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Die Apokalypischen Reiter - Münster

28.05.2003 | 14:25

10.05.2003, Live-Arena

Im Gegensatz zu den No Mercy-Festivals, auf denen sie als Vorband von TESTAMENT, PRO PAIN & Co durch ganz Europa tourten, konnte man DIE APOKALYPTISCHEN REITER heute als Headliner in der Live-Arena zu Münster (nahe Darmstadt) erleben. Als Vorband fungierten die regional ansässigen PRONTHER.

Vorneweg: PRONTHER sind PRONTHER, etwas eigenes, das ich nicht gerne kategorisieren möchte. Ihre Musik besteht aus Anteilen von RAMMSTEIN, KNORKATOR und irgend etwas Unbeschreiblichem, gemixt zu etwas völlig Eigenständigem. Eine rauhe Stimme, harmonische Keyboard-Melodien, EBM-Beats, sägende Gitarrenriffs und Texte, die einfach nur PRONTHER sind: "Ich hab Scheiße geredet, mein Mund riecht danach, ich glaub an mich auch wenn ich Feinrippunterhosen trag" - ist ja alles recht nett, nur, dass Sänger Buffa wirklich in Feinrippunterhosen singt. Bei '1418 Kartöffelkrieg' fliegen Kartoffeln durch die Live-Arena. Der Auftritt ist mehr eine Show, die bei 'Hab Scheiße geredet' zum Selbstläufer wird, als sich ein Fan spontan auf die am Bühnenrand befindliche Kloschüssel setzt und bis auf die Unterwäsche strippt. Das anschließend gespielte 'Schutzengel' von der noch aktuelle Scheibe "3 K vorm H" hat hingegen schon fast Hitcharakter, ebenso der Titeltrack '3 Könige vorm Herrn': Die Mischung aus Buffos brachialen Vocals, der engelsgleichen Refrainstimme und einer unwiderstehlichen Keyboardmelodie passt einfach. Dagegen wird’s mit 'Anal-Asthma' ("Das Leben ist kurz, so furz") wieder für die einen flach und für die meisten Anwesenden erheiternd. Beim abschließenden 'Grind-gesicht' wird sogar der Knüppel aus dem Sack gelassen.
Leider fehlte nur die Gänsehaut-Hymne 'Viel zu jung', bei der die Band zeigt, dass sie mehr als nur Klamauk drauf hat. Allerdings wäre der Song eher unpassend für eine Solche Live-Show gewesen. Alles in Allem eine geeignete Vorband für die Reiter. Für alle Interessierten: Infos unter http://www.pronther.de

Mit einem majestätischen 'Seid Willkommen' eröffneten DIE APOKALYPTISCHEN REITER um ca. 23 Uhr ihren Set. Die Vermutung, unsere "Horsemen of the Apokalypse" würden es heute langsam angehen lassen wurde jedoch sofort widerlegt, als sie ihren obligatorischen neuen Intro-Song nach einer Minute in ihren neuen Gassenhauer 'Vier Reiter stehen bereit' übergehen ließen. Danach gab's erst mal alten Stoff für die Fans, 'The Smell Of Death' und 'Instinct' wurden abgefeiert wie eh und je. Die typische Reiter-Taktik lautete wie immer Kontrastprogramm zwischen Death Metal- und melancholischen Keyboard- Passagen, Growl-, Kreisch- und cleanem Gesang. Auch neue Stücke, die ein bisschen aus diesem Rahmen fallen, da die todesmetallischen Attacken (leider) wie bei den folgenden 'Ride On' und 'We Will Never Die' etwas zurückgefahren wurden, kamen perfekt an beim fanatischen Reiter-Publikum. "Ride On - Be Strong" hätte auch als Motto des Abends durchgehen können: Der stets barfüßige Frontmann Fuchs verletzte sich bei seinem hyperaktiven Stageacting an einem zerbrochenen Weizenglas, biss aber tapfer auf die Zähne und sang sogar während des Scherbenziehens im Hintergrund der Bühne weiter. Weiter ging's mit neuen Stiefeln und alten Klassikern von wohl DEM D.A.R.-Album schlechthin, "All You Need Is Love". "Jetzt versohlen wir euch den Hintern!" lautete die Devise für 'Licked By The Tongues Of Pride' und 'Gone'.
A propos Stageacting, auch hier war diesmal Kontrast Trumpf - Dr. Pest stand die gesamte Spielzeit wie eine Statue hinter seinem Keyboard, während der Rest der Band sich sichtlich den Arsch oder sonstwas abspielte. Aber dieses Bild war uns nicht neu, genauso wie das Faible der Reiter für die Kings Of Metal, denen man mit der Parodie 'Metal Will Never Die' textlich wie auch musikalisch Tribut zollte. Weiter ging's mit der Bandhymne 'Reitermania' vom "All You Need Is Love"-Album, das auf keiner Reitersetlist fehlen darf.
Aufgrund der Headliner-Position des Abends kamen die mittlerweile ca. 300 Konzertgäste in den Genuss der vollen Portion Reitermania, sprich 85 Minuten - genug Zeit, um den sehnsüchtig geforderten Schlager-Cover-Song 'Dschinghis Khan' runterzuthrashen.
Aber vorerst gönnte sich die Band eine kleine Trinkpause.
Bei 'Dschinghis Khan' enterten mehrere Banger die Bühne, die dann bis zum Ende geduldet wurden. Ein Lob an die (nicht vorhandene) Bühnensecurity - so macht Metal Spaß!
Als weitere Zugaben gab's das fast in Schlager-Tiefen abdriftende 'Terra Nola' vom neuen Album sowie den Publikumswunsch 'Regret'. 'Sehnsucht' beendete letztendlich den furiosen Auftritt der Reiter, der bewies, dass die ein Großteil des Sets ausmachenden Songs des neuen Albums trotz der oben beschriebenen Änderungen den alten Fans trotzdem zu gefallen wissen. Weiterhin lässt sich vermuten, dass Fuchs wohl das deutsche Wort für Stageacting sein muss. Aber was erzähl ich - man muss ihn einfach mal gesehen haben.
In diesem Sinne: Ride On, Be Strong!

Stormrider

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