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Bang Your Head XIV - Balingen

16.07.2009 | 20:28

26.06.2009, Messegelände

Erbarmungslose Hitze, der eine oder andere Sturm mit Platzregen und eine Menge toller traditioneller Metalbands: Das "Bang Your Head" wird seinem Ruf gerecht!

Da das Wetter in Balingen grundsätzlich ausschließlich Extremvarianten kennt, war es absehbar, dass auf die Bruthitze und gnadenlos sengende Sonne des Freitags mindestens ein Sturm folgen würde. Der vereint sich sodann am Samstag morgen mit einem stundenlangen Platzregen der Güteklasse A.

Das führt für die alt-ehrwürdigen Briten von CLOVEN HOOF leider dazu, dass sie ihre undankbare Opener-Rolle vor ein paar Hundert triefnassen Nasen spielen müssen. Das machen die NWoBHM-Veteranen um Frontsirene Russ North dann auch sehr tapfer und souverän, wobei die Setlist zu drei Vierteln dem entspricht, was sie im Frühjahr beim KIT aufgeführt haben. Doch es gibt auch interessante Neuerungen: 'Inquisitor' ersetzt als Opener 'Eye Of The Sun' und 'Return Of The Passover' ist zurück im Set, das Kollege Frank beim KIT noch schmerzlich vermisst hat. Wirklich sehr schade für die Band in den wahrlich zeitgemäßen Achtziger-Outfits, dass das Wetter so abartig schlecht ist, dass sich nicht mehr Leute vor die Bühne verirren. Denn mit ihrem tollen, melodischen und doch harten Sound der alten Schule, hätten sie sicher sehr viele neue Fans gewinnen können. Denn das BYH-Publikum ist für diesen Stil im Allgemeinen sehr offen. So haben halt wieder mal nur die Insider die Nase vorn, doch die schauen nach dem Gig sehr zufrieden aus.

Setlist: Inquisitor, Nova Battlestar, Mutilator, Return Of The Passover, Road Of Eagles, Gates Of Gehenna

[Rüdiger Stehle]


Den US-Metallern von LÄÄZ ROCKIT soll es leider kaum besser gehen, denn statt nachzulassen schickt sich der Regen an, der nächsten Sintflut Vorschub zu leisten. Daher zieht es auch nur relative wenige Unentwegte vor die Bühne, und natürlich die LÄÄZ ROCKIT-Fans, die aus den Achtzigern übrig geblieben oder nach dem ganz gelungenen neuen Album wieder zurück gekehrt sind. Das sind zwar nicht gerade Heerscharen, aber doch ein ganz stattliches Häufchen von Headbangern, das die Bay-Area-Recken um den charismatischen und aufgedrehten Frontmann Michael Coons anfeuert. Und auch von der trockenen Messehalle aus schauen immer wieder einige Leutchen von den WC-Fenstern aus oder durch die Türen hindurch zu. Die Setlist überrascht gegenüber dem Konzert vom KIT8 vor allem dadurch, dass die Kalifornier gleich mit drei neuen Stücken in ihr Set einsteigen. Danach gibt es zwei Stücke von "Annihilation Principle" und je eines vom Debüt und von "Know Your Enemy", sowie mit 'Liar' ein weiteres neues Stück. Mancher Altfan mag sich mehr Klassiker gewünscht haben, doch im Endeffekt ist die Setlist mutig und beweist, dass LÄÄZ ROCKIT nicht vom bescheidenen Ruhm vergangener Tage leben wollen, sondern auch Vertrauen in ihr neues Material haben. Schade, dass es wegen des Wetters nicht mehr Leute mitbekommen haben.

Setlist: Brain Wash, Delirium Void, Erased, Last Breath, Chasin' Charlie, Liar, Forced To Fight, Fire In The Hole

[Martin Loga]


Wenn auch stilistisch deutlich anders gelagert, so sind POWERWOLF, die transsylvanischen Vampire und Werwölfe aus dem Saarland, ähnlich umstritten wie am Vortag die schottischen Piraten von ALESTORM. Der bombastische Power Metal der Herren Dorn, Greywolf und Co. trägt aber auch wirklich dick auf, mit Kostümen, Schminke, Keyboard, Neoklassik, Chören, eingängigen Refrains und theatralischem Gesang. Das derlei Extravaganz natürlich Spötter auf den Plan ruft, versteht sich von selbst. Doch die bleiben bei dem bis dato bescheidenen Wetter der Bühne gerne fern, so dass sich vorwiegend doch die Fans der Kraftwölfe vor der Bühne einfinden, und ein paar Leute, die vielleicht noch welche werden wollen.

Das liegt auch gar nicht so fern, denn mir selbst ist es dereinst auch so gegangen, dass ich POWERWOLF nie so richtig ernst genommen habe, bis ich sie als Vorgruppe von GAMMA RAY mit einem wirklich tollen Auftritt beklatschen durfte. Und auch heute lassen sich Attila Dorn und seine Mitstreiter nicht lumpen. Nach dem Intro der zweiten Scheibe und deren folgendem Einstiegsdoppel mit 'We Take It From The Living' und 'Prayer In The Dark' folgt erstmal 'Raise Your Fist, Evangelist', der gigantische Opener des aktuellen Albums, der vom Publikum dankbar aufgenommen und auch mitgesungen wird. Dann geht es mit einer bunten Mischung aller Alben weiter, die kaum Wünsche offen lässt. Show und Image würden allerdings bei Nacht deutlich besser und geheimnisvoller wirken, als an diesem völlig verregneten Früh-Nachmittag auf der schwäbischen Alb. Na ja, sei's drum, POWERWOLF sind weit besser als ihr Ruf in der traditionellen Metalszene es verheißt, und das weiß jetzt auch das Bang-Your-Head-Auditorium.

Setlist: Lupus Daemonis (Intro), We Take It From The Living, Prayer In The Dark, Raise Your Fist Evangelist, We Came To Take Your Souls, Saturday Satan, Werewolves Of Armenia, Resurrection By Erection, Kiss Of The Cobra King, Lupus Daemonis (Outro)
[Rüdiger Stehle]

Allmählich lässt der strömende Regen etwas nach, und so kommen nach und nach immer mehr Leute vor die Bühne. Das ist auch gut so, denn mit DRIVER steht eine Band auf dem Programm, die man bislang kaum gesehen hat. Wie auch - hat sich die Band bereits 1990 nach nur einer EP aufgelöst und erst vor zwei Jahren wieder zusammengefunden. Im letzten Jahr ist dann endlich auch das erste Album der Band erschienen, namentlich "Sons Of Thunder", das in Auszügen nun auch zum Besten gegeben wird. DRIVER beginnen mit dem Titelsong ihren Auftritt, direkt gefolgt von 'Fly Away'. Die Band aus Kalifornien weiß dabei gleich zu überzeugen - die Instrumentalfraktion um Roy Z. präsentiert sich sehr spielfreudig, und Rob Rock weiß mit seinem hohen Gesang ebenfalls zu gefallen. Er vergewissert sich auch gleich mal, ob der Regen für das Publikum ein Problem ist, doch das ist natürlich keineswegs der Fall. Im Gegenteil - die Leute vor der Bühne feiern die Songs - wie in der Folge beispielsweise 'Heart's On Fire' und 'Winds Of March' - ab, obwohl die wenigsten mit "Sons Of Thunder" vertraut sein dürften. Mit dem ABBA-Cover 'Eagle' haben DRIVER später noch eine kleine Überraschung parat, bevor sie mit dem großartigen 'I'm A Warrior' ihren Auftritt beschließen.

Dem Wettergott scheint es wohl auch gefallen zu haben, denn zum Ende des Auftritts von DRIVER kommt endlich auch wieder die Sonne raus.

Setlist: Sons Of Thunder, Fly Away, Heart's On Fire, Winds Of March, Nations On Fire, Judgment Day, Eagle, I'm A Warrior
[Martin Schaich]

Nachdem das unbestrittene Highlight des Freitags aus meiner Sicht aus Kanada stammte, so kommt die Rolle des Samstags-Überfliegers einer ähnlich alten, wenn auch nicht so nachhaltig aktiven Band aus Kalifornien zu. Namentlich WARRIOR, deren Bandleader und Gitarrist Joe Floyd sich nach kurzen Affairen mit Rob Rock und Marc Storace wieder den originalen und einzig wahren WARRIOR-Frontmann Perry McCarthy (Foto) ins Boot geholt hat. Die Gitarristen Floyd und Perez shreddern und solieren sich derweil ins Nirwana und lassen nur offene Mäuler zurück, während vor mir ein etwas älterer Zuschauer permanent den Kopf schüttelt und verstört drein blickt. Ich frag mich eine ganze Weile lang, was ihn denn so arg stört, bis ich irgendwann merke, dass der Gute vor lauter Begeisterung und Fassungslosigkeit über die Klasse des Gebotenen so reagiert. Wahrscheinlich hat er seit dem Erscheinen der "Fighting For The Earth" (1985) drauf gewartet, WARRIOR endlich mal live zu sehen. Es ist schön, wenn man mitbekommt, wie sehr erwachsene Menschen sich noch von der Musik begeistern lassen können. Doch das ist im Falle WARRIORs auch verständlich, ist doch nicht nur die Instrumentalfraktion irre gut, sondern auch der zurückgekehrte Frontmann, der stimmlich rein gar nichts anbrennen lässt. Die hymnisch-melodischen Parts sitzen genauso punktgenau wie die markerschütternden Screams. Dazu kommt noch ein sympathisch-energischer Gastauftritt von Produzentenlegende Roy Z. (eben schon mit DRIVER auf der Bühne) an der dritten Gitarre bei der bekanntesten Hymne der Band 'Fighting For The Earth'. Roy steigert sich so maßlos in den Auftritt rein, dass er gegen Ende gar seine schicke Gitarre wegwirft, und den ganzen Laufsteg entlang schlittern lässt, so dass sie knapp vor dem Bühnengraben hängen bleibt. Schön ist im Übrigen auch, dass nicht nur die Songs des erwähnten Klassiker-Albums zum Zug kommen, sondern mit dem großartigen Opener 'Fight Or Fall' und der knackigen Biker-Hymne 'Tonight We Ride' auch zwei Stücke vom tollen Comeback-Album "Ancient Future". Ein großartiger Auftritt, der mich hoffen lässt, die Band bald mal wieder zu sehen.

Setlist: Fight Or Fall, Mind Over Matter, Ruler, Day Of The Evil (Beware), Defenders Of Creation, Tonight We Ride, Cold Fire, Fighting For The Earth
[Rüdiger Stehle]


PINK CREAM 69, die multinationalen Hardrocker aus dem Badischen, springen sehr kurzfristig ein, und zwar für TESLA, die ein logistisches Problem mit den Flügen haben, weil sie am selben Tag auf zwei Festivals hätten spielen sollen. Hätte man ja fast vorher wissen können, das das ein ziemlicher Balanceakt werden würde, am Samstag in Mailand und in Balingen zu spielen. Die kurzfristige Absage ist natürlich sehr schade für die zahlreichen Fans, die sich riesig auf einen der seltenen Deutschland-Auftritte der kalifornischen Hardrocker gefreut hatten, doch was will man machen?

Ob die Pinkies hierfür ein gleichwertiger Ersatz sind? Nun, in musikalischer Hinsicht vielleicht, da man die Band aber sicher weit öfter sieht, als TESLA, werden sich die Enttäuschten davon kaum versöhnen lassen. Doch das ist schließlich nicht der Fehler der Karlsruher, und so bekommt das Quintett auch eine ordentliche Publikumsresonanz. Sänger David Readman ist auch stimmlich gut in Form, und die Setlist passt auch. Jedenfalls wurde mir letzteres berichtet, da selbst ich als dieses Mal einziger "hauptamtlicher" POWERMETAL.de-Berichterstatter vom "Bang Your Head" bei 22 Bands in zwei Tagen mal eine etwas längere Erholungspause brauche. Tut mir leid, aber ich bin auch nur ein Mensch, und so war für mich nach drei Stücken PC69 eben Rasten angesagt.
[Rüdiger Stehle]



Die Hard-/Sleazerocker HARDCORE SUPERSTARS waren mir bis zum Erscheinen des aktuellen Studioalbums "Beg For It" offen gestanden lediglich vom Namen her geläufig. Am heutigen Nachmittag darf das BYH-Publikum die Schweden in spiel- und bewegungsfreudiger Verfassung erleben. Frontmann Jocke tanzt und hüpft über die Bühne und auch die übrigen Bandkollegen an den Klampfen spurten und springen teilweise mit offenen Stiefeln halsbrecherisch über die Bühne, als gäbe es Kilometergeld.

Doch der Auftritt der Schweden-Jungens erschöpft sich beileibe nicht im üblichen Rockstar-Gepose sondern auch instrumental glänzt die Band. Gerade der Titeltrack des neuen Albums "Beg For It" und das im Refrain unwiderstehliche 'Into Debauchery' wirken live absolut mitreißend. Auch das knackig umgesetzte 'Wild Boys' sowie 'We Don't Celebrate Sundays' sorgen für ausgelassene Stimmung beim Publikum. Sänger Jocke ist sichtlich erfreut über die guten Publikumsreaktionen. Nach einer knappen dreiviertel Stunde ist der unterhaltsame Auftritt von HARCORE SUPERSTAR leider auch schon zu Ende. Sauber!
[Martin Loga]








Nach der absolut sehenswerten Darbietung der Schweden ist jetzt aber
Schluss mit lustig, denn die Thrash-Titanen EXODUS kommen, sehen und zerstören! Bereits im Jahr 2006 verschönerten sie zunächst das Billing des BYH, doch aufgrund diverser Unstimmigkeiten sagten EXODUS schließlich den Auftritt ab. Umso mehr darf man sich auf den heutigen Auftritt der Altmeister freuen, der bei strahlendem, fast schon unangenehm intensiven Sonnenschein über die Bühne geht.

Was kann bei einer Band schief gehen, die mit einem Killer-Track wie 'Bonded By Blood' in ihr Set einsteigt? Eben! Überhaupt gar nichts. Frontbulle Rob Dukes stampft zwar in einer schlabberigen Shorts mit der Nationalflagge der USA über die Bühne und wird immer kugeliger, aber seine Vocals passen wie die Faust aufs Auge und transportieren gesanglich alte EXODUS-Klassiker gelungen in die Neuzeit. Auch das einzigartige Drumming von Tom Hunting - der den ganzen Gig über mit seiner Sonnenbrille auf der Nase sein Schlagzeug-Kit mustergültig bearbeitet - sorgt für mächtig Druck. Der Sound ist heute Abend bestens abgemischt und so kommen die ungestümen Riffs des Duos Altus/Holt und die sehr druckvolle Arbeit am Bass von Jack Gibson ausgezeichnet rüber. 'A Lesson In Violence' sorgt bereits für rege Aktivitäten der Headbanger im Circle-Pit, der im Verlauf der mächtigen Vorstellung der US-Amerikaner immer größer wird. Rob Dukes ist um deftige Sprüche nicht verlegen und so kommt es, dass er 'Children Of A Worthless God' sehr plakativ mit den Worten "Fuck the Middle East!" ankündigt. Auch dieser neuzeitliche Kracher wird ausgezeichnet vom Publikum aufgesogen und mit sattem Applaus bedacht. Doch Rob Dukes ist nicht zufrieden. Er fordert vom Publikum einen Circle-Pit gigantischen Ausmaßes, der von einer Seite der Bühne bis zur anderen reicht. 'Piranha' wird von besonders derbem Geschubse und Gerempel im Circle-Pit flankiert. EXODUS lassen nicht locker und präsentieren sich heute in beängstigend guter Form. Gary Holt ist die Ruhe in Person, denn selbst, als ihm fast ein im Pit verloren gegangener Schuh gegen die Klampfe fliegt, schiebt er diesen entspannt beiseite, während er die Saiten seiner Gitarre mit Besessenheit und Präzision bearbeitet.

Rob Dukes fordert bei 'The Toxic Waltz' noch mehr Action vom Publikum und teilt die Menge in zwei Teile, die durch einen mit Brettern bedeckten Kabelkanal getrennt ist. "I want you to kill each other!" überzeichnet der Shouter. Nach dem Startschuss wird kollektiv gegeneinander gerempelt - wie beim American Football! So etwas dürfte das BYH auch noch nie erlebt haben. Ebensowenig wie der gigantisch große Circle Pit beim finalen Genickschuss 'Strike Of The Beast', der durch kräftigen Applaus beendet wird. Die Band verneigt sich sichtlich bewegt vor dem Publikum und Rob Dukes holt sogar lächelnd zwei Kinder auf die Bühne, die auch einmal den Überblick von aus haben wollen. Insgesamt ein grandioser Auftritt der EXOdudes!

Setlist: Bonded By Blood, Iconoclasm, A Lesson In Violence, Children Of A Worthless God, Piranha, Blacklist, War Is My Sheppard, The Toxic Waltz, Strike Of The Beast
[Martin Loga]

An dieser Stelle mag man hinzufügen, dass das Publikum über die aggressive Aufstachelei des Herrn Dukes nicht ungeteilter Meinung ist, und dass besonders die Aufforderung zur "Wall Of Death"-Aktion viele Anwesende nicht nur peinlich sondern sogar gefährlich finden. Da ich weiter hinten stand, kann ich nicht beurteilen, wie hart es im Pit wirklich zugeht, aber Augenzeugen berichten auf jeden Fall davon, dass es ihnen da vorne nicht ganz wohl gewesen ist.
[Rüdiger Stehle]

Dave Meniketti und seine Band Y&T sind gerne gesehene Gäste beim Bang Your Head und konnten hier schon früher einige Begeisterung entfachen. So haben sich viele der Anwesenden auf ein Wiedersehen mit den kalifornischen Melodic-Hardrockern gefreut. Doch dieses Mal stand der Auftritt unter keinem guten Stern und wegen einer Verletzung des Schlagzeugers Mike Vanderhule stand eine Weile lang nicht fest, ob der Auftritt überhaupt stattfinden würde. Doch dann gab es Entwarnung und unser ganzer Respekt geht an Mike, der ganz schön die Zähne zusammen beißen muss, mit vor drei Tagen gebrochener Hand den dynamischen Heavy Rock zusammen mit Bass-Tier Phil Kennemore mit dem nötigen Punch zu unterfüttern. Es gelingt den beiden ohne Fehl und Tadel!

Dass Frontmann Dave Meniketti sowohl als Götterstimme als auch als Gitarrenhexer vor dem Herrn wie üblich eine glänzende Figur abgibt, das versteht sich ja fast schon von selbst, kann jedoch auch an dieser Stelle nicht genug gewürdigt werden. In Metal-Kreisen wird die Band nämlich leider noch immer viel zu oft unterschätzt, obwohl sie auch dieses Mal wieder ein Hit-Repertoire der Sonderklasse auffährt.

Bei so viel Einsatz und Spielfreude lacht sogar die Sonne über Balingen, und alles andere wäre ja auch eine Farce wenn eine Band aus einem der sonnigsten Länder der Welt sich mit einem Übersong wie 'Forever' verabschiedet.

Setlist: Open Fire, Lipstick & Leather, Dirty Girl, Don't Stop Running, Mean Streak, Rescue Me, I'll Cry For You, Eyes Of A Stranger, Looks Like Trouble, Black Tiger, I Believe In You, Forever
[Rüdiger Stehle]

Ein Auftritt der amerikanischen Hymnenmetaller von W.A.S.P. ist ja zumeist eine umstrittene Angelegenheit. Die einen werfen Blackie Lawless und seinen Mitstreitern gerne mal Lustlosigkeit oder gar Playback vor, die anderen mäkeln an der unspannenden Setlist und die dritten sind der Meinung, dass die Attitüde nicht mehr zum Alter der Protagonisten passt. Dem gegenüber steht eine treue Fangemeinde, die - zumindest an einem guten Tag - ihren Spaß an den unsterblichen Hymnen hat, begeistert mitsingt und Blackie dafür liebt, dass er sich und seinem Stil mit wenigen, inzwischen fast vergessenen Ausnahmen absolut treu geblieben ist. Heute ist der Herr Gesetzlos ziemlich gut gelaunt und auch stimmlich gut in Form. Die Setlist besteht aus diversen essentiellen Klassikern und zwei Stücken vom sehr guten letzten Album "Dominator", wobei ein bisschen negativ auffällt, dass die Klassiker gegen Ende doch arg überstrapaziert und in die Länge gezogen werden. Da wäre mehr weniger. Vor allem ließe es mehr Platz für den einen oder anderen weiteren Klassiker oder auch mal eine Perle von der völlig unterschätzten "Still Not Black Enough". Sei es, wie es wolle, in Sachen Publikumszuspruch und auch in meiner Gunst stellt W.A.S.P. den folgenden Headliner - ich nehme es einfach mal vorweg - locker in den Schatten, oder was meinst du, Martin?

Setlist: On Your Knees, Inside The Electric Circus, Hate To Love Me, L.O.V.E. Machine, Wild Child, Take Me Up, Chainsaw Charlie, The Idol, Wanna Be Somebody, Blind In Texas

[Rüdiger Stehle]

Ja, Rüdiger, da muss ich dir leider recht geben. W.A.S.P. waren an diesem Abend definitiv die bessere Band und wären dementsprechend auch der würdigere Headliner gewesen.

Aber nicht nur im Vergleich mit W.A.S.P. ziehen BLIND GUARDIAN den Kürzeren. Nein, auch der Headliner des Vortags hat bei Weitem mehr überzeugt als die Band um Hansi Kürsch. JOURNEY mussten sich den Respekt nämlich sehr hart erarbeiten, während ein Festival-Auftritt von BLIND GUARDIAN inzwischen eben ein regelrechter Selbstläufer ist. Die Band muss nicht viel tun, um die Fans auf ihre Seite zu ziehen, und sie tut leider auch nicht viel. Und das macht mich als Fan der dritten Stunde - das Album "Tales From The Twilight World" steht seit 1990 in meinem Regal und ist immer noch mein BG-Favorit - natürlich traurig. Ich war schon vor zwei Jahren von dem Auftritt in Wacken ziemlich enttäuscht und hatte gehofft, das dies ein Ausrutscher gewesen wäre. Aber nein - auch dieses Mal können sie mich nicht überzeugen.

Sicherlich haben BLIND GUARDIAN auch etwas Pech, dass sie die zweite Hälfte ihres Auftritts bei strömendem Regen absolvieren müssen. Aber man hat in Balingen auch schon Headliner erlebt, die trotz widrigster Bedingungen das Publikum begeistert mitziehen konnten - ich nenne hier nur DEE SNIDER. Doch Hansi Kürsch & Co. gelingt dies an diesem Abend nicht, und so verlassen viele Leute schon vorzeitig das Festivalgelände.

Über die Songauswahl kann man sich dabei nicht einmal beschweren: BLIND GUARDIAN beginnen nach dem Intro 'War Of Wrath' mit 'Time Stands Still (At The Iron Hill)' vom 1998er-Album "Nightfall In Middle-Earth", direkt gefolgt von 'Another Holy War' vom 1995-Output "Imaginations From The Other Side", und diese beiden Scheiben kommen auch in der Folge noch zum Zug ('Nightfall', 'Blood Tears', 'Mirror, Mirror' bzw. 'The Script For My Requiem', 'Imaginations From The Other Side'). Die ersten beiden Alben werden zwar wie gewohnt eher stiefmütterlich behandelt - lediglich 'Valhalla' schafft es noch auf die Setlist -, aber mit immerhin drei Songs wird "Tales From The Twilight World" fast schon angemessen berücksichtigt: 'Lord Of The Rings' wird ja recht regelmäßig gespielt, aber über 'Goodbye My Friend' und vor allem 'Traveler In Time' habe ich mich doch gefreut (auch wenn 'The Last Candle' natürlich noch besser gewesen wäre ;)). Vom Nachfolger gibt es 'Time What Is Time' sowie das unverzichtbare 'The Bard's Song (In The Forest)' zu hören. Mit 'Punishment Divine' sowie 'Turn The Page' und 'This Will Never End' spielen BLIND GUARDIAN natürlich auch noch ein paar Stück von ihren letzten beiden Alben, und mit 'Sacred' haben sie sogar noch einen neuen Song im Gepäck.

Es ist einzig allein die Darbietung, die recht mäßig ist. Dass Bassist und Keyboarder im Hintergrund zu bleiben haben, ist ja bekannt - immerhin werden sie ja auch nicht als vollwertige Band-Mitglieder geführt -, doch dass sich auch die beiden Gitarristen Marcus Siepen und André Olbrich kaum bewegen, ist doch eher schwach. Hansi Kürsch sucht zwar schon immer wieder den Kontakt zum Publikum und kommt auch trotz des Regens immer wieder nach vorne, doch mit seinen Ansagen kann er eben doch keinen Fan mehr zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Dementsprechend fallen auch die obligatorischen Mitsingteile (vor allem bei 'Valhalla' und 'The Bard's Song') recht verhalten aus - das habe ich bei Konzerten dieser Band schon ganz anders erlebt.

Der Auftritt von BLIND GUARDIAN war - auch wenn das nun so klingen mag - sicherlich nicht wirklich schlecht, doch von einer solchen Band erwarte ich als Headliner einfach mehr. Mal schau'n, wie sie sich beim nächsten Mal präsentieren - Hansi Kürsch hat ja bereits angekündigt, dass sie nun wieder öfters nach Balingen kommen wollen.

Setlist: Time Stands Still (At The Iron Hill), Another Holy War, Nightfall, Traveler In Time, Turn The Page, The Script For My Requiem, Blood Tears, Goodbye My Friend, This Will Never End, Valhalla, Sacred, Time What Is Time, Lord Of The Rings, Punishment Divine, Imaginations From The Other Side, The Bard's Song (In The Forest), Mirror, Mirror
[Martin Schaich]


Alle Fotos: Frank Hameister

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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