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Wir, die Szene: Tendenz Heavy und vor allem Hard. Jens Molle im Gespräch

10.03.2019 | 23:13

Der Mann, geboren im November 1965 in Berlin, dürfte vielen Metal-Liebhabern vor allem im Osten Deutschlands ein Begriff, ein Name, wenn nicht sogar ein wichtiger Einfluss in ihrer Musiksozialisation gewesen sein. Er zelebrierte gemeinsam mit Matthias Hopke Ende der achtziger Jahre die Spartensendung "Tendenz Hard bis Heavy" auf dem Jugendradiosender DT64, wo sie über die AMIGA-Lizenz-Platten hinaus immer mehr "härtere Rockmusik" und Metal einem sehr interessierten Publikum vorstellten.

Dieser Sender hatte sich in Folge des Weltjugendtreffens 1964 in der DDR gegründet und hatte in den Achtzigern mehrere wichtige Sparten "moderner" Musik im ständigen Programm etablieren können. So gab es neben der "Tendenz" zum Beispiel auch die Sendung "Electronics" von Olaf Zimmermann, der auch heute noch als ein absolut anerkannter Experte der Elektro-Musik regelmäßig im Programm des Berlin-Brandenburger Senders Radio Eins zu hören ist.

Jens Molle arbeitet ebenfalls seit April 1988 als Musikredakteur beim Radio (Jugendradio DT 64, Rockradio B, Fritz, Radio Eins) und ist heute Rechercheur und Dokumentar beim Rundfunk Berlin-Brandenburg, arbeitet dort vor allem das ehemalige SFB-Musikarchiv auf.

Weil er einen sehr großen Einfluss auf die Musikinteressen dieses Interviewers ausgeübt und sich größtenteils aus der direkten Einflussnahme als Radiomoderator und Musikredakteur verabschiedet hat, wurden die Antworten auf unsere Fragen mit großer Spannung erwartet.

Über die Zeiten des Umbruchs und der Vielfalt in den frühen Neunzigern, genervte Zensoren, die Einflüsse und Veränderungen des (Extreme) Metals seither und wie Jens Molle die Entwicklungen in diesem tollen Genre mit all seiner Vielfalt bewertet.

 

Hallo Jens, ich bin sehr froh, dass wir uns unterhalten können! Wie geht es Dir gerade?

Danke der Nachfrage, mir geht es momentan eigentlich ziemlich gut.

Ich komme gleich mit der Metalltür ins Haus: Du bist einer der größten Einflüsse, die mein Musikinteresse und mich dementsprechend prägten. Kennengelernt habe ich Dich im DDR-Jugendradio DT 64, wo ich die Sendung "Tendenz Hard bis Heavy" für mich entdeckte. Wann hast Du diese Sendung denn übernommen?

Mitte April 1988 habe ich als absoluter Quereinsteiger beim Jugendradio DT 64 angefangen, und zwar sowohl als Musikredakteur für Aufgaben im ganz normalen Tagesprogramm als auch als Redakteur und Moderator für "Tendenz Hard bis Heavy". Matthias Hopke war zum damaligen Zeitpunkt der einzige Verantwortliche für die Sendung und die Redaktionsleitung dachte wohl, dass ein zweiter Mann nicht schaden könne. Meine erste Sendung dürfte dann so ungefähr drei bis vier Wochen später gewesen sein.

Ich erinnere mich, dass "Tendenz Hard bis Heavy" zweigeteilt war, sich sozusagen im Härtegrad der Musik steigerte. Anfangs die rockigen, Hard-rockigen, "seichteren" Sachen, danach der extremere Teil, den Du vertreten hast: Grindcore, Death Metal, Black Metal. Stimmt da meine Erinnerung? Und wenn ja, warum war das so?

Deine Erinnerung stimmt insofern, als dass Matthias und ich irgendwann diese Aufteilung für unsere jeweiligen Sendungen verabredet haben, weil sich unserer Erfahrung nach die Hörerschaft durchaus in verschiedene Lager aufgespaltet hatte, die sich teilweise recht intolerant gegenüber standen. Dann kam dazu, dass Matthias sich im traditionelleren Metal-Bereich etwas wohler gefühlt hat als im extremeren, und bei mir war das eigentlich genau umgekehrt. Deshalb lag diese Aufteilung durchaus nahe und wurde, glaube ich, von den meisten Hörern damals auch durchaus positiv gesehen.

Jens Molle

Foto: Jens Molle, Anfang der 1990er Jahre, Privatarchiv Jens Molle (c)

Was hat Dich denn damals zum "Extrem Metal" getrieben, wie er so schön verkürzt hieß? Warst Du angeödet vom "Hair Metal", der damals so grassierte?

Das war bei mir ein schleichender Prozess, der irgendwann Mitte der achtziger Jahre eingesetzt hat. Die "großen" Metal-Bands wie JUDAS PRIEST oder IRON MAIDEN "experimentierten" mit Synthesizern, und das zunehmende Gepose der L.A.-Szene hatte meiner Meinung nach auch nur noch wenig mit der Musik, so wie ich sie liebte, zu tun. Die interessanten und neuen Sachen passierten einfach eher im extremen Bereich, da wurden die Grenzen des Genres ausgelotet - wer ist schneller, härter, lauter.

Und was hörst Du heute denn so? Durch Zufall habe ich Dich mal vor einigen Jahren im Nachtprogramm von Radio Eins gehört, Du bist Deiner musikalischen Linie auch damals treu geblieben. Ich erinnere mich an einen Song von GODFLESH. Ich dachte mir: "Oh cool, der Molle! Da isser wieder!" Aber danach leider nicht mehr. War das eine Art Vertretung? Auf der Webseite des Senders bist Du noch als Mitarbeiter gelistet, so viel ich weiß.

Zu Radio Eins bin ich Ende 1999 gegangen und habe da für circa zwei Jahre im Nachtprogramm moderiert, und zwar so lange, bis aus Kostengründen nachts dann nur noch Wiederholungen gesendet wurden. Danach habe ich viele Jahre lang immer mal wieder als Urlaubs- oder Krankheitsvertretung verschiedene Musik-Spezialsendungen wie "Experience" oder die "Radio Affair" redaktionell betreut und moderiert. Das wurde dann aber aus verschiedenen Gründen immer weniger. Unabhängig davon habe ich aber seit der Jahrtausendwende als Rechercheur und Musikberater für alle möglichen Radio- und Fernseh-Redaktionen des rbb gearbeitet. Deshalb hat auch die Musik, die ich heute so höre, eine wesentlich größere Bandbreite als früher. So bin ich zum Beispiel vor circa einem Jahrzehnt eigentlich viel zu spät, dafür aber sehr tief, in die Welt eines Frank Zappa eingetaucht, und ehrlicherweise bin ich bis heute nicht wieder oben.

Also das tust Du gerade vor allem: immer noch journalistisch arbeiten. Oder hast Du auch mal die Branche gewechselt?

Die Branche habe ich eigentlich nicht gewechselt, journalistisch trete ich allerdings nicht mehr in Erscheinung. Momentan beschäftige ich mich beruflich mit der Sichtung, Bewertung und Digitalisierung der Musik-Bestände des alten SFB, und das wird wohl auch noch eine ganze Weile andauern, denn da ist viel zu tun.

Zu den "Wilden Neunzigern": Wer im Sendegebiet von Radio Fritz lebte, so wie ich, kannte natürlich Mike Lehmann, der sagen wir mal... für Außenstehende einen sehr bemerkenswerten und oftmals gewöhnungsbedürftigen Humor pflegte. Zumeist dachte ich, wie bekloppt ist das, lachte schallend oder schüttelte vor lauter Verzweiflung über soviel sinnfreies Gerede den Kopf. Ich war vor kurzem sehr überrascht, als ich herausbekam, dass Du da auch eine der "Hauptrollen" gespielt hast. Wie kam es denn dazu?

Der "Erfinder" der Figur von Mike Lehmann und eines ganzen Kosmos an merkwürdigen Nebenfiguren, Fritz-Chefproducer Uwe Wassermann, hatte unter anderem die nette Eigenschaft, die Sprecher für seine Protagonisten danach auszuwählen, wer gerade zufällig an seinem Studio vorbeilief. Da ich nur zwei Türen weiter weg arbeitete, war klar, dass ich auch irgendwann dran war, und zwar als Komantschen-Bernd aka Bernd Kwingzapf.

Peter Molle

Foto: Jens Molle mit Peter "Pluto" Neuber aka Mike Lehmann (links) und Matthias Herr, dem Verfasser des "Heavy Metal Lexikons", Anfang der Neunziger Jahre, Privatarchiv Jens Molle (c)

Diese Info und einige andere habe ich in Vorbereitung auf unser Gespräch auch aus dem sehr interessanten Buch "Heavy Metal in der DDR" entnommen. Darin wurde beschrieben, dass Du und Peter "Pluto" Neuber (der Mann, der Mike Lehmann war) sehr gut vernetzt in der Szene und befreundet wart. Seid Ihr das immer noch? Und was tut Herr Neuber denn gerade?

Pluto habe ich während der Wendezeit kennen gelernt, und er war damals schon ein integraler Bestandteil der (Ost-)Berliner Metal-Szene. Er hatte in der Zeit, als ich bei DT 64 die "Tendenz" und dann bei "Rockradio B" die Sendung "B-Metal" hatte, auch redaktionell einen sehr großen Einfluss. Als er kurz nach der Wende arbeitslos wurde, habe ich ihn de facto zu Fritz geholt, wo er dann auch lange Jahre als Assistent der Musikredaktion arbeitete. Heutzutage ist Pluto im Bereich Fernsehen beim rbb tätig, und wir sehen uns auch weiterhin regelmäßig.

Es ist schwer zu glauben, aber Peter "Pluto" Neuber war laut Zaddach sehr gut in der DDR bzw. ostdeutschen Metalszene vernetzt und versorgte auch die "Tendenz" mit vielen Kontakten und Platten. Schwer zu glauben, weil viele ihn ja als "Spaßmacher" erlebten und eben auch Dich als "Komantschen-Bernd". War das ein zufälliger Selbstläufer, dass Ihr in die - heute würde es Comedy heißen - abgedriftet, abgewandert seid? Oder gab es dafür sogar handfeste Gründe, wie Geld-Verdienen-Müssen?

Nein, Geld gab es da eigentlich nicht zu verdienen, es war eher der Spaß an der Sache und mehr oder weniger totaler Zufall. Keiner der Macher hatte zu Anfang irgendeine Ahnung, in welche Richtung und auch in welche Dimensionen die Mike Lehmann-Geschichte geht. Das war schon ein ziemlicher Selbstläufer, mit allen Höhen und Tiefen. Insgesamt gesehen war es wohl sowohl für Pluto als auch für mich ein nettes Paralleluniversum und hatte nichts mit Metal zu tun.

Und wie steht es um und mit der Beziehung zu Matthias Hopke, dem zweiten Moderator der "Tendenz Hard bis Heavy"?

Zu Matthias Hopke habe ich schon seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr, irgendwann haben wir uns leider völlig aus den Augen verloren - wie das manchmal so ist.

Die Anekdoten und Rückblicke, denen zum Teil auch ein Interview mit Wolf-Georg Zaddach, dem Autor von "Heavy Metal in der DDR", und Dir zugrundeliegen, offenbaren viele interessante Hintergründe dieser Umbruchszeit. Im Dezember 1987 gab es an einem Samstag mit der "Tendenz" die erste "richtige" Heavy-Metal-Sendung im DDR-Radio. Wann wurde diese eigentlich offiziell eingestellt? War das auch für Dich dann ein positives Ende, oder hast Du daran eher schlechte Erinnerungen?

Daran habe ich gemischte Erinnerungen, was aber weniger die Sendung betraf als die ganzen medienpolitischen Begleitumstände der damaligen Zeit. Für mich endete die Moderation der "Tendenz Hard bis Heavy" im Sommer 1992, als sich abzeichnete, dass sich die Zukunft von DT 64 auf Mittelwelle und in Halle abspielen würde. Für mich war der Entschluss, den Sender zu verlassen, definitiv keine leichte Entscheidung, dazu hatte man in den Jahren zuvor einfach zu viel Herzblut in die Sache investiert. Aber letztendlich bin ich dann doch dem Ruf einige ehemaliger DT 64-Kollegen gefolgt und zu "Rockradio B", dem noch neuen Jugendprogramm des ORB, gegangen. Dort habe ich dann unter anderem auch die "B-Metal"-Show moderiert. Schließlich fusionierte dann Anfang März 1993 "Rockradio B" mit dem SFB-Jugendsender "Radio 4U" zu Fritz. Bei Fritz habe ich dann auf eigenen Wunsch nicht mehr moderiert, sondern war als Musikredakteur vorrangig für das Tagesprogramm zuständig. Insgesamt eine sehr aufregende und spannende Zeit, mit vielen Unsicherheiten, aber auch vielen Chancen.

Ja, daran erinnere ich mich. Das war vor allem auch die Zeit der Experimente, diverser recht aufregender Ideen und Formate. In unserem Dorfkrug, der für Blueskonzerte bekannt war, haben wir als Fünfzehnjährige mal an einem Abend, glaube ich, 12 Bands gesehen. Alles irgendwas-Core-Bands, zumeist aus der näheren Umgebung.

Wieder so eine Geschichte: Im Buch steht, Dein Vater war als Außenbeauftragter des DDR-Rundfunks oft im Ausland. Angedeutet wird, dass sich das sehr positiv auf Deine Plattensammlung ausgewirkt hat. Wie kann ich das denn verstehen? Hat Dein Vater mit einem "Laufzettel" die Plattenläden in den von ihm besuchten Städten im Ausland für seinen Sohn abgegrast?

Mein Vater war als Journalist und Korrespondent eigentlich ziemlich regelmäßig auch im westlichen Ausland unterwegs und bekam tatsächlich von mir öfter einen Wunschzettel mit. Das war ganz klar ein großer Vorteil für mich und meine Plattensammlung, und auch ich stelle mir heute noch manchmal die Gesichter der Plattenverkäufer vor, denen ein seriöser älterer Herr einen Zettel mit Bands wie NAPALM DEATH und MORBID ANGEL rüberschiebt und dabei gewinnbringend lächelt.

Was für ein cooler Vater! Würdest Du aus heutiger Sicht irgendetwas an der "Tendenz Hard bis Heavy" anders machen? Ihr hattet, wie Du beschreibst, weitestgehend "Narrenfreiheit", weil die Prüfer wohl auch mit der "extremen Musik" nichts zu tun haben wollten. Wie siehst Du das heute: Waren die überfordert oder eher desinteressiert, weil von den Metallern "wenig Gefahr ausging"? Die Blueser-Szene z.B. wurde ja, glaube ich, viel stärker kontrolliert als die Metal-Szene.

Heutzutage würde eine Show wie "Tendenz Hard bis Heavy" in dieser Form sicher gar nicht mehr funktionieren, aber für die damaligen Verhältnisse waren wir, denke ich zumindest, gar nicht mal so schlecht. Das lag sicherlich zu einem gewissen Teil auch daran, dass die Konkurrenzsituation eine ganz andere war, das gesamte Angebot an Informationen aus dem Metal-Bereich war viel kleiner als heute. Unsere "Narrenfreiheit" im Umgang mit der Zensur beruhte meiner Meinung nach wirklich vorrangig darauf, dass die Prüfer die Musik nicht ausgehalten haben und so die Sendung einfach von diesen "Nicht-Fans" nicht oder nur selten vollständig abgehört wurde. Vieles versendete sich so einfach "im Schutze der Dunkelheit". Für die Stasi waren sicher auch die politisch viel engagierteren Punks von größerem Interesse als die vergleichsweise "harmlosen" Metaller, obwohl es da auch von Bezirk zu Bezirk sehr große Unterschiede gegeben hat.

DT 64 Logo

Ja, das ist echt interessant! Die Bezirke Magdeburg, Erfurt, Leipzig, die Hauptstadt Ost-Berlin waren da vorneweg und andere hinkten, was die Rockbanddichte betrifft, ziemlich hinterher. Daran anschließend: Wie hat sich der Metal im Osten nach 1990 geändert? Wie nimmst Du die Szene gegenwärtig wahr?

Wie das ganze Land so hat die Wende auch die Metal-Szene natürlich grundlegend verändert. Die etablierten ostdeutschen Bands standen auf einmal in direkter Konkurrenz zu internationalen Acts, und leider haben das nur die wenigsten auf Dauer überlebt. Aber gleichzeitig gab es nach der Wende auch unglaublich viele neue Bands und auch umtriebige Veranstalter und Labelbetreiber, die für eine spannende Newcomer-Szene gesorgt haben. Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur mal an die legendären Hard-, Grind- und Noisecore-Festivals in Leipzig. Seither ist allerdings viel Zeit vergangen, und die allgemeinen Umstände für Musiker und Fans haben sich grundlegend gewandelt. Für die Bands ist das Geschäft mit Tonträgern zum Beispiel heute bei weitem nicht mehr so wichtig für ihre Stellung in der Szene. Dazu gehören heute eher Dinge wie eine angemessene Live-Präsenz oder eine solche in sozialen Medien. Dazu kommt natürlich noch eine zunehmende Aufteilung und Abgrenzung in die unterschiedlichsten Szenen und Unterszenen. Insofern kann man vielleicht sogar über eine Abnahme der Wichtigkeit von lokalen Szenen sprechen, die Ansprechpartner für die Bands finden sich heute eher auf der ganzen Welt als nur in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Jens, das ist genau, was auch wir so wahrnehmen. Was sagst Du zur globalen Entwicklung des Metal? Schüttelst Du bei den METALLICA-Mega-Konzerten den Kopf oder freut Dich diese Entwicklung?

Weder, noch. Diese Entwicklungen haben ja auch eine lange Vergangenheit. Wie schon gesagt, das Geschäft und damit auch die Grundlage für die langfristige Existenz von Bands hat sich weg vom Tonträger-Verkauf hin zum Live-Sektor gewandelt - da wird heute das Geld verdient, und da wollen natürlich auch viele mitmischen. Bezahlt wird das Ganze vom Fan, der sich nun eben ganz genau überlegen muss, ob er das auch tut oder eben nicht - gezwungen wird ja keiner. Ich persönlich lehne es meistens ab, zu solchen "Mega-Events" zu gehen. Aber eben nur meistens: Für Ozzy zum Beispiel habe ich mir Karten besorgt, das muss einfach sein. Hoffentlich klappt es nun auch noch.

Ja, die so genannten "Legenden" interessieren dann doch noch sehr. Kennst Du Dich noch immer im Underground aus? Was tust Du dafür?

Ich gehe aktuell nur noch sehr selten und dann eher zufällig zu Underground-Konzerten im Metal-Bereich, insofern beschränkt sich meine Beschäftigung damit auf die allerdings regelmäßige Lektüre verschiedener Metal-Magazine. Vom wirklichen Auskennen bin ich aber heute weit entfernt.

Letztens hatte ich in Vorbereitung auf dieses Gespräch hier so eine Art Wiedererweckung: Ich habe den Stream zu "The Key" von der Florida-Technical-Death-Band NOCTURNUS gefunden und war sofort wieder drin in der Musik. Krass, was das Hirn nach fast 30 Jahren so abgespeichert hat. Die Empfehlung kam übrigens von Dir und ich kann mich sehr genau erinnern, wie enthusiastisch Du die Band in Deiner Sendung angekündigt hast. Welche Alben faszinieren Dich damals wie heute immer noch?

Lustig, dass Du das mit der NOCTURNUS erzählst - die habe ich nämlich erst kürzlich nach langer Zeit mal wieder gehört und fand sie immer noch recht keck. Überhaupt haben viele Alben aus dieser Ära meiner Meinung nach den Test der Zeit sehr gut bestanden. Und damit meine ich nicht nur die Klassiker wie MORBID ANGEL oder DEATH. Ende der Achtziger/ Anfang der Neunziger war für die Entwicklung des Metal in vielen Bereichen eine aufregende und wichtige Zeit, und gerade im harten Bereich wurden die Standards gesetzt, die teilweise bis heute noch gelten.

Das ist an der stilistischen Orientierung vieler Death-Metal-Bands heute sehr wohl zu bemerken. DISMEMBER, TIAMAT, ASPHYX, NAPALM DEATH, CARCASS - diese Bands gibt es immer noch oder wieder. Damals galtest Du ja vielen als DER Fachmann, wenn es um die härteren Arten von Metal ging. Wenn es die Bands gibt, warum keine neue "Tendenz Hard bis Heavy"-Sendung von Jens Molle?

Weil ich glaube, dass es heute viele gibt, die das besser und kompetenter machen könnten und ja auch machen. Da besteht also schon mal gar kein Bedarf.

Wenn Du in drei Sätzen einen Aufruf an, sagen wir mal 15-, 16-Jährige (so alt war ich in etwa Anfang der neunziger Jahre), die sich so langsam für Metal interessieren - starten müsstest und könntest: Was würdest Du denen denn mit auf den Weg geben?

1. Lasst Euch niemals erzählen, der Heavy Metal sei tot.

2. Seid ehrlich, vor allem zu Euren Lieblingsbands.

3. Hört auch ab und zu mal was anderes.

Das meißele ich jetzt in Granit. Jens, ich danke Dir sehr, sehr für Deine Zeit und Deine Gedanken. Ich freue mich, dass ich Dich und Deinen Einfluss auf die Metal-Szene im Osten Deutschlands einem breiten Publikum vorstellen konnte! Alles Gute für Dich!

Ich danke natürlich auch Dir, alles Gute für Dich und die Leserschaft.

Redakteur:
Mathias Freiesleben

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