ZAUNPFAHL: Interview mit Goethe

01.01.1970 | 01:00

ZAUNPFAHL aus Mecklenburg entstanden Anfang 1994 aus den Überresten einer Thrash-Metal-Combo und einem Keller-Punk-Projekt. Anno 2001 kann das Deutsch-Punk-Trio auf einen mittlerweile stattlich angewachsenen Backkatalog blicken, der unlängst durch einen weiteren Longplayer namens "Gesicht" aufgestockt wurde. Nun ist ZAUNPFAHL aber mit Sicherheit keine Band, die typischerweise in Mags wie dem unsrigen vertreten sind ...

Oliver: Oder Goethe (Klampfe)? Warum könntet ihr dennoch interessant für den ein oder anderen unserer Leser sein bzw. welchen Bezug hat eine Deutsch-Punk-Band zum Powermetal?

Goethe: Hm, schwierige Frage. Ich denke mal in unserer Musik sind durchaus auch Metalanleihen vergraben, für die sich der eine oder andere Metaler auch begeistern kann. Am besten mal reinhören in unser Material.

Oliver: Könntest du eure Bandhistory in ein paar wenigen Sätzen zusammenfassen, da euch sicher noch nicht allzu viele Leute (vor allem unser Klientel) da draußen kennen!?

Goethe: Also ... ZAUNPFAHL gibt es seit Februar `94. Zunächst versuchten wir uns am Interpretieren schon vorhandener Lieder. Vor uns war nix sicher: JUDAS PRIEST, AC/DC, BLACK SABBATH, DIMPLE MINDS, DIE ÄRZTE, SLAYER, BEASTIE BOYS usw. Das klang bestimmt nicht immer gut, aber den Leuten hat's wohl gefallen. Nach drei Demos erschien 1996 unsere erste selbstproduzierte CD ("Zum Lügen Ist Es Längst Zu Spät"). Die erschien in 500er Auflage, weswegen sie auch kaum jemand kennt. Es folgten einige Samplerbeiträge und im Herbst 1999 dann "Normalböse". Die Strecken zu den Gigs wurden weiter, woraufhin uns dann Marko verließ. Im Herbst 2001 erschien dann die neue Platte "Gesicht".

Oliver: Bis vor einiger Zeit wart ihr noch zu viert, wie du eben gerade sagtest … und jetzt seit ihr eben nur noch als Trio unterwegs. Warum genau blieb der vierte ZAUNPFAHL auf der Strecke?

Goethe: Unser zweiter Gitarrist Marko verließ uns im Herbst 2000 weil sich die Bandaktivitäten nicht mehr mit seinem Medizinstudium in Einklang bringen ließen.

Oliver: Beim ersten Durchlauf eurer neuen CD "Gesicht" wurde ich nicht allzu vom Hocker gerissen … hat sich aber von mal zu mal geändert. Mittlerweile finde ich das Teil echt äußerst gelungen … hebt sich irgendwie ab vom gängigen Einheitsbrei … hat irgendwie was ursprüngliches, naives an sich. Einfach drauf los … seht ihr das ähnlich?

Goethe: Wir versuchen uns schon vom gängigen Klischee einer Punkband abzuheben. Allerdings sind die meisten Sachen doch schon recht durchdacht vor allem was die Texte angeht. Und die Scheibe ist ja auch keine 10000 DM-Produktion, sondern noch recht knapp gehalten, wodurch sie recht ungeschliffen klingt, was ich aber klasse finde.
Einfach drauf los? Nee, da war schon ein bißchen Konzept bei.

Oliver: Steht ihr auf "Negative" … die sind ja überall bei euch zu finden, im Booklet, auf der Homepage …?

Goethe: Also auf TYPE O NEGATIVE stehe ich definitiv nicht (die waren auch nicht gemeint, Scherzkeks … - Anm. d. Red.). Aber das willst du bestimmt nicht wissen oder? Im Grunde sind wir alle sehr lebensbejahende und lustige Typen, wobei man einen Draht zur Realität aber nicht verlieren darf. Und in eben jener ist nun mal vieles eher negativ was ja auch teilweise in den Texten zum Ausdruck kommt. Aber im Großen und Ganzen stehe ich da nicht besonders drauf.

Oliver: Jede Band hat ja was das Songwriting angeht ihren eigenen Stil. Wie muß ich mir die Entstehung eines ZAUNPFAHL Songs vorstellen?

Goethe: Das geht meist drunter und drüber. Früher war es so das meist zuerst der Text stand und die Musik dann drum herum komponiert wurde. Heute steht meist zuerst die Musik und wir singen erst mal lalala bis dann irgendwann oftmals auch erst im Studio der Text richtig fertig wird. Aber eine textliche Grundidee ist meist schon vorhanden.

Oliver: Laut Info legt ihr sehr viel Wert auf eure Texte. Ist das auch der Grund warum ihr nicht in englisch singt? Von wegen besser ausdrücken können und so …

Goethe: Es ist uns sehr wichtig, daß jeder den Text versteht. Aber es ist oftmals ein hartes Stück Arbeit einen brauchbaren Text in deutsch zu verfassen. Da haben es Bands die englisch singen meist wesentlich einfacher, weil es eben nicht jedem auffällt und trotzdem noch cool klingt wenn man Senf singt ("ich durchtrennte den Regenbogen um in deinem Blut zu baden...").

Oliver: Wie gehst du mit Kritik um? Wann ist für dich der Bogen kritikmäßig überspannt?

Goethe: Wenn Leute uns, ohne unsere Musik zu kennen, sagen, wir seien Scheiße bloß weil sie es von irgendwem gehört haben das es so ist. Ansonsten bin ich für jegliche Art von konstruktiver (was für ein schönes Wort) Kritik offen. Außerdem, wenn uns alle Leute gut finden würden bräuchten wir nicht mehr arbeiten zu gehen.

Oliver: Für die Tatsache, daß ihr schon ca. 200 Gigs abgezogen habt, seit ihr doch relativ unbekannt oder wie bewertet ihr euren Bekanntheitsgrad?

Goethe: In gewissen Kreisen sind wir glaube ich schon recht bekannt. Das liegt aber auch an einigen Samplerbeiträgen durch die wir überregional bekannt wurden. Und die Gigs tun ihr übriges. Aber du hast schon recht ... im Grunde genommen sind wir recht kleine Lichter am Punkerhimmel.

Oliver: Laut Homepage, steht euer Drummer auf PRO-PAIN und AC/DC. Wie machen sich diese Einflüsse bei ZAUNPFAHL bemerkbar?

Goethe: Das ist schwer zu sagen. AC/DC waren früher auch meine Götter, aber ich glaube das hat eher indirekten Einfluß auf's Songwriting. Eher wird im Proberaum mal der ein oder andere Song der Australier angespielt. Aber schön, daß du dir die Homepage angeschaut hast...

Oliver: Wie schwer hat es eine Punkband im Osten … im Alltagsleben und bei Konzerten … im Hinblick auf rechtes "Volk"?

Goethe: Es ist vor allen Dingen wichtig in gewissen Gegenden im Osten zu spielen damit die Leute, die dort wohnen wissen, daß sie nicht allein gelassen werden mit ihren Problemen. Ansonsten kommt es doch schon vor, daß sich Nazis blicken lassen, aber ich denke das dieses nicht nur ein ostdeutsches Problem ist.

Oliver: Stichwort "Es Stört". Schon mal erlebt oder fiktive Geschichte (recht lustige Story, bei der sich eine absolute Traumfrau am Ende des Songs als "Schwanzträger" entpuppt - Anm. d. Red.)?

Goethe: Glücklicherweise frei erfunden.

Oliver: Die Scheibe vor "Gesicht", namens "Normalböse" erschien ja noch in Eigenproduktion. Worin liegen die Hauptunterschiede zwischen den beiden CD's?

Goethe: Wie gesagt, ich denke daß die neue Platte etwas roher und spontaner klingt als die vorherige. Aber das ist mein persönlicher Eindruck. Und von der Normalböse ist gerade die Nachpressung bei uns eingetroffen.

Oliver: Kennt ihr die Punkband DIE ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN? ZAUNPFAHL erinnert mich irgendwie an DAB …

Goethe: Ich kenne DAB und finde sie auch ziemlich gut. Aber der Vergleich ist mir neu. Vergleiche sind sowieso meist für die Wurst. Mit was wir auch schon alles verglichen wurden...

Oliver: Wie sieht's mit 'ner Tour zur aktuellen Scheibe aus oder beschränkt ihr euch lieber auf Einzelgigs?

Goethe: Die meisten Konzerte werden sich am Wochenende abspielen. Aber einmal im Jahr haben wir bislang immer eine komplette Woche gemacht . Mal sehen.

Oliver: Das Interview, das du gerade beantwortest ist ja für ein Online-Metal-Mag. Welchen Stellenwert nehmen für dich persönlich Online-Mags verglichen zu "herkömmlichen" gedruckten Magazinen ein?

Goethe: Ehrlich gesagt habe ich noch nicht viele Online-Mags gelesen. Vielleicht sollte ich mir das angewöhnen. Das würde jeden Monat das Geld für das ROCK HARD sparen. Aber wie kriege ich meinen PC aufs Klo???

Oliver: Hättest du die Möglichkeit einen Tag lang eine andere Person zu sein, in welche Rolle würdest du gerne schlüpfen und warum?

Goethe: Also, ich reiche mir schon vollkommen.

Oliver: Ohne euch auf den Schlips treten zu wollen, behaupte ich mal, daß ihr an euren Instrumenten sicher keine Filigrantechniker seit … wer kann das auch schon von sich behaupten!? Wie wichtig ist euch musikalische Perfektion wenn ihr im Studio weilt?

Goethe: Es ist schon sehr wichtig, daß alles ziemlich rund und hörbar ist. Denn wenn alles Scheiße klingt hat niemand was davon. Aber es muß auf alle Fälle rauszuhören sein, daß uns die Musik Spaß macht ... soll heißen, daß es in gewisser Weise auch spontan sein sollte. Das Produkt muß dann aber doch schon so klingen, wie wir uns das vorgestellt haben.

Oliver: Wie muß ich mir eure Live-Gigs vorstellen?

Goethe: Also auf http://www.ZAUNPFAHL.de klicken, sich ein Konzi raussuchen, hinkommen und anschauen bzw., hören.

Oliver: Wir waren ja schon vorher bei dem Thema "Online". Wie stehst du zum Thema MP3 Trading-Foren und dem Internet im Allgemeinen?

Goethe: Das Internet und MP3 ist gerade für relativ unbekannte Bands wie uns eine feine Sache. Jeder kann sich deine Tracks anhören und wenn sie gefallen zum Konzert kommen und lauthals mitsingen. Das ist doch `ne ziemlich geniale Geschichte wie ich finde. Sicherlich werden weniger CD's gekauft, aber wenn die Konzi's dafür umso geiler sind wiegt das alles wieder auf. Unser "Terrorist" war ziemlich lange in den Top 50 von www.MP3.de, den kennen jetzt auch richtig viele...

Oliver: Welche 3 Dinge würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen? (Danke, daß du das kleine Wörtchen "nicht" aus meiner Frage entfernt hast … - Anm. d. Red.)

Goethe: LÜBZER PILS, `ne Angel und mein Handy (wegen Bier nachbestellen).

Oliver: Laß uns doch mal über die schrecklichen Ereignisse des 11. September in New York und Washington reden, die wohl jeder noch mehr als deutlich vor Augen hat. Wie und wann hast du davon erfahren? Was waren deine ersten Gedanken?

Goethe: Das geht doch gar nicht !!! Ich habe an dem Tag die halbe Nacht vor dem Fernseher gesessen und konnte einfach nicht glauben was da passiert ist. Man kann zu den USA stehen wie man will, aber das war eine ganz miese Geschichte. Allerdings hatte ich dann auch gehofft daß diese Ereignisse uns, die wir ja auf der Sonnenseite dieses Planeten leben, mal ins Bewußtsein rufen das es den meisten Menschen auf dieser Welt eher schlecht geht und daß sich dahingehend etwas ändert. Aber mittlerweile scheint der Krieg (glaubt man der CNN-Propaganda) ja wohl so gut wie gewonnen und somit wird wohl alles so bleiben wie gehabt. Und dann braucht sich niemand zu wundern, wenn pro Tag Tausende neue Osamas heranwachsen.

Oliver: Kommen wir zu einer eher makaberen Frage: angenommen du wärst tot, hättest aber davor noch die Möglichkeit gehabt, deinen eigenen Nachruf zu verfassen. Was hättest du geschrieben?

Goethe: "Hier sollte eigentlich mein Nachruf stehen, aber es ist mir nix Passendes eingefallen"

Oliver: Gut, dann machen wir mal hier Schicht im Schacht. Danke für die Antworten. Du hast das letzte Wort ...

Goethe: Denn mach ich jetzt mal den berühmt berüchtigten Wink mit dem ZAUNPFAHL: Homepage -> Konzert -> CD -> T-Shirt -> glücklich.

Redakteur:
Oliver Kast

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