top banner 119
side banner 122

Bang Your Head!!! 2007 - Balingen

05.07.2007 | 00:48

22.06.2007, Messe Balingen

Auch ohne offizielle Warm-Up-Party kann der Vorabend des BANG YOUR HEAD!!!-Festivals ganz schön feucht-fröhlich enden. Allein schon die Tatsache, dass man mit jedem der vielen, vielen Bekannten, die man alljährlich in Balingen antrifft, einen Begrüßungsschluck nehmen muss, sorgt am nächsten Tag für einen dicken Kopf und das starke Bedürfnis nach Kaffee. Zum Glück befindet sich der Stand mit den Heißgetränken nur wenige Meter vom POWERMETAL.de-Hauptquartier entfernt, und mit dem starken Gebräu in der Hand (bzw. weniger später in der Blutbahn, die so langsam wieder ihre normale Zirkulation erreicht) komme ich allmählich in die Gänge. Nur der Himmel über Balingen macht mir Sorgen. Graue Wolken so weit das Auge reicht. Wenig später kommt, was kommen muss: Es gießt. Aber so richtig. Wasser-vom-POWERMETAL.de-Stand-runterstupsen wird für ca. eine Stunde zur Hauptbeschäftigung derjenigen, die nicht im strömenden Regen vor der Bühne ausharren. Doch genauso schnell, wie sich die Schleusen des Himmels geöffnet haben, ist der Spuk auch schon wieder vorbei, und Tag eins überrascht uns mit unerwarteten musikalischen und sonnigen Höhepunkten.
[Elke Huber]


ADRAMELCH
Die erste Band des diesjährigen Bang Your Head!!! ist ADRAMELCH aus Italien, die vor allem aufgrund ihres grandiosen Debütalbums aus dem Jahr 1988, "Irae Melanox", im Untergrund einen sehr guten Ruf genießt. Auf großen Festivals waren die Italiener bislang aber nicht vertreten - vom Headbangers Open Air (2004) und vom Keep It True Festival (2005) mal abgesehen -, und so konnten sie sich auch noch nicht einem breiten Publikum präsentieren. Das soll sich mit diesem Auftritt, zu dem die Band auch nur durch die kurzfristige Absage von VIOLENT STORM gekommen ist, aber ändern, denn pünktlich um 10 Uhr herrscht bereits verhältnismäßig reges Treiben vor der Bühne. Die Gruppe der ADRAMELCH-Insider stellt hierbei zwar eher eine Minderheit dar, aber immerhin wollen sich genügend Leute diesen Auftritt nicht entgehen lassen.

Die Band steigt mit 'Cluny Calls' vom aktuellen "Broken History"-Album ein und kann das Publikum damit relativ schnell auf seine Seite ziehen. Überhaupt präsentieren sich die Italiener sehr gut gelaunt und äußerst spielfreudig - lediglich etwas mehr Bewegung hätte vielleicht nicht geschadet. Das ist aber ganz gut zu verschmerzen, immerhin geht es bei einer Band wie ADRAMELCH um die Musik, und die ist ja erste Klasse.
Nach einer kurzen Ansage folgt mit 'Beloved Jerusalem' ein zweiter Song von "Broken History", bevor mit 'Zephirus' zum ersten Mal "Irae Melanox" bemüht wird. Diese Nummer wird von ADRAMELCH erstklassig vorgetragen, und so hat das diesjährige Bang Your Head!!! für mich schon seinen ersten Höhepunkt. Mit dieser Einschätzung stehe ich auch nicht ganz allein da, wenn man sich die Publikumsreaktionen nach diesem Song anschaut. ADRAMELCH haben den Schwerpunkt bei der Songauswahl aber wieder einmal nicht auf das Debüt gelegt, sondern auf "Broken History", und so folgen mit dem Titelsong sowie 'Darts Of Wind' zwei weitere Stücke vom noch aktuellen Album.

Apropos "noch aktuell" - laut Sänger Vittorio ist die Band bereits fleißig am Songs schreiben, und im nächsten Jahr dürfen wir uns bereits auf eine neue Platte aus dem Haus ADRAMELCH freuen. Es sieht also so aus, als ob es dieses Mal keine 17 Jahre dauert. ;-)
Einen kleinen Vorgeschmack geben die Italiener dann auch gleich, denn mit 'Tides Of My Soul' haben sie einen nagelneuen Song im Gepäck. Diese Nummer macht dann auch gleich Lust auf mehr, denn ich persönlich halte sie für ausgesprochen gelungen - mal schaun, was wir im nächsten Jahr noch so von ADRAMELCH zu hören bekommen.

An diesem Vormittag bekommen wir jedenfalls nicht mehr viel von den Italienern zu hören, da sie als Opener nur eine Spielzeit von 40 Minuten zur Verfügung haben und bereits zum letzten Song kommen müssen. Mit 'Was Called Empire' lassen sie noch ein "Irae Melanox"-Stück aufs Publikum los, das sich dafür mit begeistertem Jubel bedankt. Da spielt es auch kaum eine Rolle, dass es inzwischen zu regnen angefangen hat: Fast alle harren bis zum letzten Ton vor der Bühne aus und lassen die Band spüren, dass sie Spaß an diesem Auftritt haben und mit der Leistung mehr als zufrieden sind.
Ein älteres Stück mehr hätte mich zwar schon noch gefreut, wie beispielsweise 'Dreams Of A Jester', aber insgesamt war das ein toller Auftakt für das diesjährige Festival. So kann es weitergehen!
[Martin Schaich]

WOLF
Weiter geht es aber zunächst erstmal nur mit Regen, und daran soll sich auch in der nächsten Stunde nichts ändern. Die Schweden von WOLF werden daher zumindest wettertechnisch zum Verlierer des diesjährigen Bang Your Head!!!. Aus musikalischer Sicht kann man das nicht unbedingt sagen, denn die Band um Niklas Olsson hat sich in den letzten Jahren doch ganz gut entwickelt. Zu Beginn ihrer Karriere haftete der Band allzu oft das Etikett "IRON-MAIDEN-Klon" an, doch im Laufe der Zeit konnte sie sich davon weitgehend befreien und auch eine ganz ansehnliche Fan-Gemeinde erspielen.

Rechtzeitig zum Beginn des Auftritts der Schweden versammeln sich dann auch nicht gerade wenige Fans vor der Bühne, um die Schweden abzufeiern. Bei besseren Witterungsverhältnissen wäre das Publikum sicherlich zahlreicher gewesen, aber die Schön-Wetter-Metaller ordnen halt doch lieber einem Dach über dem Kopf eine höhere Priorität zu als einem guten Metal-Konzert. ;-)
Wie auch immer: weder WOLF noch die Fans vor der Bühne lassen sich durch den Regen die Stimmung vermiesen und haben in der nächsten knappen Dreiviertelstunde sehr viel Spaß. Die Schweden legen gleich mit 'Steelwinged Savage Reaper' vom aktuellen Album "The Black Flame" ordentlich los, und die Stimmung ist von Beginn an richtig gut. Auf der Bühne wird zum einen alles gegeben und zum anderen natürlich - wie sich's für eine "wahre" Metal-Band gehört - kräftig gepost, und vor der Bühne wird fleißig gebangt und gemosht. Es folgt das extrem eingängige 'The Bite', das dementsprechend kräftig abgefeiert wird, ehe mit 'Wolf's Blood' eine Nummer vom "Evil Star"-Album zum Besten gegeben wird. Mit 'I Will Kill Again' kehren WOLF aber auch schon wieder zum aktuellen Release zurück und sorgen damit für mächtig Betrieb in den ersten Reihen. Doch auch zwischen den Songs ist Kurzweil angesagt, denn Niklas sucht hier immer wieder auch den Kontakt zum Publikum.

Das Zweitwerk "Black Wings" kommt dann mit 'Venom' auch noch zum Zug - nur das selbstbetitelte Debüt bleibt komplett außen vor -, bevor der Titelsong des vorletzten Albums, 'Evil Star', sowie der Quasi-Titelsong des aktuellen Albums, 'Children Of The Black Flame', aufs Publikum losgelassen werden. Und dann war's das auch schon - mehr WOLF gibt's an diesem Vormittag nämlich gar nicht mehr. 40 Minuten sind bei einer solch unterhaltsamen Band einfach viel zu schnell vorbei.
[Martin Schaich]

GIRLSCHOOL
Die ersten beiden Bands waren ja schon so "true", dass man glatt meinen könnte, man sei in Königshofen gelandet und nicht in Balingen. Und mit einer britischen Legende wie GIRLSCHOOL wird sich das kaum ändern. Klar. Die Ladies sind sich und dem rockenden und rollenden Metal der Achtziger treu geblieben, um ihren - leicht verkürzenden aber nicht minder gerechtfertigten - Ruf als die "weiblichen MOTÖRHEAD" zu verteidigen, was ihnen mühelos gelingt. Lustig, dass die älteren Damen locker dreimal mehr Energie entfachen als so manche Jungspund-Combo. Gitarristin Kim McAuliffe und Bassfrau Enid Williams teilen sich nach wie vor eindrucksvoll und bissig das Shouting, während Denise solide den Rhythmus zimmert und Jackie Chambers die weiteren benötigten Leads und Riffs beisteuert.

Dabei sind die Damen super aufgelegt und öfters für kleine Scherze über ihr eigenes Alter und das zu dick aufgetragene Mascara von Frau McAuliffe zu haben, was das Publikum vergnügt und dankbar aufnimmt und mit entsprechend euphorischem Mitgehen quittiert. In der Setlist reiht sich Hit an Hit, Klassiker an Klassiker und Abgeh-Rocker an Abrissbirne, so dass wirklich alles passt und als lautstark geforderte Zugabe auch noch die erste Single 'Take It All Away' präsentiert wird. Jederzeit gerne wieder!
[Rüdiger Stehle]

Setlist:
C'mon Let's Go
Not For Sale
Hit And Run
Action
Screaming Blue Murder
You Got Me
Yeah Right
Race With The Devil
Demolition Boys
Emergency
Take It All Away

PRAYING MANTIS
Nachdem ich an sich ja überhaupt nicht der große Melodic-Rock-Fan bin, ist es ein bisschen verwunderlich, dass ich trotzdem als beinharter PRAYING-MANTIS-Fan durchgehe, doch genau das ist der Fall. Spätestens seit ich die werten Herrschaften dereinst auf einer der kleinen Wacken-Bühnen bewundern durfte, und ich mir in der Folge alle ihre Scheiben zulegte, war es um mich geschehen. So war dann auch schon im Vorfeld für mich klar, dass der Gig der Gottesanbeterin für mich die größte Anziehungskraft von allen präsenten Bands ausüben würde. Diese war dann auch gerechtfertigt, denn die nicht mehr ganz so junge Truppe um die Gebrüder Chris und Tino Troy regiert auch heute nach allen Regeln der Kunst.

Das besondere an ihrem Melodic Rock ist, dass eben nicht einfach nur geschnulzt und geschmachtet wird, sondern dass man an den unglaublich starken doppelten Leadgitarren zu jeder Zeit die NWoBHM-Roots raushört und darüber hinaus, dass es sich bei den Briten um eine Band handelt, die im Gegensatz zu manch anderen anwesenden Protagonisten über Backing-Vocals verfügt, die nicht von dieser Welt sind, zirka zweimal die Hälfte aller Bombast-Metaller vor Scham im Boden versinken lassen und zu allem Überfluss auch live LIVE gebracht werden. Das muss der Band erstmal jemand nachmachen. Das Ausscheiden des langjährigen Weggefährten Dennis Stratton macht sich kein bisschen negativ bemerkbar, da Andy Burgess seine Sache an der Gitarre und am Chor-Mikro absolut makellos macht, ebenso wie der neue Frontmann Mike Freeland und Trommler Benji Reid. Erwähnenswert zudem der 'We Will Rock You'-Einschub bei 'Rise Up' und die schöne Setlist, die nicht nur auf das Debüt aus dem Jahre 1981 berücksichtigt, sondern auch ausgiebig die Perlen aus den Neunzigern präsentiert. Für mich DAS Highlight des Festivals.
[Rüdiger Stehle]

Setlist:
A Cry For The New World
Can't See The Angels
Turn The Tables
Lovers To The Grave
Children Of The Earth
Rise Up Again
Letting Go

LETHAL
Nicht weniger als der "Höhepunkt des Festivals" garantiert mir Kollege Martin vor dem Gig der Amis, die Anfang der 90er mit dem Album "Programmed" und der EP "Your Favorite God" zwei großartige Veröffentlichungen im Stile alter QUEENSRYCHE mit einem Schub mehr Härte vorgelegt hatten. Entsprechend bin ich gespannt wie ein Flitzebogen und spurte beim Erklingen der ersten Takte von 'Fire In Your Skin' in Richtung Bühne. 110 Kilo walzen auf dem Weg alles platt, was sich in den Weg stellt. Schon das völlig geniale Intro dieses Songs setzt beim Publikum die ersten Glückshormone frei, und spätestens als Tom Mallicoat das erste Mal seine Stimmbänder vibrieren lässt, ist klar, dass Martin schlicht Recht hat.

LETHAL spielen tight wie der berühmte Entenarsch, haben einen guten Sound und mit Mallicoat einen Sänger der auch heute noch genauso gut wie vor 17 Jahren klingt und selbst einen Vergleich mit Geoff Tate in seinen besten Zeiten standhalten würde. Bei der Songauswahl kann selbstredend auch nicht viel schief gehen, da die beiden Releases ausnahmslos Knaller enthalten und die etwas enttäuschende "Poison Seed"-Scheibe nicht zum Zuge kommt. Und so dauert es nicht lange bis die ersten "LETHAL, LETHAL"-Rufe laut werden, Körper ekstatisch zucken und die Nacken arg strapaziert werden. Ganz egal, ob da gerade 'Programmed', 'What They've Done', 'Obscure The Sky', 'Swim Or Drowne', der Überhit 'Immune' oder das abschließende 'Killing Machine' intoniert werden. LETHAL überzeugen auf ganzer Linie und es bleibt nur zu hoffen, dass die Amis jetzt wieder Blut geleckt haben und uns mit einem neuen Album in alter Qualität beglücken. Ganz, ganz großartig.
[Peter Kubaschk]

VICIOUS RUMORS
Nach dem wieder einmal fulminanten Auftritt von LETHAL stellt man sich natürlich die Frage: Wer soll diesen Gig noch toppen? Und die erste Band, die diese Herausforderung annimmt, ist das Metal-Urgestein VICIOUS RUMORS. Erst vor zwei Jahren waren die US-Amerikaner schon mal in Balingen, doch aufgrund des nächtlichen Lüftchens konnten sie damals nur vier Songs spielen. Dieses Mal sollte das natürlich anders werden, und im Vorfeld des Festivals durften die potentiellen Bang Your Head!!!-Besucher auf der Festival-Homepage sogar ihre Lieblingssongs in die Setlist wählen. Wie gerecht es bei dieser Wahl zuging, weiß natürlich niemand, aber ich persönlich war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Nun aber erstmal der Reihe nach:

Nachdem es sich der Bang Your Head!!!-Häuptling Horst nicht nehmen ließ, VICIOUS RUMORS höchstpersönlich anzusagen ("Are you ready for metal?"), legt die Band um Gitarrist Geoff Thorpe gleich mit einem ihrer Übersongs, 'Digital Dictator', los, und selbstredend ist von Beginn an eine hervorragende Stimmung vor der Bühne garantiert. Die Fans grölen den Chorus lautstark mit, und die übrige Zeit sind sie heftigst mit Headbangen und Spaß haben beschäftigt. Die zweite Nummer stammt ebenfalls vom Zweitwerk "Digital Dictator", hört auf den Namen 'Minute To Kill' und wird ebenso lautstark abgefeiert wie der Opener. Die Band präsentiert sich dabei in bestechender Form, scheint perfekt aufeinander eingespielt zu sein, und vor allem Sänger James Rivera ist ein regelrechtes Energiebündel. Und dass der kleine Mann genial singen kann, ist ja inzwischen nichts Neues mehr - wie er auch beim anschließenden 'Soldiers Of The Night' unter Beweis stellen kann. Wie auf 'Digital Dictator', so habe ich mich gerade auch auf diese Nummer besonders gefreut, da ich diese beiden Songs auf der letzten Tour schmerzlich vermisst habe. Die Begeisterung ist aber hier nicht nur bei mir groß, denn auch alle anderen Fans vor der Bühne gehen richtig gut mit und haben sichtlich Spaß. Danach gibt es ein "Vicious Rumors"-Doppelpack in Form von 'Don't Wait For Me' und 'Down To The Temple', ehe sich James ein erstes Mal etwas ausführlicher ans Publikum wendet.

Er weist auch darauf hin, dass sie ja im letzten Jahr ein neues Album veröffentlicht hätten, und dass sie davon nun einen Song spielen würden. Allerdings bringt er dabei Song- und CD-Titel durcheinander, was vor allem auf der Bühne für große Heiterkeit sorgt. Nachdem alles richtig gestellt wurde, gibt es schließlich zunächst 'Sonic Rebellion' zu hören, und mit dem Titelsong 'Warball' haben VICIOUS RUMORS auch noch eine zweite aktuelle Nummer im Programm. Da sich diese neuen Stücke auch mehr als gut hören lassen, tun sie der Stimmung überhaupt keinen Abbruch. Doch als mit 'Abandoned' oder 'March Or Die' wieder ältere Songs zum Besten gegeben werden, kennt die Begeisterung erst recht so gut wie kein Halten mehr. Da ist es dann nur schade, dass die Zeit wie im Flug vergeht, und VICIOUS RUMORS eigentlich nur noch einen Song spielen können. Vorher lassen sich James und Geoff aber noch über das inzwischen herrliche Wetter aus, das sie natürlich aus Kalifornien mitgebracht hätten. Nach dieser äußerst amüsanten Unterhaltung gibt es dann aber noch einmal Musik zu hören, und zwar 'Hellraiser', bei dem auch wieder die Grölkünste des Publikums gefragt sind.

Damit sollte das Kapitel VICIOUS RUMORS eigentlich abgeschlossen sein, doch aufgrund der ausgelassenen Stimmung vor der Bühne und wohl auch aufgrund der herausragenden Leistung der Band geben die Verantwortlichen das Zeichen, dass es noch einen Nachschlag geben darf. Leider graben Geoff & Co. dann aber keinen weiteren Klassiker aus, sondern spielen mit 'Mr. Miracle' einen neuen Song, doch auch deswegen kann man der Band nicht böse sein - im Gegenteil. Nach dem Auftritt sind sich nämlich alle einig: DAS ist Power Metal! Und nix anderes.
[Martin Schaich]

EVERGREY
Ah, endlich wieder EVERGREY. Das letzte Mal, als ich "Sweden's most headbanging band" auf den Brettern erlebte, wirkten die Jungs ausgelaugt, müde und fast schon irgendwie bocklos. Klingt komisch? Ja, und passt vor allem nicht zum schon normal gewordenen, unglaublich hohen Energielevel von EVERGREY-Gigs - ihren guten Live-Ruf haben die Jungs schließlich nicht umsonst.

In Balingen sieht das alles ganz anders aus: Der Fünfer scheint fast vor Spielfreude zu platzen, man sieht endlich wieder das charismatische Grinsen in den schwedischen Gesichtern, und Fronter Tom ist gesanglich, mit seiner Klampfe und überhaupt auf der Bühne voll in seinem Element. Mag daran liegen, dass die Jungs sich mittlerweile von Basser Michael Håkansson getrennt haben, der beim letzten von mir bewunderten Gig fast schon wie ein Fremdkörper wirkte und einen eher matten Abschied von seiner Band feierte. Neu an Bord ist dafür Ex-FREAK KITCHEN-Tieftöner Christian Grönlund, der ganz alleine den Auftritt EVERGREYs um eine Klasse aufwertet: Tom ist durch den Gesang meistens an einen Punkt der Bühne gebunden, und auch wenn sich Klampfer Henrik stets Mühe gibt - er ist nun mal der einzige, der ein bisschen Bewegung auf die Bühne bringen kann. So gesehen haben die Jungs mit Herrn Grönlund einen tollen Fang gemacht, der Gute post und wuselt ohne Ende über die Bühne, passt mit seinen kurzen Haaren und dem cool wirkenden Sonnenbrillen-Outfit zunächst nicht wirklich ins Bild, verleiht den Schweden aber eine Rockstar-Attitüde, die dem Gesamtbild einfach nur gut tut. Yeah!

Musikalisch lassen die Göteborger natürlich auch nichts anbrennen, auch wenn knapp 55 Minuten fast schon zu kurz für einen richtig tollen EVERGREY-Gig sind. Der vor der Bühne feiernden POWERMETAL.de-Redaktion ist das herzlich egal, zu 'Solitude Within', 'The Masterplan' oder älteren Schinken der Marke 'Nosferatu' werden amtlich die Matten geschüttelt und die Sprunggelenke trainiert. Besonders gut gefällt mir, dass das "Monday Morning Apocalypse"-Material nicht wie Fremdkörper im sonst so homogenen Sound klingt, auch wenn ich nach wie vor hoffe, dass die nächste Langrille wieder etwas weniger straight ausfallen möge. Aber spätestens bei 'A Touch Of Blessing' sind solche Gedanken auch wie weggeblasen, und ich frage mich, wann ich EVERGREY zuletzt dermaßen stark gesehen habe. (letztes Jahr auf dem Rock-Hard-Festival! - PK) Wären die Soundprobleme bei der Lead-Klampfe nicht gewesen, wäre dies wohl der beste Gig des ganzen Festivals geworden. Famos!
[Rouven Dorn]

DARK TRANQUILLITY
Mit neuem Album im Gepäck und einer Menge guter Laune bringen DARK TRANQUILLITY die richtige Portion Härte in die Bang Your Head!!!-Menge. Mikael Stanne ist heute wieder in Bestform, hat sympathische Ansagen auf Lager und zusammen mit den druckvollen Riffs der Gitarrenfraktion, die mich immer wieder aufs neue fasziniert und vielen neuen Songs sowie tollen Klassikern, bleibt der Auftritt der Göteborger nicht nur für die Schweden-Death-Fans ein absoluter Leckerbissen. Denn die Schweden haben das Talent, zwischen den schnellen Parts immer wieder emotionale Gänsehautpassagen einzubauen, und das kommt auch am Bang Your Head!!! super an, wo gerade Bands wie DARK TRANQUILLITY für Abwechslung und den richtigen Kick sorgen. Und dass Mikael Stanne einer der besten Frontmänner im Death-Metal-Bereich ist, muss man nicht extra erwähnen, oder?

Der Rotschopf schenkt seinen Fans stets ein Lächeln, hechtet über die Bühne mit unbändiger Energie und sucht so oft es geht den Kontakt zum Publikum. Vor allem seine Ansagen, wo er immer wieder Stories zu den dargebotenen Songs erzählt, kommen heute besonders gut an - und dass der Herr auch die cleanen Vocals noch bestens beherrscht, beweist er bei Songs wie dem neuen 'Misery's Crown' oder dem kultigen 'Punish My Heaven' vom nicht minder kultigen und sowieso genialen "The Gallery"-Album. Dass dann auch Ohrwürmer wie die neue Single 'Focus Shift', 'The Wonders At Your Feet' oder der "Damage Done"-Hit 'The Treason Wall' zu Ehren kommen, ist zwar absolut genial, tröstet aber trotzdem nicht über das Auslassen des kompletten "Projector"-Albums hinweg. Nicht nur ich hätte mir zumindest einen Song dieser DARK TRANQUILLITY-Ära gewünscht. Aber auch ohne "Projector" hinterlässt der Gig ein positives Feeling - und allem voran Nackenschmerzen. DARK TRANQUILLITY beweisen immer wieder, dass sie live alle Energie dieser Welt rüberbringen und sich vor allem auch durch ihr gekonntes und charismatisches Stageacting auszeichnen. Hier stimmt einfach alles, und man kann nur hoffen, dass die Jungs bald wieder durch Europa touren, um uns noch länger mit ihren Hymnen zu versorgen!
[Caroline Traitler]

THUNDER
Um das feierfreudige Publikum schonmal einzustimmen, tönt AC/DCs 'Thunderstruck' aus den Boxen. Natürlich wird allen voran das “Thunder” lauthals in Richtung Bühne geschrien. Kaum taucht die Band auf, um 'Loser' aus der P.A. zu jagen, sind wahre Jubelstürme in der Menge auszmachen. Allen voran Frontmann Danny Bowes ist ein Entertainer vor dem Herrn. Er weiß, wie man die Menge zum Kochen bringt, was er mit seinen Mitsingspielchen und seiner ansteckenden guten Laune zu jeder Sekunde unter Beweis stellt. Selten ist mir eine Band unter die Augen gekommen, die so viel Spiel- und Lebensfreude an den Tag legt wie THUNDER.

Dabei nimmt er sich selbst und das Publikum nicht allzu ernst, was beim Ende vom Klassikers 'Low Life In High Places' deutlich wird: Drei Mal soll die Menge das Ende des Stücks mitsingen, was natürlich misslingt. Dieser Umstand wird mit “You don't know the end, do ya?” prompt quittiert.

Ansonsten bin ich persönlich kein Freund von Mitsingspielchen, doch Dannys Gehampel und die Animationsversuche sind so überzeugend, dass von Mal zu Mal die Begeisterungswelle in die hinteren Reihen schwappt und jeden dazu motiviert, lauthals mitzusingen. Allen voran bei 'You Can't Keep A Good Man Down' wird dies sehr deutlich, wo das Publikum von Danny in zwei Seiten geteilt wird, wobei jede Seite versucht, den Chorus lauter zu singen als die andere Seite. Fast schon gehässig wird er bei 'I Love You More Than Rock'n'Roll', wo sein Kommentar "Everybody clap your hands! Even I can do it." für Lacher im Publikum sorgt.

Apropos Lacher: Für die war sich Mr. Bowes nicht zu schade, was der Stimmung bzw. seiner Glaubwürdigkeit in keinster Weise geschadet hat. Eher im Gegenteil: Ich habe selten ein Publikum erlebt, das einem Frontmann so aus der Hand frisst wie das auf dem Bang Your Head!!! bei diesem Auftritt.

Die üblichen Protagonisten schaffen ein solides Groovefundament, auf dem sich Danny ordentlich austobt. Nach etwas mehr als einer Stunde (glücklicherweise hat die Band um gut sieben Minuten überzogen) ist der Spaß schon vorbei. Eine sehr kurzweilige Sache und für mich persönlich das Highlight auf dem diesjährigen Bang Your Head!!!. Und nebenbei sollte noch erwähnt werden, dass wohl nicht nur meiner Meinung nach Danny Bowes am gesamten Bang Your Head!!!-Wochenende die beste Gesangsleistung auf den Tag gelegt hat - und die Konkurrenz war keineswegs Schwach auf der Brust.
[Tolga Karabagli]

Alles, was Tolga da schreibt, ist die Wahrheit und nix anderes. Bei so viel guter Laune auf und vor der Bühne wird sogar Petrus weich und pfeift die Blitz und Donner androhenden, schweren, dunklen Wolken wieder zurück. Mit jeder Minute Spielzeit klatschen, singen und hüpfen nicht nur fünf Reihen mehr, sondern kämpft sich auch die Sonne mehr und mehr durch die beängstigenden Wolken. Und am Schluss haben nicht nur die Fans ein feistes Sonnenscheinlächeln aufgesetzt, sondern grinst uns auch die Sonne von einem azurblauen Himmel an. Großartiger Gig.
[Peter Kubaschk]

Setlist:
Loser
Backstreet Symphony
Low Life In High Places
Robert Johnson's Tombstone
You Can't Keep A Good Man Down
The Devil Made Me Do It
Love Walked In
I Love You More Than Rock'n'Roll
Dirty Love

AMON AMARTH
Schon wieder AMON AMARTH. Klingt genervt? Tut mir leid, aber die Wikinger begleiten mich in diesem Jahr auf jedes große Festival, und ich bin schon gespannt, ob die große Drumherum-Wikingershow auf dem Summer Breeze mal ein wenig für Abwechslung sorgen wird. Denn der Gig hier in Balingen, 65 Minuten als Co-Headliner, ist fast 1:1 mit jenem vom Rock Hard Festival austauschbar, und aller Wahrscheinlichkeit nach werden die Schweden das gleiche einen Tag später auf dem Graspop in Belgien abziehen. Es versteht sich von selbst, dass eine Band die Setlist während der Festivalsaison wenig bis gar nicht umstellt, schließlich hat man unterwegs eher weniger Zeit zum intensiven Proben, und so ein Gig muss ja auch mal sitzen. Dennoch wünsche ich mir, dass Hegg und seine Mannen mal etwas anderes abliefern als eben genau nur (und die Betonung liegt hier auf "nur"), was man von ihnen erwartet. Herrje, das Debüt von AMON AMARTH feiert im nächsten Jahr sein Zehnjähriges. Insgesamt gibt es sechs Alben, das sind immer noch über fünfzig (!) Songs, aus denen die Jungs auswählen können. Serviert bekommt man auch in Balingen aber nur das Standardmahl, selbstverständlich schön mit Feuerfontänen untermalt, was beim überraschend früh in der Setlist platzierten 'Death In Fire' auch wirklich, wirklich geil aussieht. Aber das war's auch schon, mehr Begeisterung kann ich dem Auftritt nicht entgegenbringen, auch wenn das eine sehr stattliche Meute vor der Bühne anders sieht.

Bei AMON AMARTH bin ich mittlerweile an einem Punkt, den ich spätestens im letzten Jahr bei Bands wie ENSIFERUM, TURISAS oder FINNTROLL erreicht habe: Ständig die gleichen Stücke, lange Wartezeiten auf neue Alben und somit neues Material (ist klar, wer ständig seinen alten Schuh auf der Bühne runterspielen muss, kommt eher weniger im Studio dazu, mal was neues einzuspielen) und ständig Gigs, die man schon nach den ersten zwei Nummern blind vorhersagen kann. Gähn, echt.
Deshalb verziehe ich mich nach 'Cry Of The Black Birds' und 'Masters Of War' an unseren Stand, denn es reicht vollkommen, das Geschehen rein akustisch mitzuverfolgen. Nein, schlecht ist dieser Gig nicht. Nur so vorhersehbar, austauschbar und damit schlichtweg langweilig. Bitte mal was Neues und Met bei 4°!
[Rouven Dorn]

HEAVEN AND HELL
Man kann viel über die Gründe spekulieren, die Ronnie James Dio (v.), Tony Iommi (g.), Geezer Butler (b.) und Vinnie Appice (dr.) bewogen haben, sich wieder einmal zusammenzuraufen. Fakt ist jedoch: Die vier alten Herren lassen in diesem Sommer kaum eine große Festival-Bühne aus, um sich vom gewöhnlichen Metal-Volk für längst vergangene Taten feiern zu lassen. Und so sollte es auch in Balingen sein - als Headliner am ersten Festival-Tag.
Damit auch das Drumherum stimmt, wurde die Bühne ziemlich geschmackvoll hergerichtet: Im Hintergrund ist eine hohe gemauerte Wand zu sehen, an der während des Auftritts immer wieder drei Bilderrahmen erscheinen, die für allerlei Projektionen (Albumcover, etc.) verwendet werden, und davor stehen links und rechts zwei hohe Gitter, so dass man sich insgesamt in eine alte Burg versetzt fühlt. So weit, so gut.

Pünktlich um 21.20 Uhr erklingt das Intro 'E5150', und als Einstieg gibt es anschließend 'The Mob Rules' zu hören. Wenn man als Band mit einem solchen Klassiker starten kann, dann kann eigentlich nicht viel schief gehen, und das tut es erstmal auch nicht. Ronnie James Dio ist wie gewohnt in hervorragender stimmlicher Verfassung, und auch sonst ist er sehr aktiv - was man von seinen Mitmusikern nicht unbedingt behaupten kann. Gut, Vinnie Appice ist durch sein Drum-Kit gebunden, aber Tony Iommi und Geezer Butler hätten sich schon etwas mehr bewegen können; ein Aktionsradius von einer halben Schrittlänge sollte auch im gehobenen Alter keine allzu große Herausforderung sein. Wie auch immer - zum Glück ist da ja noch Ronnie James Dio, der mit seinen Ansagen auch immer wieder den Kontakt zum Publikum sucht und mit seiner liebenswürdigen Art fleißig Pluspunkte sammeln kann.

Musikalisch geht es mit dann mit dem ältesten Song weiter, den Ronnie James Dio, Tony Iommi und Geezer Butler zusammen geschrieben haben, nämlich 'Children Of The Sea', gefolgt von 'I' vom "Dehumanizer"-Output. Diese beiden Stücke hatte Ronnie James Dio auf seiner letztjährigen Tour auch schon im Programm, und wirklich schlechter war die damalige Darbietung auch nicht. Etwas spektakulärer wird es anschließend mit dem epischen 'The Sign Of The Southern Cross', das für mich definitiv zu den Höhepunkten dieses Auftritts gehört. Dennoch sind auch bei diesem Song die Publikumsreaktionen eher verhalten - was wohl ein deutliches Zeichen dafür ist, dass der Funke zwischen Band und Publikum nicht wirklich überspringen will. Es folgt ein weiterer "Mob Rules"-Titel in Form von 'Voodoo', bevor mit 'The Devil Cried' ein neuer Song zum Besten gegeben wird. Im April erschien ja die BLACK-SABBATH-Best-of-Compilation "The Dio Years", und dafür haben Ronnie James Dio und Tony Iommi insgesamt drei neue Stücke geschrieben.
Man ist es von DIO-Konzerten schon gewöhnt, dass es ungefähr zur Hälfte des Auftritts ein etwas längeres Schlagzeug-Solo gibt, damit der knapp 65-jährige Ronnie James Dio ein paar Minuten zum Durchatmen hat, und so ist es auch an diesem Abend. Schlecht ist es ja nicht, was Vinnie Appice so zu bieten hat, aber da ich allgemein kein großer Freund von solchen Einlagen bin, bin ich schon froh, als es auch wieder vorbei ist. Der nächste richtige Song ist dann 'Computer God', gefolgt von 'Falling Off The Edge Of The World', die beide vom Publikum zwar recht gut aufgenommen werden, ohne dass aber eine wirklich gute Stimmung aufkommt. Das ändert sich natürlich auch nicht mit dem zweiten neuen Song, 'Shadow Of The Wind', da er beim Publikum (noch) nicht wirklich bekannt ist.

Anders sieht es da schon bei 'Die Young' aus, denn dieses Stück ist ein absoluter Klassiker, der weder aus der BLACK-SABBATH-Diskografie noch aus der Metal-Historie wegzudenken ist. Bevor man den Song aber wirklich zu hören bekommt, hat Tony Iommi ein Gitarren-Solo gestellt, und zu diesem Zweck bewegt er sich sogar von seinem angestammten Platz weg in die Mitte der Bühne. Das Solo ist im Großen und Ganzen auch sehr ordentlich, wobei aber auch ohne diese Einlage jeder schon wusste, dass Tony Iommi sein Instrument beherrscht. Danach gibt es - wie angedeutet - 'Die Young' zu hören, bevor die Band zielstrebig auf den vermeintlichen Höhepunkt ihres Auftritts zusteuert: Es ist nämlich an der Zeit, den namengebenden Song 'Heaven And Hell' zu präsentieren. Mit dieser Nummer kann man eigentlich überhaupt nichts falsch machen - außer man zieht sie durch endlose Solo-Einlagen zu sehr in die Länge. Und genau das tun HEAVEN AND HELL an diesem Abend. Ich habe nicht wirklich auf die Uhr geschaut, aber gefühlsmäßig dürfte dieses Spektakel mindestens 20 Minuten gedauert haben, und das ist doch ein bisschen zu viel des Guten. Wobei ich natürlich schon auch sagen muss, dass gerade das Solo von Tony Iommi durchaus nicht schlecht war; aber manchmal ist eben weniger doch mehr.

Nach diesem 'Heaven And Hell'-Epos verabschiedet sich die Band auch erstmal vom Publikum, um ein paar Minuten später auf die Bühne zurückzukehren. Die Rufe sind - in Anbetracht der großen Anzahl an Leuten vor der Bühne - zwar nicht allzu lautstark, aber das Programm sieht eben noch einen Nachschlag vor, und den gibt es schließlich in Form von 'Neon Knights'. Dieser Song wird dann auch sehr gut vorgetragen, sodass der Auftritt doch noch ein versöhnliches Ende nimmt.
Einen wirklich schlechten Auftritt kann man HEAVEN AND HELL nun wirklich nicht attestieren, dafür sind zum einen die Songs zu stark, und zum anderen liefert Ronnie James Dio eigentlich immer eine gute Leistung ab (so auch an diesem Abend). So richtig begeistern konnten sie zumindest mich aber trotzdem nicht - zum einen aufgrund der bereits angesprochenen Kritikpunkte, und zum anderen fehlte einfach das gewisse Etwas, das ich von einer solchen Band erwarte. Aber vielleicht waren auch einfach nur meine Erwartungen an diesen Auftritt zu hoch - ich weiß es nicht ...
[Martin Schaich]

Setlist:
E5150 (Intro)
The Mob Rules
Children Of The Sea
I
The Sign Of The Southern Cross
Voodoo
The Devil Cried
Drum Solo (Vinnie Appice)
Computer God
Falling Off The Edge Of The World
Shadow Of The Wind
Guitar Solo (Tony Iommi)
Die Young
Heaven And Hell
---
Neon Knights

Was habe ich diesem Gig entgegengefiebert! Und oberflächlich gesehen ist alles in Butter: Bester Sound des Festivals (allein der Gitarrensound von Tony Iommi war perfekt und glasklar), Ronnie James Dio ist gut bei Stimme (zwar nicht so gut wie letztes Jahr auf dem Rock-Hard-Festival, aber er legt einen ordentlichen Job aufs Bühnenparkett) und zu guter Letzt die Showeffekte mit den drei spiegelähnlich drapierten "Bilderrahmen" sind ebenfalls Headlinerwürdig. Und sonst? Okay, über die Setlist kann man streiten. Für meinen Geschmack werden zu wenig Songs von namensgebenden Überalbum berücksichtigt, und von "Dehumanizer" könnten's auch ein paar mehr Songs sein. Das alles kann man noch unter ferner liefen verschmerzen, was aber überhaupt nicht geht, ist jegliche Magie, die von der Bühne in die Menge nicht ausgestrahlt wird. Klar, die besten Freunde werden die Herren Dio, Iommi, Butler und Appice in diesem Leben nicht mehr, aber das dies so zur Schau gestellt wird, ist dann schon wieder ein Ding für sich. Und was bitte schön, soll die über fünfundzwanzig Minuten lange Version von 'Heaven And Hell', bei der Mr. Iommi zwar unter Beweis stellt, dass er nicht nur überirdische Riffs seiner Klampfe entlocken kann, sondern auch Soli, aber ansonsten tut's auch die "normale" Version des Klassikers.

Ohne Frage, ich habe meinen Spaß, doch mehr leider nicht. Das beweisen auch die eher verhaltenen Publikumsreaktionen, denn nur bei den großen Klassikern ist so etwas wie Stimmung im Publikum auszumachen. Und das ist, für eine Band, die in dieser Formation drei Klassiker für die Ewigkeit rausgehauen hat, definitiv zu wenig.
[Tolga Karabagli]

Redakteur:
Peter Kubaschk

Login

Neu registrieren

Wir verwenden Cookies, um unsere Website besser gestalten und verbessern zu können. Diese nutzen wir unter anderem für die Reichweitenmessung und zu Marketing- und Optimierungszwecken. Durch die weitere Nutzung der Website stimmst Du der Verwendung von Cookies zu (weitere Informationen gibt es hier).