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AC/DC - Frankfurt

03.04.2009 | 11:19

25.03.2009, Festhalle

Deutschland steht endlich mal wieder amtlich unter Strom! AC/DC geben sich nach über acht Jahren die Ehre und verwöhnen ihre ausgehungerten Fans im Rahmen der seit Herbst 2008 laufenden "Black Ice Tour" am heutigen Abend in der schon seit Monaten ausverkauften Frankfurter Festhalle.

Der "Rock'n'Roll Train" macht im Frühjahr hierzulande Halt an sieben Stationen, ehe es im Mai nochmals auf Open-Air-Tour geht. Während die sieben Hallenshows binnen weniger Minuten ausverkauft waren, gingen die Tickets für die kommenden Open-Air-Veranstaltungen ebenfalls weg wie warme Semmeln, und auch hier vermeldete man nach kürzester Zeit "sold out". Mittlerweile sind angeblich wieder offizielle Tickets über die bekannten Internetvorverkaufsstellen verfügbar, da man aufgrund der großen Nachfrage kurzerhand wohl noch einmal die Kontingente aufgestockt hat.

Wie schon beim ersten Tourabschnitt jenseits des Atlantiks werden die Australier von den nordirischen Hopefulls THE ANSWER begleitet, die bereits im Jahre 2007 erste Erfahrungen mit "Rock-Dinos" sammeln konnten, als man die ROLLING STONES kurzfristig als Ersatz für AMY WINEHOUSE bei zwei Gigs in Deutschland begleiten durfte. Im Vorfeld wurden die Mannen aus Newcastle, County Down, allerorts mit Lob nur so überschüttet und gar als die neuen LED ZEPPELIN gefeiert. Stilistisch wandeln THE ANSWER zumindest auf den gleichen Pfaden und nennen neben den Zeppelinen auch noch THE WHO, FREE, THE BLACK CROWES und TESLA als musikalische Einflüsse.

Die Band lebt insbesondere von der Energie ihres Sängers Cormac Neeson, der sich viel von seinem Idol Robert Plant abgeschaut hat. Man merkt der Band an, dass diese bereits seit dem Jahr 2000 miteinander musiziert. Mit 'Come Follow Me', 'Never Too Late' und 'Under The Sky' serviert man mit den drei Singleauskopplungen des Debütalbums "Rise" aus dem Jahre 2006 Altbekanntes, während die übrigen vier Songs vom diesjährigen Output "Everyday Demons" stammen. Routiniert und engagiert geht man zu Werke und erntet nach gut dreißig Minuten mehr als Höflichkeitsapplaus. Ich persönlich werde auf jeden Fall mal beide Alben antesten.

Setlist THE ANSWER:
Come Follow Me
Walkin' Mat
Demon Eyes
Never Too Late
Tonight
On And On
Under The Sky

Pünktlich um 21.00 Uhr erlöschen die Lichter in der Festhalle, und der Abend wird durch eine unterhaltsame dreiminütige Videoeinspielung eingeläutet, in der der animierte "Rock'n'Roll Train" mit Vollgas durch die Lande zieht und schlussendlich in die Halle kracht. Nach einem lauten Donnerhall teilt sich die Leinwand seitlich nach links und rechts und bringt hinter dem Schlagzeug eine überdimensionale Dampflok zum Vorschein, die den Australiern als Bühnendekoration dient. Zugleich sprinten Angus Young und Co. auf die Bretter, um die gut und gerne 12.500 Anwesenden zu begrüßen. Die Halle gleicht einem Tollhaus, als die ersten Klänge zu 'Rock'n'Roll Train' erklingen. Die erste Singleauskopplung des aktuellen Albums "Black Ice" ist wie geschaffen als Opener und heizt der Meute gleich ordentlich ein.

Während sich die Doppelspitze Brian Johnson und Angus Young die Seele aus dem Leib rennt und schwitzt, haben Rhythmusgitarrist Malcolm Young und Bassist Cliff Williams wie gewohnt überwiegend den Aktionsradius eines Bierdeckels und trotten nur für die Hintergrundgesänge aus der Bühnenmitte an die Front. Souverän und nahezu stoisch bearbeit Schlagzeuger Phil Rudd seine Drums, wobei die Frisur selbst im Zugabeteil immer noch wie frisch geföhnt sitzt. Schön das sich in dieser Hinsicht nichts geändert hat und alles beim Alten geblieben ist. Glücklicherweise nicht bei der Songauswahl: AC/DC haben ein gesundes Mischungsverhältnis von Klassikern und neuem Material gefunden, ohne die aktuelle Veröffentlichung allzu sehr zu vernachlässigen bzw. über Gebühr zu feiern. Mit 'Big Jack', 'Black Ice', 'War Machine', 'Anything Goes' und dem bereits erwähnten Opener haben es immerhin fünf Stücke ins Programm geschafft, die sich locker, flockig ins Standardprogramm einreihen und der durchwegs guten Stimmung im Publikum keinen Abbruch tun.

Brian Johnson ist trotz seiner einundsechzig Lenze noch immer bestens in Form und keift wie eh und je ins Mikro. In punkto Outfit wirkt der Sänger eher wie der Trinkkumpane vom Tresen eines Pubs. Mit Batschkappe, Jeans, schwarzem Harley-Davidson-Hemd und Bikerstiefeln wäre er im Publikum heute Abend auch nicht weiter aufgefallen. Der rüstige Frontmann macht Unmengen von Metern und nutzt die Bühne in seiner ganzen Breite und scheut auch nicht den tiefen Ausleger. Immer wieder kommuniziert er auch nonverbal mit dem Publikum. Überhaupt merkt man ihm die Freude an, nach über acht Jahren mal wieder ausgiebig zu touren. Das Gleiche gilt für Leadgitarrist Angus Young (53), der dem Kraftpaket Johnson in nichts nachsteht und in seiner Schuluniform in alter Manier über die Bühne schreitet. Lediglich die Haare sind beim Publikumsliebling etwas lichter geworden (wohl dem, der noch Haare hat).

Alles in allem verläuft die Show in gewohnten Bahnen: Johnson hängt bei 'Hells Bells' am Glockenseil, und Angus Young watschelt gebückt im Scherenschritt über die Bühne und zieht bei 'The Jack' (teilweise) blank. Früher durfte man spätestens jetzt das erste Mal das blanke Hinterteil des kleinen Gitarristen bewundern, doch spitzbübisch grinsend kommen heuer nur noch die Shorts mit einem breiten AC/DC-Logo auf der Kehrseite zum Vorschein. Nebenbei entlockt Young seiner Gibson-SG-Gitarre erdige Soli und veredelt Perlen wie 'Back In Black', 'Shoot To Thrill', 'T.N.T.' oder 'You Shook Me All Night Long'. Als Dankeschön wird er immer wieder mit "Angus!"-Rufen gefeiert.

Die große Bühne mit seinem langen Ausleger entpuppt sich als Laufgehege für die beiden Hauptakteure. Zur visuellen Untermalung der dargebotenen Klassiker dienen zahlreiche Videoeinspielungen, die auf die beiden großen Leinwände projiziert werden. Für mich ist einer der Höhepunkte eindeutig die überdimensionale aufgeblasene "Rosie", die während 'Whole Lotta Rosie' einen wilden Ritt auf der Dampflok hinlegt. Wenn das mal nicht sexy ist!

Das Finale läutet dann 'Let There Be Rock' ein, ehe nach den Rausschmeißern 'Highway To Hell' und 'For Those About Rock' die Salven aus den abgefeuerten Kanonen den Abend stilecht mit einem lauten Knall beenden. Danke Frankfurt, danke AC/DC! Die alten Herren haben vollends überzeugt, und ich freue mich schon auf die anstehenden Open Airs!

Setlist AC/DC:
Rock'n'Roll Train
Hell Ain't A Bad Place
Back In Black
Big Jack
Dirty Deeds
Shot Down In Flames
Thunderstruck
Black Ice
The Jack
Hells Bells
Shoot To Thrill
War Machine
Anything Goes
You Shook Me All Night Long
T.N.T.
Whole Lotta Rosie
Let There Be Rock
----
Highway To Hell
For Those About To Rock

Redakteur:
Frank Hameister

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