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Cannibal Corpse. The Black Dahlia Murder, No Return - Geiselwind

01.04.2018 | 08:51

17.02.2018, MusicHall

Die Death-Metal-Vollbedienung!

Was gibt es nach einer anstrengenden Arbeitswoche schöneres, als sich am Wochenende mal so richtig den Wirsing mit harter Gitarrenmusik durchpusten zu lassen? Genau, nichts. Da passt es doch ganz gut, dass sich die amerikanische Death-Metal-Legende CANNIBAL CORPSE gerade auf Deutschlandtour befindet und in Geiselwind einen Zwischenstopp einlegt. Verstärkung haben sich die Jungs um George "Corpsegrinder" Fisher diesmal in Form von THE BLACK DAHLIA MURDER und NO RETURN ins Boot geholt. Eine sehr gute Zusammenstellung, wie ich finde. Wer bei dieser Kombination allerdings säuselnden Klargesang, Zuckerguss-Melodien oder herzergreifende Balladen erwartet, dürfte wohl an diesem Abend die Enttäuschung seines Lebens erfahren, denn zumindest das Lineup verspricht die ultimative Death-Metal-Vollbedienung! Es kommen halt doch nur die Harten in den Garten beziehungsweise an diesem Samstagabend im Februar in die MusicHall nach Geiselwind.

Los geht es pünktlich um 20 Uhr mit NO RETURN. Obwohl die Franzosen nie den großen Durchbruch geschafft haben, können sie auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken (Bandgründung war 1989), was sich natürlich bei ihrem Auftritt bemerkbar macht. Sie verstehen es, den bereits sehr zahlreich anwesenden Zuschauern in der MusicHall mit ihrer eigenen, höchst gelungenen Mischung aus Death und Thrash Metal ordentlich einzuheizen und die knackigen Minusgrade draußen vergessen zu machen. Im Fokus stehen natürlich die Songs der aktuellen Langrille "The Curse Within", aber auch ältere Tracks finden ihren Weg in die Setliste. Mittlerweile kann die Band auf immerhin 10 Studioalbem zurückblicken, die allerdings logischerweise bei der knappen Spielzeit von 30 Minuten nicht alle berücksichtigt werden können. Würde es nach den Zuschauern gehen, könnte diese auch gerne doppelt so lange ausfallen und so gibt es ordentlich Applaus für einen wirklich sehr guten und mitreißenden Auftritt von NO RETURN, der als gelungener Auftakt einen hoffentlich genialen Konzertabend einläutet.

Nach der Umbaupause geht es dann weiter im Programm mit THE BLACK DAHLIA MURDER. Die Truppe ist nicht zum ersten Mal mit den Kollegen von CANNIBAL CORPSE unterwegs und hat mit "Nightbringers" auch eine aktuelle Scheibe am Start, die man natürlich den Fans in Geiselwind angemessen präsentieren möchte. Mit welcher Energie die fünf Amerikaner allerdings bereits vom ersten Moment an ihren Auftritt bestreiten, ist schon ganz großes Kino. Die Intensität nimmt tatsächlich mit jedem Song noch mehr zu, und THE BLACK DAHLIA MURDER wird absolut nicht müde, den angeheizten Fans einen Kracher nach dem anderen um die Ohren zu hauen. Als Sänger Trevor das Publikum zum Springen animiert, lässt sich dieses nicht lange bitten und kommt der Aufforderung liebend gerne nach. Es ist schon ein beeindruckender Anblick, der sich mir bietet, als ich mich kurz umdrehe um mir das Spektakel anzusehen, das sich tatsächlich bis nach hinten fortsetzt.

Es ist der reinste Abriss, was THE BLACK DAHLIA MURDER hier veranstaltet. Wahnsinn! Auch im Bereich vor der Bühne bricht kurz das Chaos aus, und mehrere Sicherheitskräfte stürmen von draußen herein. Der Grund dafür ist schnell ersichtlich: es haben sich mittlerweile so viele Crowdsurfer gleichzeitig auf die Reise schicken lassen, dass die beiden Securities vor der Bühne nicht mehr alleine damit fertig werden, allen einen sicheren Abstieg zu ermöglichen. Mit vereinten Kräften ist die Situation dann aber schnell unter Kontrolle. Auch die Band hat an dem kurzzeitigen Chaos sichtlich Spaß, denkt aber zum Glück nicht daran, einen Gang runter zu schalten, sondern macht mit der gleichen Intensität weiter wie bisher. Nach 'Warborn' ist dann leider auch schon Schluß und die Jungs verabschieden sich unter tosendem Applaus von den Fans und verlassen sichtlich erschöpft, aber zufrieden, die Bühne. Ein großartiger Auftritt, der sicher allen Anwesenden noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Setliste: Widowmaker; Contagion; When The Last Grave Has Emptied; Jars; Kings Of The Nightworld; What A Horrible Night To Have A Curse; Nightbringers; Matriarch; On Stirring Seas Of Salted Blood; Catacomb Hecatomb; Everything Went Black; Warborn

Trotz der knackigen Kälte draußen hat mich dieser Wahnsinn gerade dermaßen aufgeheizt, dass ich mir in der Pause erstmal einen kalten Hopfenblütentee an der Bar gönne. Bis jetzt hätte der Abend nicht besser verlaufen können, aber das war ja längst noch nicht alles, denn die Show des Headliners steht noch an. Während auf der Bühne die Umbauarbeiten noch in vollem Gange sind, tönen aus den Lautsprechern diverse Klassiker, von IRON MAIDEN bis JUDAS PRIEST und MOTÖRHEAD, bei denen die Fans natürlich standesgemäß mitsingen.

Dann endlich geht das Licht aus und der Hauptact des heutigen Abends, CANNIBAL CORPSE, betritt die Bühne. Die Band feiert in diesem Jahr übrigens das 30-jährige Bestehen und dürfte damit älter als ein großer Teil des anwesenden Publikums sein. Gleich zu Beginn fällt auf, dass hier die Scheinwerfer wesentlich spärlicher eingesetzt werden als bei den beiden Vorgruppen. Auf aufwändige Lichteffekte wird komplett verzichtet, die Bühne wird immer nur in einer einzigen Farbe beleuchtet. Diese wechselt zwar ab und zu mal, aber das war es dann auch schon. Für die Fotografen stellt es sich während der ersten drei Songs als echte Herausforderung heraus, ein Bild von den Gesichtern der Band einzufangen. Meistens sind da nur Haare zu sehen. Gitarrist Rob Barrett stellt hier die Ausnahme der Regel dar, denn sein Gesicht ist, einem Kopftuch sei Dank, immer gut sichtbar.

Ähnlich rudimentär wie die Beleuchtung ist auch die Bühnenshow ausgelegt. Bis auf Corpsegrinder, der sein markerschütterndes Gegrowle mit wilden Gestiken unterstützt, bewegt sich der Rest der Truppe nur recht wenig auf der Bühne, sondern lässt die meiste Zeit lieber das Haupthaar kreisen. Das ist schon ein starker Kontrast zu der Show von THE BLACK DAHLIA MURDER. Die Fans stört das allerdings überhaupt nicht, die feiern weiterhin jeden Song lautstark ab. Natürlich nicht ohne Grund, denn CANNIBAL CORPSE ist an diesem Abend offenbar in richtig guter Form. Amüsant finde ich, dass Corpsegrinder sogar die Ansagen teilweise growlt. Der Mann muss Stimmbänder wie Drahtseile haben. Erfreulicherweise haben es viele Songs der aktuellen Scheibe "Red Before Black" in die Setliste geschafft. Und das, obwohl die Jungs bei 13 weiteren Studioalben noch haufenweise Klassiker im Angebot haben.

Abschließend würde ich den Auftritt trotz der rudimentären Lichteffekte und Bühnenshow als sehr gelungen bezeichnen. Der Showstealer des Abends heißt aber definitiv THE BLACK DAHLIA MURDER. Wer noch nicht in den Genuß einer Liveshow dieser Truppe gekommen ist, sollte das schleunigst nachholen. Ihr werdet es sicher nicht bereuen. Doch auch über den Opener NO RETURN gibt es nichts Negatives zu berichten, somit dürften alle Zuschauer absolut auf ihre Kosten gekommen sein. Für mich endet damit ein weiterer unterhaltsamer Konzertabend und ich mache mich zufrieden auf den Heimweg.

Setliste: Code Of The Slashers; Only One Will Die; Red Before Black; Scourge Of Iron; Evisceration Plague; Scavenger Consuming Death; The Wretched Spawn; Pounded Into Dust; Kill Or Become; Gutted; Corpus Delicti; Devoured By Vermin; A Skull Full Of Maggots; I Cum Blood; Make Them Suffer; Stripped, Raped And Strangled; Hammer Smashed Face

Redakteur:
Hermann Wunner

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