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WEH: Interview mit Erik Evju

21.12.2015 | 14:20

Ein Mann, eine Gitarre - einzigartige Stimmung.

Der Winter ist derzeit im Sparmodus unterwegs, der Bedarf an melancholischer, entschleunigender Musik ereilt uns so kurz vor den Feiertagen trotzdem. Nach dem (für ein akustisches Album) beinahe sensationellen zweiten Platz im Dezember-Soundcheck ist es wieder einmal der richtige Zeitpunkt für ein paar Fragen an Erik Evju, der mit WEH und "Ingenmannsland" den nordischen Weltschmerz in Songs gegossen hat.

Nils: Glückwunsch Erik, "Ingenmannsland" hat in unserem Soundcheck den zweiten Platz erobert. Neben lauter Metal-Platten. Ich hoffe, du bist auch so überrascht wie ich?

Erik: Ja, absolut! Metal ist sehr wichtig für mich - ich weiß das wirklich zu schätzen.

In unserem letzten Gespräch ging es darum, dass WEH ursprünglich ein Ventil für dich war, etwas "anderes" zu machen. Jetzt gibt es das dritte WEH-Album, stilistisch halten sich die Änderungen aber im Rahmen. Was wolltest du mit "Ingenmannsland" erreichen?

Mein Ziel hat sich nie verändert. Ich will immer einfache Songs schreiben, die viel Atmosphäre haben. Ich will das auch gar nicht zu sehr analysieren, aber das Fundament WEHs besteht aus der Gitarre und meiner Stimme. Manchmal ändere ich hier und da etwas, aber immer nur Kleinigkeiten. Solange die Atmosphäre rüberkommt, ist mir das andere egal. Die Texte tragen hoffentlich auch ihren Teil dazu bei.

Der Titel deines neuen Albums bedeutet übersetzt Niemandsland, ein Begriff aus dem Ersten Weltkrieg. Ist WEH jetzt politisch geworden?

Das neue Album ist genau so unpolitisch wie die bisherigen Alben auch. Ich denke bei diesem Projekt überhaupt nicht an Politik, denn wäre das der Fall, würde es meinen künstlerischen Zugang zerstören. Dennoch sind die Songs existentialistisch, würde ich behaupten. Die Menschen sollen von mir nicht indoktriniert werden, sondern nur meine Geschichten hören. Was du als Zuhörer aus den Geschichten machst und hineininterpretierst, bleibt ganz dir selbst überlassen.

Die Artworks bei WEH waren bislang immer in schwarz-weiß gehalten, jetzt gibt es zum ersten Mal Farbe (die s/w-Version kann man bei Facebook sehen). Was hat es mit dem Artwork von Joseph Mlodik auf sich?

Ich wollte einmal jemanden anders entscheiden lassen, wie ein WEH-Album aussehen kann. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, es ist ein ganz anderer Stil als das, was ich vorher so ausgewählt hatte. Eine tiefere Bedeutung gibt es nicht. Die einzige Vorgabe war, Farben zu verwenden. Und ich finde, das funktioniert ziemlich gut. Mir gefällt der Kontrast zwischen dem Schönen und dem Harschen.

Die Inspiration für deine Musik beziehst du ja nicht nur aus anderer Musik, die du hörst, sondern auch aus Büchern und Filmen. Welche Einflüsse haben dich in letzter Zeit begleitet?

Da hast du recht, ich lasse mich von vielen Dingen beeinflussen. Allerdings würde ich sagen, dass es eher im Unterbewusstsein stattfindet. Daher kann ich auch nicht wirklich etwas aufzählen, aber letztendlich geht es auch hier um die Stimmung, in die ich mich versetzen will. Ich kann keine Songs schreiben, wenn ich nicht in der passenden mentalen Verfassung dazu bin.

Der Song 'Der Lå Et Hav Av Ild' erinnert mich an BURZUMs elektronische Musik. Hast du darüber nachgedacht, diese Seite von WEH stärker auszuloten oder gar ein Album in diesem Stil zu veröffentlichen?

So sehr ich Keyboards oder Synthesizer mag, aber ich persönlich würde sie nie so zentral einsetzen. Also nicht mehr als auf den letzten Alben, die ich gemacht habe. Für die Instrumentierung bei WEH ist das nur ein Nebeneffekt, der im Fall von 'Der Lå Hav Av Ild' ganz gut funktioniert und die Scheibe etwas auflockert. Wo du von BURZUM sprichst: Ich mag die elektronischen Songs der Metal-Alben eh mehr als die rein elektronischen Platten, es gibt scheinbar ein von mir präferiertes Muster. Weniger ist manchmal mehr, und so ...

Der Vinyl-Boom ist immer noch in vollem Gange - bei Musik wie der von WEH möchte man doch an langen Winterabenden zuhause sitzen und die Schallplatte hören, was meinst du?

Schön, dass du das so siehst. Ich hätte liebend gern einen Vinyl-Release bei Soulseller Records, so ist es nicht. Aber derzeit gibt es einfach keine Pläne in dieser Richtung.

Danke für deine Zeit, Erik!

Und ich danke euch für den Support in den letzten Jahren - immer schön, von euch bei Powermetal.de zu hören. Stay in touch!

Redakteur:
Nils Macher

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