In erster Linie befassen sich die Texte mit der Natur, mit Ritualen und mit Geistern. Im Song "Lion's Reign – Enter The Lion's Realm" geht es beispielsweise um die Herrschaft der Raubtiere, bevor wir Menschen kamen. Und es geht darum, dass die Tiere wieder herrschen sollten. Es ist eine Huldigung an die endlosen Steppen, wo man bis auf die Natur mit Feuer, Sturm und Trockenheit keine Feinde hat - bis auf die, die einen essen. Aber Löwen werden nicht gegessen...

Henri:
Und wie genau habt ihr das Voodoo-Thema, dass eurem Bandnamen ja innewohnt, in eurem Sound verarbeitet?

Alex:
Sehr viel, das hört man am Gesang, wo ich versuche, diese Ritualstimmung und Mystik einzufangen. Meine Texte basieren auch auf diesem Thema.

Henri:
Und wie seid ihr überhaupt auf das Thema Voodoo gekommen?

Alex:
Naja, wie gesagt, ich bin in Afrika aufgewachsen und habe mich schon sehr früh mit diesem Thema befasst. Ich habe früher sehr viele Rituale praktiziert und vieles auch bewirkt. Mit Voodoo und anderen aus Afrika stammenden Religionen und Ritualen kenne ich mich sehr gut aus und es fasziniert mich bis heute.

Henri:
Angesichts der starken Songs kommt zwangsläufig die Frage auf: Wird man VOODOO GODS irgendwann live sehen?

Alex:
Ja, wir haben schon einige Nachfragen von Festivals bekommen. Doch als Erstes wollen wir das neue Album fertig aufnehmen. Dafür habe ich schon alle elf Songs fertig komponiert und auch 90 Prozent der Texte stehen. Dazu gibt es noch einen Hidden-Track, der eine Coverversion sein wird. Dann ist es nur noch eine organisatorische Frage, da vor allem Nergal viel tourt. Der Rest von uns ist einigermaßen flexibel. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir 2008 auf einigen Festivals wüten... Und: Ich möchte nochmals allen danken für den Support und das Interesse an VOODOO GODS.

Redakteur:
Henri Kramer

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