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Wir, die Szene: Wie kommen wir zusammen? Ein Versuch: METAL UNITES.

30.04.2020 | 23:27

Was ist die "Szene"? Wie bleiben wir die Szene? Wie wir uns fetzen! Immer wieder. Jede Idee scheint willkommen. Michael "Mike" Dormann hat eine. Und weil das Ganze gar nicht so einfach ist, gibt es auch viel dazu zu sagen.

Hallo Mike, wie geht es dir, deiner Familie gerade? Ich hoffe, es ist soweit alles in Ordnung!

Hi Mattes. Danke der Nachfrage. Ja, es ist alles ok soweit. Leider müssen wir in der momentanen Situation etwas mehr aufpassen, weil meine beiden Kinder mit Asthma und Diabetes zu den "Risikogruppen" gehören - aber ansonsten versuchen wir die Situation so gut es geht, wie alle anderen derzeit, über die Bühne zu bekommen.

Wie verbringst du gerade deine Tage?

Ich habe das Glück, dass ich als Selbstständiger sowieso von Zuhause arbeiten kann. Ansonsten mache ich aber nebenbei auch noch Songs für meine Death-Metal-Band ANASARCA fertig. Unsere Alben sind ja, bis auf unser Debüt "Godmachine", fast allesamt bei euch reviewt worden. Naja und mein neues Projekt wird ja auch online betreut - auch das läuft diese Tage natürlich.

Ich bin ja auf dich und dieses Projekt, deine Idee "METAL unites" bei Facebook gestoßen! Was hat deine Idee ausgelöst? Oder war da etwas, was schon länger in dir arbeitete?

MU

Die Idee gibt es schon sehr lange. METAL unites als Titel hat ja bereits eine mir wichtige Aussage: METAL vereint. Und das meine ich wörtlich. Ich komme aus einer Zeit, in der es nicht "normal" war mit Kutte und Monstern auf T-Shirts rumzulaufen. Da gab es sowas auch noch nicht bei C&A ... ?! Die Leute haben einen schräg angeguckt. Ähnlich wie Punks waren wir Außenseiter der Gesellschaft, was für uns auch ok war, wenn nicht sogar gewollt! Das ist heute zwar etwas moderater geworden, dennoch sind wir immer noch kein Mainstream. Die Metalfans sind heute tendenziell eher kurzhaarig, haben einen festen Job und nicht selten laufen sie "ganz normal" gekleidet rum. Ich aber finde, wir Metalfans sollten auch heute eine Einheit sein oder werden. Eine Einheit der "härteren Musik-Fans". Also wollte ich etwas schaffen, das für alle Metalfans, vom Hardrock bis Grindcore, GEMEINSAM zur Verfügung steht.

Aber, und das ist wichtig für die, die nach diesem Satz aufhören können zu lesen: Wir akzeptieren bei uns keine rechte Gesinnung und keinen Rassismus. Seitdem ich Musik mache, freue ich mich über den Austausch mit Fans auf der ganzen Welt. Welche Hautfarbe oder Religion (am besten gar keine) einer/eine hatte, war dabei vollkommen egal. METAL war der gemeinsame Nenner und das ist es, was es für mich ausmacht. Ein Haufen Musikverrückter in der ganzen Welt, die anders aussehen, andere Vorlieben haben etc.

Da habe ich für mich den Videobereich entdeckt, der auch mich als "Musiker" betrifft. Der Hauptaspekt war dabei, dass mir die unendlichen Handyvideos von Bands auf den Sack gegangen sind und man bei der Suche nach Metalvideos (z.B. bei Youtube) fast nur die Videos angezeigt bekommt, die einige Tausend oder Millionen Streams haben. Das natürlich fast ausnahmslos von "großen" Bands. Meine Band hat auch Videos bei Youtube, einige seit Jahren - und kaum einer kennt sie. Die Frage ist also: warum?

In den unterschiedlichen Facebook-Gruppen bekommt man dann und wann mal den Hinweis auf eine unbekannte Band. Mit Klick auf das Video bekommt man bei Youtube aber wieder nur die gängigen Videos am Seitenrand empfohlen. Geile Produktionen gibt es von WackenTV oder auf ZDFKultur, Arte etc., aber eben alles Zeug von Bands, die man eh Hunderte Male auf Festivals sowieso LIVE sehen kann. Keine kleine Band wird da jemals spielen, so dass man geile Videos auch mal von diesen Bands sehen könnte. Trotz Recherche nach freien Videos mit z.B. Genres als Suchbegriffe habe ich kaum unbekannte Bands auf der Plattform gefunden. Videos unbekannter Bands mit einigermaßen akzeptabler Video- oder Audioqualität gibt es eher selten. Das hat mich in der Idee nur bestärkt.

Das war also im ersten Schritt meine Idee: Ich wollte eine Plattform schaffen, auf der man zum einen Videos nach Genres sortiert findet und zwar auch von unbekannt(er)en Bands. Im Grunde sowas wie Netflix für Metal. Bei Netflix findet man exklusive Filme und Serien kategorisiert in "Thriller", "Horror" und viele Kategorien mehr. Bei METAL unites findet man Videos sortiert nach unterschiedlichen Genres wie "Grindcore", "Heavy Metal" und mehr.

Ich wollte einerseits den Bands die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren, vornehmlich LIVE, damit die Leute vielleicht sagen: Hey, die muss ich unbedingt mal LIVE sehen. Andererseits sollten sich aber auch kleine Festivals/Events präsentieren können: die Location und Atmosphäre zeigen, die Bands, die dort spielen, die Leute, die Macher ... einfach, dass es sie gibt!

Unbekanntere Bands haben dazu oft kaum die Möglichkeit, gute Videos zu erstellen. Das kostet unter Umständen halt einfach auch meist nicht vorhandene Kohle. Und nicht jeder hat einen Kumpel, der das wirklich drauf hat und für lau macht. Also hab ich mir gesagt: Es wird drei Möglichkeiten bei METAL unites für Bands geben.

1. Bands senden mir exklusiv bei uns zu sehendes Material zu, dafür bekommen sie eine eigene Artist-Seite mit Verlinkungen zu all ihren (Verkaufs-)Kanälen und dahin, was ihnen wichtig ist. Wir stellen sie komplett vor. So, wie sie es sich wünschen.

2. Wir erstellen Videos für die Bands. Wir bezahlen alles und dürfen es dafür exklusiv nutzen.

3. Bands senden uns nicht-exklusives Material zu, das es bereits bei Youtube etc. gibt. Dafür haben wir auf unserer Webseite entsprechende Kontaktformulare für Links etc.

Die Bands, die exklusives Videomaterial bei uns präsentieren, bekommen sogar etwas Geld dafür - aber auch nur die mit EXKLUSIVEM Material (darf also nirgendwo anders zu sehen sein). Nicht zum Reichwerden geeignet, aber mehr als bei Youtube und Co.

Und wir bezahlen JÄHRLICH aus, solange wir exklusives Material der Band im Programm haben. Youtube zahlt einmalig für erfolgte Streams - wir zahlen jährlich, unabhängig von erfolgten Streams. Aber: Die Bezahlung hängt von der Anzahl der Mitglieder bei MU ab. Wenn es keine Mitglieder gibt, die die Videos sehen könnten, dann gibt es auch kein Geld.

Die Bands finden das Projekt auch geil. TANKARD ist dabei, SACROSANT, DEFEATED SANITY, TURBOCHARGED, INFEST, MASTER kommt demnächst, genauso wie INCANTATION, THE IDIOTS und viele weitere mehr. Unbekannte und bekannte Bands unterschiedlichster Genres und Stile, die wir bislang filmen konnten und die die Idee wirklich klasse fanden und finden.

Eines ist wichtig zu sagen: METAL unites Mitglied zu werden kostet Geld, ab 19 Euro im Jahr. Weil wir einmal Kosten haben (Videoerstellung, Verwaltung, Speicherplatz etc.) und zudem den Bands etwas davon abgeben. Alle Bands bekommen bei uns die gleiche Kohle - unabhängig davon, wie oft die Videos angesehen wurden! Wir wollen alle gleich stellen. Jede Band bekommt Geld, basierend auf der Menge bezahlender Mitglieder und der Länge aller ihrer exklusiven Videos bei uns in Summe.

Und um nochmal auf den Punkt "rechtes Gedankengut und Rassismus" zu kommen: Wir werden weder Bands noch Partner oder Mitglieder akzeptieren, die das anders sehen. Wir haben bereits einen potenziellen "Partner" durch diese Sichtweise vergrault - was mir aber dann auch recht ist.

Ich finde gut, dass du deine Idee in aller Ausführlichkeit beschrieben hast. Wenn ich das richtig verstanden habe, geht es darum, Vernetzung von Bands und Leuten/ Usern voranzutreiben. Was ist das Besondere an deiner Idee?

Wie beschrieben ist schon der Bereich der Videos besonders, weil es einerseits Videos gibt, die nach Genres sortiert sind und man in seinem Lieblingskanal (Channel) vielleicht auch coole Sachen findet, die einem bislang unbekannt waren. Wir binden als freie Videos vorerst hauptsächlich die Videos ein, die auf Youtube usw. bislang vergleichsweise wenig Streams hatten. Die "großen" Bands werden erstmal kaum bedacht. Zudem gibt es eben exklusives Videomaterial in guter Sound- und Bildqualität. Geplant ist, dass wir zukünftig auch Multi-Cam-Aufnahmen machen, aber das ist einfach eine Kostenfrage. Je mehr Mitglieder wir bekommen, desto eher werden Multicam-Produktionen und auch Livestreams (!) Realität. Mit unseren Projektpartnern Iridumstream und Sick of Sound haben wir schon alles getestet und das wird richtig geil, auch die geplanten Livestreams!

Besonders ist aber auch, dass ich die Idee rund um die Videos erweitert habe. Ich wollte neben den Bands auch diejenigen mit unterstützen, die selbst kleine Unternehmer im Metalbereich sind: Metal-Pubs/Kneipen, Tattoostudios, Merchandise-Händler/Shops, Mailorder, Labels, Magazine, Eventveranstalter, Schmuckhersteller und -Händler usw. Daher sollten einerseits diese Leute auch eine Möglichkeit der Präsentation erhalten, aber eben auch die zahlenden Mitglieder sollten noch mehr für ihr Geld bekommen.

Also habe ich die HOLY METAL LIST gebaut. Eine interaktive Map, in der man sich als (Klein-)Unternehmer - allerdings NUR MIT METALBEZUG (!) - präsentieren kann. Entweder als zahlender Partner oder aber, und das ist das Ziel, sie geben den Mitgliedern Specials. Somit habe ich also diverse Partner an Bord, die unseren zahlenden Mitgliedern Sonderkonditionen geben oder Rabatte oder, oder, oder ... jeder kann frei entscheiden was er/sie unseren Mitgliedern anbietet. Nur: Das muss absolut exklusiv für unsere Mitglieder sein und mindestens für ein Jahr bzw. so lange, wie man kostenlos als Partner bei uns gelistet ist. Sonst kostet es Kohle (5 Euro im Monat).

Fazit: Bei METAL unites werden Bands aller Genres mit Videos präsentiert, die guten Sound und Videoqualität haben. Sie erhalten ggf. Kohle, können sich mit ihren Onlinekanälen zeigen und mehr Reichweite schaffen. Zahlende Mitglieder bekommen exklusive Videos zu sehen, erhalten Specials bei Partnern und haben exklusiven Zugang zu unserem Shop, in dem wir in Zukunft auch exklusive Dinge der Bands anbieten werden. Kleine Unternehmen mit Metalbezug können sich ihrer speziellen Zielgruppe "Metalfans" zeigen und dadurch vielleicht mehr Umsatz machen.

Wir haben einige coole Partner an Bord: nicht nur das Magazin "Deaf Forever", sondern auch Veranstalter, Pubs, Labels oder auch die "Metal-Kids", die geile Shirts und Merchandise für Kids haben. Und das alles international (derzeit alles zweisprachig in Deutsch und Englisch)! Ich bin in Gesprächen mit Partnern, die MU z.B. auch in Asien vorantreiben wollen, so dass die Reichweite weltweit vergrößert wird.

Im Grunde nehmt ihr ja Bezug auf dieses riesige Archiv an Musik, Videos, Informationen, das Youtube eigentlich ist. Verstehst du deine Idee auch ein wenig als Kritik an diesem "Moloch" Youtube?

Was heißt Kritik? Erstmal bekommt man als Metalfan einfach nicht alles zu sehen, wenn man es nicht explizit sucht. Wenn man es aber sucht, dann kennt man es schon. Du wirst dort kaum Neues per Zufall entdecken, schon gar nicht auf dein Lieblingsgenre bezogen.

Vielleicht ist zwischen den Influencern, Verschwörungs- und Gewaltvideos irgendwo auch mal ein Video aus dem Metal zu sehen - von einer Band, die du noch nicht kennst, die zufällig deinen Lieblingsstil spielt. Und wenn das Video dann auch noch einigermaßen gute Qualität hat - Alter, welch ein Fest! Bei uns wirst du nur das Zeug sehen, was wir für gut genug halten - sowohl freie als auch für unsere Mitglieder exklusive Videos.

Ist diese riesige Plattform nicht eigentlich auch die Chance, kleine und noch unbekannte Bands oder Musik kennenzulernen? Ich sage es mal platt: "Jeder ist doch auch auf Youtube"! Was nervt dich denn an dieser "unbegrenzten Zahl an Möglichkeiten"?

Mich nervt, dass alles durcheinander ist. Wenn ich Death-Metal-Bands finden will, die auch noch unbekannt sind, dann ist das kaum möglich. Bei METAL unites kannst du einfach den Kanal deines Lieblingsstils anklicken und hast dann wirklich nur Musik, die du möglicherweise gut findest. Du kannst als Mitglied auch die Kanäle abonnieren, um über neue Videos des Channels informiert zu werden.

Bei Youtube findest du genau dann neue und unbekanntere Bands, wenn sie sich selbst irgendwo verlinken: in Facebook-Gruppen, auf ihrer Seite, bei Twitter ... aber kennst du diese Seite? Bist du in der Gruppe? Ich kenne genügend Leute, die nicht mal bei Facebook aktiv sind. Wo finden die dann diese Bands?

Versuch es mal: Wenn du ein Video z.B. bei Facebook findest, das von einer dir bislang unbekannten Band stammt, klicke drauf und guck nach, was Youtube dir sonst so anbietet am rechten Rand. Oder gibt mal in der Suche dort den Begriff Heavy Metal ein - meinst du, du bekommst als Suchergebnis eine Liste unbekannter Heavy-Metal-Bands und deren Videos? Mitnichten! Bei MU wirst du irgendwann sicherlich alles finden - sortiert nach Lust und Laune.

Ich nehme mal an, dass du auch daran glaubst, dass die Metaller sich immer irgendwie auch als etwas Besonderes fühlen und daher das "Szenische" in solchen Ideen wie deiner entdecken werden. Was denkst du, warum braucht der Metal auch heute noch solche Initiativen?

Ich weiß nicht, ob der Metal diese Initiativen braucht. Ich finde solche Dinge für mich einfach nur sinnvoll und gut, weil eine Plattform wie METAL unites die angesprochenen Dinge umsetzt und Bands, Kleinunternehmen und Metalfans zusammenbringt.

Ich merke aber auch, dass ich mich - vermutlich noch aus meiner Anfangszeit stammend - geirrt habe, was die Szene heute angeht. Auch in der jetzigen Zeit ist Solidarität schwer zu entdecken. Vor allem als "Unbekannter" sind die Leute skeptisch dir gegenüber - und das auch vor allen Dingen in Deutschland. Frag mich nicht, warum das so ist... Vielleicht ist das der Grund, warum sich METAL unites durchsetzen wird, weil es immer mehr Metalfans gibt, die das einsehen, die Bock auf neue Bands haben, auf qualitativ vergleichsweise gute Videos, auf Rabatte und Support beim Onlinekauf oder auch um neue Festivals etc. kennenzulernen. Oder die auch Bands unterstützen wollen. Wir haben auch ein Forum eingebaut, das den Austausch ermöglicht. Wir wollen letztlich nicht von anderen Anbietern wie Facebook und Co. abhängig sein, sondern unsere eigene Community aufbauen.

Es gibt ja nachgewiesenermaßen einen großen Zusammenhalt innerhalb der Untergenres. Mehr und mehr auch über die Genregrenzen hinweg. Künstlich erzeugt empfinde ich zum Beispiel dieses Gedisse zwischen Death Metal und Death Core. Ich habe gelesen, dass auch du dich rückblickend selbst einmal als einen recht sturköpfigen Zeitgenossen dahingehend eingeschätzt hast. Das ist nun vorbei, wie kam es zu diesem Wandel?

Früher waren wir jung und wir dachten, nur "Death Metal is real". Alle anderen haben doch nur weiche Rotze gehört und waren in unseren Augen eher Poser als Metaller.

Heute bin ich ein bisschen älter geworden und man wird "reifer". Ich finde auch heute noch verschiedene Metalstile und Bands ätzend, würde sie mir privat nicht anhören. Aber letztlich sehe ich es so: Wir sind alle Fans einer Musikrichtung, die einen Spirit hat oder haben sollte, meiner Meinung nach. Dieser Spirit kommt aus den 70er Jahren und bedeutet für micht heute, dass wir frei sind, dass wir unkonform sind, dass wir andere akzeptieren wie sie sind, denn das wollen wir für uns auch. Handgemachte, ehrliche Musik, die voll von Emotionen ist - für die einen sind sie seichter, für die anderen härter. Aber letztlich haben auch die härtesten Death Metaller meistens ihre musikalischen Wurzeln in "seichteren" Genres. Ich habe auch mit den SCORPIONS angefangen Metal zu hören. Dann kamen Bands wie ACCEPT, WARLOCK, MAIDEN ... klar, damals gab es noch nicht wirklich viel "Härteres", aber keiner fängt musikalisch mit Grindcore an. Insofern haben wir alle einen gemeinsamen Nenner, wir sind alles Metalheads, vom AC/DC-Fan bis hin zu ANAAL NATHRAKH. Wir müssen nicht alles mögen, aber wir sollten uns respektieren. Die innere Einstellung ist es doch, die einen zum Metalhead macht.

Das frage ich immer gern: Wie empfindest du selbst im weitesten Sinne gegenwärtig die "Metal-Szene"?

Hm. Das ist schon schwierig. Ich habe erstmal das Gefühl, dass Metal immer mehr zu einem Altherren-Ding wird. Bei uns in Ostfriesland findest du zwar junge Metalfans, aber das Gros ist schon immer da. Ich vergleiche die hiesige Szene mit anderen, die ich dann vor allem übers Internet beobachten kann oder auch im Ausland.

Ich höre aber auch oft, dass meine "Idealvorstellung" von der zusammenhaltenden Szene nicht mehr so ist. Einige sagen gar, sie war nie so. Ich habe das Gefühl, dass die Szene dann aktiv wird, wenn anerkannte Szenegrößen etwas initiieren - wenn andere das tun, wird es eher nicht angenommen, belächelt oder ignoriert. Ich lese zudem immer was von den "Elitären" oder der Meinung, dass es viele dieser "Elitists" gibt. Die, die meinen, sie wären etwas Besseres, weil sie mehr Platten, CDs, Shirts oder Festivalbesuche haben. Sicherlich gibt es die, aber ob das so extrem ist? Keine Ahnung.

Was ich sehe ist eine Veränderung der Szene in der Bandwelt. Es gibt immer mehr Bands, immer mehr Veröffentlichungen, die dann oft nur online zu finden sind. Dadurch haben die Bands immer weniger Kohle, denn die Leute sind satt. Das wirkt sich dann auch auf Gagenforderungen der Bands aus - es kommen aber auch immer weniger Leute vom Sofa runter zu den Shows. Das war auch ein Grund METAL unites zu gründen: den Leuten zeigen, wie geil so manche kleine Band LIVE ist, wie geil so manche Location ist und Anreize zu schaffen, wieder mehr zu Konzerten zu gehen oder bei METALLERN einzukaufen, die eben nicht riesengroß sind.

Was muss besser werden? "Wieder" besser werden? Worauf kannst du verzichten?

Ich kann auf den Ausverkauf verzichten. Wenn plötzlich irgendwelche US-Promis mit Metalshirts rumlaufen und man vermuten darf, dass sie damit musikalisch NICHTS am Hut haben. Oder das, was EMP derzeit macht. Ich kann mich noch an die ersten kopierten EMP-Flyer erinnern, die ich dann per Post bekommen habe - und guck es dir heute an. Oder Rock- und Metalshirts bei C&A. Das alles hat doch mit Einstellung nichts mehr zu tun. Das ist, als wenn jemand METAL unites gegründet hätte, der nie mit der Musik zu tun gehabt hat, der einfach nur Kohle damit scheffeln will, weil Metal "in" ist.

Von mir aus darf es gerne wieder weniger Bands geben, dafür aber wieder mit mehr Qualität. Heute nimmt jeder seinen Kram zuhause auf. Dadurch leidet viel. Ich lechze danach, wieder Scheiben zu hören, die nicht offensichtlich am Rechner in Eigenregie (über-)produziert wurden. Was mich als Death-Metal-Fan übrigens wirklich nervt, sind die Cover heute. In den 90ern hast du teilweise echte Kunstwerke gehabt. Heute siehst du doch fast ausnahmslos nur noch zerfetzte Frauenkörper ... ich frage mich echt: warum?

Ich habe ein altes Interview bei uns auf Powermetal.de gefunden, wo du ausgiebig über deine Band ANASARCA plauderst? Wie läuft es da bei euch?

Ja, bis auf das Debütalbum "Godmachine" habt ihr ja alles reviewt, auch das letzte Album "Survival Mode" von 2017.

Wie läuft es bei uns? Also, direkt nach den Aufnahmen zu "Survival Mode" hat uns Drummer Dirk (früher auch DESPONDENCY und DISAVOWED) aus gesundheitlichen und familiären Gründen verlassen. Wir haben dann über ein Jahr gebraucht, um einen neuen Drummer zu finden. Als wir ihn hatten, mussten wir aus dem Proberaum raus, der jetzt erst fertig wurde. Wir haben also seit 2017 nicht mehr geprobt. Wir haben in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum. Ein Partner aus Asien hat jetzt alte Album-Motive neu aufgelegt. Es werden ab Juni/Juli 2020 also neue Shirts vom Debüt "Godmachine" und erstmals auch vom zweiten Album "Moribund" erhältlich sein. Wer Infos braucht und vorbestellen will, der sollte sich entweder direkt an mich per Mail wenden (mike@anasarca.de) oder auf unsere Facebook-Seite (www.facebook.com/anasarcadeathmetal) gucken.

Die Reviews und Kritiken lesen sich ja auch sehr wohlwollend. Hast du noch Lust auf neue Musik? Hast du die Zeit dafür?

Lust habe ich dazu IMMER! Was Musik hören angeht, da bin ich immer noch sehr ... wie soll ich sagen ... traditionell. Ich höre kaum neuere Sachen, weil sie mir meistens einfach nicht so gefallen, wie der Death Metal aus den 90ern.

Selber machen sowieso immer. Ich habe eine Klampfe neben dem Rechner stehen und immer, wenn ich eine Idee habe, starte ich mein Recording-Programm und nehme es auf. Für ANASARCA stehen mittlerweile 17 neue Songs und einige sind halb oder zu dreiviertel fertig. Dann beginnt die Auswahl für das neue Album, das wieder ein lyrisches Konzept haben wird. Aber durch die ganzen Songs ist es auch möglich, dass wir eine EP hinterher schieben. Zeit nehme ich mir dafür auf jeden Fall, auch fürs live zocken. Solange man noch nicht im Rollator rumeiert, sollte das irgendwie gehen.

Ich wünsche mir, dass deine ambitionierte Idee viele Freunde und Anhänger und Mitmacher findet. Was ist Dein Ziel mit metalunites.com? Mittelfristig besehen und auch langfristig betrachtet?

Es gibt einige Ziele. Und weil das Thema immer wieder angesprochen wird, möchte ich das zuerst nennen: Ja, ich würde gerne mit METAL unites mein Hobby zum Beruf machen. Ja, ich möchte, genauso wie Plattenfirmen, manche Bands, Zeitschriftenverlage etc. pp. gerne meinen Lebensunterhalt mit dem Projekt verdienen. Also ja: Es ist kommerziell.

Daneben habe ich aber als Musiker auch das Ziel die Musik, die den Großteil meines Lebens beeinflusste und beeinflusst, zu supporten. Ich weiß, wie schwer es für kleine Bands ist, sich zu zeigen. Ich möchte diese Möglichkeit schaffen. Ich würde mich freuen, wenn viele Metalfans Mitglied werden, damit wir das Projekt, das wirklich auch Kosten bedeutet, weiterführen zu können. Und: Je mehr Mitglieder dabei sind, um so mehr bekommen die Bands, deren Material wir exklusiv bei MU zeigen.

Hast du auch noch andere Projekte und Ideen am Laufen?

Einiges, aber das hat meistens nichts mit Metal zu tun. Ich helfe bei dem einen oder anderen Festival hier in der Region mit. Das Ear Terror Festival (https://www.facebook.com/EarTerrorFestival) habe ich 2001 ins Leben gerufen. Seit 2003 ist Michael Eden mit an Bord. Mittlerweile macht das Michael Eden alleine, aber ich unterstütze ihn mit grafischen Dingen wie dem Entwurf von Plakaten, Flyern etc. Beim Coastrock Festival (https://www.facebook.com/CoastrockFestival) helfe ich mit, wie auch ab und an beim Kuhzifest (https://www.facebook.com/groups/kuhzifestofficial).

Mike, vielen Dank für deine Zeit und vielen Gedanken - bleib gesund und alles Gute für dich und die deinen!

Mattes, ich danke dir dafür, dass ich mein Projekt vorstellen durfte.

Sehr gern.

Ich möchte die Leser bitten, das Projekt zu unterstützen und weiterzutragen - so haben alle was davon: Mitglieder, Partner und nicht zuletzt auch die Bands. Wenn ihr Fragen habt, dann schickt mir gerne eine Mail an mike@metalunites.com

Horns, Mike

Redakteur:
Mathias Freiesleben

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