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Brutal Assault - Jaromer

13.09.2009 | 11:55

06.08.2009, Pevnost Josefov

Im tschechischen Jaromer ist die Welt noch in Ordnung: Top-Bands, klasse Organisation, billiges und vor allem gutes Bier und Essen und wunderschönes Wetter - was will man mehr?

Das Brutal Assault Festival ist eigentlich nicht ganz so brutal wie sein Name und bietet neben Extrem-Metal-Bands auch immer wieder außergewöhnliche Bands aus eher gediegenen Rock-Genres. Dieses Jahr steht das Brutal Assault aber vor allem ganz im Zeichen der technischen Death-Metal-Bands. Daneben mischen noch Hardcore, Black Metal, Brutal Death Metal und exklusive Auftritte mit, und vor allem die Anwesenheit von ULVER sorgt bei vielen Fans für Aufsehen, denn die Norweger sind nicht gerade für ihre zahlreichen Live-Gigs bekannt!

Brutal Assault

Die Mischung macht's und überzeugt auch unsere kleine Reiserunde, die meine Kollegen von Stormbringer.at, die auch an diesem Bericht mitwirken, komplettieren. Nach einer endlosen Fahrt über tschechische Schlaglochstraßen inklusive Begegnung mit der Polizei (wir konnten leider nicht lesen, dass die Straße gesperrt war) und Umwegen kommen wir genau rechtzeitig an, um noch die besten Bands des ersten Tages zu erleben und in den Genuss von viel und billigem tschechischen Bier zu kommen. Wo sonst gibt es auf dem Festivalgelände ein großes Bier um einen Euro? Der erste Eindruck ist also sehr positiv - und bleibt es auch für den Rest des Wochenendes!
[Caroline Traitler]

Endlich an dem Venue angekommen sind die Hardcore-Urgesteine von MADBALL gerade dabei, dem Publikum eine gehörige Lektion in NYC Old School Hardcore zu kredenzen. Fronter Freddy Cricien steht seinem älteren Halbbruder Roger Miret in nichts nach, fordert die Meute immer wieder dazu auf, mit ihm und seiner Band eine zünftige Hardcore-Party zu feiern ("put your fist, your middle finger, your horns or whatever you like in the air and show me what a real HC show will be") und überzeugt mit seiner Mannschaft rund um Kultbassist Hoya Roc sowohl mit altem ('Set It Off', 'My Worst Enemy') als auch neuerem Material wie dem Titeltrack der letzten Platte "Infiltrate The System". Die erfreulichste Message dann gegen Schluss des Auftritts: MADBALL arbeiten gerade fieberhaft an einem neuen Album, welches 2010 das Licht der Welt erblicken soll.
[Reini Reither]

Lange ist es her, seitdem ich die Israelis ORPHANED LAND das letzte Mal live gesehen habe. Rar haben sich die Exoten des Metals gemacht, was vielleicht auch daran liegt, dass die Jungs zurzeit mit Hochdruck an der Finalisierung ihres neuen Albums "ORWarriorOr" feilen, von dem es heute auch zwei Songs zu hören gibt. ORPHANED LAND besitzen diesen ganz besonderen Charme, der ihre Kultur und die schönsten Seiten des Metals verbindet. Folkloristischer Doom-Prog-Metal mit vielen exotischen Elementen sind eben ihr Markenzeichen, und Frontcharismatiker Kobi Fahri ist auch auf dem Brutal Assault wieder bestens in Form und begeistert die Menge, die in der ersten Reihe eine israelische Fahne hochhält. Vor allem Songs wie 'Birth Of The Three' oder 'The Kiss Of Babylon' vom grandiosen "Mabool"-Album sorgen für Begeisterung und zaubern eine ganz besondere Stimmung in die Festival-Arena. Jetzt kann man nur noch auf ein baldiges Wiedersehen mit neuem Album hoffen.

Peter Tägtgren, der Herr der Augenringe ist wieder da! Mit PAIN hat es Peter in den letzten Jahren zu fast mehr Bekanntheit als mit seinem eigentlichen Hauptprojekt HYPOCRISY geschafft. Vielleicht liegt es daran, dass bei PAIN das Augenmerk auf garantiert mitsingbaren Ohrwürmern mit poppigen Melodien und eingängigen Refrains liegt. Die Fans kommen auf jeden Fall in Scharen an und feiern die Schweden gnadenlos ab. Peterchen hat eben ein Gespür für tolle Melodien, und bei Songs wie 'I'm Going In' dem grandiosen 'End Of The Line' oder 'On And On' schwingt schon mal der eine oder andere hartgesottene Metaller fröhlich das Tanzbein.

Dass die Jungs nach 'Same Old Song' noch mit der Zugabe 'Shut Your Mouth' ankommen, ist schon fast eine Pflichtübung, und der geübte PAIN-Fan weiß, dass dieser Song eigentlich nie ausgelassen wird. Schade nur, dass Peter auf den neuen Hit 'Follow Me' verzichtet, der kann zumindest auf dem Album auch ohne Neo-NIGHTWISH-Trällerelse Anette überzeugen. Dafür wird mein Ice-Age-Plüscheichhörnchen wieder mal zum PAIN-Star, und Gitarrist Michael stellt das Ding auf die Bühne. Jetzt ist es in Schweden. ;)
[Caroline Traitler]

Zugegeben ein Spur von Skepsis ist schon angesagt, was den Headliner-Status der reformierten BIOHAZARD betrifft. Erst in letzter Sekunde für die vorgesehenen FEAR FACTORY eingesprungen beweisen Evan Seinfeld und seine Meute aber, dass sie auch zum zwanzigsten Geburtstag der Band ein volles Festivalgelände zum Kollektivausrasten bringen können. Genügend hochklassiges Songmaterial versteckt sich ja in der Diskografie der New Yorker, sei das jetzt 'Urban Discipline', 'Wrong Side Of The Tracks' oder besonders der Zugabenblock: 'Propaganda', sicher einer DER BIOHAZARD-Songs, oder das CYPRESS HILL-Cover 'I Ain't Goin' Out Like That', bei dem Seinfeld ca. fünfzig Mädels auf die Bühne holt, um gemeinsam mit dem vermeintlich schwachen Geschlecht eine ordentliche Party vom Zaun zu brechen. Skepsis widerlegt, geiler Auftritt, wobei in einem engen Club die Intensität von BIOHAZARD noch weit mehr zum Tragen kommt!



An sich hätten jetzt planmäßig Paul Masvidal und seine Frickelbrüder von CYNIC die Bühne entern sollen, deren Equipment (oder Teile davon) hängt jedoch am Londoner Flughafen fest, und so dürfen die Chaoten-Grinder von BRUTAL TRUTH statt um zwei Uhr in der Früh schon zur Mitternachtsmatinee blasen. Eine minimal erweiterte Spielzeit (vierzig statt der ursprünglich geplanten dreißig Minuten), achtzehn Songs und ein kompromissloses Grindcore-Gewitter sind die Ausbeute der Legende. Sei es jetzt das "Evolution Through Revolution"-Einstiegstripel 'Sugardaddy'/'Turmoil'/'Daydreamer' oder ganz Altes wie 'Birth Of Ignorance' oder 'Stench Of Profit' - die Amis zeigen keinerlei Gnade, stoßen bei gewissen Zuschauern auf Unverständnis, überzeugen aber genau jene Klientel, die Lilker und Co. für diese seit Jahrzehnten zur Schau getragene Leck-mich-am-Arsch-Einstellung lieben!


Party-Folk-Metal nach Mitternacht - kann das funktionieren? Jein! TURISAS sind sicher eine der härteren Vertreter der Humppa-Abteilung. Besser werden sie dadurch nur bedingt. Der Warlord ist ohne Frage ein souveräner Fronter, säuft gleich mal vor 'One More' mit dem Publikum ein paar Jägermeister. So richtig cool ist es aber nur, als sich die Finnen an 'Rasputin' versuchen. Das ist Party pur! Auch das abschließende, obligatorische 'Battle Metal' kann die ansonsten eher verhaltene Stimmung des Schreiberlings einigermaßen bessern. Ganz okay, aber halt nicht mehr!

Die technischen Probleme, welche CYNIC schon durch das Nichteintreffen diverser Equipment-Teile haben, setzen sich auch auf der Bühne fort, so dass es schlussendlich schon weit nach zwei Uhr in der Früh ist, ehe Masvidal, Reinert und Co. in andere Sphären vordringen können. Da nicht nur die strapaziöse Fahrt, sondern auch die Kälte an der Kondition der Schreiber-Crew nagt, lassen wir uns von wunderbarer Kopfmusik à la 'Nunc Fluens', 'The Space For This' und 'Evolutionary Sleeper' gen Ausgang tragen.
[Reini Reither]

Redakteur:
Caroline Traitler

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