Euroblast Festival 2015 - Köln

28.10.2015 | 20:03

01.10.2015, Essigfabrik

Es ist nicht nur irgendein weiteres Festival. Das Euroblast-Festival hat sich mittlerweile zur festen Instanz im Progressive-Sektor entwickelt und hat uns einmal mehr ein überwältigendes Wochenende geboten.

DEFRAKT scheint recht spät zum Euroblast-Lineup gestoßen zu sein, da der Trupp auf der (wie ich finde toll gestalteten) Festival-Website nicht in der Übersicht aufgeführt wurde. Mit einer halben Stunde Verzögerung eröffnet DEFRAKT Festival-Tag Nr. 2 auf der Mainstage verspätet – ebenso verspäten sich unverschämterweise die Kollegen Päbst (angeblich kam das Essen beim Asiaten zu spät...), weswegen ich kurzfristig in der spärlich besetzten Essigfabrik-Halle als Schreiberling einspringen darf. Die Verspätungsserie passt zu den aus meiner Sicht unglücklichen Rahmenbedingungen dieses Gigs - DEFRAKT darf leider nur mehr ein verkürztes, 20minütiges Set spielen. Den kantigen, progressiven Deathcore der Hanseaten hätte man sich auch zu späterer Stunde gut vorstellen können – mir taugt der moshbare, djentige Sound des Hamburger Fünfers jedenfalls. Höchst bedauerlich, dass sich nur eine Handvoll Neugieriger vor der Bühne eingefunden hat. Wer MESHUGGAH mag (und dazu zähle ich den größten Teil des Euroblast-Publikums jetzt einfach mal), hätte seine Freude an DEFRAKT gehabt. Hoffentlich lassen sich die Jungs vom geringen Interesse an ihrem ungünstig gelegenen Auftritt nicht entmutigen. Dieses Tech-Core-Metal-Brett sollte auf alle ohne Schwierigkeiten noch deutlich mehr Anhänger finden. [Sympathiepunkte sammelt die Band übrigens am letzten Tag vor einem der Technik-Merch-Zelte, wo sie zu zwei Songs ihres Sets quasi unplugged performed – sehr amtlich, vor allem die unverstärkte Performance von Schreihals Jesper!]

[Timon Krause]

Djent aus Japan, das verspricht CYCLAMEN und das liefert die sympathische Truppe dann auch ab. Nur leider in einem sehr kurzen Auftritt, der dank Verzögerungen bei der ersten Band des Tages sogar noch etwas kürzer gerät. In knapp 25 Minuten bringt die Band aber all die Spielfreude und Energie auf die Bretter, die für einen volles Set gereicht hätte. Das Grinsen der Musiker muss wohl operativ entfernt werden und diese positive Stimmung überträgt sich flugs auf das Publikum, das die Band entsprechend abfeiert. Die Musik lässt sich irgendwo zwischen Djent, modernem Melodeath und Metalcore einsortieren, ist vertrackt und hektisch mit dem genreüblichen Wechsel aus Gebrüll und melodischem Gesang. Letzterer geht, wie sehr oft an diesem Wochenende im Sound unter, was dann auch durch Begeisterung und gute Laune nicht mehr ganz Wett gemacht werden kann. Das ist schade, denn die Band hätte mehr Zeit und einen besseren Sound verdient gehabt. Dennoch, eine erste Duftmarke hat CYCLAMEN gesetzt und sicher einige neue Fans gewonnen.

[Raphael Päbst]

TRAILER PARK SEX ist zur Abwechslung mal eine Band aus unseren Breitengeraden, genauer aus Hamburg. Die Jungs und das Mädel am Schlagzeug spielen einen quirligen Mix aus Nu Metal und Metalcore und machen bereits als erste Band des Tages auf Stage zwei, gute Stimmung! Die Band wirkt allerdings noch etwas steif auf der Bühne, aber wer ist nicht aufgeregt, wenn man auf dem Euroblast spielt? Am Klargesang darf zwar gerne noch gearbeitet werden, aber der Mix von TRAILER PARK SEX ist schon originell: Ich muss immer wieder mal eine SYSTEM OF A DOWN-Variante mit Stakkato-Rhythmen denken.

[Jakob Ehmke]

Ich hatte hohe Erwartungen vor dem ALAYA-Gig, war das Album "Thrones" doch mein Treppchen-Sieger aus 2014. Ich bin erstmal baff, dass das Trio auf ein Duo geschrumpft ist. Wie ich anschließend erfahren habe, wurde der Basser gefeuert. Doch heutzutage kann man sich ja technisch aushelfen und den Bass vom Band laufen lassen. Dieser war so zwar gut hörbar, aber optisch fehlt eine Person, auch die Energie ist eine ganz andere. Das war schon irgendwie ein komisches Gefühl. Aber einmal dran gewöhnt, steht einer fantastischen, leider viel zu kurzen Show nichts im Wege. Der Gesang Evan Dunns ist wie auf Platte ein Ohrenschmaus und berührt mich in Kombination mit akrobatischster Rhythmik auch live. Was der Gute da singt UND gleichzeitig spielt, ist echt bemerkenswert. Ich freue mir auf jeden Fall tierisch einen ab, dass ich die Band endlich mal live gesehen - und gefühlt habe. Das Euroblast erfüllt halt Träume.

[Jakob Ehmke]

Während draußen – wie übrigens an allen drei Festivaltagen – strahlender Sonnenschein herrscht, geht's um halb vier wieder in den düsteren Keller im Hinterhof, wo diesmal die Italiener JUGGERNAUT eine verschickte instrumentale Prog-Post-Core-Darbietung abliefern. Als erstes fallen mir die etwas arg omnipräsenten Halleffekte auf, sowie die Tatsache, dass dieses Quartett wohl zur ruhigeren Sorte der diesmal in der Essigfabrik vertretenen Kapellen zählen dürfte. Das ist cool, das ist – trotz gelegentlich herrlich verschoben-vertrackter Arrangements – in großen Teilen sehr entspannend, kickt aber entsprechend auch nicht ganz so Arsch wie es die bisherigen Bands des Tages getan haben. Fans instrumental-experimenteller Prog-Klänge dürften ihre Freude mit JUGGERNAUT haben. Da die Band leider zu spät anfängt und oben mit dem Gig von KLONE ein von mir mit Hochspannung erwarteter Auftritt ansteht, verlasse ich den diesmal recht besinnlich rockenden Keller und begebe mich im Eilschritt zur Mainstage und zu...

[Timon Krause]

KLONE! Yeah! Ich, der Anti-Progger, habe mit den Herrschaften aus Poitiers rechtzeitig vor dem Festival eine Truppe entdeckt, die nicht einfach verkopft, anspruchsvoll, mathematisch durchgetaktet klingen will, sondern viel, ganz viel Gefühl in ihre dezent post-rockige, verjazzte, bisweilen fast poppige musikalische Traumwelt bringt. Mon dieu, welch großartige Stimme! Et quelle atmosphère! KLONE liefert eine astreine musikalische Performance ab, die hier in der Essigfabrik übrigens eine ganze Spur härter klingt als auf den in Nuancen psychedelisch angehauchten Album-Produktionen, und wird völlig zurecht von den Zuschauern abgefeiert. Bei KLONE scheint für jeden etwas dabei zu sein, aber besonders Prog- und Post-Rock-Fans dürften an diesem wunderbaren Auftritt ihre helle Freude haben. Klar, das Tempo ist eher getragen-gleichförmig, doch in diesen atmosphärischen Fluss baut der französische Sechser immer wieder feierliche Slow-Motion-Moshpassagen ein, sorgt also auch für fliegendes Haupthaar und fleißige körperliche Betätigung der Audienz. Schade, wirklich schade, dass für diese Band hier nicht mehr Zeit ist. Ich eile umgehend zum Merch-Stand, um mir den neuesten Bandoutput "Here Comes The Sun" zuzulegen.

[Timon Krause]

Wow! Ich liebe es, wenn mich Bands überraschen - so wie AEOLIST hier im dunklen Kämmerlein. Man nimmt erst einmal eine extrem junge Band wahr, hört ein wenig Geballer und denkt sich: "Joa... guter Euroblast-Standard eben!". Weit gefehlt. Je länger der erste Song geht, desto tiefer taucht man in den Bandsound ein, der wirklich außerordentlich abwechslungsreich ist. Die Band scheint jede Disziplin, die auf diesem wunderbaren Festival eine Rolle spielt, problemlos zu beherrschen – von cleanem Gesang mal abgesehen. Mit der Zeit dünkt mir, dass dieser erste Song ein ganz schön langer zu sein scheint. Wie auch immer, es geht tiefer hinab in diesen große Ganze aus Prog, Post-Rock, Djent, Post-Metal und vielleicht einem Hauch Deathcore. Dabei wird jeder Part so richtig fein ausgekostet; für eine junge Band wirkt das schon extrem reif. Zwar sind die Übergänge nicht immer hundertprozentig rund, aber dennoch schafft AEOLIST es, eine beeindruckende Gesamtatmosphäre zu erzeugen. Nach 25 Minuten bin ich mir dann irgendwann verdammt sicher, dass es heute nur genau einen Song auf die Ohren gibt – aber eben dieser (im Übrigen die gesamte Debüt-EP, wie ich im Nachhinein herausgefand) hat es extrem in sich. Am Ende kann man nur ein einziges Mal klatschen, das dafür jedoch umso kräftiger. Ganz toller Auftritt – und meine persönliche Entdeckung des diesjährigen Euroblasts!

[Oliver Paßgang]

Der Freitag steht für mich offensichtlich unter keinem allzu guten Stern. Erst die Verzögerungen und Soundprobleme bei CYCLAMEN und nun DESTINY POTATO, eine der Bands, auf die ich mich am meisten gefreut habe. Meine Kollegen schwärmen mir schon lange vom tollen Auftritt der Band im Vorjahr vor und das Studiomaterial der Schicksalskartoffel läuft mir wirklich gut rein. Doch auch hier hat wieder der Mikroteufel zugeschlagen und die Sängerin kämpft den gesamten Auftritt gegen einen zu leisen und teilweise verzerrten Sound an, ein Kampf, den sie gegen die Instrumentalfraktion und ihren brüllenden Duettpartner fast durchgängig verliert. Doch auch davon abgesehen will der Funke heute irgendwie nicht überspringen, die Performance wirkt professionell aber wenig begeisternd, mehr Dienst nach Vorschrift als echte Ekstase. So bleibt mir auch nach dem Konzert nur die Versicherung meiner Kollegen, dass letztes Jahr alles viel besser war und die Hoffnung, dass es beim fünften Auftritt von DESTINY POTATO auf einem Euroblast in den kommenden Jahren wieder ganz anders wird.

[Raphael Päbst]

Die Bühne in der Elektroküche ist ohnehin verflucht klein, aber wenn dort erst einmal die fünf Briten von THE SUN EXPLODES völlig ausrasten, muss man um Leib und Leben fürchten, insbesondere um jenes der Bandmitglieder. Der Muskel bepackte Rhythmusgitarrist geht größtenteils so derbe steil, dass er mit seinem Gitarrenhals mehr als einmal seine Mitstreiter um ein Haar enthauptet und dadurch seinen Landsleuten von DEARLY BEHEADED alle Ehre macht. Fast schon tragisch, dass er dabei sein Effektgerät himmelt und dadurch unfreiwillig für ein frühzeitiges Ende des Gigs sorgt. Dabei legt der Birmingham-Fünfer zunächst recht ruhig los und steigert sich im Laufe des Sets in ein brachiales Metalcore-Gemetzel hinein. So stellt man sich eine Schweiß treibende Clubshow vor. Schade nur, dass das Euroblast-Publikum einfach zu gesittet ist, denn einen ordentlichen Circle Pit hätten die Engländer sich schon verdient. Kaum zu glauben, dass dies ihr erster Auftritt außerhalb des Vereinigten Königreichs gewesen sein soll. Es wird sicher nicht ihr letzter gewesen sein.

[Alexander Fähnrich]

Ich weiß gar nicht weswegen mir dieser Auftritt von DEVIL SOLD HIS SOUL am Ende übertragen wurde – Kollege Ehmke wurde die Band von jemand anderem aufgedrängt, er will aber "nichts mit der Band anfangen" können. So lehnen wir beide hinter dem Mischpult am Absperrgitter und lassen uns von den britischen Post Hardcorelern berieseln. Als erstes notiere ich: "Vielleicht für BRING ME THE HORIZON-Fans." Ich selbst hasse BRING ME THE HORIZON. Nun ja. Der DEVIL SOLD HIS SOUL-Sänger jault/schreit, die Riffs bretzeln corig, aber wenig zwingend aus den Boxen, und im Grunde bleibt mir von der Band nur in Erinnerung, dass alle Musiker in weißen T-Shirts auf der Bühne stehen. Atmosphäre wird bei DEVIL SOLD HIS SOUL definitiv groß geschrieben, also wäre die Band auf dem Papier durchaus etwas für mich. Aber nach einem fesselnden Auftritt wie jenem von KLONE landet DEVIL SOLD HIS SOUL trotz des unbestritten coolen Bandnamens bei mir letztlich unter "ferner liefen". Die Zuhörer applaudieren brav, ich würde aber behaupten, dass hier und heute auch bei anderen Blastlern der Funke nicht übergesprungen ist.

[Timon Krause]

Das Wunderbare beim Euroblast ist ja unter anderem die Tatsache, dass man selbst als langjähriger Besucher dieses Festivals immer wieder neue Bands für sich entdecken kann. Zum Glück wurde ich zur Berichterstattung der Band ATMOSPHERES eingeteilt. Die vier Belgier finden einen gut gefüllten Keller vor, als sie die Second Stage entern. Sie legen sofort mit einem djenttypischen Riffgewitter los, verpassen ihrem Sound aber, neben der für das Post-Rock-Genre typischen "Wall of Sound", ruhige melodiöse Elemente, die das Klangbild sehr abwechslungsreich und spannend halten. Am ehesten kann man ihren Sound wohl mit einer auf Djent gebürsteten Variante der schwedischen Band EF vergleichen. Denn selbst einige gefühlvoll vorgetragene Gesangseinlagen finden den Weg in ihren Soundkosmos. Nach 40 Minuten findet diese energiegeladene Performance ein viel zu frühes Ende. Als ich im direkten Anschluss an die Show Ihr Debütalbum erwerbe, kann ich kaum glauben, dass diese Jungs noch keinen Plattenvertrag in der Tasche haben. ATMOSPHERES sind jetzt schon viel mehr als ein Rohdiamant. Nächstes Mal ein Kandidat für die Hauptbühne beim Euroblast!

[Christian Stricker]

THE INTERSPHERE ist vielleicht die Band, die vom Papier her am wenigsten ins Festivalbilling passt, denn ihr Post Rock mit Popappeal scheint auf den ersten Blick nur bedingt Euroblast-kompatibel. Doch als die Mannheimer mit ihrem vielleicht besten Stück 'Prodigy Composers' (Der Name ist Programm!) loslegen, scheinen alle Zweifel beseitigt. Auch wenn das weitere Programm dieses Niveau nicht ganz halten kann, wird dem geneigten Publikum gute Unterhaltung geboten. Neben Gitarrist/Sänger Christoph Hessler, nach dem Band in ihren Anfangstagen sogar THE HESSLERS benannt war, spielt sich vor allem Schlagwerker Moritz Müller in den Vordergrund. Nicht nur, weil sein Kit - ähnlich wie das von Mike Portnoy bei TRANSATLANTIC - am rechten Bühnenrand positioniert ist und damit optisch hervorsticht, sondern weil Müller ein richtiger Showdrummer ist, der sich auch gerne mal von seinem Hocker erhebt und die Menge anstachelt. Selbst unser Djentie-Boy lässt begeistert die Hüften schwingen [soso! JE], was einem Ritterschlag der Truppe aus dem Rhein-Neckar-Gebiet gleichkommt.

[Alexander Fähnrich]

Eine Band wie KADINJA droht auf dem Euroblast schon mal unterzugehen. Nicht weil sie schlecht oder nicht beachtenswert wäre, aber wenn man sich sowohl stilistisch als auch qualitativ voll im Festivalschnitt bewegt, dann bleibt da einfach nicht so wahnsinnig viel hängen. Die (imaginärer Trommelwirbel: richtig!) Franzosen bieten eine ordentliche Djent-Partie mit vielen ruhigen und atmosphärischen Parts, welche jedoch aufgrund des insgesamt relativ hart abgemischten Sounds im Keller nicht ganz so zur Geltung kommen wie die nicht untechnischen, jedoch eher unspannenden Groove-Momente. KADINJA agiert insgesamt durchaus eingängig, melodisch (mit teils richtig schicken Soli) und hat dabei die ein oder andere feine Hook am Start. Daher kann man der Band, die richtig gute Publikumsreaktionen erntet, einen mehr als ordentlichen Auftritt attestieren. Denn "Euroblast-Standard" bedeutet eben immer noch "richtig gut"!

[Oliver Paßgang]

Juchu! 365 Tage habe ich auf THE ALGORITHM gewartet. Ein paar Fans haben sogar noch die Will-Smith-Masken aus dem letzten Jahr dabei. Der Sound ist wieder genauso großartig und die beiden Musiker geben alles. Trotz eines recht komplizierten Taktes tanzen viele Menschen im Saal ausgelassen hin und her und ich bin da keine Ausnahme. Die Mischung aus erstklassigem Elektro, Computerspiele-Sound, Dubstep, Progressive Metal und Ambiente ist zugegebenermaßen am Anfang etwas schwer zugänglich. Aber wenn man erstmal ein paar Minuten vor der Bühne steht, kann man sich dem Gefühl nicht mehr entziehen, dass die Verbindung der Musikarten zu einer einzigen Komposition die Lieder noch besser macht, als es die einzelnen Genres für sich alleine in Anspruch nehmen könnten. Die Farb- und Lichtspiele auf der Bühne sind an den Takt der Musik angepasst und tauchen die Bühne immer wieder in grelles und schnell wechselndes Rot und Gelb. Zwischen den wohl bekannten Liedern gibt es für das Euroblast-Publikum dieses Jahr auch die Präsentation eines neuen Liedes. Es ist etwas epischer und musikalischer als die vorangegagenen Stücke und auch ein wenig ruhiger, mit einem wunderschönen, verträumten Gitarrensolo. Eine Gänsehaut schleicht sich ganz langsam meinen Rücken hoch und ich genieße die neuartigen Töne sehr. Langsam erhöht sich dann auch wieder das Tempo und am Ende ist der Song dann wieder ganz in gewohnten elektronischen Gefilden, mit leichten Ausflügen zu ein paar schnelleren Beats, die vermutlich irgendwo bei 300 bis 500 bpm liegen dürften. Erstaunlich ist aber immer wieder, dass die beiden so gut eingespielt sind, dass zumindest ich keine Fehler im Takt raushören kann. Früher habe ich immer gedacht, dass es gerade bei dem schnellen Spielen auf Präzision ankommt, aber mittlerweile habe ich gemerkt, dass Musiker, wie bei THE ALGORITHM, ganz anders harmonieren müssen. Aber hier stimmt einfach alles. Auch die netten, aber etwas schüchternen Ansagen, sind höflich und weder zu lang noch zu kurz. Die Franzosen sind und bleiben eine großartige Live-Erfahrung, die man ruhig mal gemacht haben sollte. Sofern sich eine Gelegenheit ergibt, sollte man diese Erfahrung auch immer wiederholen. Das ist Kunst und kein Knöpfchengedrücke!

[Yvonne Päbst]

England ist ja schon fast sowas wie das Heimatland für erstklassigen Djent. NO CONSEQUENCE bildet da keine Ausnahme. Die vier Herren geben einen schnörkelloses Soundgewitter von sich, das sich leicht im Fahrwasser von MONUMENTS befindet. Die sehr emotional vorgetragenen Screamo Vocals von Dan Reid überstrahlen das fette Soundfundament. In manchem, etwas ruhigeren Momenten, beschleicht einen schon fast das Gefühl, die Melodic-Hardcorler von DEFEATER vor sich zu haben. Insgesamt ein sehr erfrischender Genre-Cocktail, der vom Publikum in einem dauerhaften Moshpit zelebriert wird.

[Christian Stricker]

Ok, ich gestehe jetzt etwas: Ich war mit der Wahl von MONUMENTS als Headliner nicht zufrieden. Klar, die Band liefert immer ab, doch zuletzt war mir das zu routiniert und gefühlslos. Lieber hätte ich bspw. TESSERACT als Headliner gehabt, was mit dem neuen Album ja auch gut gepasst hätte. Meine Erwartungen waren also wie die Vorfreude eher gering. Denkste!!! Was für ein fetter Auftritt war das bitte?!?! Die Stimmung vor der Bühne ist auf einem Festival-Hoch, wenn nicht sogar auf dem Hoch überhaupt, die Band hat so viel Bock, das der Funke schon beim Betreten der Bühne am Explodieren ist. Und dann dieser Sound! Meine Fresse, was für eine Offenbarung! Wie 20 Gitarren auf einmal. Der Punch ist enorm und man muss Angst haben, dass die Essigfabrik aus allen Nähten platzt. Vielleicht mag das auch am Neuzugang hinterm Schlagzeug liegen. Anup Sastry (Ex SKYHARBOR, Ex INTERVALS) verkloppt zumindest die Felle, als ob es kein Morgen gäbe. Chris Baretto liefert sich wie gewohnt Gesangsduelle mit dem Publikum, nimmt ausführliche Bäder in der Menge und ist auch sonst nicht nur gut am Singen, sondern auch gut am Reden halten. Die Setlist ist zwischen "Gnosis" und "Amanuensis" gut ausgewogen und auch, wenn die alten Songs immer noch die Nase vorn haben, klangen die aktuellen Tracks noch nie so majestätisch wie heute. Barettos Ankündigung eines neuen Albums erfreut mich trotzdem. Ich nehme hiermit meine Zweifel an der Headliner-Qualität von MONUMENTS offiziell zurück, denn das hier war monumental!

[Jakob Ehmke]

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Redakteur:
Jakob Ehmke

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