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ARCH ENEMY - RheinRiot - Köln

14.08.2016 | 12:48

07.08.2016, Live Music Hall

Mit frischer Besetzung zu neuen Erfolgen!

Bei den Schweden ARCH ENEMY hat sich in den vergangenen Jahren das Besetzungskarussell wieder einmal heftig gedreht. Den Tiefpunkt markierte dabei wohl das Jahr 2014, in dem im Abstand von nur wenigen Monaten Frontfrau Angela Gossow und Gitarrist Nick Cordle, der gerade erst zwei Jahre zuvor den ausgestiegenen Christopher Amott ersetzt hatte, ihren Abgang verkündeten. Doch Michael Amott und seine verbliebenen Mitstreiter ließen sich davon nicht stoppen, sondern rekrutierten kurzerhand die ehemalige THE AGONIST-Sängerin Alissa White-Gluz, sowie den Ex-NEVERMORE-Gitarristen Jeff Loomis, veröffentlichten die neue Platte "War Eternal" und begaben sich auf eine ausgedehnte Welttournee, um das neue Gesicht von ARCH ENEMY auch den Fans zu präsentieren. Gute zwei Jahre später ist das Quintett mit der gleichen Scheibe im Gepäck noch immer unterwegs und macht am heutigen Abend in der Kölner Live Music Hall beim "RheinRiot"-Festival Station, was wir zum Anlass nehmen, uns recht spontan vor Ort von den Qualitäten der neuen Besetzung zu überzeugen.

Dieser recht kurzfristigen Entscheidung ist es dann auch geschuldet, dass wir erst zu Beginn des Sets von DEVILDRIVER die Location erreichen. Vorab konnten sich bereits KRYPTOS, BLIKSEM und die Death-Metaller ABORTED auf diesem neu ins Leben gerufenen Event präsentieren, mussten sich allerdings allesamt mit eher spärlichen Besucherzahlen zufrieden geben. Auch als Dez Fafara und seine Mitstreiter die Bühne entern, ist die Halle erst gut zu einem Drittel gefüllt, was sicher auch zum Teil an den vielen Metalheads liegt, die sich lieber im Innenhof der Live Music Hall ein Bierchen und vor allem eine wohlverdiente Pause von den eher tropischen Temperaturen vor der Bühne gönnen. Trotzdem bestätigt sich der Eindruck der letzten Jahre, dass am Wochenende des Wacken Open Airs in der Domstadt mit Veranstaltungen einfach nichts zu holen ist. Fast schon traditionell sind an diesem Wochenende alljährlich die Szenekneipen und Konzertsäle wie leer gefegt, weil scheinbar doch ein großer Teil der Kölner die alljährliche Wallfahrt nach Schleswig-Holstein antritt. Die Amerikaner lassen sich davon allerdings nicht aufhalten und schaffen es schon nach kurzer Zeit die Anwesenden zu einem ersten Circle-Pit zu animieren. Auch die musikalisch Leistung des Quintetts ist durchaus ansprechend und so steht nach gut einer Stunde eine kurzweilige und sehr unterhaltsame Show zu Buche, mit der die Anwesenden bestens auf den Headliner des heutigen Abends eingestimmt wurden.

Es folgt eine kurze Umbaupause, bevor ARCH ENEMY schlussendlich zum Intro 'Khaos Overture' um 22:00 Uhr die Bühne entert. Inzwischen haben sich auch sämtliche Besucher in der Halle eingefunden, die sich nun zumindestens gut zur Hälfte gefüllt präsentiert. Für Michael Amott und Co muss dieser Anblick wohl der größtmögliche Kontrast sein, denn vor nicht einmal 24 Stunden stand der Fünfer noch vor 75000 Zuschauern auf einer der Hauptbühnen des Wacken Open Airs. Doch die Schweden sind Profis und lassen sich dementsprechend keinerlei Enttäuschung anmerken, sondern starten mit 'Yesterday Is Dead And Gone' in ihr Set. Bis hierher haben sicherlich einige Zuschauer ein kleines Déjà-vu, denn bisher gleicht die Show damit der vorhergegangenen Tour zum "Khaos Legions"-Album. Spätestens als Alissa White-Gluz dann allerdings mit ihrer blauen Mähne die Bühne stürmt, ist dann aber jedem Anwesenden klar, dass er hier die neuen ARCH ENEMY vor sich hat. Fast könnte man sogar von einer ganz neuen Band sprechen, denn Alissas unbändige Energie färbt auch auf ihre Kollegen ab und beflügelt die gesamte Mannschaft zu neuen Höchstleistungen. So geht es dann auch direkt mit Vollgas und dem Klassiker 'Burning Angel' weiter, bevor im Anschluss 'War Eternal' den Reigen der Songs vom aktuellen Langspieler eröffnet, der mit insgesamt fünf Nummern auf der heutigen Setlist sehr prominent vertreten ist. Verwunderlich ist das allerdings nicht, denn in den vergangenen zwei Jahren haben sich bärenstarke Tracks wie 'Stolen Life', das klassisch angehauchte 'Avalanche' oder der Über-Hit 'You Will Know My Name' einen festen Platz im Repertoir des Fünfers erspielt und werden auch über diese Tour hinaus einen Platz im Set sicher haben.

Doch es ist nicht nur die Songauswahl, die heute Abend überzeugen kann, denn auch die neue Besetzung liefert musikalisch eine biltzsaubere Performance ab und wirkt dabei perfekt aufeinander eingespielt. Das Herz der Musik bildet dabei natürlich weiterhin Michael Amott, der wie immer seiner Flying-V eine wunderbare Lead-Melodie nach der anderen entlockt und dessen Performance überraschend gut mit der von Jeff Loomis auf der anderen Seite der Bühne harmoniert. Vielen wird Loomis ja eher durch seine imposanten Soloalben und sein Wirken bei den Prog-Metallern NEVERMORE bekannt sein, aber auch im Melo-Death-Kontext macht der Amerikaner eine sehr gute Figur. Technisch ist der Blondschopf dabei wie immer über jeden Zweifel erhaben und ergänzt gleichzeitig mit seinem ultra präzisen und schnellen Spiel perfekt die eher melodische Herangehensweise von Amott. Doch so stark das Gitarren-Duo auch agiert, das Zentrum der Show bleibt Alissa, die nicht nur wie ein Derwisch über die Bühne fegt, sondern es auch versteht, das Publikum zu animieren. Auch stimmlich hat die junge Dame ihrer Vorgängerin einiges voraus, denn wo Angela Gossows Shouts oftmals live eher dünn aus den Boxen dröhnten, stellt Alissa mit ihren tiefen und voluminösen Growls viele andere männliche Shouter locker in den Schatten.

Bei dieser insgesamt rundum gelungenen Performance ist es dann auch kein Wunder, dass die Stimmung in der Halle bald problemlos über die Tatsache hinweg täuscht, dass locker noch einmal die doppelte Anzahl von Zuschauern hinein gepasst hätte. Zum Ende der Show zieht der Fünfer dann noch einmal alle Register und entlockt den verschwitzen Fans mit dem mächtigen 'No Gods, No Masters', der thrashigen Abrissbirne 'Dead Bury Their Dead' und der abschließenden Hymne 'We Will Rise' noch einmal die letzten Kraftreserven, bevor nach gut 75 Minuten der regulären Teil der Show beendet ist. Der Curfew der Live Music Hall ist zu diesem Zeitpunkt eigentlich längst überschritten, doch niemand traut sich, Amott und seinen Mitmusikern den Saft abzudrehen. Gut so, denn mit 'Blood On Your Hands', dem Instrumental 'Snow Bound' und natürlich dem unvermeindlichen 'Nemesis' gibt es zum Abschluss noch einmal drei echte Highlights zu hören, mit denen ARCH ENEMY die Anhänger nun endgültig gegen Mitternacht in den kühlen Kölner Abend entlässt.

Setlist ARCH ENEMY: Khaos Overture, Yesterday Is Dead And Gone, Burning Angel, War Eternal, Ravenous, Stolen Life, My Apocalypse, You Will Know My Name, Bloodstained Cross, Under Black Flags We March, As The Pages Burn, Dead Eyes See No Future, Avalanche, No Gods No Masters, Dead Bury Their Dead, We Will Rise, Blood On Your Hands, Snow Bound, Nemesis, Fields Of Desolation (Outro)

Abschließend bleibt festzuhalten, dass Besetzungswechsel eben doch nicht immer schlecht sein müssen. Viel mehr kann eine solche Frischzellenkur einer routinierten Band auch ganz neuen Elan und frische Energie verleihen. Genau diesen Effekt hatten Jeff Loomis und Alissa White-Gluz zumindestens bei ARCH ENEMY, weshalb ich auch keinerlei Zweifel daran habe, dass die Schweden ihre Top-Position im Melo-Death-Sektor auch in den kommenden Jahren weiter festigen werden. Ob allerdings das neue Kölner Mini-Festival "RheinRiot" eine ähnliche Zukunft hat, darf nach den doch eher enttäuschenden Besucherzahlen der ersten Auflage bezweifelt werden. Vielleicht lag es am ungünstigen Termin am Sonntagabend, oder an der für einen solchen Event doch sehr ungeeigneten Location. Vielleicht sollten sich die Veranstalter aber auch einfach ein Beispiel am namentlich ähnlichen ElbRiot Festival in Hamburg nehmen, denn mit dem Tanzbrunnen gäbe es für ein solches Open Air mitten in der Stadt auch in Köln durchaus eine geeignete Location. Mit den richtigen Rahmenbedingungen könnte ich mir zumindest vorstellen, dass ein solches Festival auch hier auf reges Interesse stoßen würde.

Die Bilder des Artikel stammen vom Auftritt beim Wacken Open Air 2016, der knapp 22 Stunden vor der Show in Köln stattfand und bei dem meine Kollegin Leoni Dowidat die Band für powermetal.de vor der Kamera hatte.

Redakteur:
Tobias Dahs

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