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Donnas, The - Köln

26.11.2007 | 15:15

24.11.2007, Underground

Während sich die Lack-und-Leder-Fans aus unerfindlichen Gründen in der "Live Music Hall" WELLE:ERDBALLs C64-Minimal-Electro-Sound aussetzen, ist im nur einen Steinwurf entfernten "Underground" Hardrock angesagt. Die DONNAS sind mal wieder im Land und sollen im Gegensatz zu der Ausrichtung ihres aktuellen Albums "Bitchin'", das mit Achtziger-Glanz-Politur bearbeitet wurde, die absolut puristische Schiene fahren. Heute wird einfach eingestöpselt, aufs Blech getreten und geschwitzt. Nicht mal ein Backdrop haben sie an die Bühnenrückwand getackert.

Als ich nach einer gepflegten Irrfahrt von Bonn nach Köln im Club ankomme (die Definition von "zwei Kilometern" ist bei den Kölner Einwohnern in einer eher experimentellen Variante verankert), hat der Support THE TWO TEARS bereits gespielt, und es dauert nicht lange, bis die Kalifornierinnen mit 'Bitchin'' loslegen. Besagte Nummer haben die Vier einzig und allein deshalb geschrieben, damit sie das Intro in einer Live-Situation wie dieser cool selbst bringen können. Das alles funktioniert, baut Spannung auf und geht genau wie auf Platte in den Hit 'Don't Wait Up For Me' über, der 'ne sichere Bank ist, um sofort Stimmung unterm Dach zu haben. Und sowohl neue Tracks ('Wasted', 'Like An Animal', 'What Do I Have To Do?' und 'Girl Talk') als auch "Spend The Night"-Teile wie 'Who Invited You', 'All Messed Up', 'You Wanna Get Me High' und '5 O'Clock In The Morning' können damit im Anschluss problemlos mithalten.

Das Posing- und Action-Level wird den Songs im Verlauf der Show ebenfalls mehr als gerecht. Bassistin Maya Ford zupft lässig die dicken Saiten und bewegt sich zu allem außer zum Takt des jeweiligen Stücks (wie kann man sich bei dem Gehotte nicht verspielen?), schräg hinter ihr drischt Schlagzeugerin Torry Castellano wieder mal wie Animal aus der "Muppet Show" ihr Kit zu Klump, und Frontkämpferin Brett Anderson schüttelt sexy die Matte und spornt die Besucher unermüdlich an. Als knapper Sieger der bandinternen Abgeh-Meisterschaft kristallisiert sich aber Gitarristin Allison Robertson heraus, die das komplette Rockstar-Programm abspult, dabei nie in Peinlichkeits-Gezappel verfällt und zudem noch schöne Soli hervorkramt, die Szenenapplaus erhalten. Keine Frage: Hier haben vier Musikerinnen gerade richtig Spaß. Und im Vergleich zu ihrem letzten Deutschlandbesuch vor zwei Jahren wirkt die Combo deutlich motivierter. Umso unverständlicher, dass nach nicht mal 'ner mickrigen Stunde und dem Kicker 'Take It Off' die Konservenmucke angeschmissen wird. Sind eben doch nur Amis, die DONNAS.

Im Publikum, das gewohnt bunt gemischt ist und sich aus Studenten, Rockern, die keine Studenten sind, und alten Männern, die es geil finden, dass Frauen, die weit unter vierzig sind, feinen Hardrock zocken, zusammensetzt, ruft die engagierte Performance zum Teil bizarre Reaktionen hervor. Zwei Mädels in Sichtweite dichten sich während des Gigs erbarmungslos mit Bierchen ab, umarmen sich ununterbrochen affektiert, lallen sich gegenseitig die Lauscher voll, gucken nicht zur Bühne, und eine der beiden schreibt nebenbei auch noch andauernd 'ne neue SMS. Ihre männliche Begleitung ist ungefähr so sehr Rock wie ein geplatzter Autoreifen, hat schätzungsweise keine Ahnung, wie die Band heißt, die gerade musiziert, und glotzt in die Gegend (zwischendurch darf er auch mal Stoff ranholen). Es wäre definitiv günstiger gekommen, wenn er die Doppelplage einfach zu Hause abgefüllt hätte. Zu Hause wäre auch das Frettchen besser aufgehoben, das von Mutti ausnahmsweise alleine rausgelassen wurde und sich nicht entblödet, die schweineoriginellen "Ausziehen!"-Rufe anzustimmen, während ein Typ, der nicht ein Mal in den knapp sechzig Minuten mit dem Fuß wippt (geschweige denn eine Miene verzieht) sein Haus geistig noch gar nicht verlassen zu haben scheint. Vielleicht ist er aber auch verstorben und hat nur vergessen, umzufallen. In diesem Sinne: Rock 'n' Roll!

Redakteur:
Oliver Schneider

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