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DISSECTION/WATAIN - München

25.12.2004 | 10:20

12.12.2004, Titanic City

Zwei schwarzweiß angemalte Fans in langen Ledermänteln, ausgerüstet mit Einkaufswagen und Flaschenbier stimmen sich vor dem Titanic City in München in aller Ruhe auf den Abend ein. Pünktlichkeit scheint eine Tugend zu sein im Süden Deutschlands. Bereits als SECRETS OF THE MOON auf die Bühne gehen und zeigen, dass deutscher Black Metal neue Höhen erreicht, ist der Club rammelvoll. Nur schwer kommt man zwischen den bis zur Eingangstür stehenden Leuten hindurch, die die ganze Treppe okkupieren, welche zum eigentlichen Konzertraum mit Bar herunterführt. Das Konzert heute ist ausverkauft, drum gibt's morgen gleich noch eins, eben, weil nur 350 in den recht gemütlich anmutenden Club passen. Allerdings bietet dieser einen Sound, der sich gewaschen hat. Klein, aber fein! Da können sich nicht einmal WATAIN beschweren, welche auf der Tour ja im Durchschnitt einen ziemlich grottigen Sound hatten. Es herrscht eine gespannte Atmosphäre, als die fünfe sich zwischen den ganzen Metallkreuzen und Kerzen hindurchschlängeln, in dem Versuch auf der Bühne einen Platz zu finden. Irgendwie sind sie heute nicht gut drauf. Prompt fühlt sich Sänger Eric sofort provoziert, als ein Fan die Bühnenreliquien entheiligt und sein Maß Bier auf einem der Stahlkreuze abstellt. Das wackelt, kippt, läuft aus... Sofort ist der respekteinflößende Sicherheitsmann mit den schwarzen Lederhandschuhen zur Stelle und packt den unachtsamen Fan beim Kragen. Der weiß gar nicht wie ihm geschieht und ist eh schon viel zu betrunken um ernsthaft aggressiv zu werden. Leider wird er von dem Kampfzwerg missverstanden und ernsthaft angegangen. Doch damit nicht genug der Panikmache. Keine Minute später ist der nächste Fan fällig: Eric kickt ihn wenig sanft mit dem Fuß vom Bühnenrand weg, aus welchem Grund auch immer. Irgendwie hat die Band Wut und lässt es an den Fans aus. Nach fünf Liedern war's das dann auch schon. Angepisst rennen sie von der Bühne. Das nächste Unglück passiert: Eric wird ein Bein gestellt und er stürzt auf die Monitorbox. Das tut weh. Der Abend ist gelaufen, zumindest für WATAIN und den Schuldigen.

Das geht ja brenzlich los! Trotzdem werden in aller Ruhe in dem Raum neben der Bühne die dreigezackten DISSECTION-Kreuze zusammengeschraubt. Schraub, schraub... es dauert ganz schön lang bis so eine Metallsechs aus der 666, welche um die drei kurzen Arme des umgedrehten Kreuzes verteilt sind, endlich fest sitzt. Jeden Abend dieselbe Prozedur! Als Tourbegleiter hätte ich schon längst einen Drehwurm. Aber da stellt sich irgendwann mal eine gewisse Stoik ein. Derweilen bereitet sich die Band mit Liegestüzen oder Meditation auf den Auftritt vor.

Im Club stehen die Leute eng gedrängt und brüllen ab und an nach einer Band namens DISSECTION. Auffällig jung ist das Publikum, entweder, weil man im Süden nicht so schnell altert oder es sind tatsächlich kaum Uralt-Fans da. Mittendrin stehen auch die beiden Pandabären vom Eingang und gucken ganz ernst. Zu Späßen ist hier kurz vor der Aufregung keiner aufgelegt. Voller Spannung wird gewartet, dass die Band doch bitte mal auf die Bühne kommt. Intro, Einmarsch und los geht's. Es dauert kein Lied, schon sind alle verzaubert und bangen zu den 'Black Horizons'. Wie macht diese Band das bloß? Wo sie hinkommen, herrscht entfesselte Begeisterung. Das führt bis zu Kniefällen vor dem Sänger. Am Rand steht sogar ein japanischer Fan, der aus seinem Heimatland extra angereist ist, erst nach Leipzig und den Tag darauf nach München. Am anderen Ende der Bühne steht ein nicht minder durchgeknallter Fan und haut sich das ganze Konzert lang seinen Kopf auf der Bühnenkante ein. Die Fäuste sind geballt und bieten ihm eine letzte Stütze. In der Mitte vor der Bühne werden majestätisch Haare geworfen und alle Refrains mitgesungen. Ob 'Where Dead Angels Lie' oder 'Maha Kali' - beide Songs bringen die Meute zum kochen. Noch heißer wird es als, 'ELizabeth Bathory' angestimmt wird. Später kommt Jon oberkörperfrei auf die Bühne und steigt herab zwischen die Fans um dort weiter seine Gitarre zu malträtieren. Fast erschrocken weichen die Leute erst mal zurück um dann noch impulsiver zusammen mit Jon zu bangen. Ein Song wirkt besonders fesselnd: 'The Thorns Of Crimson Death' bringt hier so manchen entgültig um den Verstand. Quasi völlig kopflos lässt das finale 'A Land Forlorn' die ausgebrannten Fans zurück. Danach gibt es nur eine Abhilfe zum Runterkommen: die Bar und die sich anschließende Metal-Disko. Nach einer Weile kommen auch die regenerierten Musiker wieder heraus um sich mit den Fans zu unterhalten und ein bisschen mitzufeiern. Zum Glück gibt es im Titanic City eine ausgezeichnete Kaffeemaschine. Ohne sie wäre die Nacht sicher nicht so lang geworden. Danke deswegen an den Club und allgemein für die tolle Organisation!

Redakteur:
Wiebke Rost

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