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BACKYARD BABIES, THE BONES und AUDREY HORNE - München

08.03.2019 | 17:00

01.03.2019, Backstage Werk

Darum spielt AUDREY HORNE hier nicht als Headliner!

Ha! Erwischt! Ihr seid in meine Klickfalle geraten. Denn eine befriedigende Erläuterung zu meinem Teaser werdet ihr in diesem Text nicht finden. Jetzt wo ihr aber schon da seid, können wir auch ein wenig über TourplakatGeschmack reden. Selbstredend toleriere ich andere Geschmäcker, doch seien wir mal ehrlich: Meiner ist schon der Beste! Von daher sollte es auch klar sein, dass etwas an der Reihenfolge dieses Billings falsch ist. AUDREY HORNE als erste Band? Vor den BACKYARD BABIES? Okay, die machen schon Spaß, aber vor THE BONES? Die kenne ich ja nicht einmal! Sachen gibt's...

Dafür, dass AUDREY HORNE hier "nur" eröffnet, kann es nur drei Gründe geben, die ich Folgenden näher analysieren möchte: a) THE BONES und BACKYARD BABIES sind wirklich besser als AUDREY HORNE, b) die Hardrock-Fans beziehungsweise die Menschheit an sich haben keine Ahnung und sind doof, oder c) Angela Merkel.

Los geht es kurz nach sieben, also relativ früh für einen Freitagabend, mit, tja, AUDREY HORNE. Das Konzert ist so gut wie ausverkauft, ich kann aber dennoch problemlos in die erste Reihe spazieren. Menschen kennen also AUDREY HORNE nicht oder ignorieren sie. Mann, Mann! Aber was kümmern mich andere, für mich ist's super ganz da vorne. Zum ersten Mal sehe ich nämlich Kjetil Greve - AUDREYs Schlagzeuger - von Angesicht zu Angesicht, denn das Drumkit steht quasi am Bühnenrand. Und von der ersten Sekunde an verkörpert die Band alles, was man sich in einer idealen Welt unter einer rockenden Metalband vorstellt. Adrenalingefüllte Musiker, die ihrem Herz freien Lauf lassen und das machen, für das Gott - meinetwegen auch der Teufel - sie erschaffen hat. Ice Dale und Thomas Tofthagen sind ein posendes Gitarrendoppel aus dem Bilderbuch und sie tun dies so natürlich, dass man sie einfach nur lieben muß. Espen Lien ist der bärtige Wikinger mit glattem Schädel, natürlich spielt der knuffige Kauz Bass und ist ein wahres Bühnentier. Und natürlich Toschie, in weißem Anzug und schwarzer Krawatte, ein Animateur, eine Gute-Laune-Bombe, ein fantastischer Sänger, ein Blickfang.

Bei AUDREY HORNE weiß man tatsächlich nicht, wo man hinschauen soll, es passiert überall und ständig was. Ach, und Musik machen sie ja auch. Acht Songs werden gespielt, alle auf dem Niveau alter MAIDEN-Klassiker und mit einem enormen Spaßfaktor mitreißend dargeboten. Bei 'This Is War', 'Audrevolution', 'Redemption Blues' oder 'Waiting For The Night' sollten bei niemandem, der Heavy Metal mag, Fragen offen bleiben. 10 Punkte ohne Wenn und Aber.

Eigentlich kann ich nach dem AUDREY HORNE-Gig Erklärung a) (THE BONES und BACKYARD BABIES sind besser) für mein Teaser-Statement schon ausschließen. Dennoch bin ich fair und bleibe da. Schnell wird aber klar, warum ich von THE BONES noch nie etwas gehört habe. Da stehen vier ältere Herren, was an sich völlig okay ist, aber sie spielen diese Art von Fun-Punk-Rock, der mir gar nichts gibt. Irgendwie habe ich trotzdem das Gefühl, hier eine zwar alternde, aber in irgendeiner Weise relevante Rocklegende zu sehen, die eventuell sogar schon in den Siebzigern gepunkrockt hat. Denn die Leute grölen viele Refrains textsicher mit und manches kommt mir dazu noch dezent bekannt vor. Aber nein, die BONES sind eher eine Erscheinung der 2000er-Jahre, die aus dem schwedischen TURBONEGRO/HELLACOPTERS/BACKYARD BABIES-Punk 'n' Roll-Umfeld entspringt.

Mir wird nach 20 Minuten langweilig und ich schaue nach einem Alternativ-Programm. Da wäre zu einen der Bierstand. Hier habe ich für Interessierte einen Tip: Das "normale" Helle im Backstage macht mir und anderen oft böse Kopfschmerzen am nächsten Tag. Den Augustiner Ekelstoff kann ich auch nicht mehr trinken, aber das Zwickl ist wirklich gut! Draußen auf der Großleinwand läuft Augsburg gegen Dortmund. Da ist es aber kalt und es ist zudem ein unansehnliches Gekicke. Also wieder rein, wo zwei langhaarige Bombenleger an mir vorbeischleichen. Das sind doch Ice Dale und Thomas, die Gitarristen von den AUDREYs! Ich gehe zum Merch-Stand, wo sich tatsächlich ein paar Leute aufhalten, gratuliere Ice Dale zu einer tollen Show und frage ihn, warum sie nicht nach diesen alten Knochen spielen. Er weiß es nicht. Ich frage nach der nächsten Headlinertour. Da weiß er aber auch nichts drüber. Aber wenn er es nicht weiß, wer weiß es dann?

Die BONES sind dann auch irgendwann zu Ende und ich begebe mich wieder weit nach vorne, immer noch auf der Suche nach Antworten auf meine Eingangsfrage. Ich schaue mich zunächst mal um und inspiziere, was BACKYARD BABIES-Fans so an T-Shirts tragen. Ich sehe BABYMETAL. Joa, passt. Zumindest vom Namen her. FIVE FINGER DEATH PUNCH. HARDCORE SUPERSTAR. SOCIAL DISTORTION. Nee, irgendwie nicht so meine Welt. Ein langhaariger BABIES-Fan mit oben ohne fragt mich, ob er mal an meinem Bier nippen kann. Er erzählt mir, dass jetzt gleich die beste Band der Welt komme. Ich entgegne ihm, dass diese schon gespielt habe. "Du stehst auf AUDREY HORNE? Bist Du schwul?" fragt er. Ich verneine vorsichtshalber. Was jetzt keine Lüge ist.

Die Wartephase wird länger und länger, doch endlich legen die BACKYARD BABIES los. Und ja, auch mit AUDREY HORNE-Fanbrille muss ich zugeben, die haben was. Ein knackig-rockender, voller Sound kommt hier von der Bühne und die Typen sind einfach Charakterköpfe. Ganz anders zwar als AUDREY HORNE und irgendwie ziemlich kaputt, aber definitiv mit dem gewissen Etwas, das ein Headliner für mich haben muß. Vor allem Gitarrist Dregen zieht eine skurrile Show ab, diesen Typen mit seinen Piercings, seiner Schminke und seiner eigenartigen Kopfbedeckung muss man mal erlebt haben. Auch musikalisch bin ich bei den BACKYARD BABIES weitestgehend dabei. Klar ist das Gerüst der typische Rotz 'n' Roll, ich bin allerdings überrascht von einer nicht erwarteten stilistischen Vielfalt. Es kann auch mal MONSTER MAGNET-mäßig schwer und heavy werden, dann PLACEBO-artig melancholisch, aber durchaus auch locker-flockig-poppig. Sogar eine kleine Akustik-Session wird geboten, die allerdings ein wenig den Drive aus dem Gig nimmt. Danach finde ich auch nicht mehr richtig rein. Cool bleibt es aber bis zum Schluß und die Stimmung ist auch prächtig. BACKYARD BABIES wäre doch ein toller Anheizer für AUDREY HORNE gewesen!

Das bringt mich zurück zum Teaser. Wie zu erwarten, waren die Norweger die beste Band des Abends. Bleiben als Begründung für die unbefriedigende Position im Billing nur noch die Doofheit der Menschheit und die Kanzlerin. Letztere wird zwar für vieles verantwortlich gemacht, aber um Rock und Metal schert sie sich ebenso wenig wie um Karneval, deshalb schließe ich sie aus. Dann bleibt nur noch die Welt übrig. Die ist bekanntlich hart, aber ungerecht. See ya on BANG YOUR HEAD, AUDREY HORNE!

Redakteur:
Thomas Becker

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