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Farmer Boys (Listening Session) - Donzdorf

13.11.2003 | 05:01

25.10.2003, Bürgerstüble

Endlich! Nach fast vier langen Jahren gibt es wieder ein Lebenszeichen der schwäbischen FARMER BOYS, die zuletzt mit dem anno 2000 erschienenen "The World Is Ours" mächtig für Furore in den Chart-Landschaften sorgten, die Single 'Here Comes The Pain' rotierte sogar recht lange auf einschlägigen MTViva-Kanälen. Dann wurde es recht still um den sympathischen Fünfer, nach einigen Festival-Auftritten war gar nichts mehr aus dem ländlichen Lager zu vernehmen.
Wenn eine längere Auszeit jedoch in absoluten Highlights wie dem neuen Werk "The Other Side" resultieren, ja dann dürfen sich die Herren Farmer in Zukunft auch gerne ein halbes Jahrzehnt Zeit lassen.

Doch ganz von vorne: die FARMER BOYS hatten zusammen mit ihrer neuen Plattenfirma Nuclear Blast zur Listening Session geladen, und knapp 20 Journalisten aus dem deutschen Raum waren diesem Ruf gefolgt. Bei den NB-Headquarters stand bereits ein Traktor samt mit Heu ausgelegtem Anhänger für den Weitertransport bereit - das rustikale, bäuerliche und rundum gemütliche Ambiente sollte während der gesamten Veranstaltung beibehalten werden.
Die zunächst etwas nach Klassenfahrt klingende Vorwarnung "warme Jacken mitbringen" erwies sich als eindeutig befolgenswert, der schneidende Wind und die eisigen Temperaturen konnten auch nicht durch den Konsum von echt schwäbischem "Moscht" nicht ignoriert werden.
Über holperige Feldwege ging's dann zu einem entlegenden Bauernhof, bei dem eine kurze Foto-Session und eine Schnapsprobe nebst einigen kleinen Leckereien anstand, bevor es, wie üblich, weiter ins "Bürgerstüble" ging.
Dort stand dann ein elektronischer Bulle, der im Verlauf des Abends noch ausgiebig bei Bullriding-Contests genutzt werden sollte - an dieser Stelle schon einmal ein dickes Lob an die Veranstalter und Organisatoren für den gelungenen ländlichen Themenabend.

Mit etwas Verspätung stellten die Jungs dann ihr neues Album vor, vorher gab es jedoch noch ein paar Neuerungen zu vermelden: So hat sich die Band absichtlich so viel Zeit wie nötig gelassen, um sicherzugehen, dass das neue Werk auch wirklich ausgereift ist. Des Weiteren wurde "The Other Side" komplett in Eigenregie produziert, was wohl der größte Schritt vom Vorgänger zur neuen Platte ist.
Mit 'For The World To Sing' legen die FARMER BOYS los, wie man es seit Jahren von ihnen gewohnt ist: Typisch fettes, fast schon vertracktes Riffing, welches dem Song zu einem wunderbaren Aggressionspotential verhilft, und dann ein fast schon hymnischer, ohrenschmeichelnder Refrain mit absoluter Mitsinggarantie - wenn das mal nicht die erste Single wird ...
Allgemein lässt sich sagen, dass die Farmer ihr bisheriges Erfolgsrezept beibehalten haben, allerdings an der einen oder anderen Stelle auch ein paar neue Zutaten zumischen. So klingt Matzes Gesang deutlich ausgereifter, variabler, ja, sogar einfühlsamer als bisher, wobei die Refrains - das Kernstück eines jeden FB-Songs - nach wie vor in hymnischer und bombastischer Manier aus den Boxen rauschen. Ein paar elektronische Einsprengsel ('Stay Like This Forever', 'Home Is Where The Stars Are', 'Get Crucified') vermisst man ebenso wenig wie das unheimlich dynamische Gitarrenspiel der Herren Sayer und Scholpp, welches zusammen mit dem mitreißenden, verdammt groovigen Drumming bei Songs wie 'Where The Sun Never Shines' (habt ihr damit den Allerwertesten gemeint, Jungs? ;-)) oder dem Titeltrack für fette Abschädel-Verhältnisse sorgt. Und auch in jedem Tanztempel dieser Welt sollte das Quintett damit für Massen an sich im Takt wippenden Körpern sorgen können.
Die "Quotenballade" (O-Ton Matze) namens 'In My Darkest Hour' entputt sich als absolutes Gänsehaut-Stück mit tollem Text, ist zwar durchaus radiotauglich geraten, ist sich aber dank der hohen Qualität in allen Bereichen ein echter Höhepunkt der Platte geworden. Den Vogel haben die FARMER BOYS jedoch mit dem ungewohnt heftigen 'Once And For All' abgeschossen - das bisher härteste Stück der Bandgeschichte legt ein Wahnsinnstempo vor, aus dem man nur nach dem unverschämt schnell vorgetragenen Refrain ein wenig herausgerissen wird. Bitte mehr davon!
'Stay Like This Forever' überrascht zunächst mit einer fast schon omnipräsenten Nu Metal-Ausrichtung und ist laut Band auch "sehr untypisch" - der Stakkato-Gesang trägt dazu sein Übriges bei. Aber spätestens beim Refrain schließt der Hörer erneut genießerisch die Augen und labt sich weiter am durch die Bank weg begeisternden, neuen Output der Schwaben.
Erwähnenswert wäre noch das gute Solo bei 'Trail Of Tears', einem Atmosphäre-Song der Extraklasse, sowie der fast schon Dancefloor-artige Beginn von 'Get Crucified', welches dann aber schnell in ein FB-Riffmonster par excellence umschlägt.

Meiner Bescheidenen Meinung nach stellte sich "The Other Side" recht schnell als das bisher stärkste, vielschichtigste und in sich geschlossenste Album der Bandgeschichte des Fünfers heraus - man hört es der Band an, dass sie sich alle Zeit der Welt genommen hat, um eine von vorne bis hinten tolle Platte einzuspielen, dass die einzelnen Bandmitglieder musikalisch deutlich gereift sind, dass man insbesondere als Band-Einheit viele Schritte nach vorne gemacht hat, gefestigter, selbstsicherer und mutiger geworden ist.
"The Other Side" macht nicht nur einen wirklich durchdachten Eindruck, sondern kann vor allem auch durch die Stilvielfalt und die neuen, in den typischen FARMER BOYS-Sound integrierten Elemente, überzeugen.
Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, so sollte die Band mit dem neuen Werk mindestens ähnlich große Erfolge wie mit "The World Is Ours" feiern können - denn diese Scheiblette ist mindestens nochmals um eine klasse besser.
Ausgereift. Markant. Selbstbewusst. Kurzum: Verdammt beeindruckend, was die Bauernjungen hier abgeliefert haben. Ich freu' mich auf den Januar!

FARMER BOYS
The Other Side

VÖ: 26.01.2004

Tracklist:

1. For The World To Sing
2. Like Jesus Wept
3. Once And For All
4. Where The Sun Never Shines
5. In My Darkest Hour
6. Stay Like This Forever
7. The Other Side
8. What A Feeling Like
9. Trail Of Tears
10. Home Is Where The Stars Are
11. Get Crucified
12. Requiem (Bonus)
13. The Day We Died (Bonus)
14. Immortal (Bonus)

Redakteur:
Rouven Dorn

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