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ARENA - Augsburg

14.05.2018 | 21:08

07.05.2018, Spectrum

Qualitativ hochwertiger Britprog in der Fuggerstadt.

Seit 23 Jahren und neun Studioalben tourt die von ex-MARILLION-Schlagzeuger Mick Pointer und Clive Nolan von PENDRAGON gegründete Prog-Band nun durch die Musikgeschichte, mittlerweile auch schon seit über sieben Jahren mit Paul Manzi am Mikrophon, der einen meiner Lieblingssänger, Ron Sowden, ablöste. In diesem Jahr steht aber etwas Besonderes auf dem Programm, denn das Album "The Visitor" wird zwanzig Jahre alt. Ich finde es interessant, dass die Band sich berufen fühlt, das komplette Album zu spielen, da ich eigentlich die beiden nachfolgenden Alben für ihre bislang besten halte und "The Visitor" für mich immer im Schatten der beiden Überwerke "Immortal?" und "Contagion" stand.

Aber natürlich kann mit Songs wie 'Crack In The Ice' nichts schief gehen, als ARENA pünktlich im 20:00 Uhr in das Konzert einsteigt. Das Spectrum sieht eingermaßen gefüllt aus, aber hier weiß man auch, wie man taktisch clever Tische und Stühle platziert, sodass ein kurzer Blick durch den Saal offenbart, dass ARENA bei weitem nicht den Stellenwert hat, den die Band rein musikalisch haben müsste. "The Visitor" wird die ganze Zeit mit zwei gespannten Videoleinwänden unterstützt, was die Darbietung noch intensiver macht. Natürlich ist ARENA weniger etwas zum Abrocken, als eher etwas zum Genießen, mehr für den Kopf als für den Bauch, sodass es auch der Band wenig auszumachen scheint, dass vorne im Stehbereich deutliche Lücken klaffen.

Es ist witzig, zu sehen, dass die beiden Köpfe der Band eigentlich keine Show machen können, da sie an ihre Instrumente gebunden sind. Schlagzeuger Mick Pointer ist zwar sichtbar, bleibt jedoch sonst unauffällig, doch das zweite Gründungsmitglied, das noch in der Band ist, Clive Nolan, macht so viel Show, wie es ein Keyboard eben zulässt. Ein Keyboard, das man immerhin um 360 Grad drehen kann und das gut im Blickfeld der Anwesenden platziert wurde. Wobei es schwerfällt, den Tastenmann zu übersehen. Nolan hat eine beachtliche Leibesfülle, die sein Charisma unterstreicht und ihn neben Sänger Manzi zum Mittelpunkt der Band macht. Das genaue Gegenteil ist Gitarrist John Mitchell, der geradezu stoisch vor sich hin spielt und im Laufe des Sets nur zweimal ansatzweise lächelt. Das kennen ARENA-Fans aber schon, der Gute lässt eben seine Saiten sprechen, für die Rockposen ist eher Bassist Kylan Amos zuständig, während Sänger Paul Manzi das Konzeptalbum mit verschiedenen Kostümen und einer starken Gesangsleistung zu einem Fest werden lässt.

Nach einer guten Stunde ist "The Visitor" abgefrühstückt, und ohne Pause geht der Auftritt weiter mit einer Mischung aus Songs der gesamten Karriere der Band und neuen Liedern des gerade erst erschienen Albums "Double Vision", zu dem Clive Nolan die Fans bittet, es zu kaufen aber nicht im Internet verfügbar zu machen. Bislang scheint es geglückt zu sein, laut Aussage des sympathischen Briten länger als bei den letzten Alben. Mit 'Poisoned' und 'The Mirror Lies' hören wir gleich zwei Stücke davon, die beide Lust auf das Album machen. Auch ältere Fans kommen zu ihrem Recht, da mit 'Jericho' sogar ein Lied des Debütalbums gespielt wird. Leider darf ich mich nur über die Zugabe 'Ascension' freuen, die von "Contagion" stammt, von "Immortal?" wird auf dieser Tour wohl nichts gespielt. Aber bei einem solchen Konzeptabend muss man Abstriche machen, und ein normales ARENA-Konzert kann ich sicher im nächsten Jahr wieder erleben. Obendrein hoffe ich auf die Tour 2023, wenn ARENA das komplette "Contagion"-Album spielen wird. Mit "Contagious" und "Contagium" als "Contagion Max"-Version. Hach, das wird bestimmt noch großartiger als der heutige tolle Abend, weil dann fast alle meiner Lieblingssongs erklingen werden!

Setliste: A Crack in the Ice; Pins and Needles; Double Vision; Elea; The Hanging Tree; A State of Grace; Blood Red Room; In the Blink of an Eye; (Don't Forget to) Breathe; Serenity; Tears in the Rain; Enemy Without; Running from Damascus; The Visitor; Poisoned; Jericho; The Mirror Lies; The Tinder Box; Solomon; Zugabe: Ascension; Crying for Help VII

Redakteur:
Frank Jaeger

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