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BILLY IDOL - Köln

19.08.2018 | 16:25

17.07.2018, Tanzbrunnen

Der Rebel (Yell) in der Domstadt - Nostalgie, dein Name ist BILLY IDOL!

Die Bäuche sind größer, die Köpfe etwas kahler, die Falten ein klein wenig tiefer und die Haare etwas grauer geworden. Richtig, es hat sich viel seit den 1980ern verändert. Und trotzdem ist der heutige Abend ein kleiner Trip in die Vergangenheit. In die Vergangenheit des Rock 'n' Roll-Lifestyles, der unbekümmerten "Leck mich am Arsch"-Attitüde und der Unbeschwertheit vergangener Tage. Es gibt nicht viele Musiker, die diesen Stil derart konsequent durchgezogen haben wie BILLY IDOL. Der blonde Springinsfeld spielt am heutigen Dienstagabend den Tanzbrunnen in Köln und nimmt seine Fans, Anhänger und in die Jahre gekommenen Groupies an die Hand.

Die berühmteste Schnute im Rock 'n' Roll-Business wird in diesem Jahr auch schon stolze 63. Was der Brite, der mit 'White Wedding', 'Rebel Yell' und 'Eyes Without A Face' eine ganze Generation (X) prägte, am heutigen Abend auf die Bühne bringt, lässt nicht im Entferntesten auf sein biologisches Alter schließen. Doch der Reihe nach. Bevor sich die für einen Dienstagabend doch stattliche Anzahl an Fans vor der Bühne versammeln, gilt es erst einmal das Gelände zu durchforsten. Stattliche Preise für Bier und Pizza, hier und dort ein kleiner Merchandise-Stand und Gesichter vielen Alters – Herr IDOL hat heute ein klitzekleines Festival auf die Beine gestellt. Sicherlich gehöre ich mit meinen 30 Lenzen zum jüngeren Volk heute Abend, doch das hält viele ältere Semester nicht davon ab zu drängeln und zu schubsen, als hätte ALDI Süd Montag früh den Schlussverkauf.

Bevor BILLY "Schnute" IDOL also den Tanzbrunnen betritt, gibt es Appetizer in Form von KAISER FRANZ JOSEF-Songs. Gemütlicher, mal forscher, mal lässiger Blues Rock, der den Österreichern gut zu Gesicht steht. So ernten die Jungs nach ihrem kürzeren, aber durchaus guten Auftritt auch Applaus. Und dann geht er los: Der Regen. Er ist zwar verhältnismäßig kurz mit rund 20 Minuten, doch die meisten Besucher sind dadurch völlig nass. Die Stimmung geht dennoch nicht schwimmen, denn – für Rockstars doch recht ungewöhnlich – pünktlich um 20 Uhr betreten Steve Stevens, Trevor Horn und Konsorten die Bühne, stimmen das Intro an und ebnen den Weg für BILLY fuckin' IDOL.

Und der Brite ist sehr gut drauf, das merkt man von der ersten Minute. Speziell die ersten Reihen merken das, die ihren Helden abfeiern und ihm zu Füßen liegen. Und so pünktlich IDOL auf die Bühne kam, so schnell verschwinden die Regenwolken und Sonnenstrahlen durchfluten die Bühne. Gleich zu Beginn fällt auf, dass es eine sehr ausgewogene Mischung aus Stücken neueren Datums und der alten Gassenhauern gibt, für die – so ehrlich sind wir – wohl die meisten Fans gekommen sind. Trotz des etwas schwammigen Sounds bleibt die Stimmung hoch.

'Shock To The System', das lautstark angekündigte 'Scream' und 'Whiskey And Pills' auf der einen, die Klassiker wie 'Dancing With Myself', 'Eyes Without A Face' oder 'Catch My Fall' auf der anderen Seite, es gab in der Vergangenheit schon wahrlich schlechtere Konzerte. Dass die Menge bei den "Rebel Yell"-Songs lautstark grölt, versteht sich von selbst und auch mehr als drei Jahrzehnte danach sind die Menschen speziell beim Titeltrack noch äußerst textsicher. Zum Ende hin wird der Sound auch etwas kräftiger, IDOL selbst ist sich um ein paar Klamottenwechsel während der Show nicht zu schade und das Posen ist ihm und seiner Mannschaft eh in die Kinderwiege gelegt worden.

Nach einer kurzen Pause macht BILLY IDOL mit 'White Wedding' und final mit dem Cover zu 'Mony Mony' kurzen Prozess und gibt den nostalgisch angehauchten und in wunderbaren Erinnerungen schwelgenden Fans genau das zum Abschluss, was sie sich ersehnen. Unter großem Applaus verlässt der Rocker dann mit einem breiten Grinsen die Bühne und hinterlässt überall zufriedene Gesichter. Für einen kleinen Trip in die Vergangenheit hat sich das gelohnt, bevor Mütter und Väter heute Abend wieder zu ihren Familien und morgen zu ihren Arbeitsstellen zurückkehren. Doch für rund 90 Minuten lag ein unbeschwerter Duft von "Sex, Drugs And Rock 'n' Roll" in der Luft. Danke, BILLY IDOL.

Redakteur:
Marcel Rapp

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