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BATTLESWORD, N.M.A.C und 11REDEARTH - Bonn

11.10.2017 | 20:36

06.10.2017, Rock & Pop Zentrum (RPZ)

So geht Underground-Support - Teil 2!

Bereits vor gut drei Monaten haben wir für euch die Underground-Konzertreihe "Bauhaus Live" in Troisdorf besucht und waren damals mehr als begeistert. Doch Thorsten Schramm und seine One-Man-Agentur Taktart Booking versuchen nicht nur die lokale Metalszene auf der östlichen Seite des Rheins (oder Schäl Sick wie der Kölner sagen würde) am Leben zu erhalten, sondern etabliert mit der Taktart Clubshow gerade auch eine weitere Konzert-Serie im neu geschaffenen Rock & Pop Zentrum in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn. An vier Terminen im Jahr lädt der SOBER TRUTH-Fronter in die erst vor kurzem eröffnete Location, die einen Ersatz für die inzwischen doch etwas heruntergekommene Klangstation in Bad Godesberg bieten soll. Jeweils drei Undergound-Kapellen sind an diesen Abenden am Start, die dem Publikum für schlappe sechs Euro Eintritt ordentlich einheizen. Wenn dann auch noch ein echtes Highlight wie die Melodic-Deather BATTLESWORD auf dem Programm steht, bleibt einem fast nichts anderes übrig, als die Anreise in den Bonner Süden anzutreten und  sich vor Ort mal ein Bild zu verschaffen.

Doch bevor die Jungs vom Niederrhein ran dürfen, stehen erst einmal zwei weitere Bands auf dem Speiseplan. Den Anfang machen um Punkt 20:00 Uhr dabei die Rocker 11REDEARTH, die ihr Hauptquartier zwar im beschaulichen Mechernich in der Eifel aufgeschlagen haben, aber am heutigen Abend trotzdem als Lokalmatadoren durchgehen. Passend zum Ort des Proberaums betitelt das Quartett seine Musik auch als Eifel Noise, was eigentlich nur eine witzige Umschreibung für einen intensiven Mix aus Hardcore und Metal mit leicht psychodelischer, ja fast schon doomiger Schlagseite ist. Mit diesen Zutaten kreieren die Jungs einige wirklich spannende Tracks, die mit feinen Dynamikwechseln punkten können. Trotzdem fehlt dem Material in meinen Ohren ab und an noch der letzte Schliff, weswegen so manche gute Idee sich doch etwas im Sande verläuft. Ausgeglichen wird dieser Kritikpunkt allerdings von einer technisch blitzsauberen Performance des Vierers. Die Rhythmusgruppe grooved perfekt, während Gitarrist Fabio mit seiner Gitarrenarbeit immer wieder feine Akzente setzt und Fronter Simeon sich irgendwo zwischen Verzweiflung und Wut die Seele aus dem Leib singt. Dementsprechend erntet die Truppe nach guten vierzig Minuten auch einen ordentlichen Schlussapplaus und hat so schlussendlich mit einer mitreißenden Show die kleineren Schwächen im Songmaterial ausgebügelt.

Während im Anschluss die Kölner N.M.A.C die Bühne für ihre Show vorbereiten, ertappe ich mich insgeheim dabei, wie ich eine doch eher durchwachsene Performance erwarte. Immerhin hat sich die Truppe dem Nu Metal verschrieben und gerade in dieser Richtung habe ich zuletzt selten wirklich gute Newcomer gehört. Spätestens nach dem ersten Track des Quintetts möchte ich mich aber schon für diese Voreingenommenheit entschuldigen, denn was Fronter Andy und seine Mitstreiter hier auf die Bühnenbretter des RPZ zaubern, ist allererste Sahne. Musikalisch irgendwo zwischen LIMP BIZKIT, P.O.D und den Genre-Urvätern KORN angesiedelt, katapultiert der Fünfer die Anwesenden praktisch direkt zurück in die späten Neunziger und frühen Zweitausender, als der Nu Metal gerade den Mainstream eroberte. Ganz besonders gefällt mir persönlich dabei die Gitarrenarbeit von FJ und Inge, die mit ausgefallenen Soundspielerein immer wieder Akzente setzen und dem bärenstarken Songmaterial damit den letzten Schliff verpassen. Auf dem Programm stehen dabei heute nicht nur Songs der aktuellen EP "First Strike", sondern auch eine ganze Stange von frischen Tracks, an denen der Fünfer gerade werkelt und die vielleicht sogar noch in diesem Jahr auf einer weiteren EP erscheinen werden.

Ebenfalls als Pluspunkt kann die sympathische Art von Fronter Andy verbucht werden, mit der er in den Pausen zwischen den Tracks für ein paar Lacher sorgt und so auch gekonnt kleinere technische Pannen überspielt, wie etwa die gerissene Saite von Inges Instrument, die die Band während 'Ultraviole(n)t' kurzzeitig zum Quartett macht. Einen rekordverdächtig schnellen Saitenwechsel später ist die Truppe aber wieder vollzählig und beendet mit einem weiteren brandneuen Track inklusive schickem Mitsingspielchen und kleinem Circle-Pit einen mehr als gelungenen Auftritt. Mir bleibt damit auch nur allen Nu-Metal-Anhängern dringend zu einem Besuch auf der Bandcamp-Seite der Jungs zu raten, um sich dort die aktuelle EP als kostenlosen Download oder CD zu sichern. Angesichts der noch nicht einmal einjährigen Bandgeschichte ist es nämlich mehr als beachtlich, was die Kölner bisher auf die Beine gestellt haben!

Den nächsten Umbau nutzen wir dann dazu, um uns im Rock & Pop Zentrum ein wenig umzuschauen, immerhin ist die neue Location gerade erst seit gut neun Monaten in Betrieb und hat sich in den Köpfen der hiesigen Metalszene noch nicht so ganz etabliert. Eigentlich schade, denn im Gegensatz zur in den letzten Jahren doch etwas heruntergekommenen Klangstation, die nur einen Steinwurf entfernt liegt, bietet das RPZ einen Konzertraum mit schicker Bar, guter Akustik und eine Soundcrew, die ihr Handwerk bestens versteht. Dank des kurzen Fußwegs zum Bad Godesberger Bahnhofs passt auch die Erreichbarkeit, sodass hier eigentlich alle Faktoren für feine Underground-Konzerte gegeben sind.

Doch genug der Location-Bewertung, es geht zurück in den Konzertsaal, wo gerade bereits das Intro von BATTLESWORD erklingt. Die Melo-Deather machen im Anschluss dann auch keine Gefangenen, sondern legen direkt mit Vollgas los und schaffen es spielend, die brachiale Soundwand, die ihren aktuellen Silberling "Banners Of Destruction" auszeichnet, auch auf der Bühne umzusetzen. Im Vordergrund stehen dabei zumeist die Gitarren-Riffs von Bela und Christian, die in bester AMON AMARTH-Manier eine epische Melodie nach der anderen aus dem Ärmel zaubern und auch mit einigen feinen Solo-Einlagen punkten können. Doch auch der Rest der Band weiß zu überzeugen und so legen Drummer Andreas und Basser Ben ein solides Fundament, auf dem sich Fronter Axel mit seinen mächtigen Growls austoben kann.

Die Setlist konzentriert sich dabei heute natürlich vornehmlich auf die bereits erwähnte aktuelle Scheibe, die mit Krachern wie 'There Will Be Blood' oder 'Enemy Divine' zum Zuge kommt. Auch mein persönlicher Favorit 'Circle Of Witches' hat es ins Set geschafft und macht in der Live-Version mit seinen leicht orientalischen Melodiebögen eine ebenso gute Figur wie auf der Studioaufnahme. Angesichts dieser blitzsauberen Performance ist es dann auch kein Wunder, dass die Zuhörer nach dem regulären Ende der Show natürlich noch nach einer Zugabe verlangen. Ein kurzer Blick auf die Uhr und die Jungs legen noch mit 'Last Rising Sun' vom Debüt "Failing In Triumph" eine Zugabe nach, bevor dann jedoch endgültig Schluss ist und die Jungs sich flott an den Abbau begeben. Nötig ist das auch, immerhin steht das Quintett schon am folgenden Abend wieder in Lüdenscheid auf der Bühne. Nach diesem starken Gig heute in Bonn bleibt mir dann auch nur noch, die dringende Empfehlung auszusprechen, sich die Melo-Deather unbedingt anzuschauen, wenn sie in der Nähe Halt machen. Für mich sind und bleiben BATTLESWORD nämlich eine der stärksten Truppen, die unser Underground in diesem Sektor zu bieten hat.

Alles in allem endet damit ein rundum gelungener Konzertabend, der definitv mehr Zuschauer verdient gehabt hätte. Im Gespräch nach der Show zeigt sich Veranstalter Thorsten dann auch ein wenig ratlos, warum der Laden heute nicht voll war. Ich kann es mir jedenfalls nicht erklären, denn für schlappe sechs Euro wurde hier beste Unterhaltung geboten. Dementsprechend bleibt mir damit schlussendlich auch nur, an die Leser dieser Zeilen zu appellieren, sich vielleicht mal die ein oder andere große Band zu sparen und stattdessen ein kleines Konzert in der eigenen Region zu besuchen. Ihr werdet überrascht sein, was für Perlen sich dort finden lassen und gleichzeitig sorgt ihr dafür, dass uns der Metal-Nachwuchs auf lange Sicht nicht ausgeht!

Redakteur:
Tobias Dahs

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