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WELLE:ERDBALL : Interview mit Honey

27.04.2017 | 08:27

So klingt der Sommer: Mit "Gaudeamus Igitur" veröffentlicht WELLE:ERDBALL den Soundtrack für die warme Jahreszeit. Wir sprachen mit Honey über Vespas und den perfekten Sommer.

"Gaudeamus Igitur" - Lasset uns fröhlich sein! Das perfekte Motto für einen perfekten Sommer, so lautet auch der Titel der neuen EP der Elektro-Popper von WELLE:ERDBALL. Dem etwas sperrigen lateinischen Ausspruch zugrunde liegt ein jahrhundertealtes Studentenlied, wie Honey uns erklärt: "Das Lied gibt es schon seit Jahrhunderten. Wir wollten es schon bei unserer letzten Sendung covern, doch haben uns letzten Endes dann doch für 'Die Gedanken sind frei' entschieden." Verschoben ist jedoch nicht aufgehoben und so fand 'Gaudeamus Igitur' seinen Weg eben dieses Mal auf die neue Platte. "Ich wollte das mit ganz vielen Stimmen aufnehmen - wie in einem Fußballstadion. Der Text ist einfach klasse. Jede Universität hat seine eigene Übersetzung und es gibt bestimmt 200 Strophen." Alle zu singen hätte jedoch auch die Kapazität des Albums überschritten, stattdessen entschieden Honey und Co. sich für die beste Fassung. 

Neben der Fröhlichkeit dreht sich auf "Gaudeamus Igitur" alles um nostalgische Sommergefühle. Dabei kam eines zum anderen, berichtet Honey: "Begonnen hat alles mit dem Motorroller. Den fährt man bekanntlich ja am liebsten im Sommer. Dann kam die 'L'Inconnue de la Seine', der man im Winter kaum begegnet. Da ist die Seine ja zugefroren." Immer wieder kamen neue Lieder dazu, doch ausschlaggebend war schließlich das Release-Datum. "Zum ersten Mal seit 25 Jahren WELLE:ERDBALL strahlen wir eine Sendung im Sommer aus", so der Sänger. Natürlich, räumt er im nächsten Satz ein, sei der 28. April noch nicht ganz Sommer. "Aber es geht in den Sommer hinein", rechtfertigt er sich augenzwinkernd. Auch seine eigenen Vorstellungen vom idealen Sommer sind in die Stimmung des Albums eingeflossen. "Mein perfekter Sommer ist auf jeden Fall eine Tour mit der Vespa 50N Special, 28 Grad, Freibad - alles, was halt zum klassischen Sommer dazugehört." Schließlich ist der bekennende Fünfziger-Jahre-Fan selbst Besitzer des edlen Gefährtes: "Ich brauche nur wenige Schritte in den Garten zu gehen und dort stehen drei Vespas." Er lacht. "Wir singen ja von nichts, wovon wir keine Ahnung haben."

Auf eine andere Art und Weise gehen die Vespas ab Ende April mit ihrem Besitzer auf Tour. Nämlich auf die WELLE:ERDBALL "Vespa 50N Special"-Tour, mit der die Electro-Popper die Clubs der Republik unsicher machen. "Natürlich kommen die Vespas mit, sonst wäre es ja keine Vespa-Tour", versichert Honey uns. Allzu viel wolle er noch nicht verraten, doch so viel sei gewiss: Die Bühnen-Show sei erweitert worden und es seien viele Überraschungen geplant. Zu einem kleinen Einblick lässt er sich schließlich doch hinreißen: "'L'Inconnue de la Seine' wird tatsächlich aus Seine-Wasser heraus gesungen."

Überraschungen sind auch auf dem neuen Album selbst zu erwarten: "Wir haben sehr viele Ostereier auf der Scheibe", verrät Honey. So gebe es mehr Songs als auf der Trackliste angegeben, diese müsse der Hörer eben suchen. "Außerdem gibt es ein Gewinnspiel in Form eines IQ-Tests und als besonderes Gimmick eben einen Sticker für die Vespa", zählt er auf.
Auf die Frage, ob das Artwork auch in der Hand der Musiker von WELLE:ERDBALL liege, reagiert er fast schon empört. "Natürlich machen wir das selbst, das haben wir sogar selbst fotografiert!" Als Fotomodell stand so unter anderem seine eigene blaue Vespa im Mittelpunkt. Als große Deutsche-Fünfziger-Jahre-Fans entwickelten sie zusammen das Foto einer jungen Dame, die mit ihrer Vespa auf freier Straße gen Italien braust. "Das Cover liegt eigentlich auf der Hand", so Honey.
Was WELLE:ERDBALL so an dieser Epoche der jüngeren Geschichte begeistert? "Das Wirtschaftswunder war schon eine feine Sache", beginnt er. Außerdem haben damals alle besser ausgesehen. "Es war eine perfekte Mischung aus Mode und Design. Außerdem wurde Deutschland mit Erhard und Adenauer nie besser regiert", führt er weiter aus. Die Erkenntnis liegt da nicht fern: "Wir müssen wieder zurück."

Seine geliebte Vespa ist da nur ein Beispiel für die Qualität der damaligen Zeit: "Da ist kein Stück Plastik dran. Alleine das ist schon ein Grund, warum man noch einmal in die Fünfziger reinschauen sollte", resümiert er. Auch die Musik soll damals gar nicht so schlecht gewesen sei, fügt er hinzu.
Apropos Musik: Wie sind die Rollen eigentlich bei WELLE:ERDBALL verteilt? "Ich übernehme das Songwriting hauptsächlich", so Honey. "Aber die Rollen sind bei uns unterschiedlich verteilt. Wir machen ja von Bühnenaufbau bis hin zu den Kostümen alles selbst." So schneidert eine Person die Klamotten, der nächste schweißt fürs Bühnenbild... "Jeder hat seine Aufgabe."

Besonders stolz ist Honey auf den Song 'Stirb mir nicht weg (C=64)'. "Auf dem AMPHI-Festival in Köln haben wir im vergangenen Jahr mit ca. 1.000 Leuten einen Workshop gemacht: Wie macht man Musik mit dem Commodore 64?" Die Ambitionen waren groß, denn den dabei entstehenden Song wollte WELLE:ERDBALL bereits am darauffolgenden Tag auf dem Schiff spielen. "Ich habe die ganze Nacht geackert, damit der Song am nächsten Tag so stand", gesteht er. "Dieses Stück ist quasi von 1.000 Leuten geschrieben worden", erzählt er stolz. "Außerdem ist es in nur 6 Stunden entstanden."
Sein Liebling ist und bleibt jedoch das Lied 'Die letzte Chance zu leben'. "Dieser Song ist genau 1:1 so geworden, wie er werden sollte." Wenn man Musik mit dem Computer mache, sei der Computer oft der Kompromiss. "Bei diesem Song ist alles mit analogen Synthesizern und alten Orgeln eingespielt worden", verrät er. Schließlich richtet er noch einen abschließenden Appell an die Leser und Hörer von "Gaudeamus Igitur". "Die Menschen sollten einfach mal ihren Kopf ausschalten und den Sommer genießen. Immerhin haben wir die Musik dazu geschrieben!"

Redakteur:
Leoni Dowidat

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