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BATTLE BEAST und MAJESTY - Siegburg

01.04.2017 | 13:55

30.03.2017, Kubana

Heavy-Metal-Lehrstunde im Kubana.

Gerade einmal eineinhalb Jahre ist es her, dass sich die Finnen BATTLE BEAST im Kubana erstmalig die Ehre gaben, da steht an diesem Donnerstagabend auch schon der zweite Besuch in der schönen Location im Siegburer Zentrum an. Aber natürlich ist das Sextett nicht ohne Grund auf Tour, denn seit wenigen Wochen steht mit "Bringer Of Pain" das vierte Album der Bandgeschichte in den Regalen, das natürlich auch wieder mit einer amtlichen Liveshow vorgestellt werden möchte. Vor zwei Jahren war dabei noch die größte Frage, ob sich Noora Louhimo und ihre Mitstreiter als Headliner würden bewähren können. 16 Monate später ist die Frage wohl unumstößlich geklärt, denn bereits zum Einlass finden sich deutlich mehr Menschen im Liveclub ein als noch beim letzten Besuch. Zum Teil mag das vielleicht auch am Co-Headliner MAJESTY liegen, der ja auch gerade mit dem aktuellen Album "Rebels" zu neuen Höhenflügen ansetzt. Trotzdem wird sich später zeigen, dass die meisten Zuschauer wegen des Dance-Metals der Finnen angereist sind.


Bevor es aber mit den beiden Hauptacts losgeht, dürfen erst einmal die Japaner GYZE dem Publikum einheizen. Musikalisch ist das Trio aus Tokyo mit seinem Melodic Death Metal dabei ein echter Ausreißer am heutigen Abend, auch wenn sich ab und an zwischen die pfeilschnellen Riffs hin und wieder mal ein Power-Metal-Refrain schleicht. Die größte Inspirationsquelle waren für die aus Asien angereiste Truppe aber ganz offensichtlich die Genre-Titanten CHILDREN OF BODOM, denn gerade Fronter Ryoji wirkt mit seiner Flying-V und den schwarz lackierten Fingernägeln wie ein allzu offensichtlicher Abklatsch von Alexi Laiho. Musikalisch können die Jungs dabei aber bei weitem nicht mit ihren Idolen mithalten, dazu fehlt dem Material einfach die Durchschlagskraft, auch wenn immer wieder einige durchaus gefällige Ansätze zu erkennen sind. Erschwert wird das Ganze noch von der Tatsache, dass ein Großteil der Songs nur von Schlagzeug, Bass und Keyboards aus der Dose bestritten wird, während sich Fronter Ryoji auf seiner leicht verstimmten Axt durch ein Solo nach dem anderen kämpft. Ein zweiter Gitarrist wäre hier sicher durchaus hilfreich, damit die Japaner den Sound ihrer Scheiben auch auf die Bühne bringen können. So bleibt es schlussendlich bei einem eher verhaltenen Schlussapplaus, mit dem die Truppe nach gut 30 Minuten in den Feierabend verabschiedet wird.

Ähnliches haben die deutschen Heavy-Metaller MAJESTY, die nach einer blitzschnellen Umbaupause die Bühne entern, heute Abend ganz offensichtlich nicht zu erwarten, denn bereits nach dem Opener 'Die Like Kings' schallen der Band die ersten "Hail Hail Majesty"-Rufe entgegen. Nach dieser Eröffnung ist es dann auch kein Wunder, dass die gut einstündige Show der Truppe aus dem Süden der Republik fast zum Heimspiel wird. Deutlich überraschender ist da schon, dass der Fünfer konsequent auf Material des gerade erschienen Albums "Rebels" setzt und mit 'Metal Law', sowie 'Thunder Rider' gerade einmal zwei Klassiker aus der eigenen Bandhistorie zum Besten gibt. Das Publikum zeigt sich davon allerdings unbeeindruckt und singt auch bei frischen Tracks wie 'YOLO HM' oder 'Rebels Of Our Time' lauthals mit, was auch Fronter Tarek Maghary mit einigen Ansagen freudig quittiert. Gleichzeitig gibt die Songauswahl dem neuen Gitarristen Emanuel Knorr die Chance, sich mit einigen feinen Melodien und famosen Soli in Szene zu setzen und zu beweisen, dass die Schwermetaller hier einen echten Glücksgriff getätigt haben. Trotzdem will bei mir der MAJESTY-Funke nicht so richtig überspringen. Vielleicht liegt es daran, dass Texte und Musik mit den ewigen Anspielungen auf Power, Metal und Thunder zu offensichtlich nach einer MANOWAR-Kopie klingen, oder an der einstudierten und zu routiniert dargebotenen Bühnenshow. Bei all der ganzen Heavy-Metal-Trueness und dem ewigen Beschwören der Metal-Götter auf der Bühne kommt bei mir jedenfalls keine echte Begeisterung auf. Das ändert jedoch nichts daran, dass mit dem überraschend gefälligen Rausschmeißer 'Fighting Till The End' schließlich ein Konzert endet, dass die Süddeutschen mit Fug und Recht als Triumph verbuchen können.

Setlist MAJESTY: Path To Freedom (Intro), Die Like Kings, Hail To Majesty, The Final War, YOLO HM, Across The Lightning, Metal Law, Heroes In The Night, Thunder Rider, Rebels Of Our Time, Fighting Till The End

Sicher kann man an dieser Stelle anmerken, dass auch die nun folgenden Finnen BATTLE BEAST mit klassischer Schwermetall-Symbolik nicht gerade sparsam umgehen, doch im Gegensatz zum Co-Headliner hat sich das Sextett aus Helsinki inzwischen eine echte musikalische Nische erschlossen. Sicher wird der ständige Disco-Beat und der Achtziger-Pop bei alteingessenen Genre-Fans für aufgestellte Nackenhaare sorgen, doch Noora und ihre Jungs haben einfach ein untrügliches Händchen für tolle Hooklines und treffen mit ihrem Sound den Nerv der Zeit, was auch das inzwischen komplett ausverkaufte Kubana heute Abend beweist. Angesichts der im Verhältnis zum letzten Besuch deutlich gestiegenen Zuschauerzahlen präsentiert sich die Kampfbestie heute Abend auch besonders motiviert und schafft es schon mit dem Opener 'Straight To The Heart', die sowieso schon blendende Stimmung im Saal noch einmal zu heben.

Ähnlich wie auch schon MAJESTY setzen die Finnen in Sachen Setlist voll und ganz auf den aktuellen Langspieler "Bringer Of Pain", der mit satten neun Tracks den Großteil des heutigen Abends bestimmt. Ganz besonders bewähren sich dabei die Disko-Viking-Hymne 'Bastard Son Of Odin' und das wunderbar düstere 'Lost In Wars', bei dem Noora als dunkel gewandete Zermonienmeisterin auftritt und Keyboarder Janne Björkroth den Studio-Gastsänger Tomi Joutsen (AMORPHIS) durchaus würdig vertritt. Aber natürlich dürfen auch ein paar Klassiker nicht fehlen und so kommen das Debüt "Steel" und der Zweitling "Battle Beast" mit Hymnen wie 'Into The Heart Of Danger', 'Iron Hand', 'Black Ninja' oder 'Enter The Metal World' zum Zuge. Nur am Vorgänger "Unholy Savior" scheint sich die Mannschaft aus Helsinki nach den ausgedehnten Touraktivitäten der vergangenen Jahre satt gehört zu haben, denn von dieser Scheibe schafft es gerade einmal die Disko-Nummer 'Touch In The Night' auf die Setlist.

Das Publikum scheint sich damit allerdings ganz gut abfinden zu können und feiert munter jeden Song, den die wie immer bestens gelaunte Truppe von der Bühne aus abfeuert. Die Hauptattraktion ist dabei natürlich wie immer Noora, die mit ihrem unglaublichen Organ problemlos gegen die Wand aus Keyboards und fetten Gitarren ansingt. Doch auch die Jungs an den Instrumenten liefern eine blitzsaubere Performance ab, wobei vor allem Basser Eero Sipilä mit seinen witzigen Ansagen in gebrochenem Deutsch und Neu-Gitarrist Joona Björkroth mit einigen filigranen Soli aus der Masse herausstechen. Angesichts dieser blitzsauberen Leistung endet die Show dann mit dem Klassiker 'Out Of Control' nach etwas mehr als einer Stunde für viele der Anwesenden viel zu früh. Glücklicherweise bringen die "Battle Beast"-Sprechchöre die Finnen allerdings schnell wieder zurück auf die Bühnenbretter, wo erst einmal eine spontan improvisierte Coverversion des unsäglichen 'Last Christmas' von WHAM! dargeboten wird. Unglaublich, da schafft man es im vergangenen Jahr durch die Vorweihnachtszeit ohne diesen Ohrenquäler zu vernehmen und dann erwischt es einen Monate später bei einem Metal-Konzert. Im Anschluss verlegt sich die Truppe  dann aber wieder auf eigenes Material und beendet den Abend schließlich mit der aktuellen Single 'King For A Day' und dem feinen 'Beyond The Burning Skies' standesgemäß.

Setlist BATTLE BEAST: Straight To The Heart, Bringer Of Pain, Familiar Hell, Into The Heart Of Danger, We Will Fight, Let It Roar, Black Ninja, Far From Heaven, Lost In Wars, Iron Hand, Touch In The Night, Bastard Son Of Odin, Enter The Metal World, Out Of Control, Last Christmas (Cover), King For A Day, Beyond The Burning Skies


Als Fazit kann damit schlussendlich nur stehen, dass sich die Kampfbestie offensichtlich weiterhin auf dem richtigen Weg befindet. Von Tour zu Tour wächst die Fangemeinde und auch auf Platte liefern die Finnen bärenstarke Tracks ab, da ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Kapazität des Kubanas für die Konzerte der Truppe wohl nicht mehr ausreichen wird. Hoffen wir mal, dass es bis dahin aber noch etwas dauert, denn so einen feinen Heavy-Metal-Abend würde ich bald gerne wieder in Siegburg erleben!

Redakteur:
Tobias Dahs

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