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Audrey Horne, Dead City Ruins, Magick Touch - München

05.02.2018 | 17:43

25.01.2017, Feierwerk

Ein Feuerwerk im Feierwerk!

Es gibt wohl kaum eine Truppe, die es einem leichter macht, Rockmuffeln beizubringen, wie toll diese Musik live sein kann. Und auch gestandene Rockfans, die aber AUDREY HORNE noch nicht gesehen haben, werden ziemlich sicher hinterher begeistert sein. So ging es damals mir, als unser Cheffe mich zum ersten Mal mitgenommen hat und so geht es jedem, den ich danach immer mitgeschleppt habe. So ist die Vorfreude auch diesmal wieder groß, zumal die AUDREYs ja auch noch ein tolles neues Album namens "Blackout" am Start haben. Auch die Vorbands sind bei AUDREY HORNE-Konzerten traditionell gut. Ich habe dort zum Beispiel DEAD LORD gefeiert und die Holländer/innen von GOLD kennen und lieben gelernt. Diesmal sind mit MAGICK TOUCH und DEAD CITY RUINS allerdings für mich völlige Neulinge mit an Bord, also werden die Ohren hier besonders gespitzt.

Los geht es mit MAGICK TOUCH, Landes- und gar Stadtgenossen von AUDREY HORNE (aus Bergen, Norwegen, laut Toschie die "schönste Stadt der Welt"). Das junge Trio spielt knackigen Hard Rock/Metal mit Roots in den 70ern und 80ern, der im Prinzip gut zur Hauptband des Abends passt. Positiv ist hier insbesondere der knackige Gitarrensound (Gibson Les Paul rules!) von Sänger und Klampfer HK Rein, der mit ein paar gewitzten Licks aufwartet, und die insgesamt engagierte Performance. Allerdings fehlt mir bei MAGICK TOUCH beim Songwriting noch der besondere Dreh, denn es wirkt alles doch ein wenig bieder und generisch. Hier darf man gerne noch ein wenig öfter bei den AUDREYs zugucken, die ja quasi aus jedem Song einen Hit machen.

Dead City Ruins München Januar 2018Schon einen ganz anderen Eindruck hinterlassen da die Australier DEAD CITY RUINS. Beeindruckend knallen die massiven Riffs aus den Boxen und Sänger Jake ist mit seiner kraftvollen Stimme, aber auch mit seiner gewagten Bekleidung sofort ein Blickfang. So ein extrovertierter Showman ist natürlich immer ein Plus für eine Band und ihm gelingt es tatsächlich, das immer etwas reservierte Münchner Publikum in der Mitte der Show zu Singspielchen zu animieren. Das kann zwar auch voll in die Hose gehen, aber wenn man so mitreißend performt wie DEAD CITY RUINS, frisst einem das Publikum auch dort aus der Hand. Und die Australier legen wirklich alles in ihre Performance. Da fliegen die Haare, da ist ständig Bewegung auf der Bühne, man spürt die Lust der Band und die Kraft der Musik, die den Alltag vergessen macht. Party ist angesagt.

Auf Konserve erinnert DEAD CITY RUINS' Musik manchmal ein wenig an eine moderne BLACK SABBATH-Version, doch live kommt mir der Vergleich gar nicht in den Sinn. Manchmal wähne ich mich fast auf einem METAL CHURCH-Konzert und auch die spitzen (aber gekonnten!) Kopfstimmen-Einlagen erinnern an diverse US-Metal-Combos. Es ist echt ein cooler Mix aus diversen metallischen Strömungen, den DEAD CITY RUINS hier bietet. Mein Lieblingsmoment des Gigs ist die Reaktion der Band auf eine gerissene Gitarrensaite mitten während eines der zahlreichen zweistimmigen Leads. Der Song wird aber nicht unterbrochen, es gibt erst ein spontanes Solo von Drummer Nick, der hinter seinem Kit aussieht wie Gimli, der Zwerg vom Herrn der Ringe. Es wird ein wenig improvisiert und die Band findet irgendwie wieder punktgenau in die Passage zurück, in der das Missgeschick passiert ist und schließt den Song fulminant ab. Das war ganz groß!

Audrey Horne, Toschie München Januar 2018Die Live-Überraschung durch eine AUDREY-HORNE-Vorband ist also mal wieder mehr als gelungen und ich halte schonmal die Fühler nach dem im April erscheinenden neuen Album "Never Say Die" aus. Ob AUDREY HORNE da noch einen drauf setzen können?

Auch wenn man schon vorher weiß, dass es gut wird, ist es doch immer wieder umwerfend, wenn Toschie, Ice Dale und Kollegen die Bühne entern und loslegen. 'This Is War' ist ein perfekter Opener und die biergeölten Kehlen singen lauthals mit. Erstaunlich, denn der Song ist noch gar nicht so alt. Auch 'Audrevolution' wirkt, als würden man es schon seit Ewigkeiten zocken, ein Partykracher vor dem Herrn. Posing und Stageacting dieser Band ist eine Wonne für jeden Fotografen, wirken aber zu keiner Zeit wie einstudiert. Aus den Gesichtern spricht pure Freude am Spielen.

Die Setliste setzt sich eventuell zur Unfreude alter Fans fast ausschließlich aus Songs der letzten drei Alben "Youngblood", "Pure Heavy" und eben dem aktuellen "Blackout" zusammen, repräsentiert also die Classic-Rock-Phase der Band voller positiver Energie. Und dennoch geschieht etwas furchtbar Böses auf diesem Konzert. AUDREY HORNE spielt 'This Ends Here' nicht am Schluss sondern gleich als vierten Song. Wenn das nicht Stress mit unserem Cheffe gibt, liebe AUDREYs!

Der ist aber nicht hier in München und so können Toschie und Ice Dale ohne Gefahr das Audrey Horne München Januar 2018obligatorische Bad in der Menge (viele bewaffnet mit Smartphones und Kameras und bereit für den besten Schuß) geniessen. Wie oben erwähnt macht AUDREY HORNE aus jeder noch so simplen Idee einen Hit, zum Beispiel aus 'Pretty Little Sunshine', einem meiner liebsten AUDREY-Kracher. Doch was ist denn dann Zugabe, wenn 'This Ends Here' schon vergeben ist?

Okay, ich gebe zu, besser als 'Waiting For The Night' hätte heute Abend kein anderer Song funktionieren können und das Publikum ist in absoluter Partylaune. So klingt der Refrain auch noch Stunden nach dem Konzert noch nach. Das Finale macht dann - tatatataaa - 'Blaze Of Ashes', der einzige Song aus der ersten Bandphase. Ich hätte die beiden Zugabe-Songs zwar umgedreht, das ändert aber nichts an der Bewertung dieses Zehn-Punkte-Konzerts!

Setliste: This Is War, Audrevolution, Out Of The City, This Ends Here, Volcano Girl, Midnight Man, Blackout, The King Is Dead, Naysayer, Pretty Little Sunshine, Straight Into The

Grave, Redemption Blues; Zugaben: Waiting For The Night, Blaze Of Ashes

 

 

 

 

Redakteur:
Thomas Becker

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