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"Death Unleashed" Tournee - Oberhausen/Mannheim

02.01.2018 | 16:22

05.12.2017, Helvete/MS Connexion

KALMAH, NOTHGARD, HERETOIR und LOST IN GREY entfesseln den Tod.

Die "Death Unleashed"-Tournee startete dabei schon am ersten Tourtag gleich mit einem großen Knall. Denn KALMAH-Sänger Pekka Kokko konnte seinen Flug aufgrund schwerer gesundheitlicher Probleme nicht antreten, über den Gig in Belgien retteten sich die Finnen mit einer spontanen Open-Mic-Session. Ab dem zweiten Auftritt in Oberhausen verstärkte Pether Winterschmied (THE LAST HANGMAN) den Headliner am Mikrofon, einen Tag später stieß auch Robse von EQUILIBRIUM zur Reisegruppe dazu. Wir knöpften uns den Metal-Vierer auf seiner Konzertreise daher gleich zweimal vor – in Oberhausen und in Mannheim.

Ich kann kaum glauben, was Sängerin Anne mir nach dem Auftritt in Oberhausen erzählt: Dass dies erst die zweite Show von LOST IN GREY gewesen sein soll, ist wahrlich schwer vorstellbar. Denn die finnische Melodic Metal Kombo überzeugt von Anfang an die ersten Gäste, die sich den Opener in der noch spärlich gefüllten Konzerthalle des Helvete anschauen, mit einer Mischung aus Mystik und epischen Melodien. Dazu trägt neben dem düster-klassischen Auftreten der Band vor allem das ausschweifende, virtuose Spiel von Keyboarder Harri Koskela bei. Durch die fehlende Frontbeleuchtung im vorderen Teil des Sets wirkt das Ganze noch dramatischer – Assoziationen an die Frühphase einer anderen berühmten Melodic Metal Band aus dem Heimatland seien an dieser Stelle gerne gestattet. Denn auch LOST IN GREY lebt von der Performance starker Frauen und davon haben die Newcomer gar zwei: Das Zusammenspiel zwischen Anne und Emily reißt mit, die beiden Sängerinnen zeigen sich strahlend und mit jeder Menge Innbrunst. Zurück bleibt zum Schluss nur die Frage: Wo zur Hölle habt ihr euch so lange versteckt? Schließlich liegt die Gründung von LOST IN GREY nun auch einige Jahre zurück... Ein weiteres Mysterium in der dunklen Märchenwelt, die die Skandinavier an diesem Abend in Oberhausen heraufbeschworen haben.
[Leoni Dowidat]

Das abendliche Verkehrschaos rund um den Weihnachtsmarkt in Mannheim führte leider dazu, dass ich LOST IN GREY nur sehr auszugsweise sehen konnte. Die Finnen bezeichnen sich selbst als symphonischen Gothic Metal und sie orientieren sich musikalisch an die alte Schule in Richtung Therion und ähnlichem. Das Publikum ist sehr zurückhaltend, jedoch scheint der Auftritt zu überzeugen, sodass LOST IN GREY in der alten Seilerei mit Applaus die Bühne verlassen konnte.
[Hang Mai Le]

Das Wort des Abends scheint bei der Planung der Tour wohl Abwechslung gelautet haben, denn auch wenn HERETOIR sich nicht minder gefühlvoll zeigt, unterscheiden sich die Münchener doch gewaltig von ihren Vorgängern. Irgendwo zwischen melancholischen Läufen und einschneidenden Death-Growls positionieren sich Eketanz und Co auf einer Linie, die man gar nicht so richtig einordnen kann, und dies vielleicht auch gar nicht mag. Stattdessen möchte man einfach nur zuhören und in dem Meer aus Nackenbrechern und aufwühlenden Melodien versinken, mit dem HERETOIR das Helvete während der vierzig Minuten Spielzeit überflutet. Dass die Band auch hier im Ruhrgebiet reichlich Anerkennung erfährt, verdeutlicht die imposante Anzahl an Zuschauern, die sich schon jetzt vor der Bühne tummeln. Es wird geheadbangt, was das Zeug hält - HERETOIR fesselt und lässt so schnell auch nicht mehr los. Spätestens jetzt schnellen die Temperaturen schlagartig nach oben und ich kann die Gänsehaut beim Auftritt von HERETOIR nicht mehr durch einen leichten Kälteschauder erklären...
[Leoni Dowidat]

HERETOIR ist für mich der heimliche Favorit des Abends und ein wichtiger Grund, weshalb die Tour mit drei Ausrufezeichen in meinem Kalender eingetragen wurde. Nicht nur, weil die Auftritte der Band relativ sporadisch stattfinden, sondern auch weil ihre Musik das Schlaraffenland für Ambient- und Postrock-Fans ist. Insbesondere das neue Studioalbum "The Circle" hat es mächtig in sich. Statt Haargewedel und wilden Moshpits scheint jeder im Konzertsaal von diesem unglaublich intensiven Musikerlebnis gebannt zu sein, denn hier treffen stimmungsvolle Gitarrenriffs, harte Beats und tiefe Growls aufeinander. Es bleibt mir auch nichts anderes übrig, als die Augen zu schließen und mich der Magie des Quartetts hinzugeben. Leider ist die Spielzeit viel zu kurz, denn bei 40 Minuten schaffen es nur eine Handvoll Lieder in die Setlist. Wie zu erwarten dominiert die aktuelle Scheibe mit Songs wie 'Golden Dust' und 'Inhale'. Allerdings gibt es auch kleine Ausflüge zurück zum Debüt beziehungsweise zur "Existenz"-EP, bevor die Show mit dem Titeltrack 'The Circle' endet.
[Hang Mai Le]

Bei NOTHGARD wird schon beim Aufbau des imposanten Bühnenbilds, welches die enge Bühne mehr als ausfüllt, klar: Hier wird geklotzt statt gekleckert! Und so warten die Jungs um Dom Crey von Anfang an mit einem fetten, opulenten Sound und gewohnter Rasanz an den Saiten auf. Der Schwerpunkt des Sets liegt dabei vor allem auf der aktuellen Scheibe "The Sinner's Sake" ebenso wie auf dessen Vorgänger "Age Of Pandora". Die Sympathien des Publikums hat NOTHGARD dabei ganz klar im Sack: So sind nicht nur überproportional viele NOTHGARD-Shirts in den ersten Reihen vertreten (sieht man mal von den obligatorischen AMON AMARTH-Fans ab), sondern spätestens, wenn zu 'In Blood Remained' der ganze Saal den Refrain skandiert, ist klar - hier befinden sich einige Wiederholungstäter unter den Gästen. Die werden von den heroischen, epischen Melodien und den halsbrecherischen Gitarrensoli mit einer Live-Show auf Spitzenniveau schier überrollt. Schon am zweiten Tourtag fährt NOTHGARD sämtliche Lorbeeren ein. Erschöpfung nach einem anstrengenden Live-Jahr? Die ist den Bayern nicht im Geringsten anzumerken.
[Leoni Dowidat]

Nach einer kurzen Umbaupause stürmen NOTHGARD als nächstes die Bühne. Das Quartett kommt aus Bayern ist schon lange keine unbekannte Hausnummer, da die meisten den Sänger und Lead-Gitarristen Dom durch EQUILIBRIUM kennen. Schnell ist klar, dass der Hauptteil der Besucher sich auf den Co-headliner freut, denn die Truppe verwandelt das Connex binnen weniger Sekunden in ein Meer aus fliegenden Haaren. Die zurückhaltende Art, die man noch bei HERETOIR zu sehen war, hat sich einfach in Luft aufgelöst. Wie bei den meisten Epic Metal Band kommt ein sehr großer Teil der Musik vom Band, jedoch beweisen die unzähligen Gitarrensoli, dass die Jungs auch im Allgemeinen viel für Ohren und Augen zu bieten haben. Sie laden durch ihre lockere und eingängige Art zum Mitsingen und Kopfschütteln ein, wobei vor allem die neuen Songs aus dem Album “The Sinner’s Sake” für viel Begeisterung sorgen. Insgesamt eine astreine Show!Nach einer kurzen Umbaupause stürmen auch in Mannheim  NOTHGARD als nächstes die Bühne. Das Quartett ist schon lange keine unbekannte Hausnummer, da die meisten den Sänger und Lead-Gitarristen Dom durch EQUILIBRIUM kennen. Schnell ist klar, dass der Hauptteil der Besucher sich auf den Co-headliner freut, denn die Truppe verwandelt das Connex binnen weniger Sekunden in ein Meer aus fliegenden Haaren. Die zurückhaltende Art, die man noch bei HERETOIR zu sehen war, hat sich einfach in Luft aufgelöst. Wie bei den meisten Epic Metal Band kommt ein sehr großer Teil der Musik vom Band, jedoch beweisen die unzähligen Gitarrensoli, dass die Jungs auch im Allgemeinen viel für Ohren und Augen zu bieten haben. Sie laden durch ihre lockere und eingängige Art zum Mitsingen und Kopfschütteln ein, wobei vor allem die neuen Songs aus dem Album “The Sinner’s Sake” für viel Begeisterung sorgen. Insgesamt eine astreine Show!  [Hang Mai Le]

Auf den Auftritt von KALMAH haben die meisten Zuschauer vermutlich am gespanntesten gewartet: Inzwischen passt kein Blatt mehr zwischen die ersten Reihen, das Helvete platzt aus allen Nähten. Ein Bild, welches sich gewiss auch Pether Winterschmied ins Gedächtnis gebrannt hat, absolvierte er vor dieser Kulisse doch seinen ersten Auftritt als Interimssänger der Finnen. Eine beachtliche Leistung, vor der ich respektvoll meinen Hut ziehe. Obwohl die Stunden, die Pether zur Vorbereitung hatte, an zwei Händen abzählbar sind, zeigt sich der Frontmann von Anfang an mit einer souveränen Bühnenpräsenz und einer beachtlichen Sicherheit in den Abläufen des Sets. Die ersten Songs sogar noch ohne jegliche Stütze singend, greift Pether im Laufe der Show schließlich auf ein Textheft zurück – der Dynamik von KALMAH in dieser Konstellation tut dies jedoch keinen Abbruch ab. Stattdessen nimmt der Aushilfssänger die Situation mit sympathischen Humor: "Ich hatte ja Karten für Erfurt. Und bevor die Tour ganz abgesagt wird, dachte ich, dann muss ich halt ran!" Von den Fans in Oberhausen gibt es dafür begeisterten Applaus. Songs wie 'The Swampsong Symphony' gibt Pether im Vergleich zu den Aufnahmen von KALMAH (tatsächlich sehe ich die Finnen in dieser Ausnahme-Besetzung zum ersten Mal live) einen gleichermaßen überzeugenden wie frischen Anstrich. Die Feuerprobe ist gelungen und Oberhausen brennt. Ich ziehe meinen Hut vor KALMAH und Pether.
[Leoni Dowidat]

Mir ist es bis heute ein Rätsel, wie die Finnen es über die Jahre geschafft haben eine so große und solide Fangemeinschaft aufzubauen, obwohl sie im Vergleich zu anderen Landsmännern kaum Shows spielen. Dementsprechend setzte mein Herz einige Sekunden aus, als die Bekanntgabe des Billings verkündet wurde, jedoch gab es bereits vor der Show die traurige Gewissheit, dass Pekka Kokko (Sänger und Gitarrist) nicht anwesend sein wird. Da eine Absage der Show keine Option war, sprangen drei nicht ganz unbekannte Gesichter kurzfristig ein. Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, ist der Ausfall von Antti Kokko (Leadgitarrist), denn diesbezüglich gab es keinerlei Informationen. Für eingefleischte Fans ist das natürlich eine herbe Schlappe, da die Band die Gebrüder Kokko sehr stark in den Vordergrund rückt, nicht zuletzt weil beide so wunderbar miteinander harmonieren. Als Entschädigung versucht die Truppe mit einer Setlist zu glänzen, die sich verstärkt auf die alten Alben wie "The Black Waltz" oder "Swampsong" konzentriert. Dabei werden echte Evergreens auspackt, die auch den härtesten Fanboy ein wenig trösten. Nichtsdestotrotz ist es aus meiner Sicht schwierig mit nur einem Gitarristen aufzutreten, denn nicht nur optisch, sondern auch akustisch fehlt schlichtweg etwas. Der KALMAH-Stil ist leider sehr speziell und lebt von dem Sound mehrerer Gitarren. Im Verlauf des Konzertes wird tatsächlich noch eine weitere Person auf die Bühne gebeten und so langsam scheinen die meisten Besucher aufzutauen und diesem bunten Spektakel etwas abgewinnen zu können. Die Gastsänger haben sichtlich ihren Spaß und scheinen die Masse ordentlich auf Trapp zu halten. Auf der einen Seite rechne ich es der Band hoch an, dass sie trotz aller Widrigkeiten versuchen, das beste aus der Situation zu machen, doch auf der anderen Seite habe ich sieben Jahre auf den nächsten Gig in Zentraleuropa gewartet, um mich dann mit einer abgespeckten Variante abspeisen lassen zu müssen. Das Konzert ist zwar insgesamt ein voller Erfolg, doch so richtig mitgerissen bin ich nicht. Der Preis für die beste Band des Abends geht meiner Meinung nach an HERETOIR.
[Hang Mai Le]

Redakteur:
Leoni Dowidat

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