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Beyond Fear/Vicious Rumors - Berlin

29.11.2006 | 10:41

06.11.2006, Kato

Wenn man sich die Flyer für das Konzert so angeschaut hat, dann konnte man schon ins Grübeln kommen. Denn immerhin stand da ganz groß BEYOND FEAR, und ganz klein darunter VICIOUS RUMORS. Ein Blick auf die Homepage der Location, wo das ganze Spektakel über die Bühne gehen sollte, machte schließlich die Verwirrung komplett, denn dort ging es nur noch um BEYOND FEAR. Sollte also tatsächlich die Band um Ex-JUDAS PRIEST- und ICED EARTH-Sirene Tim "Ripper" Owens als Headliner auftreten und VICIOUS RUMORS mit Geoff Thorpe und James Rivera lediglich schmückendes Beiwerk sein? Ja, ganz genau so sollte es sein. Für jemanden, der VICIOUS RUMORS noch aus den Achtzigern kennt (muss ich mich nun alt fühlen? ;-)), schwer nachzuvollziehen, aber das Musik-Business ist mit den Gesetzen der Logik sowieso selten zu erklären ...

Wie auch immer - die beiden bereits angesprochenen Bands sind nun also gemeinsam auf Tour und haben mit COURAGEOUS noch eine dritte Band im Schlepptau. Die Frankfurter Band um POWERMETAL.de-Kollege Chris Staubach hat dann auch die wenig schmeichelhafte Aufgabe, als Anheizer auf die Bühne zu müssen. Wenig schmeichelhaft insbesondere, weil sich zu vergleichsweise früher Stunde (ca. 20.30 Uhr) noch kaum jemand vor die Bühne verirrt hat. Großzügig geschätzt dürften es gerade mal 25 Leute sein, die sich den Auftritt von COURAGEOUS aus der Nähe anschauen. Für die Band natürlich wenig erbauend, aber immerhin finden sich direkt vor der Bühne eine Handvoll Headbanger zusammen, die die Frankfurter von Beginn an abfeiern. Chris & Co. lassen sich auch von der insgesamt geringen Resonanz nicht aus der Ruhe bringen und liefern einen mehr als soliden Auftritt ab. Sie starten mit dem inzwischen schon zum Band-Klassiker gewordenen 'Listen' vom gleichnamigen Debüt sehr energiegeladen, und nach der lakonischen Begrüßung von Chris ("Welcome to the world of COURAGEOUS!") arbeiten sie sich mit 'Trapped' (vom 2004er-Werk "Inertia") langsam in der Bandhistorie nach vorne. Mit 'The System Has Failed' geben die Frankfurter dann den ersten Song von ihrem brandneuen Album "Downfall Of Honesty" zum Besten, direkt gefolgt von einer weiteren neuen Nummer, nämlich 'Praise Thy Name'. Die wenigen Zuhörer sind von diesem Auftritt weitgehend angetan, auch wenn sie sich mit begeisterten Reaktionen schon noch recht zurückhalten. Da nützt es auch nicht viel, dass Chris nach 'Inertia' und 'Fade Away' - beide vom Vorgänger-Album "Inertia" - versucht, die Berliner aus der Reserve zu locken. Er stellt nämlich die zugegebenermaßen nicht ganz unrichtige Behauptung in den Raum, dass Berlin wohl keine Metal-Stadt wäre. Nun ja, zumindest zu diesem Zeitpunkt kann ihn das Publikum noch nicht vom Gegenteil überzeugen. Wie auch immer - COURAGEOUS ziehen weiterhin ihr Ding durch und präsentieren mit 'Hollow Creation' und 'A Million Eyes' zwei weitere Stücke vom aktuellen Album. Danach neigt sich die dreiviertelstündige Spielzeit auch schon dem Ende zu, und die Frankfurter geben zum Abschluss noch eine recht eigenwillige und äußerst metallische Version des BEATLES-Klassikers 'Yellow Submarine' zum Besten. Insgesamt ein guter Auftritt, der auf alle Fälle mehr Publikumszuspruch verdient gehabt hätte.

Setlist:
Listen
Trapped
The System Has Failed
Praise Thy Name
Inertia
Fade Away
Hollow Creation
A Million Eyes
Yellow Submarine

Als dann eine kurze Pause später die etwas reiferen Männer von VICIOUS RUMORS auf die Bühne kommen, füllt sich der Platz vor der Bühne schlagartig, so dass wohl schätzungsweise ein paar hundert Leute eine Lehrstunde in Sachen Power Metal bekommen. Denn anders kann man das, was die US-Amerikaner hier abziehen, nicht bezeichnen. Nach einem kurzen Intro legen VICIOUS RUMORS mit dem Opener ihres nagelneuen Albums "Warball" los, und im Publikum gibt es schon gleich zu Beginn kaum ein Halten mehr. Es wird fleißig gebangt, gemosht und mitgegrölt, dass es eine wahre Pracht ist. Das gefällt den Musikern natürlich ausgesprochen gut, und sie revanchieren sich mit einer enormen Spielfreude - man spürt ganz deutlich, dass sie Spaß an ihrem Auftritt haben. Insbesondere treten VICIOUS RUMORS als Einheit auf, und man könnte fast meinen, dass die fünf US-Amerikaner schon immer in dieser Konstellation zusammengespielt haben. Gerade Sänger James Rivera scheint sich in diesem neuen Umfeld sehr wohl zu fühlen, und er beeindruckt an diesem Abend unter anderem auch mit seinen unnachahmlichen Screams, die teilweise an bis an die Schmerzgrenze gehen. VICIOUS RUMORS lassen mit 'Mr. Miracle' und 'Dying Every Day' gleich noch zwei weitere neue Stücke folgen, wobei besonders zuletzt genanntes mit seinem mitgröltauglichen Refrain sehr gut ankommt. Es ist nach diesen drei Songs schon klar, dass VICIOUS RUMORS den Schwerpunkt bei der Songauswahl ganz eindeutig auf das neue Album gelegt haben, doch auch ein paar Klassiker haben sie mitgebracht, wie zum Beispiel 'Don't Wait For Me' vom selbstbetitelten 1990er-Output. Danach gönnen sich die fünf Musiker eine kleine Verschnaufpause, indem sie erst einmal das Publikum begrüßen - zuerst Drummer Larry Howe und dann auch noch James Rivera. Da man aber die einstündige Spielzeit nicht vergeuden will, geht es mit einem weiteren "Oldie but Goodie" (O-Ton James Rivera) weiter, nämlich 'Minute To Kill' aus dem Jahr 1986, ehe zwei weitere neue Songs, 'Immortal' sowie der Titelsong 'Warball', zum Besten gegeben werden. VICIOUS RUMORS-Urgestein Geoff Thorpe kann es sich danach nicht nehmen lassen, sich beim Publikum für den begeisterten Empfang zu bedanken und zu sagen, wie großartig es wäre, wieder zurück zu sein. Mit dem "Welcome To The Ball"-Klassiker 'Abandoned' sowie dem Doppelpack 'Lady Took A Chance'/'Down To The Temple' zollen VICIOUS RUMORS noch einmal ihrer Vergangenheit Tribut, bevor sie mit 'A Ghost Within' einen aktuellen Schlusspunkt setzen. Das enthusiastische Publikum fordert danach natürlich noch zumindest eine Zugabe, doch die bleibt ihm leider verwehrt. Sehr schade, denn von VICIOUS RUMORS in dieser bestechenden Form hätte man schon noch ein paar mehr Songs anhören können. Wie ich schon eingangs angedeutet habe: Power Metal at its best!

Setlist
Sonic Rebellion
Mr. Miracle
Dying Every Day
Don't Wait For Me
Minute To Kill
Immortal
Warball
Abandoned
Lady Took A Chance/Down To The Temple
A Ghost Within

Nach diesem grandiosen Auftritt von VICIOUS RUMORS haben es BEYOND FEAR natürlich sehr schwer, da die Messlatte von Geoff, James & Co. sehr hoch gehängt wurde, aber sie bemühen sich nach Kräften. Mit dem durchaus gelungenen, selbstbetitelten Debütalbum im Rücken legen sie auch gleich sehr energiegeladen los, und zwar mit Stücken von eben dieser Scheibe. Sie starten mit 'And ... You Will Die' und 'The Faith', und lassen anschließend noch 'Save Me' folgen, bei dem vor allem Gitarrist John Comprix richtig abgeht. Die Fans in den ersten Reihen tun es ihm zwar gleich, aber im hinteren Teil leert sich die Halle schon ein wenig. Man merkt daran doch ziemlich deutlich, dass nur wenige Leute wegen BEYOND FEAR gekommen sind und der Großteil des Publikums vor allem VICIOUS RUMORS sehen wollte. Tim Owens lässt sich dadurch aber wenig beeindrucken und zieht - zusammen mit seinen drei Mitmusikern - sein Ding durch. Er präsentiert sich dabei vor allem stimmlich in hervorragender Verfassung, und legt ansonsten ein Stage-Acting an den Tag, das man von ihm schon aus JUDAS PRIEST-Zeiten kennt. Mit 'Your Time Has Come' folgt ein weiteres eigenes Stück, bevor mit dem IRON MAIDEN-Klassiker 'Flight Of Icarus' die erste Cover-Version geboten wird. Diese kann sich auch wirklich hören lassen, und das wirkt sich selbstverständlich positiv auf die Stimmung vor der Bühne aus. Tim nützt das gleich aus, indem er beim anschließenden 'The Human Race' einen Mitsingteil einbaut, und die Fans vor der Bühne lassen sich auch nicht lange bitten. Einen vorläufigen Höhepunkt erreicht die Stimmung dann aber bei der wirklich gelungenen Version von 'The Green Manalishi', das ja auch schon von JUDAS PRIEST verwurstet wurde, aber in dieser Form erstmal übertroffen werden muss. Das liegt zum einen an der guten Gesangsleistung von Tim, zum anderen aber auch an der zweiten Gitarre, die hier von Geoff Thorpe (VICIOUS RUMORS) übernommen wird. In der Folge zollt Tim seiner JUDAS PRIEST-Vergangenheit Tribut, indem die beiden Stücke 'Burn In Hell' und 'Bloodstained' zum Besten gegeben werden, bevor sich der Sänger eine kleine Auszeit gönnt. Beim anschließenden MOTÖRHEAD-Klassiker 'Ace Of Spades' übernimmt nämlich Gitarrist John den Gesang, und er kommt dabei verdächtig nah an Original-Lemmy ran. Die verbliebenen Fans - ja, die Halle leert sich im Lauf des Auftritts zunehmend mehr - grölen hier natürlich lautstark mit, so dass John weitgehend leichtes Spiel hat. Die Frage von Tim ("Shall we continue with the metal?") ist deshalb auch nur rhetorischer Natur, und es folgen mit 'Words Of Wisdom' und 'I Don't Need This' zwei eigene Songs. Eine Hommage an den ermordeten PANTERA-Gitarristen "Dimebag" Darrell halten BEYOND FEAR mit 'Walk' auch bereit, bevor sie sich an METALLICAs 'Master Of Puppets' wagen. Doch das hätten sie sich lieber sparen sollen, denn die dargebotene Version kann bestimmt nicht als gelungen bezeichnet werden - zum Glück haben sie nach dem halben Song ein Einsehen. Sehr viel besser wird es danach mit der eigenen Nummer 'Coming At You', bevor Tim den Beweis antritt, dass er nicht nur mit dem Mikrofon eine gute Figur macht. Bei 'Living After Midnight', das pünktlich um 0.00 Uhr angestimmt wird, übernimmt er nämlich selbst die Gitarre und schlägt sich dabei mehr als beachtlich. Als recht ordentlich kann auch die Version von 'Heaven And Hell' angesehen werden, während die "Hea-vy-me-tal"-Anfeuerungsrufe von Tim eher unter "wäre nicht unbedingt nötig gewesen" verbucht werden können. Wie auch immer: Mit der eigenen Nummer 'Telling Lies' kommen BEYOND FEAR zum Ende ihres Auftritts, der zumindest dem verbliebenen Rest an Headbangern Spaß gemacht hat. Und auch die Band hatte wohl recht viel Freude an der Vorstellung, denn lange musste man sie nicht bitten, damit sie noch eine Zugabe zum Besten geben. Mit dem großartigen 'Scream Machine' setzen sie noch einen drauf, bevor der Konzertabend im Kato schließlich zu Ende geht. Im Großen und Ganzen geht der Auftritt von BEYOND FEAR vollkommen in Ordnung, auch wenn sie im Vergleich zu den überragenden VICIOUS RUMORS natürlich den Kürzeren ziehen. Die Band aber deshalb als Enttäuschung zu bezeichnen, wäre vollkommen ungerechtfertigt - dafür war der Auftritt dann doch zu stark.

Setlist:
And ... You Will Die
The Faith
Save Me
Your Time Has Come
Flight Of Icarus
The Human Race
The Green Manalishi
Burn In Hell
Bloodstained
Ace Of Spades
Words Of Wisdom
I Don't Need This
Walk
Master Of Puppets
Coming At You
Living After Midnight
Heaven And Hell
Telling Lies
---
Scream Machine

Redakteur:
Martin Schaich

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