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DISTURBED und SKINDRED - Hamburg

03.05.2019 | 08:57

28.04.2019, Sporthalle

Highlightmomente in der rappelvollen Sporthalle Hamburg.

Sonntagabend und auf geht's nach Alsterdorf in die Sporthalle. DISTURBED hat meine metallische Frühzeit sehr geprägt und auch wenn ich die Band über die letzten beiden Alben nicht mehr aktiv verfolgt habe, freue ich mich, die Truppe das erste Mal live sehen zu können. Eine gute halbe Stunde vor Anpfiff staune ich nicht schlecht, als ich die Räumlichkeiten betrete: Die ausverkaufte Sporthalle ist schon jetzt bis zum Bersten gefüllt mit mal mehr und mal weniger metallisch anmutenden Gestalten: Vom Ü60 im PUR-Shirt über Metalheads mit Matte und Kutte bis hin zur sich mit Prosecco aufwärmenden Mädels-Gruppe ist hier heute wirklich jeder vertreten.

Nachdem ich mich mit meiner Frau und einem Pils im hinteren Teil der Halle in Position gebracht habe, beginnt das Intro von SKINDRED: 'Thunderstruck' von AC/DC. Hätte kreativer sein können, aber die Menge freut sich. Die Band begibt sich auf die Bühne und es folgt offenbar ein zweites Intro, denn zum imperialen Marsch, der arg poppig und hiphoppig verunstaltet daher kommt, bedient noch keiner der Akteure auf der Bühne sein Instrument. Während der folgenden Songs stelle ich fest, dass es kein großer Fehler war, mich nicht schon mit den Briten befasst zu haben, die nach eigener Auffassung Reggae-Metal spielen. Mit Metal hat das nach meinem Empfinden allerdings wenig zu tun: Es handelt sich eher um härteren Stadion-Rock mit verschiedenen Anleihen aus elektronischen Bereichen, aber vor allem eben auch aus Hip-Hop und Reggae. Unterbrochen wird das ganze durch im zeitlichen Durchschnitt genau so viele Ansagen und Albereien des Frontmanns Benji Webbe, der die eigene Musik auch nicht hundertprozentig ernst zu nehmen scheint, teilt er doch dem Publikum zu einem besonders Hip-Hop-lastigen Song ironisch mit: "Warum feiert ihr denn diese Musik so sehr ab, wenn ihr in Wahrheit achso true Metalheads seid?" Gute Frage. Während zwei, drei Titel ganz gute Laune machen, ist der Rest leider einfach nur anstrengend. Spätestens als dann - wenn auch nur in aller Kürze - ein Dubstep-Mash-Up des BLACK SABBATH-Klassikers 'War Pigs' dargeboten wird, habe ich die Verbindung zwischen Ohren und Gehirn in meinem Kopf gekappt. Das Publikum hingegen feiert die Verkleideten auf der Bühne.

Setliste: The Imperial March; Big Tings; Ratrace; Machine; That's My Jam; Kill The Power; Nobody; Warning

Nach kurzer Verschnaufpause - die Vorband hat (zum Glück) schon nach 40 Minuten die Segel gestrichen und der Bühnenumbau ging schnell vonstatten - geht es auch schon mit DISTURBED weiter; der angestammte Platz im hinteren Bereich der Halle ist schnell wieder gesichert. Die riesige Video-Wall nimmt ihren Betrieb auf und das Intro ertönt. Leider ist neben dem doch sehr schlicht gehaltenen Bühnen-Aufbau vor allem der sehr breiige Sound das, was die ersten beiden Songs prägt. Das scheint nicht nur auf dieser Seite der Bühne so zu sein, denn bei 'Prayer' greift David Draiman, der beim restlichen Konzert eine sehr gute stimmliche Performance abliefert, bei ein paar Tönen daneben. Schade, denn gerade bei Konzerten dieser Größenordnung (es sind etwa 7.000 zahlende Gäste anwesend) erwarte ich im Vorfeld einen guten Soundcheck und gerade im hinteren Bereich der Halle will die Stimmung von der Bühne dadurch noch nicht so recht auf das Publikum überspringen. Das scheint der Tontechniker jedoch schnell in den Griff zu bekommen, denn spätestens bei 'Stupify' und 'Voices' gröhlen auch in unserem Umfeld einige Kehlen euphorisch mit. Und direkt nach dem ersten Stimmungs-Höhepunkt mit 'Land Of Confusion' wird mit 'The Game' der nächste Knaller hinterhergeschoben. Die Band hat Spaß, ich auch; der beste Titel des Abends. Man hat gut daran getan, den ruhigeren Song 'Hold On To Memories' im Vergleich zu vorigen Konzerten der Tour etwas weiter hinten im Set zu platzieren.

Leider folgt dadurch aber auch nach 'No More' mit gleich drei balladenartigen Songs ein kleiner Stimmungs-Durchhänger, der vor allem das sehr gut performte 'Sound Of Silence' etwas blass aussehen lässt. Auch die letzte offizielle Darbietung des Abends, 'Indestructible', will dadurch nicht so recht zünden. In der Zugabe gelingt dies wieder deutlich besser: 'The Light' funktioniert als Live-Titel ganz fabelhaft und mit zwei äußerst kraftvollen Klassikern werde zumindest ich ziemlich glücklich in den inzwischen späten Abend entlassen. Die Band hat immerhin fast zwei ganze Stunden auf der Bühne gestanden.

In Anbetracht der letzten beiden Alben, die auf Anraten von Kollegen oder aufgrund durchwachsener Reviews schon gar nicht mehr den Weg in mein CD-Regal gefunden haben, war ich vor dem Konzert nicht ganz sicher, ob mir das Live-Programm gefallen würde. Nach dem Konzert bin ich ob der in ausreichender Zahl gespielten Klassiker nicht mehr ganz so traurig, die inzwischen 25 Jahre alten DISTURBED nicht schon vor 10 Jahren auf einer Bühne erlebt zu haben.

Setliste: Are You Ready; Prayer; The Vengeful One; The Animal; Stupify; Voices; Land Of Confusion; Ten Thousand Fists; The Game; No More; A Reason To Fight; Hold On To Memories; The Sound Of Silence; Indestructible; Zugaben: The Light; Stricken; Down With The Sickness

Fotos: Anne-Sophie Lindhorst

Redakteur:
Daniel Lindhorst

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