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BEASTIVAL - Geiselwind

13.07.2013 | 15:49

30.05.2013, Gewerbegebiet

50 Bands, 2 Bühnen und 4 Tage Regen

Während die ersten Besucher gestern noch im strömenden Regen angereist sind, kommt heute unverhofft die Sonne raus. Trotz aller Prognosen schaffen es ein paar Strahlen, bei uns anzukommen, und diese genießt man erst mal.

Die sympathischen Jungs von VARG sind vor ihrem Auftritt nicht nur (rot) angeschmiert, sondern auch schon ganz schön nervös. Nur dass das nicht am bevorstehenden Gig, sondern an der späteren Autogrammstunde liegt – immerhin ist ihnen Fannähe besonders wichtig. Mit dem Opener 'Wir sind die Wölfe' und dem vom aktuellen Album stammenden 'Frei wie der Wind' können sie auf gewohnte Weise einen Teil des Publikums überzeugen und der restliche soll einfach von Pyros in Schach gehalten werden. Sich den Anweisungen der Jungs zu widersetzen, traut sich jedoch niemand und so bricht zu 'Schwertzeit' der erste große Circle Pit des Tages aus. Das Wetter hält sich tapfer und noch kann man lässig von der Sonnenbrille Gebrauch machen. Nach einigen Tracks von ihrem aktuellen und umstrittenen Album "Guten Tag" kommt mit 'Blutaar' endlich ein älteres Stück auf den Teller, welches von den Fans gierig aufgenommen wird, die kurzerhand gleich zwei Walls of Death anzetteln. Die Coburger knüppeln drauf und holzen sich durch durchschnittliche Viking-Nummern. Kann man machen.

[Nadine Ahlig]

Bevor es überhaupt mit EX DEO los geht, stehe ich vor der Herausfordung, den Eingang zu finden, da dieser sich geschickt zwischen den Merchandiseständen befindet. Trotz Orientierungsschwierigkeiten empfängt uns Maurizio ist einer wunderbaren Legionärsrüstung. Etwas abgewandelt haben sich seine Kollegen ebenfalls in dunkles Leder geschmissen. Die Wahl des Intros fällt auf ein etwas opulenteres Werk, dass jedoch wegen eines extrem lauten Basses fast nicht zu hören ist, auch nicht im Fotograben. Die ersten Songs sind recht langsam und durch die Einstellung der Lichter hat man während der Spielzeit noch nicht mal die Gesichter gesehen. So richtig in Fahrt kommen Besucher und Musiker erst bei dem Stück 'Final War'. Dazu rief Hr. Lacono zu einer "roman Wall Of Death" auf, der sich nach dem Satz:"If you're a pussy, leave." ziemlich schnell bildet. So langsam scheinen auch die Soundprobleme behoben zu sein, dennoch bleibt es schwierig, eine objektive Wertung abzuliefern, denn für mich steht da oben KATAKLYSM in Lederkluft. Ob man mit diesem zweiten Standbein kommerziell so erfolgreich wird wie das Hauptprojekt, lasse ich mal außen vor. Nichtsdestotrotz ist es ein solider Auftritt.

Vielleicht liegt es an TANKARD selbst, jemand hat den Regentanz aufgeführt hat oder die Götter sind uns nicht wohlgesonnen, Fakt ist: Es hat wieder angefangen zu schütten. Nun ja, die Band selbst meinte dazu: "Das ist alles Teil der Show. Andere zahlen tausende Euro für Pyrotechnik!". Umso schöner ist es doch, wenn man sich jetzt in die warme und vor allem trockene Halle zurückziehen kann. Seit meinem letzten Besuch bei DEBAUCHERY sind schon einige Jahre ins Land gezogen und desto mehr freue ich mich, sie wieder zu sehen. Mit viel Liebe zum Detail verwandelt sich die einfache Bühne zu einem Schlachthaus mit aufgespießten Frauenkorpora, Totenköpfen am Mikrofonständer und einigen Aufstellern, die durchaus freundliche Monsterfratzen zieren. Das Licht geht aus und wieder ertönt ein Intro, dass seinesgleichen sucht. Augenfänger wird Sänger Thomas, nicht wegen des ganzen Kunstbluts in seinem Gesicht, sondern weil er mit Krücken über die Bühne humpelt. Nicht nur ich bin bei diesem Anblick ein wenig perplex, doch bevor man irgendwie darauf reagieren kann, folgt der Satz: "We are DEBAUCHERY and we play Rock 'n' Roll" und die Show geht los. Zwischen den ersten Liedern erklärt der Bandchef dann, dass er sich am Abend zuvor den Fuß gebrochen hat. Auf die Frage nach seinen Schmerzen antwortet er recht lässig: "Scheißegal. Ich kann noch Gitarre spielen." Hut ab für diese Einstellung. Neben bekannten Hits wie 'Warmachine At War' oder 'Bloodgod Rising' und 'Continue To Kill' bleibt ein Song der Masse definitiv im Gedächtnis: 'Torture Kill'. Wegen seiner herausragenden Komposition? Na ja fast. Als die ersten Akkorde angestimmt werden, stöckelt eine junge Dame in einem knappen Outfit über die Bühne und bewegt sich aufreizend zu dem Takt. Das Publikum hört schlagartig auf zu bangen und zückt in Windeseile das Handy. Sobald die Dame sich von ihrem Oberteil/BH verabschiedet und sich mit Kunstblut von oben bis unten einreibt, kann man den Testesteronspiegel förmlich greifen. Zum Abschluss feiert man 'Blood For The Bloodgood' rigoros ab und den meisten Applaus erntet eindeutig die Tänzerin.

Nach dem Regen setzt die Kälte ein und so heißt es auch bei der finnischen Melodic Death Metal Band INSOMNIUM: zurück in die warme Halle. Da ich die Herren schon vor einen Monat gesehen habe, gehe ich stark davon aus, dass sie das gleiche Set wieder herunterspielen. Man beginnt mit 'Inertia' dem Opener des aktuellen Studioalbums "One For Sorrow", welches dann von 'Where The Last Wave Broke' abgelöst wird. Der Sound ist gut und dieses Mal scheinen die Musiker recht fit zu sein. Für etwas Abwechslung sorgt 'Unsung', welches vom Bandneuling Markus an der Solostelle in einer anderen Variante gespielt wird. Wir bleiben bei den letzten zwei Veröffentlichungen und so wird nun 'Down With The Sun' und 'Through The Shadows' zum Besten gegeben. Als eines der wenigen "älteren" Lieder stimmt man danach 'Change Of Heart' an, leider wird das Akustikintro vom Band gespielt. Damit wurde quasi der Balladenanteil abgedeckt, denn es geht weiter mit 'Only One Who Waits' und 'Weather The Storm'. Obwohl Mikael Stanne (Sänger von DARK TRANQUILLITY) mit seiner Truppe auch anwesend ist, wartet man vergeblich darauf, dass er urplötzlich auftaucht. Das Sahnehäubchen bildet 'Mortal Share', der mit Abstand bekannteste Song der Finnen. INSOMNIUM ist keine Partyband und macht auf der Bühne keine seltsamen Posen oder Späße, noch ziehen sie sich irgendwelche merkwürdigen Kleider an. Die Musik und auch die Texte bewegen sich auf einen ziemlich hohen Niveau und so genießt man es einfach. Headbangen ist natürlich erlaubt.

Für SODOM, dem heutigen Co-Headliner, muss man sich dann doch hinausbewegen. Die Fans trotzen dem Wetter und mit dem Ertönen von 'In War And Pieces' wird alles andere einfach ausgeblendet. Ohne viel zu reden startet im Anschluss direkt 'Outbreak of Evil', eine Nummer, die sogar älter ist als ich selbst. Apropos Alter. An dieser Stelle muss man dem Trio einfach Respekt zollen, denn wer über 30 Jahre lang gute Musik macht, verdient ihn einfach. Für Heiterkeit sorgt 'Surfin' Bird', der dann schnell zu 'The Saw Is The Law' umschwingt. Neben einer kleinen Begrüßungsfloskel und einem Dank an die Fans und den Veranstaltern nutzt Tom Angelripper die Zeit lieber für mehr Songs. Es geht weiter zurück und so packt man 'Baptism Of Fire' aus. Für totale Furore sorgt dann 'Agent Orange', bei dem erste Crowdsurfer nach vorne gespült werden. Während ihres ganzen Sets spielt man genau einen Song vom aktuellen Studioalbum "Epitome Of Torture" und das ist 'Into The Skies Of War'. Viele, einschließlich mich, erstaunt die recht old-school-lastige Setlist, aber gerade alte Hasen dürften hier ihren Spaß haben. Was kann man zum Konzert insgesamt sagen? Eine beachtliche Zahl an Pits und Crowdsurfern, Fangesänge, die man bis ganz nach hinten gehört hat, und drei Herren da oben, die sichtlich Spaß an ihrem Job haben. Im Prinzip müsste jeder zufrieden sein.

[Hang Mai Le]

Pünktlich nach dem Finale von 'Germany's next Topmodel' schleicht man leider im Regen zu KREATOR. Wie prickelnd! Überaus schade, denn ein gelungener Headliner sieht leider anders aus. Glücklicherweise sollte dieser der einzige Abend bleiben, an dem ein solcher ins Wasser fällt – aber muss es denn ausgerechnet KREATOR sein? Als Teil der "Big Teutonic Four" zieht den Jungs als Vorreiter der Thrash Metal Szene niemand so schnell die Schuhe aus. Dumm nur, dass aufgrund des Unwetters genau diese im Publikum widerlich feucht zu werden drohen. Zum Intro 'Mars Mantra' des aktuellen Rumpelalbums "Phantom Antichrist" fällt die gute Laune noch relativ leicht. Doch auch nach nur wenigen Songs ist auch Mille genervt darüber, dass er auf der Bühne pitschenass wird. Der flötende Wind spielt dem Sound auch nicht wirklich entgegen, sodass die Menge vor der Bühne sich leider im weiteren Konzertverlauf mehr und mehr lichtet. Metal-Keulen wie 'Death to the World' und 'Hordes of Chaos' sowie Klassiker wie 'Violent Revolution' und 'Phobia' lassen die Schuppen wie gewohnt euphorisch ins Bier klatschen – jedoch kann wohl niemand, ohne eine lange Nase zu kriegen, behaupten, dass er nicht froh gewesen wäre, die Show zu verlassen. Fazit: KREATOR hat dieses Jahr beim Beastival einfach Pech gehabt!

[Nadine Ahlig]

Redakteur:
Hang Mai Le
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