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Bang Your Head 2005 - Balingen

10.07.2005 | 17:39

24.06.2005, Messegelände

Samstag, 25.06.2005
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DEMON
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Nachdem uns der Sturm der Nacht gnädigerweise weitestgehend unbeschädigt gelassen hat und wir es auch mit Müh und Not schafften noch ein trockenes Plätzchen zum Schlafen zu finden und zumindest einen Satz Klamotten für den nächsten Tag trocken zu kriegen, ist es uns trotz extremer Übernächtigung ein dringendes Anliegen, pünktlich zum Auftritt der NWoBHM-Götter DEMON wieder auf dem Gelände zu sein. Dort angekommen sind noch die Tore geschlossen, weil der Sturm innerhalb der Zäune natürlich genauso gehaust hat wie auf unseren Campingplätzen. So öffnet sich das Gatter erst mit mehreren Stunden Verspätung, und auch da ist ein Beginn der Show noch in weiter Ferne. So treffen wir zufällig erst mal Dave Hill und Ray Walmsley von DEMON, sowie deren Manager Mike Stone am Merchandisestand, wo diese uns leicht geknickt berichten, dass ihre Spielzeit drastisch von vierzig auf fünfzehn Minuten gekürzt wurde und sie deshalb nur drei Songs würden spielen können. Angesichts der Verwüstung die noch am Morgen geherrscht hat, muss man aber froh sein, dass überhaupt alle Bands spielen können, und so machen auch die Engländer gute Miene zum notgedrungen bösen Spiel und liefern eine leider verdammt kurze, aber auch unheimlich brillante und unterhaltsame Show ab. Die Band präsentiert sich perfekt eingespielt, die Technik ist wieder halbwegs in Schuss und Dave Hill ist einfach ein Frontmann der gehobenen Spitzenklasse. Gesanglich ebenso perfekt wie einzigartig und daneben unheimlich natürlich und sympathisch, mit einer irrsinnigen Mimik, die ihn zum einzig wahren Madman der gesamten Szene macht (wer war gleich dieser Ozzy?). Zudem treffen DEMON die einzig richtige Entscheidung: Sie bestehen nicht darauf, in der Kürze der Zeit möglichst viele neue Songs unterzubringen, sondern sie betten 'Standing On The Edge', den eingängigsten Song ihres aktuellen Albums, wunderbar zwischen zwei ihrer unsterblichen Klassiker ein, so dass nicht nur 'Night Of The Demon' und 'Don't Break The Circle' obligatorischerweise von fast allen mitgesungen werden, sondern auch das neue Werk sehr positive Resonanzen erntet. Die Band verlässt die Bühne mit einem lachenden und einem weinenden Auge, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die offensichtliche Zuneigung des Publikums die Musiker für all die Probleme zumindest ein bisschen entschädigt. Beim folgenden Blick in die Runde wird klar, dass das euphorische Publikum gerne noch viel mehr gehört hätte, doch an diesem Tag soll es leider nicht sein. Hoffentlich werden die Veranstalter des Festivals DEMON und die anderen Hauptleidtragenden des Unwetters bei den folgenden Festivals noch mal berücksichtigen.
(Rüdiger)

Setlist:
Night Of The Demon
Standing On The Edge Of The World
Don't Break The Circle

VICIOUS RUMORS
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Mann, was habe ich mich auf diesen Auftritt gefreut und dann müssen die US-Power-Metaller ihren Set aufgrund des Unwetters auf ganze 15 Minuten zusammenstreichen. Was für ein Dilemma. Aber wie meinte Larry Howe später treffend dazu: "Better fifteen minutes of Vicous Rumors than no minute!". Recht hat er. Vor allem war zu jenem Zeitpunkt bereits eine atemberaubende Menschenmenge vor der Bühne, die gemeinsam mit der Band eine gigantische Party feiern wollte. Die Band hatte extra ihre schnelleren Nummern ausgepackt und dabei sogar mit Absicht zwei Stücke ausgewählt ('A Minute To Kill' und 'Six Stepsisters'), die sie auf ihren letzten Gastspielreisen noch nicht gespielt hatten. Dafür mussten natürlich einige Klassiker gestrichen werden, was aber auch nicht anders zu erwarten gewesen war. Der von seinen Bandscheibenproblemen wieder einigermaßen genesene Gitarrist und Bandleader Geoff Thorpe, das zurückgekehrte personifizierte Schlagzeug- und Partytier Larry Howe, der mittlerweile über jeden Zweifel erhabene Sänger Brian O'Connor, der ebenfalls zurückgekehrte Tieftöner Tommy Sisco und das Langhaarmonster Ira Black stiegen mit 'Don't Wait For Me' ideal ein und ließen bis zum letzten Ton nicht mehr locker. Bei den beiden Krachern 'A Minute To Kill' und 'Six Stepsisters' rastete das Publikum kollektiv aus und spätestens bei dem Medley 'Lady Took A Chance' und 'Abandoned' war die alte Magie, die VICIOUS RUMORS Anfang der Neunziger zu einer der führenden Power-Metal-Bands gebracht hatte, wieder da. Ein fantastischer Auftritt, den auch alle Metalheads bis zum Mischpult mit tosendem Applaus honorierten.
(Chris)

Setlist:
Don't Wait For Me
A Minute To Kill
Lady Took A Chance/Abandoned
Six Stepsisters

NASTY SAVAGE
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Wie auch schon die beiden Bands zuvor haben auch die Thrash-Rabauken aus Florida nur eine gute Viertelstunde, um den Fans einzuheizen, und daran dürfte es wohl auch liegen, dass der luftig gekleidete Frontkoloss Nasty Ronnie auf seine berühmten Einlagen der Marke "ich kann meinen Fernseher zerschmettern, notfalls auch mit dem Kopf" verzichtet. Stattdessen konzentrieren sich die Shredder aus dem Südosten Amerikas darauf, ihre beinharten und kompromisslosen Klassiker wie 'Metal Knights' oder die Thrashgranate 'Psycho, Psycho' von ihrem gleichnamigen aktuellen Album in die Menge zu prügeln. Dabei präsentiert sich die Band tight und energisch, hat aber zwischen DEMON, VICIOUS RUMOURS und JAG PANZER einen recht schweren Stand. Zwar geht der Aggressionsgenerator gnadenlos auf die Zwölf, aber irgendwie lassen die brutalen Riffs und Ronnies derbes Geschrei die Stimmung nicht so ins Euphorische wachsen, wie dies bei den anderen Bands des Nachmittags mit ihren sehr prägnanten und teilweise unsterblichen Metalhymnen der Fall ist. Dennoch würde ich den Auftritt als kleinen Erfolg werten, wenn auch ob der Publikumsreaktionen nicht ganz einleuchten mag, warum DEMON und VICIOUS RUMORS früher auf die Bretter mussten als Ronnie & Co. Da aber eh alle gleich kurz spielten, ist das auch vollends egal, den Thrashern im Publikum hat's auf jeden Fall zugesagt.
(Rüdiger)

JAG PANZER
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Irgendwie war es klar, dass das Unwetter einige meiner absoluten Lieblingsbands treffen würde - wäre ja auch zu schön gewesen, wenn ich mein persönlich abgöttisch geliebtes Powermetal-Triumvirat MORGANA LEFAY, JAG PANZER und NEVERMORE ohne irgendwelche Einschränkungen hätte sehen können.
Nach den extrem coolen NASTY SAVAGE (die Truppe ist auch live tatsächlich so gut, wie man behauptet) schlug dann die Stunde des "Tyrants" - Harry Conklin machte nach ein paar Sekunden des eröffnenden 'The Mission' (diese Chöre!) wieder mal unmissverständlich klar, wo denn genau der Hammer im Metal-Biz hängt (und vor allem fällt, haha) - diese Gesangsperformance ist wieder einmal schier unglaublich. Aber auch der Rest der Band steht dem Mikromonster in nichts nach, insbesondere die beiden Klampfer Broderick und Briody jagen wie entfesselt über die Bühne und versprühen Charme sowie Spielfreude pur. Gerade den sonst immer etwas introvertiert wirkenden Chris Broderick hätte ich nie so oft am vorderen Bühnenrand erwartet, ein toller Anblick - auch wenn sich der Gute ja fast mit seiner Gitarre stranguliert. Aufgrund der Verspätung sind leider nur lächerliche drei Songs drin, aber die weiteren zwei haben es auch verdammt in sich: 'Iron Eagle' wird aus tausenden Kehlen mitgesungen, lässt Armeen an gehäuteten Gänsen über das Messegelände marschieren, bevor 'Black' als letzter Teil eines viel zu kurzen Triumphzuges nochmals für ungebrochene Begeisterungsstürme sorgt. JAG PANZER kann man auf der Bühne fast immer in Topform sehen, doch diesen Gig, und sei er noch so kurz gewesen, würde ich mal definitiv in der Top-5 der Truppe sehen. Unbeschreiblich gut!
(Rouven)

TANKARD
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Bei TANKARD stachen zwei Dinge gleich hervor: Zum einen war es die erste Band mit Backdrop, zum anderen waren sie auch die Ersten, die den schlimmen Sturm vorige Nacht ansprachen. Leider ging die Menge zu Beginn nicht so ab wie sich Gerre das vorgestellt hatte. An ihm und seinen Mitstreitern lag's nicht, denn er hat wirklich jeden Quadratmeter der Bühne erkundet und ist von einer Ecke zur anderen gehuscht. Wurde 'Rectifier' und 'Chemical Invasion' noch nicht so beachtet, war aber spätestens bei 'Die With A Beer In Your Hand' der Bär los. Auch TANKARD waren von den widrigen Umständen betroffen, ließen sich's aber nicht nehmen, sich beim Veranstalter zu bedanken, obwohl sie nach fünf Songs von der Bühne mussten. Was dann noch folgte waren 'Freibier' und natürlich 'Empty Tankard', mit denen sie ebenfalls voll ins Schwarze getroffen haben. Am Ende von 'Empty Tankard' schnappte sich Gerre eines der Kinder von Bassist Frank Thorwarth, das an der Bühnenseite gestanden hatte, und ließ ihn den Refrain mitgrölen. Klasse, aber leider viel zu kurz.
(Tolga)

Setlist:
Rectifier
Chemical Invasion
Die With A Beer In Your Hand
Freibier
Empty Tankard

NEVERMORE
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Es ist ja schon eine Schande, dass eine Band wie NEVERMORE unter normalen Umständen bei strahlendem Sonnenschein auf die Bühne hätte gehen müssen, dass sie aber nun nach all den Ereignissen sogar nur noch zwanzig Minuten Spielzeit hatten, lässt einem Fan wie mir das Herz bluten. Diese begnadete Band, die reihenweise hochklassige Alben veröffentlicht hat, gehört eindeutig viel weiter nach oben in jedem Billing auf jedem Festival dieser Erde. Dementsprechend schwierig stelle ich mir das Auswahlverfahren der Songs vor, die Dane, Loomis, Smyth, Sheppard und Williams für ihr extrem kurzweiliges Set auszusuchen hatten. Darüber hinaus kämpften NEVERMORE sogar mit einigen Soundschwierigkeiten, wie eigentlich fast immer, so dass den Musikern diese Show nicht gerade in bester Erinnerung bleiben dürfte. Den massenhaften Fans vor der Bühne, die das Quintett aus Seattle von der ersten Sekunde an feierte, dürfte dies jedoch vollkommen egal gewesen sein. Mit dem Titelsong der letzten Scheibe stiegen sie brachial in ihr Set ein und hatten spätestens beim Refrain jeden Festivalbesucher in ihrer Hand. Im Anschluss sorgten sie mit den Hammersongs der Überscheibe "Dead Heart In A Dead World", 'The River Dragon Has Come' und 'The Heart Collector', für Gänsehaut im weiten Rund. Es ist immer wieder ein Erlebnis, eine so große Menschenmenge speziell den Refrain zu Letzterem singen zu hören. Alles in allem eine großartige Show, obwohl es schon Shows der Band gab, in der sie mehr Magie versprüht hatten, die mit dem SIMON&GARFUNKEL-Klassiker 'The Sound Of Silence' leider viel zu früh beendet werden musste.
(Chris)

Setlist:
Enemies Of Reality
The River Dragon Has Come
The Heart Collector
Sound Of Silence

AXEL RUDI PELL
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Hatte Petrus letzte Nacht einen Prass auf die Metal-Fans und ließ einen 'Shitstorm' kombiniert mit heftigsten Regenfällen über Balingen nieder, so hatte er diesmal ein richtig gutes Timing. Denn genau in der Umbaupause zwischen NEVERMORE und AXEL RUDI PELL hat's nochmal geregenet. Pünktlich zu den ersten Klängen von 'Tear Down The Walls' hatte es aber zum Glück aufgehört, weshalb einem klassischen Hardrock-Fest nichts im Wege stand. Dass mehr Stimmung als bei NEVERMORE herrschte, wobei die Truppe um Warrel Dane dem Begriff "angepisst" neue Dimensionen verlieh, muss man nicht erwähnen. Allen voran der Anfang von 'Masquerade Ball' war einfach nur genial und erzeugte nicht nur bei mir meterhohe Gänsehaut. Das lag u.a. auch an Johnny Gioeli, der einfach ein geborener Entertainer ist und vom Gitarrenmeister auch viele Freiräume bekam, was man z.B. von YNGWIE MALMSTEEN nicht kennt. Vor allem Bassist Volker Krawczak könnte von den Posen her auch in eine Funkband passen. Apropos Rhythm-Section: Mike Terrana hat wieder mal getrommelt wie ein junger Gott, aber das war auch nicht anders zu erwarten. Klasse war auch das Gitarren-Keyboard-Duell bei 'Hottest Girl In Town', wo ARP und Keyboarder Ferdy Doernberg auf der Bühne fangen spielten und dabei sich im wahrsten Sinne des Wortes die Soli zuspielten. Ansonsten hielt sich ARP schon fast dezent im Hintergrund und überließ die Show seiner genialen Hintermannschaft. Auch hier war nach nur sechs Songs schon Schluss, aber die Truppe wurde frenetisch abgefeiert und mit irischer Mucke vom Band zum wohlverdienten Feierabend entlassen.
(Tolga)

SEBASTIAN BACH
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Nach durchnässter Nacht und null Stunden Schlaf holte ich dies im Verlauf des Morgens wieder nach und war erst halbwegs rechtzeitig zum Gig von SEBASTIAN BACH wieder da, der letztes Jahr die größte Überraschung des Festivals war. Und auch diesmal ließ der charismatische Frontmann kaum was anbrennen. Unterstützt von einer bärenstarken Hintermannschaft (u.a. Bobby Jarzombek & Steve DiGiorgio als Rhythmusfundament und Metal Mike an der Gitarre) riss Sebastian Bach vom ersten Ton mit seiner energetischen Performance das Publikum mit, das nach dem neuerlichen, kurzen Gewitter glücklich jeden Takt in sich aufsog. Da störte auch nicht, dass Sebastian Bach dieses Jahr nicht so glänzend bei Stimme war wie noch im letzten Jahr und Steve DiGiorgio und Metal Mike mit geilen Backings die Songs ein ums andere Mal retten mussten. Die Fans feierten bei Songs wie 'Here I Am', '18 And Life', 'Monkey Business' oder dem neuen, brettharten 'American Metalhead' mächtig ab. Wildes Gezappel, massig Luftgitarrensoli und viele, viele Hände in der Luft lassen nur einen Schluss zu: SEBASTIAN BACH gehörte auch anno 2005 zu den Gewinnern des Festivals. Nach dem obligatorischen 'Youth Gone Wild' war dann schon nach knapp 50 Minuten natürlich viel zu früh Schluss.
(Peter)

CANDLEMASS
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SEBASTIAN BACH habe ich erst letztes Jahr hier in Balingen gesehen, und deshalb habe ich dieses Mal auf ihn verzichtet, um meine Kräfte für CANDLEMASS aufzusparen - und im Nachhinein war diese Entscheidung wohl auch richtig. Während der Ex-SKID ROW-Sänger laut Augen- und Ohrenzeugen nicht an seine Leistung vom Vorjahr anknüpfen konnte, boten die Schweden eine gewohnt souveräne Vorstellung.
CANDLEMASS legen nach einem länglichen Intro mit dem Opener ihres neuen, selbstbetitelten Albums, 'Black Dwarf', los, und diese für Doom-Verhältnisse recht flotte, aber dennoch schwer riffende Nummer stellt sich als exzellenter Einstieg heraus. Sänger Messiah Marcolin - für mich einer der charismatischsten Frontmänner überhaupt - hat keinerlei Probleme, das Publikum in den Griff zu kriegen, und als er zu Beginn des zweiten Songs, 'Mirror, Mirror', seinen berühmten Doom-Dance startet und die ganze Bühne bebt, kennt die Meute vor der Bühne sowieso kein Halten mehr. Dieser Klassiker wird lauthals mitgesungen bzw. in den meisten Fällen mitgegröhlt, und zumindest in den ersten Reihen findet sich niemand, der nicht im Rhythmus mitbangt. Wie bereits angedeutet haben CANDLEMASS erst unlängst ein neues Album veröffentlicht, und so ist es natürlich klar, dass sie dieses auch vorstellen wollen. Nach einer wie immer kultigen Ansage von Messiah, in der er zum einen auf das BANG YOUR HEAD 2002 eingeht, und zum anderen mal wieder ein geflügeltes Wort prägt - "Doom mit Gemüse" -, gibt es dann also zwei Nummern von dieser Scheibe zu hören, nämlich 'Assassin Of The Light' und 'Copernicus', wobei bei letzterem die Mitsingkünste des Publikums erneut gefragt sind. Die Klassiker aus der CANDLEMASSigen Band-Geschichte dürfen aber natürlich auch nicht fehlen, und so spielen die bestens gelaunten Schweden anschließend 'Solitude' und 'Bearer Of Pain'. Der Auftritt von CANDLEMASS ist äußerst kurzweilig, und dementsprechend schnell vergeht die Spielzeit der Band, die ebenfalls ein wenig gekürzt werden musste. So bleibt den Schweden gerade noch Zeit für einen Song, doch erfreulicherweise haben sie da gerade einen meiner CANDLEMASS-Faves ausgesucht: 'At The Gallows End'. Diese ebenfalls hervorragend dargebotene Nummer ist dann auch ein grandioser Abschluss eines Konzerts, das sowohl Band als auch Publikum sehr viel Spaß gemacht hat. - Lange Rede, kurzer Sinn: Epic Doom at its best!
(Martin)

Setlist:
Black Dwarf
Mirror, Mirror
Assassin Of The Light
Copernicus
Solitude
Bearer Of Pain
At The Gallows End

HANOI ROCKS
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Die Spannung war groß, als Horst Odermatt auf die Bühne kam um den "Very Special Guest" zu verkünden. MÖTLEY CRÜE? ANTHRAX im Original Line-Up? Gar BRUCE DICKINSON oder WHITESNAKE? Die Liste war lang, die Namen groß und die Erwartungshaltung noch viel größer. Alle waren sich einig, dass jetzt nur ein Knaller kommen dürfte. Doch schon das auf der Bühne stehende Saxophon stimmte nachdenklich und man kam auf Gedanken wie "QUEENSRYCHE spielen das komplette "Promised Land"-Album" oder ähnliches. Und dann kamen Horsts Worte etwa wie "Please welcome kick ass Rock'n'Roll from Finland: HANOI ROCKS!"
Dass danach fast keinerlei Reaktion von den tausenden von Fans vor der Bühne kam, dürfte die Enttäuschung klar gemacht haben. Wenige Minuten später war es vor der Bühne leerer als am Freitagmorgen bei MORGANA LEFAY. Die enttäuschten Fans strömten in Massen gen Camp oder Bierstand und gaben HANOI ROCKS kaum eine Chance.
Entsprechend schwierig war es für es die Glamrocker um Michael Monroe auf ihre Seite zu ziehen. Ihr Sleaze/Glamrock wollte irgendwie fast niemand hören, auch wenn Songs wie 'Million Miles Away' oder 'Don't You Ever Leave Me' coole Stücke sind, die zumindest meinen Fuß zum Wippen brachten. Ganz gleich, dass Michael Monroe als umtriebiger Frontmann eine energiegeladene Performance bot, sich nach jedem Song in neue schrille Jacken zwängte und lässig mit Federboa und Fächer spielte, so feierte doch nur ein Teil des inneren Rings HANOI ROCKS ab. Ein nicht kleiner Teil des restlichen Publikums fragte sich (und mich mehrfach) was das denn da für komische Typen auf der Bühne seien und ob der Sänger nun eine Frau oder eine Tunte ist.
Und so war der "Very Special Guest" ganz schön in die Hose gegangen. Nur gut, dass Horst noch ein Ass im Ärmel hatte.
(Peter)

MIKE TRAMPS WHITE LION
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MIKE TRAMPS WHITE LION ernteten im Vergleich zu HANOI ROCKS deutlich mehr Beifall. Ein bestens aufgelegter MIKE TRAMP spielte ausschließlich WHITE LION-Material. Natürlich vermissten einige Erbsenzähler Vito Bratta, doch der "Ersatzgitarrist" zockte die Soli mindestens genauso gut und ließ absolut keine Wünsche übrig. Auch die Songauswahl war genial und mit 'Broken Heart', 'Little Fighter', 'Light And Thunder' sowie dem Rausschmeißer, GOLDEN EARINGs Klassiker 'Radar Love', wurden fast alle Wünsche befriedigt. Alle? Meine nicht ganz, denn ich persönlich hätte mir noch den 'Warsong' und 'She's Got Everything' vom genialen "Mane Attraction"-Album gewünscht, aber das ist meine subjektive Meinung. Vor allem 'Broken Heart' war ein absoluter Gänsehautkandidat, und damit meine ich nicht nur das geniale Gitarrensolo. Den Spaß ließen sich die Leute nicht nehmen und grölten aus voller Inbrunst die Texte mit. Angeblich ist Mike vor zwei Tagen vom Veranstalter in Australien angerufen worden, als er mit seinem Sohn in Australien am Fischen war, aber das glaube ich nicht. Dafür war die Band zu gut eingespielt. Aber das ist auch egal. Der zweite Frauenheld neben SEBASTIAN BACH hatte absolut alle Sympathiepunkte geerntet. Er war auf jeden Fall eines "Very Special Guests" würdig und ich kann mich nicht erinnern, dass, außer SEBASTIAN BACH, DIO, und TWISTED SISTER natürlich, eine Band so viele grinsende Gesichter hinterlassen hat wie MIKE TRAMPS WHITE LION. Freuen wir uns auf die Herbsttour und noch mehr Klassiker.
(Tolga)

DIO
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Dann war es endlich Zeit für den kleinen Mann mit der großen Stimme: DIO! Die Freundin unseres Fotografen und Konzertverantwortlichen Frank Hameister, Petra, hatte sogar extra ein Fernglas mitgenommen. Bei der großen Bühne...
Es ging auch gleich ohne Intro oder ähnlichem Schnickschnack mit 'Killing The Dragon' los. Das Backdrop war schon klasse und zierte eine coole, düstere Berglandschaft. Was die Setlist angeht, so sollte das auch der einzig "aktuelle" Song bleiben. Denn was hier für ein Hitfeuerwerk abgefeuert wurde war einfach unglaublich. Klar, die Zeit ist an DIO auch nicht spurlos vorbeigegangen, wobei zwei Verschnaufspausen eingelegt wurden: Zum einen das Drumsolo von Simon Wright nach 'Stand Up And Shout', und zum anderen das Gitarrensolo von Craig Goldie nach dem göttlichen 'Man On The Silver Mountain'. Beide waren nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, aber die Setlist hat das voll ausgeglichen, denn wer außer DIO kann es sich schon erlauben, als fünftes Lied 'Holy Diver' anzustimmen? Vor allem Ronnie himself legte eine Bescheidenheit an den Tag, die ich persönlich bei so einer Metallegende nicht erwartet hätte, was ihn mir sehr sympathisch gemacht hat. Egal ob 'Long Live Rock'n'Roll', wo alle den Chorus mitgegrölt haben oder das mit einem coolen Keyboardintro versehene 'Gates Of Babylon': DIO hat mal so was von geruled! Als dann beim letzten Beat auch noch Feuersterne am vorderen Bühnenrand abgefeuert wurden dachte ich nur: Holla die Waldfee! Doch was dann kommen sollte war einfach nur unglaublich: 'Heaven And Hell'. Allen voran der langsame Part in der Mitte des Songs war genial, weil DIO rot angestrahlt wurde und Höllenfeuer an der Bühnenseite zum Vorschein kamen. Nach 'Rainbow In The Dark' war endlich Schluss und die Truppe wurde mit DIO-Chören verabschiedet. Defintiv mit eines der Highlights des diesjährigen BYH!
(Tolga)

Setlist:
Killing The Dragon
Egypt (The Chains Are On)
Stand Up & Shout
Drum Solo
Holy Diver
Sunset Superman
Man On The Silver Mountain
Gitarrensolo
Long Live Rock'n'Roll
The Gates Of Babylon
Heaven And Hell
Rainbow In The Dark

TWISTED SISTER
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Die Messlatte für den Headliner TWISTED SISTER hing äußerst hoch - zum einen hatte RONNIE JAMES DIO zuvor einen fulminanten Auftritt hingelegt, und zum anderen waren die Erwartungshaltungen nach dem Jahrhundertgig von vor zwei Jahren exorbitant hoch. Zumindest des zweiten Punktes war sich die Band um Dee Snider bewusst, und so hatten sie sich auch etwas "Besonderes" einfallen lassen: Das Kult-Album "Stay Hungry" aus dem Jahre 1984 sollte komplett am Stück gespielt werden. Diese Idee war nun nicht gerade neu, da beispielsweise SLAYER vor zwei Jahren in Wacken bereits "Reign In Blood" in voller Länge spielten, und zuletzt hatten auch AGENT STEEL ihre "Skeptics' Apocalypse" vollständig im Programm, und funktionieren muss sie erst recht nicht. Aber nun mal von Anfang an:
Sämtliche BANG YOUR HEAD-Besucher - okay, von ein paar wenigen abgesehen, die aufgrund der widrigen Freitagnacht bereits die Heimreise angetreten haben - warten schon gespannt vor der Bühne, um TWISTED (Fuckin') SISTER zu sehen, als endlich das schon obligatorische Intro 'It's A Long Way To The Top (If You Wanna Rock'n'Roll)' von AC/DC ertönt. Die Herren Jay Jay French (g.), Eddie Ojeda (g.), Mark Mendoza (b.) und A.J. Pero (dr.) nehmen im Verlauf dieses Songs ihre Plätze auf der Bühne ein, und als sie dann die ersten Töne von 'Stay Hungry' spielen, stürmt auch Dee Snider im passenden kultigen schwarz-rosa Outfit die Bühne. Die Band macht dabei einen recht guten Eindruck, und Dee fegt wieder wie ein Derwisch über die Bühne, so dass man meinen könnte, dass die Gage nach zurückgelegten Kilometern bezahlt wird. Das Publikum geht dabei auch ganz gut mit, und als dann der TWISTED SISTER-Song schlechthin, 'We're Not Gonna Take It', gespielt wird, kommt sogar richtig Leben in die sprichwörtliche Bude. Die Fans gröhlen jede Textzeile lautstark mit, so dass Dee auf der Bühne eigentlich fast arbeitslos ist, und man wird von der Stimmung beinahe an den TWISTED SISTER-Auftritt von 2003 erinnert. Aber eben nur beinahe, denn als sich Dee anschließend an das Publikum wendet, ist die Euphorie genauso schnell wieder weg wie sie gekommen war. Er geht darauf ein, dass sie sich für diesen Abend eben etwas ganz "Besonderes" einfallen lassen haben und das gesamte "Stay Hungry"-Album spielen wollen, und als er die Frage nach dem folgenden Song stellt, breitet sich großes Schweigen aus. Gerade einmal sieben Leute - so Dees Schätzung - scheinen zu wissen, dass es nun Zeit für 'Burn In Hell' ist, doch die US-Amerikaner lassen sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen und spielen den Song souverän herunter. Es folgt danach das zweiteilige 'Horror-Teria', das ja schon ganz nett ist, aber in einer Festival-Setlist nicht unbedingt auftauchen muss. Ähnlich sehen es auch die meisten Fans, denn die Stimmung ist bei dieser Nummer alles andere als berauschend. Anschließend ist mal wieder eine recht spaßige Ansage von Dee fällig, in der er auf die Geschehnisse der vergangenen Nacht eingeht, bevor es mit 'I Wanna Rock' erneut richtig zur Sache geht. Die Stimmung ist bei diesem Klassiker wieder richtig gut, doch anstatt dies richtig auszunützen, legen TWISTED SISTER danach eine weitere Pause ein, die Jay Jay für einen längeren Monolog ausnützt. Er geht dabei auf das tolle Festival, die gerade erschienene DVD vom W:O:A-Auftritt und die ganzen Nu-Metal-Bands ein, erntet dafür immer wieder auch Beifall, aber bis endlich 'The Price' gespielt werden kann, vergeht einige Zeit. Nach dieser genialen Ballade, die auch hervorragend aufgenommen wird, ist aber auch schon wieder die Luft raus, denn sowohl 'Don't Let Me Down' als auch 'The Beast' können nicht wirklich überzeugen. Erst bei 'S.M.F.' kann Dee die "Sick Motherfuckers" wieder richtig mobilisieren und zum lautstarken Mitgrölen animieren. Damit ist dann die Angelegenheit "Stay Hungry" erledigt, und das Publikum ist gespannt, wie es denn nun weitergeht. Eigentlich rechnet jeder mit einer Sammlung von TWISTED SISTER-Klassikern der anderen drei Alben, doch damit haben sie die Rechnung ohne den Wirt in Form von Dee & Co. gemacht. Dee kündigt nämlich lang und breit an, dass sie sich nochmal etwas ganz "Besonderes" einfallen lassen haben und nun einen Song zum ersten Mal live spielen werden, den sie ansonsten immer als Outro verwendet haben, nämlich die ROLLING STONES-Nummer 'It's Only Rock'n'Roll (But I Like It)'. Diese wird dann auch extrem in die Länge gezogen, indem das Publikum immer wieder einbezogen und so bei Laune gehalten wird, und danach ist zur Überraschung aller Besucher auch schon Schluss. Zumindest verschwinden TWISTED SISTER von der Bühne, und das Feuerwerk über dem Festivalgelände beginnt. Ob das allerdings so beabsichtigt war, ist fraglich, da Dee & Co. noch einmal auf die Bühne kommen, um zumindest noch einen Band-Klassiker zu spielen, nämlich 'You Can't Stop Rock'n'Roll'. Danach ist dann aber wirklich Schluss - sowohl mit TWISTED SISTER als auch mit dem BANG YOUR HEAD 2005.
Wie sieht nun das Fazit aus: Zumindest für mich war dieser Auftritt eine ziemliche Enttäuschung. Das soll jetzt nicht heißen, dass die Band wirklich schlecht war oder das Publikum nicht begeisterungsfähig gewesen wäre - das Hauptproblem war für mich die Songauswahl. Sicherlich hat die "Stay Hungry"-Scheibe einige geniale Nummern, die auch aus einer TWISTED SISTER-Setlist nicht wegzudenken sind, aber es gibt da eben auch Songs, die eher durchschnittlich sind und bei denen man schon weiß, weshalb sie noch nie live gespielt wurden. Und für solche Stücke musste man dann auf Klassiker der Marke 'Come Out And Play', 'Destroyer', 'I Am (I'm Me)', 'I Believe In Rock'n'Roll' oder 'Shoot 'em Down' verzichten - sehr schade. Ein weiteres Problem war auch die Vielbabbelei von Dee (und auch Jay Jay), die viel Spielzeit verschwendete, die auch mit dem einen oder anderen Song hätte gefüllt werden können. Dass Dee gerne redet, ist nicht wirklich etwas Neues, aber so dermaßen nervig wie dieses Mal habe ich es noch nicht empfunden. Von diesem Auftritt hatte ich mir wirklich mehr erwartet...
(Martin)

Setlist:
Stay Hungry
We're Not Gonna Take It
Burn In Hell
Horror-Teria
A) Captain Howdy
B) Street Justice
I Wanna Rock
The Price
Don't Let Me Down
The Beast
S.M.F.
It's Only Rock'n'Roll
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You Can't Stop Rock'n'Roll

Redakteur:
Tolga Karabagli

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