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Dreamdance - Ingolstadt

02.03.2002 | 13:46

23.02.2002, Ohrakel

Powermetal.de Redakteur Rouven hat "gerouven" (was für ein Wortspiel *g*), und wir kamen. Wir, das sind Redakteurin Kathy und meine Wenigkeit. Also fuhren wir beide in Richtung Deutschlands größter Raffineriestadt, um uns Rouvens Band DREAMDANCE anzusehen.
Das Ohrakel, direkt neben dem Hauptbahnhof gelegen, ist ein kleiner, aber durchaus feiner Club, der von einem Verein geführt wird. Dieser Verein hat sich grundsätzlich dem Metal verschworen und was gibt es für Bands besseres, als von Fans betreut zu werden?
Die drei Bands kamen allesamt aus Ingolstadt und lümmeln schon eine ganze Weile im Underground herum, aber dennoch, alle waren sie nervös ohne Ende.

Als erstes war die Band SNAPDRAGON an der Reihe; vier Mann, von denen bis auf den Schlagzeuger eigentlich alle zur Kategorie Alt-Rocker zählen. Angefangen hat es ja schon so: der Soundmann war beim Essen, als SNAPDRAGON um Punkt 20.00 Uhr anfangen wollten zu spielen. Nun denn, der Typ konnte sich von seiner Pizza losreißen und drückte aufs bewusste Knöpfchen. Nun begann die Show von SNAPDRAGON ? wenn ich das mal so formulieren darf. Die Band setzt auf bluesige, rockige Rythmen, die mal schnell, mal langsamer zelebriert wurden.
Blickfang auf der Bühne waren die beiden Gitarristen, von denen einer das Mikro übernahm. Der Leadgitarrist (Mr. Unglaublich) zeigte ab und an bei diversen Soli sein Können. Der Drummer schaffte es zum Schluss sogar, das Fell der Bassdrum zu zerlegen, was eine lautgeforderte Zugabe verhinderte.
Der Bassist schien mit dem Bühnenboden verwachsen zu sein. Man erlaube mir hier den Vergleich zu JUDAS PRIESTs Ian Hill, der im Gegensatz dazu wie ein Derwisch auf der Bühne agiert. Seine heftigsten Bewegungen waren jene, wenn er auf seine Saiten blickte.
Jedenfalls hatten die vier Schnapp-Drachen trotz diverser, gröberer technischer Pannen eine Menge Spaß auf der Bühne und das vermittelten sie auch den gut 120 Anwesenden.

Band Numero zwo waren ROSEWELL DOOMSDAY SENTINEL. Nun muss ich leider gestehen, dass mir die Musikrichtung des Quartetts nicht sonderlich zugesagt hat. RDS zelebrierten Industrial Metal mit einem sehr eigenwilligen Sound. Der Sänger war auch eine Sache für sich; eher lustlos präsentierte er seine Ansagen und er spulte sein Show-Programm nach Schema F ab. Jedenfalls lichteten sich die Reihen der Zuschauer und man verzog sich lieber in den Vorraum zu Bier, Kaffee und Cola. Die Band gab auch keine Zugabe (nun gut, es wurde ja auch keine gefordert *g*) und beendete sogar ihren Set frühzeitig ? Zitat: "Wir lassen einfach die letzte Strophe weg!"
Auch eine Möglichkeit, berühmt zu werden ;-).

Um kurz vor 23.00 Uhr erklommen dann die Mannen von DREAMDANCE die Bretter, die die Welt bedeuten. Die Halle füllte sich wieder zusehends. Es begann mit einem Gitarren-Intro von Johann Sebastian Bach; dann krachte auch schon der erste Song "End Of An Age" los. Die Stimmung wurde sofort besser. Ein übriges tat Black Metal-Grunzer Jochen (RAA-HOOR-KUIT) dazu, der mit infernalischen Schreien die Songs unterstützte ? da könnte sich so mancher BM-Shouter ne Scheibe davon abschneiden! Es begaben sich auch etliche Leute in die *hüstel* erste Reihe, um so richtig kräftig abzubangen. Ist auch nicht weiter verwunderlich, denn der Sound von DREAMDANCE lädt förmlich dazu ein. Ein wenig alte HELLOWEEN, ein guter Schuss QUEENSRYCHE, das Ganze noch etwas abgestimmt mit JUDAS PRIEST aus "Defenders Of The Faith"-Zeiten, das macht einfach Laune. Sänger Tobi, so hab ich mir sagen lassen, hat sich gewaltig verbessert, wobei ich persönlich finde, dass er sich gar nicht viel verbessern braucht. Ich denke, viele andere Powermetal-Shouter wären froh, die Töne so exakt zu treffen wie Tobias Kuschill. Vor allem das HELLOWEEN-Cover "Future World" intonierte er auf eindrucksvolle Art und Weise. Drummer Roland bot eine eben so grundsolide Leistung wie auch der Axeman Alex - wobei ich hier betonen möchte, ein weiterer Gitarrist, der rein in der Rhythmussektion tätig ist, würde der Band noch mehr Power verleihen. Bleibt zum Schluss noch unser allseits beliebter Redakteur und Basser Rouven Dorn über. Rouven hatte hier seine Feuertaufe zu bestehen; sein erster Gig mit DREAMDANCE. Nüchtern betrachtet fiel es überhaupt nicht auf, dass er das erste mal auf der Bühne stand. Sein Bassspiel wurde den Ansprüchen absolut gerecht; sein Stageacting reichte von diversen Ansagen bis hin zum Propellerbanging. Er scheute sich auch nicht, zum Schluss des Gigs ins Publikum zu gehen und dort zusammen mit den Zuschauern zu bangen. Nun gut, auf der Bühne war wenig Platz, weil sich dort ein Moshpit gebildet hatte.
Alles in Allem boten die vier einen hervorragenden Gig, der allen Beteiligten enormen Spaß bot!

Setlist:
Intro
End Of An Age
Vampiress´ Kiss
Wings Of A Dream
An Old Saying
Future World
Demoniac Love
Hound Of Ill Omen
Burn Out
Hail To The King
-------------------------------
Tell It To The Wind
Wings Of A Dream (improvisierte Zugabe)

Fazit des Abends:
Das Ohrakel hat (zumindest) mich nicht das letzte Mal gesehen. Die Halle ist zwar klein, aber urgemütlich und wird sämtlichen Ansprüchen gerecht (demnächst werden dort OVERKILL und BLAZE spielen).
SNAPDRAGON und DREAMDANCE versprühten absolut gute Laune und bewiesen auch bei diversen Pannen, dass sie mit Spaß und Freude bei der Sache sind. Kurzum, ein gelungener Abend mit einer gehörigen Portion guter Mucke ? was will man mehr?
Ein besondere Dank gilt Redakteurin Kathy, die sich nicht nur um die Fotos kümmerte, sondern auch um meinen geschunden Nacken.

Redakteur:
Alex Kragl

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