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CLAWFINGER - Berlin

28.11.2018 | 22:23

08.11.2018, Columbia Theater

Zwischen Kaffeepause und Late Night Show.

Im Sommer kam die Meldung, dass die schwedische Crossover-Band CLAWFINGER für einige Konzerte nach Deutschland kommt. Der Grund dafür war simpel, denn das 25-jährige Jubiläum des Debütalbums "Deafer Dumber CLAWFINGERBlinder" wird 2018 begangen. Das ist für die Jungs eine gute Gelegenheit, noch einmal die Konzertbühnen zu erklimmen, denn 2013 erfolgte eigentlich die Auflösung. Sänger Zak meinte im Sommer, dass er mit den Bandkollegen nur mal eine kleine Kaffeepause eingelegt hat, und irgendwie waren dann plötzlich 25 Jahre vergangen. Ja, so kennt man ihn - immer zu Späßen aufgelegt. Die Freude und die Erwartungen auf diesen Gig sind groß, schließlich müssen die Helden der Jugend noch einmal abgefeiert werden. Dementsprechend ist auch der Altersdurchschnitt im Columbia Theater an diesem Abend. Man altert halt mit der Band.

Einer Vorband bedarf es an diesem Abend nicht und so geht es gegen halb neun und zu lauten "CLAWFINGER!"-Rufen los. Als das Licht erlischt, erklingt das Konzert-Intro der Band. Eine leichte Abwandlung des James-Bond Songs 'Goldfinger' von Shirley Bassey. Den Text dazu sollte jeder erraten können. Kaum ist der letzte Ton verklungen, geht es ab auf der Bühne! Mit einer ungeheuren Energie und Wucht klatschen die Schweden dem Berliner Publikum 'Nigger' um die Ohren. Die Menge tobt und kann es gar nicht glauben, dass der Gassenhauer den Abend eröffnet. Sofort geht es in den vorderen Reihen ordentlich zur Sache. Die Band versprüht eine dermaßen geniale Energie und man merkt ihnen an, dass sie heiß auf das Konzert sind. Als der Sänger nach dem Song fragt, wer von den Anwesenden das Stück "noch von früher" kennt, hebt eine gute Mehrheit den Arm. "Also auch solche alten Säcke vor der Bühne! Ich dachte schon wir sind die einzigen. Na, da kann es ja weiter gehen." CLAWFINGER hält sich exakt an die Trackliste des besagten Albums und zockt sich munter hindurch. Ordnung muss sein. Vor allem im Alter. Doch lahm ist die Truppe keineswegs. Nicht nur der Sänger wuselt permanent über die Bühne, nein auch André Skaug, der Live-Basser der Band, gewinnt am heutigen Abend den 1. Preis im Headbangen. Eingespielt wie eh und je präsentieren sich die Musiker ihren Fans und man fragt sich ernsthaft, was die die letzten Jahre gemacht haben. Wenn man es nicht anders wüsste, dann würde jeder sagen: Na, Konzerte gespielt!

CLAWFINGERKeyboarder Jocke Skog scheint so etwas wie Elton bei Stefan Raab zu sein. Immer wieder gibt es zu Zacks Worten ein paar Kommentare ab oder blödelt in den Pausen rum. Mal pustet er Gitarrist Bård Torstensen ins Genick oder spielt mit Gitarre. Das Ganze hat ab und an etwas von einer Late-Night-Show und ist eigentlich überflüssig. Läuft auch so alles wie am Schnürchen. Auch das Stagediving des Sängers klappt perfekt. 'Rosegrove' oder 'I Need You' begeistern die Menge und natürlich auch 'Wonderful World'. Trotz seiner Ernsthaftigkeit feiert die Menge den Song und auch Zack meint dazu, dass sich Vieles davon in den 25 Jahren nicht wirklich verbessert hat. Ja, auch das ist CLAWFINGER, denn textlich stochern sie gerne in gesellschaftlich wunden Punkten herum. Schon bald erklingt mit 'I Don`t Care' der letzte Song des Albums. Natürlich macht sich der Sänger einen Scherz daraus und meint, dass es bedauerlicherweise der letzte Song ist und 1993 auch gewesen wäre. Aber er würde gern noch ein paar andere Lieder spielen, wenn die Leute das wollen. Natürlich wollen sie! Und so geht es auch schon bald mit 'Prisoners' weiter. Die Menge ist im CLAWFINGER-Rausch und feiert die Band CLAWFINGERfrenetisch ab. Macht aber auch Spaß! So schnell wie heute die Zeit vergeht ist wirklich bemerkenswert. 'Recipe For Hate' beendet vorerst das heutige Set und unter tosendem Applaus verlassen die Musiker kurz die Bühne.

Die Fans fordern logischerweise noch einem Zuschlag und lange lassen sich die Herrschaften auch nicht bitten und es geht flott mit 'Biggest & The Best' weiter, zu dem in den vorderen Reihen zünftig mit gesprungen wird. 'The Price We Pay' mit seinem ruhigen Streicher-Intro lässt die Menge kurz verschnaufen, ehe wieder ordentlich die Fetzen fliegen. Wenn es nach der Besuchern gehen würde, dann könnte dieses Konzert noch ewig andauern. Doch leider erklingt mit 'Do What I Say' das ultimative Schlusslied. Jetzt steht hier im Saal keiner mehr still und die Kinder-Vocals werden lautstark mitgesungen. Was für eine Party!

Viel zu schnell ist der Song vorbei und die Show neigt sich ihrem Ende entgegen. Natürlich wollen die Fans mehr Lieder hören, aber es ist Schluss. Die Band wird gebührend gefeiert und man sieht ihnen die Freude darüber richtig an. Zufriedene Gesichter auch vor der Bühne. An diesem Abend dürfte es wohl kaum einen geben, der etwas auszusetzten hat. Die Helden der Jugend haben es immer noch drauf und auch sie selbst wirken in bester Spiellaune. Denen hat eindeutig die Bühne in den letzten Jahren gefehlt. Da kann man nur hoffen, dass die nächste Kaffeepause nicht wieder so lange dauert.
CLAWFINGER
Nach dem Konzert dauert es auch nicht lange, bis sich die Bandmitglieder am Merchandise-Stand versammeln. Unzählige Autogramme und Fotos werden gemacht oder einfach nur ein kurzes Schwätzchen mit den Schweden gehalten. Das kommt bei den Fans richtig gut an und so hält die Traube rund um den Stand eine lange Zeit an. Und man hört es auch bei den Musikern heraus, dass sie es klasse finden, endlich wieder auf Tour zu sein und Konzerte spielen können. Klingt wirklich so, als wäre das ultimative Ende von CLAWFINGER noch nicht besiegelt. Schön wäre es!

Setliste: Nigger; The Truth; Rosegrove; Don`t Get Me Wrong; I Need You; Catch Me; Warfair; Wonderful World; Sad To See Your Sorrow; I Don`t Care; Prisoners; None The Wiser; Money Power Glory; Nothing Going On; Two Sides; Recipe For Hate; Zugabe: Biggest & The Best; The Price We Pay; Do What I Say

Redakteur:
Swen Reuter

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