Dream Theater - Düsseldorf

05.11.2002 | 03:21

02.11.2002, Philpshalle

Das Traumtheater rief und alle kamen. Wie schon üblich, war auch diesmal die Philipshalle zu Düsseldorf mit ca. 5.000 Besuchern prall gefüllt, wenn die Götter aus New York aufspielen. Zumal es im Vorfeld Gerüchte gab, die zwei komplette Sets und eine Spielzeit von mehr als drei Stunden versprachen.
Ich für meinen Teil, war einfach nur gespannt, ob es DREAM THEATER schaffen würden, die intergalaktische, ebenfalls dreistündige Show vom Februar diesen Jahres in Oberhausen zu toppen.
Die erste Prüfung ging dabei schon mal reichlich in die Hose. Wie schon im Februar waren die Merchandisepreise eine unzumutbare Frechheit. So sehr ich diese Band auch liebe, kann es einfach nicht sein, dass man dem Fan für ein T-Shirt, ein hässliches noch dazu, 35(!) Euro abnimmt. Ebenso viel kostete eine blöde Baseballcap und die 55 Euro für eine Bermudashort brachten auch einige Lacher. Den Vogel schossen allerdings die Silberlinge ab. Waren die 24 Euro für das aktuelle Live-Album noch gerechtfertigt, so ist der selbe Preis für olle Schinken wie "Images And Words", die man bei jedem Saturn für 7 Euro bekommt, wirklich lächerlich. Nee, liebes Traumtheater. So nicht!

Auf der Bühne aber entschädigten die vier Götter und James LaBrie dann für jedes Kopfschütteln mit einer grandiosen Performance. Beginnend mit dem in einen glasklaren Sound umwandeten Megahit "Pull Me Under" boten alle Instrumentalisten eine Leistung, die wohl auf dem Erdball ihres gleichen sucht. Ja, ja, ich schließe hier James LaBrie ganz bewusst aus. Er ist zwar ein sehr, sehr guter Sänger, der an diesem Tage auch in den hohen Tonlagen sicher stand, aber er ist eben kein Genie der Marke Portnoy, Petrucci, Ruddess oder Myung. Anders ausgedrückt, DREAM THEATER könnte ich mir auch drei Stunden lang ohne Gesang ansehen. Langweilig wird das zumindest nie. Bei einem gebotenen Instrumental-Medley wie dem aus "Metropolis, Pt. I", "Dance Of Eternity", "The Ytse Jam" und ein wenig freier Jam-Session habe ich zumindest noch nie so viele offene Mäuler gesehen. Es war schlicht unfassbar, was die vier dort eine Viertelstunde lang boten. Egal, ob in höchster Geschwindigkeit, mit viel Gefühl oder ein paar auflockernde Einlagen aus den 20er Jahren einbauend. Da passte jedes Break und jedem war klar, was denn blindes Verständnis bedeutete. Auch ließ die Setlist erst mal kaum Wünsche übrig. "Strange Déjà Vu", "Beyond This Life", "6:00", "Take The Time", "The Spirit Carries On", "Peruvian Skies" oder "Misunderstood" wurden allesamt heftigst abgefeiert. Eher verhalten war da schon die Reaktion auf "Hollow Years", auch wenn hier natürlich einige Feuerzeuge brannten. Nach 95 Minuten fiel dann das erste Mal der Vorhang und die Band verabschiedete sich für eine Viertelstunde.
Mit der vom Band eingespielten "Overture" von "Six Degrees Of Inner Turbulence" begannen die Könige dann den zweiten Set. Die folgenden 42 Minuten waren dann eine Galavorstellung. Wer es schafft, einen Song über eine Dauer von mehr als 40 Minuten extrem abwechslungsreich, kreativ und doch als einen Song erkennbar zu gestalten, dem gebührt mehr als nur Respekt. Zudem kamen einzelne Passagen wie die von "War Inside My Head" und "The Test That Stumped Them All" noch deutlich heftiger rüber als sie ohnehin schon auf dem Silberling sind. Ein großartiges Mammutmeisterwerk!
Nachdem sich die Band kurz zurückzog, ging es weiter mit ollen Hits. Mit "New Millenium" folgte ein Song, auf den ich gut hätte verzichten können. Richtig groß wurde es, als auf der Leinwand hinten das Cover zu "Number Of The Beast" erschien. "Hollowed Be Thy Name" wurde schlicht genial intoniert. Und hier darf man auch LaBrie nicht ausnehmen, der Bruce Dickinson hier durchaus ebenbürtig war. Brillant war aber vor allem John Petrucci, der vergessen ließ, dass es im Original eigentlich zwei Gitarristen sind. Wahnsinn. Den Abschluss bildete dann "Learning To Live", dass einmal mehr für diverse runtergeklappte Kinnladen sorgte. Und dann war es wirklich vorbei. Und obwohl man ein geniales Konzert gesehen hat, vermisste der eine oder andere – also zumindest ich – grandiose Gassenhauer wie "Home", "The Killing Hand", "The Glass Prison" etc.pp. Darum fällt das Fazit auch einfach aus. DREAM THEATER haben schon im Februar bewiesen, dass sie die einzig wahren Prog Metal Götter sind und bleiben das mit dieser fulminanten Show auch weiterhin. Selbst wenn ich persönlich den Gig in Oberhausen aufgrund der besseren Setlist und der genialen Vorband noch einen Tick besser fand.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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