WITHERING SURFACE: Interview mit Jacob Krogholt

01.01.1970 | 01:00

Wer sich die neue Scheibe "Force The Pace" von WITHERING SURFACE anhört, wird schnell erkennen, dass gut gemachter Melodic Death nicht unbedingt aus Schweden kommen muss. Die Dänen vereinen auf ihrem vierten Langeisen Abwechslungsreichtum und packende Melodien, knüppeln sich aber gleichzeitig auch so heftig durch die Landschaft wie noch nie zuvor in ihrer Karriere. Klarer Fall, dass bei so einem formidablen Rundling Gesprächsbedarf besteht. Axeman Jacob Krogholt stand mir Rede und Antwort.


Stephan:
Das neue Album ist ein ganzes Stück heftiger ausgefallen als der Vorgänger. Wart ihr einfach nur angepisster, als ihr die Songs geschrieben habt, wolltet ihr ganz bewusst eine härtere Klinge schwingen oder was ist der Grund für den aggressiveren Touch auf "Force The Pace"?

Jacob:
Wir alle wollten ein härteres und aggressiveres Album als das vorherige einspielen, also kam das ganz von selbst, als wir begannen die neuen Songs zu schreiben. Ich muss zugeben, dass das Album noch heftiger geworden ist, als ich mir das vorgestellt hatte, aber ich für meinen Teil finde das einfach großartig.

Stephan:
Stimmt es, dass ihr euch von eurem Keyboarder getrennt habt (der auf der Vorgängerscheibe "Walking On Phantom Ice" noch mit dabei war)? Wie löst ihr dieses Problem live, wenn ihr die älteren Songs spielt?

Jacob:
Wir haben angefangen live mit gesampelten Keyboards und Clicktracks zu spielen und das schließt die Songs von "Force The Pace" und "Walking On Phantom Ice" ein. Die wenigen Songs, die wir noch von den ersten beiden Alben spielen, bringen wir einfach "straight ahead", also komplett ohne Keyboards und Clicktracks. Wir haben bereits seit langer Zeit darüber gesprochen, dass wir das so machen wollen und es funktioniert sehr gut.

Stephan:
Warum ist erst "Force The Pace" euer erstes Album, das von einem dänischen Produzenten und nicht wie bei den drei Malen zuvor, von einem schwedischen aufgenommen wurde? Immerhin habt ihr einige großartige Produzenten in Dänemark, ich denke da neben Tue Madsen (der "Force The Pace" klanglich veredelt hat) auch an Jacob Hansen und Tommy Hansen. Warum also dieser schwedische Einschlag auf den früheren Scheiben und warum jetzt der Wechsel?

Jacob:
Nun, die "vielen" großartigen Produzenten aus Dänemark beschränken sich auf genau diese drei, die du genannt hast. Als die Jungs die ersten beiden Alben aufnahmen, war ich ja noch nicht in der Band, aber da gab es im Grunde genommen nur Jacob Hansen, der gute und extreme Metalproduktionen gemacht hat. Tommy war eher für Power Metal und Rock bekannt und Tue wurde erst später ein Vollzeit-Produzent.
Das Problem war, dass beinahe jede Metalband in Dänemark bei Jacob Hansen anheuerte und unsere Jungs wollten einfach etwas anderes machen. Einige sehr gute Produktionen kamen eben von Fredrik Nordström, außerdem war er bezahlbar und angesehen, also war es eigentlich eine nachvollziehbare Wahl.
Bei "Walking On Phantom Ice" wollten wir mal etwas anderes ausprobieren, es sollte organischer und mehr in-the-face klingen, also war Berno Paulsen unser Mann. Eigentlich hatten wir auch für das neue Album bereits sein Studio gebucht, aber als Copro Records absprangen, mussten wir umplanen und unser Budget wurde kleiner. Tue hat bereits sehr gute Produktionen gemacht und hatte Zeit um uns auszuhelfen. So geschah es und er war eine absolut gute Wahl.

Stephan:
Ich mag das Cover von eurem neuen Album sehr, denn es ist überhaupt nicht klischeehaft und man kann es auf verschiedene Weise interpretieren. War das eure Zielstellung und spiegelt das Cover das lyrische Konzept der Songs wider?

Jacob:
Vielen Dank. Wir wollten auf keinen Fall eines dieser gewöhnlichen Klischee-Cover mit Totenköpfen und Pentagrammen oder so etwas verzapfen. Ein guter Freund von uns fand dieses Bild und wir mochten es sehr. Als wir merkten, dass Michaels Texte sich um Ehrgeiz, Willenskraft und inneren Antrieb drehen würden, schien das Bild als Metapher für dieses Thema perfekt zu passen. Also haben wir das gesamte Coverkonzept rund um Bewegung und Geschwindigkeit an dieses Bild und die Verbindung zu den Lyrics angelehnt.

Stephan:
Was war der Grund für den Release von "Ichor" (Mini-CD aus dem letzten Jahr), das keinen neuen Song beinhaltete, dafür aber zwei unreleaste und zwei rare Stücke?

Jacob:
Wir wollten etwas Besonderes für unsere Die-Hard-Fans tun, auch damit wir wieder auf uns aufmerksam machen konnten. Wir brachten die Scheibe selbst heraus und pressten nur 1000 Stück davon, es war halt einfach nur eine kleine Sache, die uns Freude machte.

Stephan:
Bist du der Ansicht, dass ihr viele Gemeinsamkeiten mit dem typischen Melodic Death aus Schweden habt?

Jacob:
Wir alle mögen schwedische Bands wie SOILWORK und IN FLAMES und natürlich gibt es offensichtliche Parallelen in unserer Musik. Allerdings denke ich schon, dass wir unseren eigenen Sound und Stil im Bereich des Melodic Death Metal haben. Ich verstehe die schamlosen Vergleiche mit beispielsweise IN FLAMES nicht, die wir manchmal zu hören bekommen, obgleich ich schon verstehe, dass wir alle versuchen zu kategorisieren.

Stephan:
Wie sehen eure Zukunftspläne aus und was ist dein größter Wunsch in Verbindung mit WITHERING SURFACE?

Jacob:
Es ist geplant Ende dieses Jahres auf Tour zu gehen. Wir werden einige Gigs in Dänemark und Schweden spielen und im Oktober dann auf Europatour gehen. Da freue ich mich schon sehr drauf! Mein größter Traum ist es mehr Touren dieser Art zu spielen. Wovon träumen alle Musiker? Anerkennung und von der Musik leben zu können, und das schließt auch mich ein.

Stephan:
Wie findest du eure Landsmänner von HATESPHERE und ihr neues Album "Ballet Of The Brute", das am selben Tag wie eure neue Scheibe von Scarlet Records herausgebracht wurde?

Jacob:
Sie sind eine tolle Band, besonders live. Das neue Album ist okay, aber ich mochte das vorherige besser, da die Songs darauf eingängiger waren. Dennoch ist es schön mit solch einer guten Band auf dem selben Label zu sein, denn das lässt auch uns besser da stehen, haha.

Stephan:
Wie populär ist Metal in Dänemark, habt ihr eine florierende Metalszene?

Jacob:
Metal erhebt sich langsam wieder und die Dinge sehen wieder rosiger aus. Ich glaube, die extreme Metalszene wird eine maximale Größe erreichen und ein oder zwei Bands werden es in den Mainstream schaffen. Aber natürlich gehört der Metal hauptsächlich in den Underground, so laufen die Dinge nun einmal.

Stephan:
Glaubst du, dass durch den stärkeren Erfolg und die wachsende Popularität von Bands wie MNEMIC und RAUNCHY die dänische Metalszene generell mehr Aufmerksamkeit in ganz Europa bekommt und dass sich das auch auf andere dänische Bands wie eure auswirkt?

Jacob:
Ja, es scheint zur Zeit ein generelles Interesse an dänischen Bands zu geben und offensichtlich sorgen gute Bands wie RAUNCHY und MNEMIC für Aufmerksamkeit. Du weißt sicher, dass die dänische Szene viele Jahre lang nicht besonders gut war und plötzlich waren viele tolle Bands da und die Leute dachten nur: "Was ist denn dort los, lass uns das mal anschauen". Und das ist natürlich auch gut für unsere Band. Mittlerweile hat die Szene eine gesunde Konkurrenz hervorgebracht, bei der sich die Bands gegenseitig inspirieren und hart arbeiten um noch besser zu werden. Momentan haben wir also wirklich eine funktionierende Szene in Dänemark.

Stephan:
Hat sich das Roskilde Festival eigentlich von dem tragischen Vorfall aus dem Jahre 2000 wieder erholt, als neun Festivalbesucher bei einem Unfall ums Leben kamen, oder liegt das immer noch wie ein Schatten über dem Festival? Wie hast du damals von der Tragödie erfahren?

Jacob:
Es war ein riesiges Trauma für jeden, als der Unfall, das "Unmögliche", passierte. Ich war gerade auf dem Weg zur Main Stage um mir THE CURE anzusehen, als wir hörten, dass ein Unfall passiert sei. Überall waren Krankenwagen und Leute in Panik. Wir bekamen die Nachricht dann von der Main Stage und es war so unbegreiflich, wir waren alle total geschockt.
Ich würde schon sagen, dass sich das Festival davon erholt hat, zumindest in dem Sinne, dass Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden und das Leben ja auch irgendwie weiter gehen muss. Die Leute feiern miteinander, aber sie passen heutzutage auch mehr aufeinander auf. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Stephan:
Bist du eigentlich ein Fußballfan? Was glaubst du, wie weit wird das dänische Team bei der Euro 2004 kommen und wer wird Europameister?

Jacob:
Ja, ich mag Fußball, aber ich schaue es mir nicht so oft an, aber zumindest immer dann, wenn unsere dänischen Jungs spielen. Nun, die Europameisterschaft ist mittlerweile vorbei und ich muss sagen, dass wir nicht so gut gespielt haben, aber wir gehören immerhin offiziell zu den acht besten Teams in Europa, haha. (Und das kann nicht jeder von sich sagen – d. Verf.)

Stephan:
Was ist deine bisherige Lieblingsplatte in diesem Jahr und welche für dich bisher die größte Enttäuschung?

Jacob:
Ich habe kürzlich die neue NEUROSIS "The Eye Of Every Storm" gehört und die hat mich total umgehauen. Sehr anregend, sehr heftig. Auch die Neue von DILLINGER ESCAPE PLAN ist sehr cool. Die beste dänische Scheibe bis jetzt ist RAUNCHY’s "Confusion Bay", und das nicht, weil sie unsere Kumpels sind, sondern weil sie verdammt fett rockt. Keine weiteren Erklärungen nötig.
Die größte Enttäuschung? Ich weiß nicht recht, es gibt eine Menge Scheiße da draußen.

Stephan:
Letzte Worte?

Jacob:
Nun, testet unser neues Album "Force The Pace" an, das über Scarlet Records veröffentlicht wurde. Ich mag es sehr. Hoffentlich sehen wir uns auf Tour im Oktober, bislang wird die Tour Gigs in Deutschland, Holland, Italien und der Schweiz umfassen. Also haltet Ausschau nach WITHERING SURFACE-Livedaten und passt auf euch auf.

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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