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CRADLE OF FILTH, MOONSPELL - Leipzig

11.03.2018 | 19:01

27.01.2018, Hellraiser

Zwei Urgesteine sorgen für einen gelungenen Abend.

Die beiden Co-Headliner, die an diesem Samstagabend im Januar das Hellraiser in Leipzig unsicher machen, haben mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick den Anschein haben mag. Beide fischen musikalisch zwar in unterschiedlichen Gewässern, doch vor allem bei den Fans beider Truppen gibt es eine große Schnittmenge. So stammen die Anhänger von der Gothic-Metal-Institution MOONSPELL wohl zu größeren Teilen aus dem Metal-Lager als aus der schwarzen Szene. Und die britischen Extrem-Metaller um Chefschreihals Dani Filth genießen auch bei den Gruftis ein hohes Ansehen und eine große Anhängerschaft. Zudem sind beide Gruppen ungefähr gleich lange im Geschäft und haben auch meinen musikalischen Werdegang entscheidend mitgeprägt, denn sowohl MOONSPELL als auch CRADLE OF FILTH verfolge ich bereits seit den Debütalben. Beide haben außerdem im vergangenen Jahr starke Scheiben veröffentlicht, so ist es durchaus naheliegend, beide auf eine gemeinsame Co-Headliner-Tour zu schicken.

Den Anfang machen die Südeuropäer  MOONSPELL, die den Fans ihr aktuelles Album "1755" vorstellen wollen, das über komplett portugiesische Texte verfügt und das große Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755 thematisiert. Passend zum Konzept der Scheibe kommt Frontmann Fernando im langen Ledermantel mit Hut und einer Lampe auf die Bühne, was schon sehr nach Nachtwächter aussieht. Natürlich gibt’s zum Einstieg auch gleich vier Songs vom aktuellen Longplayer, die auch sehr gut von den Zuschauern aufgenommen werden. Obwohl MOONSPELL keine besondere Bühnenshow im Angebot hat, verstehen die Jungs es doch die Massen alleine mit ihrer Musik zu überzeugen. Fernando bewegt sich als einziger viel auf der Bühne und unterstreicht seinen Gesang mit teilweise recht wildem Gestikulieren.

Obwohl "1755" noch nicht so lange auf dem Markt ist, sind die Songs einem großen Teil des Publikums im ausverkauften Hellraiser bekannt und werden ordentlich gefeiert. Einige Tracks performt Fernando mit einer Pestmaske, was wohl auch dem Konzept geschuldet sein dürfte. Richtig ausgelassen wird die Stimmung, als MOONSPELL den alten Klassiker 'Opium' herauskramt, der mittlerweile auch schon über 20 Jahre auf dem Buckel hat, aber seitdem nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Anschließend gibt es wieder einige Songs von der aktuellen Scheibe, hier bringt Fernando ein großes Holzkreuz mit auf die Bühne, in das rote LED-Leuchten eingearbeitet sind. Auch ohne Bühnenshow kann man mit solchen kleinen, aber feinen Details Akzente setzen, das gefällt mir richtig gut.

Zu guter Letzt gibt es mit 'Alma Mater' und 'Full Moon Madness' noch die beiden absoluten Bandhymnen, die auf keiner Liveshow fehlen dürfen und von einem großen Teil des Publikums lautstark mitgesungen werden. Jetzt wird es auch sportlich, denn die ersten Crowdsurfer des Abends machen sich auf den Weg vor die Bühne. Ich persönlich hätte mir zwar noch ein paar mehr alte Songs gewünscht, aber in einer Stunde Spielzeit ist eben leider nicht mehr drin. Trotzdem hat MOONSPELL einen sehr starken Auftritt hingelegt, der deutlich gemacht hat, dass die Portugiesen nicht ohne Grund schon so lange erfolgreich im Geschäft sind.

Setliste: Em Nome Do Medo; 1755; In Tremor Dei; Desastre; Night Eternal; Breath (Until We Are No More); Opium; Evento; Todos Os Santos; Alma Mater; Full Moon Madness

Nach der Umbaupause, die wie immer zum Rauchen und einem Besuch an der Bar genutzt wird, ist es dann endlich soweit und die englische Extrem-Metal-Combo CRADLE OF FILTH legt los. Die Band kommt während des Intros nacheinander auf die Bühne und postiert sich zunächst mit dem Rücken zum Publikum. Eine etwas skurrile Szene sorgt für einen kurzen Schmunzler, als die Keyboarderin Lindsay zu ihrem Instrument laufen will und dabei Frontschreihals Dani übersieht und ihn fast über den Haufen rennt. Der Gute ist halt fast zwei Köpfe kleiner als sie, da kann sowas schon einmal passieren.

Mit einer Bühnenshow kann auch CRADLE OF FILTH nicht aufwarten, dafür bewegen sich die Musiker sehr viel und posieren wie die Weltmeister. Mittendrin Dani, der sich bei jedem Song die Seele aus dem Leib kreischt und schreit, dass man als Zuschauer schon Angst um seine Stimmbänder hat. Diese haben in den fast 30 Jahren Bandgeschichte schon so einiges mitmachen müssen, dafür funktionieren sie noch erstaunlich gut. Natürlich liegt bei CRADLE OF FILTH der Fokus auch ganz klar auf der aktuellen Scheibe "Cryptoriana - The Seductiveness Of Decay", jedoch hat die Setliste der Engländer deutlich mehr Klassiker an Bord, als es bei MOONSPELL gerade eben der Fall war. Die Zuschauer bekommen einen guten Überblick über das bisherige Schaffen der Truppe geboten, wobei auch hier einige Fans der ersten Stunde den einen oder anderen Song vermissen. Bei einer Band mit einer derart umfangreichen Diskographie bleibt sowas eben nicht aus.

Sehr angenehm finde ich, dass auch Dani wie Fernando zuvor auf lange Ansagen verzichtet und die Zeit lieber zum Spielen nutzt. Auch bei CRADLE funktionieren die aktuellen Songs bereits richtig gut, der aktuelle Longplayer hat aber auch den einen oder anderen Kracher zu bieten. Besonders 'Heartbreak And Seance' und 'Achingly Beautiful' werden von der Meute im Hellraiser dankend angenommen und mit großem Applaus bedacht. Die Stimmung wird mit jedem Lied ausgelassener, mittig vor der Bühne bildet sich ein Circle Pit in den Zuschauerreihen, der nicht mehr abreißen will. Auch Crowdsurfer gibt es immer wieder zu entdecken, einigen Besuchern macht das scheinbar derart Spaß, dass sie sich immer wieder auf die Reise schicken lassen. Mittlerweile hat man den Eindruck, dass die Zuschauer sogar einen HELENE FISCHER-Coversong abfeiern würden (was in einer CRADLE OF FILTH-Version sogar interessant sein könnte).

Die Band gibt wirklich alles, was sich nicht nur durch die deutlich erkennbaren Schweißperlen auf den Gesichtern bemerkbar macht. Als die Truppe von der Bühne geht, ist klar, dass dies noch nicht das Ende gewesen sein kann und gefühlt die komplette Halle schreit nach "Zugabe!". Lange lassen sich die Briten auch nicht bitten und so kommen sie zurück, um noch einige Songs zum Besten zu geben. Mit 'Nymphetamine (Fix)' wird sogar eine Ballade gespielt (zumindest für Bandverhältnisse), bei der Lindsay, die Frau an den Tasten, eine richtig gute Figur macht und die weiblichen Vocals sehr stark singt (auf dem Album von keiner geringeren als Liv Kristine eingesungen). Mit 'Her Ghost In The Fog' gibt es auch noch einen der unzähligen Bandklassiker.

Mein persönlicher CRADLE-Hit 'To Eve The Art Of Witchcraft' wird leider nicht mehr gespielt, aber ich bin auch so rundum zufrieden, denn an beiden Auftritten des Abends gibt es nichts auszusetzen. Absolut erstklassig, man merkt einfach, dass hier in Leipzig im Hellraiser an diesem Abend jahrzehntelange Erfahrung im Doppelpack auf der Bühne stand. Sowohl MOONSPELL als auch CRADLE OF FILTH würde ich mir jederzeit wieder anschauen und kann daher auch nur jedem wärmstens empfehlen, die Tour zu besuchen oder sich die beiden auf einem Festival anzuschauen, denn es lohnt sich definitiv.

Redakteur:
Hermann Wunner

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