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DIE ÄRZTE - Mannheim

22.06.2004 | 14:39

28.05.2004, Rosengarten

Es liegt schon ein paar Jährchen zurück, als ich mir das letzte Mal eine ÄRZTE-Scheibe gekauft habe. Muss wohl im Jahre 1987 gewesen sein und das Teil hieß bzw. heißt noch immer "Ab 18" und sorgte damals für reichlich Aufsehen. Doch nun schreiben wir das Jahr 2004, die Berliner und auch meinereiner sind zwischenzeitlich in die Jahre gekommen. Dies ist auch mein erster Eindruck als ich im Mannheimer Rosengarten einmarschiere und fast nur von U20ern umgeben bin. Egal, da musste jetzt durch, sag ich mir und suche mir ein gemütliches Plätzchen in den hinteren Reihen.

Die Bühne ist mit einem riesigen schwarzen Backdrop verhüllt, auf dem ein riesiges "Ä" aufgedruckt ist und erst nach dem Verhallen des Intro fällt der mächtige Vorhang und bringt die drei Berliner zum Vorschein. Begrüßt von frenetischem Geschrei aus Hunderten von Kehlen serviert man als Opener 'Nicht allein', was zutreffend ist, denn der Rosengarten ist zu diesem Zeitpunkt bis auf den letzten Platz gefüllt und die Stimmung ist bestens. Ich habe schon lange nicht mehr so ein ausgelassenes Publikum erlebt. Von Anbeginn haben DIE ÄRZTE ihre Fans im Griff und spielen beliebig mit ihnen. Egal ob Klassiker wie 'Radio brennt' oder neuer Stoff vom Album "Geräusch", alles wird abgefeiert und mitgesungen. Wow! Eindrucksvoll ist auch die effektiv eingesetzte Lichtshow, die für eine atmosphärische Stimmung sorgt.

Stehtrommler Bela B. thront hinter einer überdimensionalen Bassdrum, auf der sein Konterfei im MISFITS-Skull-Style geklebt ist, während "Oberarzt" Farin Urlaub und der "schönste Bassist der Welt" Rodrigo zu seiner rechten bzw. linken agieren. Beim dritten Stück darf dann auch erstmals Bela B. die Vocals übernehmen und kommt hierfür extra hinter seinem Schlagzeug hervor. Nach einem kurzen Schwätzchen mit den Besuchern auf den Sitzplätzen und der kurzen Vorstellung seiner Weggefährten, bei der er Basser Rod als "Kalif von Mannheim" vorstellt, intoniert er das Stück 'Ignorama'. Danach übernimmt Farin wieder das Mikro und lässt 'Angeber' und den "Tribut to Penunze" 'Geld' auf die Massen los. Danach wird bei 'Hurra' zum Pogo-Tanz eingeladen und das Publikum steigt lautstark im Refrain ein. Vor der Bühne geht es zu wie im Tollhaus. Danach war es wieder an der Zeit ein wenig mit dem Publikum zu kommunizieren. Zuständig ist da mal wieder Bela, der sich wundert, dass Rod noch keinen BH an seinem Mikroständer hängen hat. Die Baden-Württemberger sind nach Aussage Belas ja bekannt für ihre Sparsamkeit. Da Mannheim zur Kurpfalz gehört, dauert es jedoch nicht lange bis ein junger Mann (!) einen BH auf die Bühne wirft. Damit gibt sich auch Rod zufrieden und es darf weitergezockt werden.

Ganz locker und 'Richtig schön evil' geht es weiter, das von der Hommage an alle Männer 'Ein Mann' gefolgt wird. Der Spaßfaktor und Unterhaltungswert bleibt durchgehend hoch. Dann war es an der Zeit die Feuerzeuge zu zücken. Die Ballade 'Ich weiß nicht (ob es Liebe ist)' lädt zum ersten Mal zum Schunkeln und Mitklatschen ein. Gänsehautfeeling war angesagt. Die Fans durften erstmals ein wenig verschnaufen und Farin tröstet die Gemeinde, dass heute ein normales Konzert geplant ist und nicht so eine 5-Stunden-Nummer wie sonst. Irgendwie will sich aber niemand so richtig mit dieser Tatsache abfinden und DIE ÄRZTE werden auch heute nicht unter zwei Stunden wegkommen.

In 'Der Optimist' bekommt dann unsere liebe Regierung ihr Fett wett, ein Song der die Seele des Volkes trifft. Nach einer knappen Stunde darf dann auch Rod in 'T-Error' beweisen, dass er nicht nur die Schweinedärme zupfen kann, sondern auch als Sänger brauchbar ist. 'Sweet Sweet Gwendoline' lässt dann wieder alte Zeiten aufleben. Getreu dem Motto "Alt, aber gut" wird Gwendoline abgefeiert. Jetzt war es an der Zeit für einen kleinen Seitenwechsel und Rod nimmt Farins Platz an der Gitarre ein, während Herr Urlaub den Bass bedient. Zur Überraschung aller spielen DIE ÄRZTE Jon Bon Jovis-Nummer 'Blaze Of Glory' an und Rod singt auf Deutsch die Cowboyhymne, die später in den '1/2 Lovesong' übergeht. Nun geht es fast Schlag auf Schlag. Während 'Meine Freunde' ordentlich in den Popo tritt, holt Bela die Feiernden mit 'Die klügsten Männer der Welt' wieder etwas runter. Bei 'Nichts in der Welt' setzen die ersten Fans zum Crowdsurfing an. Der vordere Bereich wimmelt nur so vor Surfern.

Etwas besinnlicher wird es zur Mitte des Sets. Die Crew rollt ein Piano auf die Bühne und Rod nimmt daran Platz. Da soll mal einer sagen, dass Bassisten keine richtigen Musiker sind. 'WAMMW (Wenn alle Männer Mädchen wären)' ist bis dahin die ruhigste Nummer des Abends, was der Stimmung keinen Abbruch tut. Farin Urlaub im weißen Smoking unterstreicht die Aussage "Kleider machen Leute" und unterstützt den Aushilfs-Pianisten gesangstechnisch. Für mich war es die Gelegenheit mal ein Bierchen schnappen zu gehen. Die Kampfansage an das Pop-Business 'Popstar' und 'Ein Sommer nur für mich' erlebe ich daher nur vom Bierstand aus, was nach gut anderthalb Stunden ja mal gestattet sein dürfte. Rechtzeitig zu 'Die Nacht' treffe ich wieder in der Halle ein und lausche der Ansage des "Fürsten der Finsternis" Bela. 'Kopfüber in die Hölle' und der 'Schundersong' beenden den ersten Teil des Abends gegen 22.30 Uhr. Das das noch nicht alles war, ist den meisten der Anwesenden klar, daher fordert das Publikum lautstark "Wir wollen die Ärzte sehen", was dazu führt, dass DIE ÄRZTE schon nach kurzer Zeit wieder auf der Bühne stehen. Erneut kommt das Piano mit Rod zum Einsatz. Zur Belustigung aller kommen Farin (mit Hannibal-Lektor-Maske) und Bela (mit der Eishockey-Maske von Jason Voorhees aus dem Horrorfilm "Freitag der 13.") vermummt auf die Bühne und machen so ihre Faxen. Nach den ruhigen Pianoklängen wird dann wieder mit 'Unrockbar' und 'Schrei nach Liebe' weitergerockt. Danach verabschieden sich die Berliner erneut und ich habe mich eigentlich schon damit abgefunden, dass nach 27 Stücken der Abend sein Ende hat.

Pustekuchen, die Crew baut ein kleines Schlagzeug vor dem eigentlichen Kit auf und stellt ein paar Stühle dazu. Wahnsinn, gibt es jetzt auch noch eine Unplugged-Runde? Tatsächlich ist es so und die "beste Band der Welt" zeigt, dass sie es auch unverstärkt drauf hat. Insgesamt präsentiert man mehr oder weniger ernsthaft sechs Stücke, die ihr der Setliste entnehmen könnt. Die Mitmach-Spielchen mit dem Publikum funktionieren auch bestens. Nach der Unplugged-Einlage hat Bela seinen großen Auftritt! Bestens gelaunt setzt sich der sympathische Schlagwerker mit einer Gitarre bewaffnet vor sein Schlagzeug auf einen Barhocker. Gerade als er die ersten Töne von 'Der Graf' anstimmt, trifft ihn ein voller Bierbecher, was von Bela verständlicherweise nicht kommentarlos hingenommen wird. Ob der Werfer der Einladung Belas nachgekommen ist, die Angelegenheit nach der Show unter vier Augen zu klären, entzieht sich mir. Dennoch geht es weiter im Programm und zum Feierabend werden die Übernummern 'Elke', 'Westerland' und 'Zu spät' serviert, die ich wohl nicht mehr weiter kommentieren muss. Das Publikum feiert wie wild und liegt sich in den Armen. Nach gut zweieinhalb Stunden hat das Spektakel mit der Krachorgie 'Dauerwelle vs. Minipli' sein Ende und der Großteil der Zuschauer begibt sich total ausgepowert auf den Heimweg. Eindrucksvoll haben die fantastischen Drei aus Berlin gezeigt, wo der Hammer hängt und viel für's Geld geboten. Egal ob jung, ob alt, DIE ÄRZTE rocken jeden! Nur ein paar alte Klassiker wie 'Teenager-Liebe' oder 'Claudia' haben mir gefehlt.

01 Nicht allein
02 Radio brennt (inkl. Holladiha Holladiho)
03 Ignorama
04 Angeber
05 Geld
06 Hurra
07 Richtig schön evil
08 Ein Mann
09 Deine Schuld
10 Ich weiß nicht (ob es Liebe ist)
11 Der Optimist
12 T-Error
13 Sweet Sweet Gwendoline
14 Anti-Zombie
15 1/2 Lovesong
16 Meine Freunde
17 Die klügsten Männer der Welt
18 Nichts in der Welt
19 WAMMW
20 Popstar
21 Ein Sommer nur für mich
22 Die Nacht
23 Kopfüber in die Hölle
24 Schundersong

25 Dinge von denen
26 Unrockbar
27 Schrei nach Liebe

28 Wenn es Abend wird (unplugged)
29 Biergourmet (unplugged)
30 Zitroneneis (unplugged)
31 Erna P. (unplugged)
32 Frank'n'Stein (unplugged)
33 Monsterparty (unplugged)

34 Der Graf
35 Elke
36 Westerland
37 Zu spät

38 Dauerwelle vs. Minipli

Anmerkung des Verfassers: Eigenes Bildmaterial kann leider keines zur Verfügung gestellt werden. DIE ÄRZTE, sowie auch DIE TOTEN HOSEN, lehnen grundsätzlich alle Anträge auf Fotopässe von Online-Magazinen ab. Während es bei fast allen großen Acts wie METALLICA, IRON MAIDEN etc. kein Problem ist eine Fotoakkreditierung zu bekommen. Das ist Punk-Rock, das ist Rock'n'Roll...

Redakteur:
Frank Hameister

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