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Blind Guardian - München

21.09.2006 | 15:13

08.09.2006, Ton-Halle

München, Ostbahnhof, gegen 18.00 Uhr: Sie sind überall! In kleinen Grüppchen belagern sie die Döner-Bude, den Pizzastand oder den nächstgelegenen Kiosk. Sie alle tragen den gleichen Schriftzug auf ihren schwarzen T-Shirts: BLIND GUARDIAN! Vorfreude ist ja manchmal die schönste Freude, und das erwartungsvolle Strahlen im Gesicht derer, die sich bei Pizza und Bier für den Abend stärken, beweist, dass die blinden Wächter trotz der etwas zwiespältig aufgenommenen letzten Alben auch heute noch die Massen ziehen.

Neunzig Minuten später treffen auch wir satt und erwartungsvoll in der schon überraschend gut gefüllten Ton-Halle ein. Offenbar will auch die Vorband ASTRAL DOORS niemand verpassen, die pünktlich um 20 Uhr die Bühne betritt. Obwohl die Halle im Laufe des Abends nicht bis an ihre Belastungsgrenze bevölkert wird - liegt's am mit 30 Euro an der Abendkasse nicht ganz so günstigen Ticket-Preis?
[Elke Huber]

ASTRAL DOORS
Ich weiß nicht, ob auf einige Paracetamol-Pillen ein feines Münchner Helles gut kommt, um die Kopfschmerzen, die mich schon den ganzen Tag plagen, zu vertreiben. Kein schlechtes Medikament ist jedoch schwedischer Sternentüren-Metal. Der steht nämlich ganz in der Tradition von, nun ja, traditionellen Hardrock-Bands der 70er und 80er (RAINBOW, DIO, vielleicht auch etwas ACCEPT). Paradebeispiel ist hier der extrem ohrwurmige Opener, der mich auch schon auf einem ECLIPSED-Sampler verzückt hat. Nachdem nach zwei bis drei Liedern dann auch der Sound in Ordnung gebracht worden ist, entwickelt sich das Konzert zu einem bisweilen sehr kurzweiligen Ereignis, auch wenn nicht alle Songs das hohe Niveau des Openers halten können. Sänger Patrik Johansson singt teilweise sehr geil und erinnert stimmlich an eine Mischung aus Jorn Lande und DIO (Schreiberling an MASTERPLAN: hier ist euer neuer Sänger!), optisch fällt jedoch das echt schlechte Jürgen von der Lippe-Hemd auf, das er dann im Laufe des Konzerts auch noch aufknöpft (ähem, "sexy"!?). Nichtsdestotrotz, ASTRAL DOORS rocken gut ab und machen Laune auf BLIND GUARDIAN. Guter Opener!
[Thomas Becker]

Geburtstage sind eigentlich immer schön. Aber ich glaube, dieser hier ist für Markus Siepen dann doch ein ganz besonderer, denn ein "Happy Birthday" aus so vielen Kehlen bekommt man auch als Gitarrist von Deutschlands bester Bombastmetal-Formation nicht jedes Jahr zu hören. Obendrein erteilt Bandchef Hansi Kürsch ihm die Erlaubnis, sich "so oft zu verspielen, wie er will", wobei ich nicht den Eindruck habe, dass Markus dieses Angebot ausnutzen wird. Ganz im Gegenteil: BLIND GUARDIAN präsentieren sich zum deutschen Tourauftakt in München in einer bestechend guten Form! Hansi, der normalerweise nach jedem Studioaufenthalt einige Pfund mehr auf die Waage bringt, hat entweder bereits wieder abgespeckt oder sich bei den Arbeiten zu "A Twist In The Myth" gleich am Riemen gerissen und wirkt nicht nur stimmlich, sondern auch körperlich fit. Neuzugang Frederik Ehme thront hinter seinem riesigen Drumkit und scheint sich bereits gut in die Stammbesetzung Kürsch-Olbrich-Siepen eingefunden zu haben. Hinter ihm laufen kleine Filmchen auf einer den ganzen Bühnenhintergrund füllenden Leinwand, sie gehen jedoch - zumindest von meinem Standort aus - auch wegen der üppigen Trommel-Ansammlung ziemlich unter.

Aber wegen der optischen Aspekte geht eigentlich niemand auf ein BLIND GUARDIAN-Konzert - was die Fans wollen, sind die (alten) Hits, und mit 'Into The Storm' demonstrieren die Krefelder sogleich die Marschrichtung des abends. Die gut durchmischte Setlist lässt kaum Wünsche offen, das Publikum erweist sich insbesondere bei Stücken wie 'Nightfall', 'Valhalla' und natürlich dem unvermeidlichen 'The Bard's Song' als gewohnt textsicher und macht Hansi zeitweise arbeitslos, was dieser jedoch lediglich mit einem ausgestreckten Mikrofon und einem strahlenden Lächeln quittiert. Aber genauso, wie die Songs von den Alben vor "A Night At The Opera" inzwischen den Langzeittest bestanden haben, so zeigt sich zu den Stücken vom am 1. September veröffentlichten "A Twist In The Myth", dass man mit dieser ersten Tour seit ungefähr vier Jahren vielleicht besser noch ein paar Monate gewartet hätte. 'This Will Never End' und 'Another Stranger Me' ernten im Vergleich zum Rest der Setlist bestenfalls Höflichkeitsapplaus, und auch die Vorab-Single 'Fly' scheint sich noch nicht als mitsingkompatibel (was sie eigentlich auch nicht ist) durchgesetzt zu haben, ebenso wie das ambitionierte Mammut-Epos 'And Then There Was Silence', das den einzigen Vertreter von "A Night At The Opera" bildet. Aber davon abgesehen tobt die Halle von der ersten bis zur letzten Note und feiert BLIND GUARDIAN über zwei Stunden nach Strich und Faden ab. Also eigentlich genau so, wie man es kennt und erwartet - neues Album hin oder her.

Setlist:
Into The Storm
Born In A Mourning Hall
Nightfall
The Script For My Requiem
Fly
Valhalla
Time Stands Still (At The Iron Hill)
Lord Of The Rings
Bright Eyes
This Will Never End
And The Story Ends
Lost In The Twilight Hall
And Then There Was Silence
---
Another Stranger Me
Imaginations From The Other Side
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The Bard's Song (In The Forest)
Mirror Mirror

München, Ostbahnhof, gegen 23.30 Uhr: Sie sind überall! Die ebenfalls recht uniform gestylte Münchner Schickeria rennt auf dem Weg in die Kultfabrik, auf deren Gelände sich auch die Ton-Halle befindet, die sich auf dem Weg nach Hause befindenden Metaller fast nieder. Schichtwechsel sozusagen. Aber egal - wir hatten unsere Metal-Dosis und wanken beschwingten Schrittes zur S-Bahn. Sollen die Schicki-Mickis ruhig auch noch auf ihre Kosten kommen...

P.S.: Der Stinkefinger des heutigen Abends geht an die Betreiber der Bar der Ton-Halle. Die Pfandsysteme dieser Welt sind nun wirklich nicht einheitlich geregelt, und wenn ich als Ortsfremde nicht weiß, dass ich ohne eine Pfandmarke (die ich nicht bekommen habe und auf die auch nirgendwo hingewiesen wurde) meine mit zwei Euro dotierten Pfandbecher nicht loswerde, dann ist das nichts anderes als ein versteckter Preisaufschlag!
[Elke Huber]

Redakteur:
Elke Huber

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