Wir, die Szene: Die Hamburger Konzertveranstaltertruppe LaSY GbR

05.07.2019 | 17:39

Hinter der Firmenbezeichnung LaSy GbR verbergen sich ein paar Hamburger Musikverrückte, die seit einiger Zeit in der Hansestadt sehr exklusive Liveveranstaltungen auf die Beine gestellt haben. So gab es in jüngster Vergangenheit Konzerte von Y&T, TRIUMPH, aber auch GOBLIN, die Band um Claudio Simonetti, ist bereits nach Hamburg geholt worden, um ihre Filmmusiken aufzuführen. Da in nächster Zeit wieder ein paar extrem tolle Veranstaltungen anstehen, haben wir ein Interview mit Oliver Lange geführt, einem der beiden CEOs.

Erzähl mal ein bisschen was über die Entstehung von LaSy GbR. Es gibt Euch seit 2000, aber so richtig wahrgenommen habe ich Euch erst so vor ca. 2 Jahren.

Das liegt daran, dass wir anfangs nur wenige Konzerte und diese auch in 2-3 Jahresabständen veranstaltet haben. Erst seit 2014 promoten wir regelmäßig Gigs in Hamburg, die Band Y&T war der Auslöser.

Was genau macht Ihr?

Beruflich sind wir auf ganz anderen Schienen unterwegs, Bautechnik und Buchhaltung, also weit ab von Musik - somit sind die Konzerte immer ein gelungener Ausgleich und eine willkommene Abwechslung. Was LaSy Gbr betrifft, so sind wir als lokaler Veranstalter in Hamburg unterwegs und machen neben dem Booking die komplette Organisation, also das, was alle Veranstalter machen.

Man merkt, dass Ihr Euch auf Interpreten konzentriert, die Euch selbst sehr am Herzen liegen. Ist dies die einzige Gemeinsamkeit und Bedingung, wenn ihr Veranstaltungen organisiert?

Ganz klares Ja! Zudem versuchen wir einmalige Events zu präsentieren oder Bands nach  Hamburg zu holen, die hier noch nie oder nur selten gespielt haben. Auch spezielle one-off Shows gehören zu unserem Spektrum, beginnend im Jahr 2001 mit der erstmaligen Aufführung des URIAH HEEP-Liedes 'Salisbury' mit Ken Hensley, John Lawton, Henjo Richter und Orchester oder nun im Oktober 2019 mit der Band DEMON, wo zum allerersten Mal deren 1989er Album "Taking The World By Storm" in voller Länge dargeboten wird.

Wann kam die Idee zum Indoor Festival und wie war die Resonanz bis jetzt?

Die Idee hatten wir schon seit einigen Jahren, wollten aber erst mal Erfahrung mit Einzel-Gigs sammeln. In 2018 hatten wir dann die einmalige Chance Bands wie TREAT, THE POODLES, CRASHDIET und VEGA an einem Tag zu buchen. Daraus entwickelte sich die Idee zum Indoor Summer Festival. Indoor übrigens, weil wir uns niemals trauen würden in Hamburg ein Open Air zu veranstalten. Und da THE POODLES eh gerade auf Tour mit SWISSMAYD und DEGREED waren, hatten wir dazu die Möglichkeit diverse Acoustic Sets im Programm mit aufzunehmen, das gab mit der weiteren Akustikshow des ehemaligen WIG WAM-Sängers Age Sten Nilsen die Möglichkeit, das Ganze als Festival aufzuziehen. In diesem Jahr wollen wir das nun erstmalig über zwei Tage versuchen und die Resonanz ist sehr, sehr gut. Wir erwarten Fans aus ganz Europa und haben sogar schon Tickets in die USA und Brasilien verkauft.

Wenn man sich die rückläufigen Verkaufszahlen von physischen Musikdatenträgern ansieht, aber das steigende Interesse an Vinyl und an Konzerten, würdest Du der These zustimmen, dass alles mehr auf Nischen ausgerichtet ist und dass Musik immer mehr zum Luxusgut/-event wird?

Die Tendenz ist sicherlich nicht abzustreiten, obwohl ich der Meinung bin, dass gerade im Hard'n'Heavy Bereich seit jeher ununterbrochen das Interesse an Vinyl oder Special Editions besteht. Und dabei ist es egal, ob man AOR, Power Metal, Thrash Metal oder Progressive Music oder was auch immer präferiert, wenn man denn in Genres denken möchte. Die Fans sind meines Erachtens eher an haptischen Objekten der Tonträger interessiert. Den Begriff Luxusgut würde ich bei Tonträgern, trotz vieler sehr teurer Special Editions oder Import-Alben, noch nicht nutzen. Bei manchen Konzerten, mit den diversen unterschiedlichen Ticketangeboten, bin ich jedoch geneigt zu sagen, dass so was immer mehr zum Luxusevent wird. Es betrifft zwar im großen Rahmen die Mega-Acts, aber ich habe selbst bei kleinen Clubkonzerten erlebt, dass der/die Künstler nach der Show nur CDs gegen einen Obolus signieren wollte. Aber das ist zum Glück (noch!) die Ausnahme.

Hamburg hat jetzt mit dem HELL OVER HAMMABURG, Eurem INDOOR FESTIVAL und in diesem Jahr noch mit dem TRUE THRASH FEST gleich drei Hallenfestivals am Start. Wie viele derartige Veranstaltungen "verkraftet" eine Stadt und wann kommt das erste Outdoor-Festival in Hamburg (oder ist das HOA zu dicht dran?)

Das ist tatsächlich eine wichtige Frage, die wir uns im Vorfelde gestellt haben. Gar nicht im Bezug auf die genannten Festivals, da die Musikausrichtung bei uns doch eine komplett andere ist, sondern eher im Bezug auf die vielen Melodic-Rock-Festivals in Europa. Da müssen wir einfach abwarten, wie das Line-up angenommen wird, da für die Anzahl der Fans dieser Musikrichtung schon ein sehr gutes Angebot über das Jahr verteilt vorhanden ist. Hell Over Hammaburg ist da komplett außer Konkurrenz, das Festival ist etabliert und zu recht eine feste Größe in der Szene, und das True Thrash Fest hat so ein geiles Line-up, das wird ebenso ein Selbstgänger werden. Und bei den Zuschauern, die zum Indoor Summer gehen, wird es nur partiell Überschneidungen mit den anderen Indoor Festivals geben. Outdoor käme für uns, wie oben erwähnt, nicht in Frage.

Beim Indoor Summer Festival haben wir Bands aus den Genres AOR, Glam Rock, Sleaze Rock und Melodic Rock eingeladen. Wir möchten diese Musikrichtungen wieder präsenter im norddeutschen Raum machen und uns für den September damit als feste Einrichtung positionieren. Die Fans werden neben den etablierten Bands in diesen Genres, wie z.B. ECLIPSE, THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA oder TYKETTO auch eher unbekannte oder neue Bands sehen. Es gibt einen kleinen, aber treuen AOR-Markt. Es gibt einen "harten Kern" europaweit, diese Fans reisen auch mehrmals im Jahr zu Konzerten und Festival. Diesem Publikum muss man auch Bands bieten, die selten auf Tour sind - und es gibt die Fans, die eher auf bekannte Bands reagieren. Wir möchten beide Gruppen bedienen und wir denken, dass das mit der Auswahl des diesjährigen Festivals gelungen ist. Tickets (Tages- wie auch 2-Tagestickets) gibt es noch, unter anderem zu erwerben auf unserer Homepage: www.teamfortheshow.com

Neben hochkarätigen Melodic-Hard-Rock-Acts habt ihr auch spannende Filmmusik-Konzerte im Programm. Berichte mal darüber etwas.

Als alte Horrorfilmfans waren wir immer fasziniert von der Filmmusik einiger Klassiker. Gerade die italienischen Produktionen waren da weltweit führend. Erst in Zeiten von Facebook jedoch war es möglich, endlich mal Kontakt zur legendären Band GOBLIN oder Fabio Frizzi aufzunehmen. Nach der ersten Kontaktaufnahme lief alles andere wie von selbst. Die Künstler brannten darauf, die Songs auf der Bühne zu präsentieren und wir fanden, es wäre eine klasse Idee so einen Abend mit einer jeweiligen Kinovorstellung, passend zu den jeweiligen Künstlern, anzubieten. So gab es nach dem Konzert von GOBLIN den Film "Suspiria" und nach dem Konzert von Fabio Frizzi den Klassiker "Zombi 2" zu sehen. Diese Konzerte sind absolut mit nichts zu vergleichen, weil die visuelle Darbietung der Musik auf den Konzerten sehr intensiv ist. Die Musik wird nämlich vor jeweiligen Filmausschnitten auf einer Leinwand auf der Bühne präsentiert.

Was ist in Zukunft geplant?

Wir hoffen, dass das Indoor Summer Festival angenommen wird und es sich zu einer jährlichen Veranstaltung etabliert. Im Soundtrack-Bereich wäre John Carpenter ein großer Wunsch. Ansonsten haben wir noch so viele Bands auf unserer Liste, da wird es immer neue Projekte geben. Und viele unserer Lieblingsalben feiern immer wieder Jubiläum, somit sind auch speziellen One-Off-Events Tür und Tor geöffnet.

Wenn Geld keine Rolle spielen würde, was wäre Euer Wunschkonzert/Festival?


Neben John Carpenter, eine allerletzte Show von den Kanadiern TRIUMPH. Und Bands wie NIGHT RANGER, BOSTON, TEAZE, SKAGARACK, SHOW-YA und FIREHOUSE würden wir als Support dazu holen hahaha!

Wie kann man Euch unterstützen?

Gerne überall wie es passt, Hinweise findet man bei Facebook, Instagram, in den Foren und Reviews von den Konzerten.

Redakteur:
Holger Andrae

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