top banner 73

ATTIC, FVNERAL FVKK - Hamburg

05.04.2018 | 11:49

08.03.2018, Bambi Galore

Warm Up zum Hell Over Hammaburg Festival.

Wie schon in den letzten Jahren steht das erste Märzwochenende in Hamburg unter dem Motto "Hell Over Hammaburg". In gewohnter Manier findet am Donnerstagabend eine feine Warm-Up-Show zu diesem tollen Hallenfestival an, die in diesem Jahr von FVNERAL FVKK und ATTIC bestritten wird. So finden sich an diesem Abend etwa 200 Musikverrückte im Bambi Galore zu Billstedt ein, um dieses Eriegnis gebührend zu feiern.

Ich bin mit der Musik der lokalen Vorband mit dem ulkig geschriebenen Bandnamen nicht vertraut und weiß lediglich, dass mich hier Doom erwartet. Schon die Optik der Band, die aus Mitgliedern von OPHIS, FÄULNIS und CRIMSON SWAN besteht, ist beeindruckend: Alle vier Musikanten treten in Mönchsgewändern auf. Musikalisch bekommen wir leicht epischen Doom der trockenen Sorte geboten, der vor allem vom abwechslungsreichen Gitarrenspiel und der kraftvollen Stimme lebt. Das Besondere an dem Auftritt ist aber die erzeugte Stimmung, denn Sänger Cantor Cinaedicus kündigt jeden Song mit einer Art Gebet an. Dies geschieht mit einer Ernsthaftigkeit, die man so nicht oft zu sehen bekommt. So entsteht in Kellergewölbe des Clubs eine beinahe sakrale Atmosphäre, die alle Anwesenden in ihren Bann ziehen kann. So vergehen die 35 Minuten Spielzeit der Band in Windeseile, obwohl ich keinen Song vorher kann. Ein eindeutiger Beleg, dass Doom Metal sehr kurzweilig sein kann. Feiner Auftritt.

Nach einer kurzen Umbaupause, in der die Kollegen von ATTIC die kleine Bühne mit allerlei südhimmlischen Accessoires dekorieren, geht es mit dem Titelsong des aktuellen Album "Sanctimonious" gleich in die Vollen. Dies darf gern wörtlich genommen werden, denn ein ausverkauftes Bambi Galore ist dann auch sehr kuschelig. Da weiß man oft gar nicht, ob sein Weizenglas auf der Schulter des Nachbarn platzieren muss oder wie man die Hand zum Mund führen soll, ohne sich beim Nebenmann einzuhaken. Dies sind aber Nebensächlichkeiten, die so einen Abend lediglich intimer machen. Nach 'A Serpent In The Pulpit' schert die Band erstmalig aus dem Storymodus des Konzeptes aus und serviert den Titelsong ihres ersten Albums "The Invocation". Dieser wird, wie auch das anschließende 'Join The Coven', noch besser vom Publikum aufgenommen als die Nummern des aktuellen Werkes.

Mich hält es auch nicht länger in den hinteren Reihen und so stehe ich plötzlich direkt vor der Bühne und lasse mich von ATTIC komplett mitreißen. 'Satans Bride' und das sensationelle 'Die Engelsmacherin' unterstreichen den Eindruck einer fantastisch aufeinander eingespielten Band, der man die Bühnenerfahrung ansehen kann. Meister Cagliostro trifft dabei mit schlafwandlerischer Sicherheit auch die schwierigsten Gesangspassagen und sorgt für staunende Gesichter. Mit dem Tripple 'The Hound Of Heaven','Dark Hosanna' und 'Born From Sin' wird die "Sanctimonious"-Storyline weiter geführt und die beiden Axtschwinger Katte und Rob zeigen, was sie drauf haben. Auch wenn aufgrund des aufgebauten Altars wenig Bewegungsfreiraum auf der Bühne geblieben ist, wirkt die Band zu keiner Sekunde statisch. Die Posen sitzen, ohne gekünstelt zu wirken, sodass ein Gesamtpaket serviert wird, welches alle Anwesenden begeistern mitgehen lässt.

Das abschließende Finale wird mit dem Goldie 'Funeral In the Woods' eingeleitet, einer älteren Nummer, die auch sogleich aus etlichen Kehlen mitgesungen wird. Mein Albumfavorit 'There Is No God' strapaziert dann nicht nur meine Nackenmuskulatur gewaltig. Dieser Song kann einfach mal alles! Ganz großes Tennis. Wohl wissend, dass hier die Geschichte ein Ende hat, verausgabt sich die Meute vor der Bühne bis zum letzten Schweißtropfen. Etwas zu früh, wie sich heraus stellt, denn es folgt nicht die erwartetet Rausschmeißer-Hymne 'The Headless Horseman', sondern eine Hommage an den kürzlich verstorbenen Warrel Dane. Als besonderes Schmankerl brät uns das Quintett 'Die For My Sins' vom ersten SANCTUARY-Album vor den erstaunten Latz. Was für ein Fest! Selbst hier überzeugt der Meister stimmlich, und dass man sich instrumental ebenfalls keine Blöße gibt, muss ich nicht erwähnen, oder? Natürlich gibt es den kopflosen Reiter trotzdem als Sahnehaube auf einen sensationell mitreißenden Gig, von dem man noch lange erzählen wird.

Setliste: Iudicium Die; Sanctimonious; A Serpent In The Pulpit; The Invocation; Join The Coven; Black Mass Intro; Satan's Bride; Die Engelsmacherin; A Quest For Blood Intro; The Hound Of Heaven; Dark Hosanna; Born From Sin; The Hidden Grave Intro; Funeral In The Woods; There Is No God; Die For My Sins; The Headless Horseman

Die großartigen Bilder stammen von Thomas Ertmer.

Redakteur:
Holger Andrae

Login

Neu registrieren