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Fear Dark Festival - Stuttgart

29.06.2006 | 15:51

26.05.2006, LKA

An einem grauen, regnerischen Freitag traf sich am 26. Mai die gewaltige Zahl von ca. 180 Metalheads in Stuttgart zum gemütlichen, gemeinsamen Kopfkreisen im Rahmen des "Fear Dark Festivals". Leider machte uns unser Navigationssystem zu schaffen und wir irrten planlos durch die Stuttgarter Innenstadt auf der Suche zum Ziel. Dummerweise tat die Karte auch nicht ihren Dienst und wir waren der Verzweiflung nahe. Bis die Technik dann doch noch unsere Gebete erhört hatte, endlich einen Satelliten anlächelte und uns sicher zum Ziel führte...
Nach diesen Strapazen konnte das Festival nun kommen und wir waren frohen Mutes vor dem Ort des Geschehens angekommen.
Hierbei fand man sich - verspätet - in den passend zum Wetter abgedunkelten Räumlichkeiten des LKAs wieder, welches sofort zum Kauf eines erfrischenden Bieres einlud. So setzte ich mich nun an einen der vielen Tische und lauschte der schwedischen Melodic-Death-Metal-Band TAKETH.
Die Tanzfläche sah noch recht leer aus – ich meine gerade mal 20 Leute gezählt zu haben - und der vielbekannte Funken wollte nicht recht überspringen, was aber wohl eher an der frühen Abendstunde um etwa 19.45 Uhr lag. Dank unserer Verspätung bekam ich leider nur zwei Songs der Band mit und kann mir daher kein komplettes Bild des Auftritts machen. Aber nach dem was ich gehört hatte, war hier wenig daran auszusetzen. Klanglich kam die Band gut rüber und der Sänger schrie sich die Seele aus dem Leib. Desweiteren verleiteten die Songs zum stetigen Kopfnicken. Zu mehr hat es noch nicht gereicht, da es noch einiges an Aufwärmung bedarf.

Nach dem Auftritt ging ich ersteinmal zum Fear Dark-Verkaufsstand und sah mir die dortige Handelsware an. Vertreten waren Artikel von allen anwesenden Bands und einiges mehr. Jedoch sprachen mich die Preise nicht sehr an, da zum Beispiel fünf Euro für einen simplen Patch eindeutig zu viel sind. Sofort ins Auge fiel mir hingegen die neue ELUVEITIE-CD "Spirit", welche es hier schon zu erwerben gab. So begab ich mich wieder zurück an meinen Tisch, trank mein Bier und wartete gespannt auf die nächste Band, welche auf den Namen ROYAL ANGUISH hört.
Als diese nun endlich die Bühne betraten, fiel mir als erstes eine Frau im weißen Kleid auf, welche ebenfalls ihren Fuß auf die Bühne setzte. Ich fragte mich: "Melodic-Death-Metal mit einer Frauenstimme?" und war noch gespannter. Nachdem die Band nun mit dem Spielen anfing, stach direkt das sehr dominierende Schlagzeug heraus, welches leicht an ATROCITYs Platte "Atlantis" erinnerte. Der Sound insgesamt klang sehr überladen und überschlug sich ab und an. Der Gesang der Sängerin war viel zu leise und wollte mir nicht wirklich gefallen, da Sie die hohen Töne nicht recht traf und auch insgesamt schlecht rüberkam. Trotzdem waren hier schon weitaus mehr Besucher vor der Bühne und ich sah einige Köpfe kreisen. Wirklich Stimmung kam jedoch nicht auf.

In der Setlist war folgendes vertreten:
Intro, Shadows of Time, One Last Time, Playing God, Pitch Black, The Tale of Sullen Eyes, Frozen, Tortured Visions, Twisted Angel

Nun, nachdem ich mich nach dem Auftritt vom Stuhl erhob, schlenderte ich wieder zur Bar, um mir ein Fläschchen Gerstensaft zu besorgen. So ein Festival muss schließlich genossen werden, und zwar in allen Zügen.
Schließlich wandte ich meinen Blick wieder der Bühne zu und sah ca. 9 Leute mit folklorischen Instrumenten diese betreten. ELUVEITIE schienen anzufangen. Ich wollte mich beeilen, mein Bier zu leeren, da ich die Schweizer unbedingt aus der ersten Reihe sehen wollte. Mir zum Vorteil stellte sich heraus, dass ich nicht zu sehr der Hektik verfallen brauchte, da die Räumlichkeiten noch ziemlich leer schienen. Also flitzte ich sogleich nach vorn und lehnte mich an die Bühne. Es war so viel Platz, dass sogar jemand mit zwei Meter langen Haaren und vollen Körpereinsatz sein Haar fliegen lassen konnte.
Endlich starteten die Musiker und eröffneten den Gig mit den Song 'Spirit'. Die ersten Köpfe begannen schon ihre Bahnen zu drehen und die Stimmung unter den Anwesenden war nun schlagartig gestiegen. Die Tanzfläche wurde voller und voller und gute Laune machte sich breit. Die Band selbst schaffte es klanglich auf ein Spitzenniveau und alle Instrumente kamen passend heraus, wobei einige noch besonders unterstrichen wurden. Alles wurde gut aufeinander abgestimmt und eine Wahnsinns-Atmosphäre durchflutete den Raum. Man fühlte sich ständig mitgerissen von den Klängen und die Post ging also nicht gerade wenig ab. Schließlich konnte die Band einige Metalheads sogar zum Tanzen ermuntern. Zwischendrin wurde man durch seichte Soli und den Song 'Aidu' wieder zur Entspannung gebracht. Songtechnisch wurde ausschließlich die Platte "Spirit" abgedeckt. Einziger Song der Platte "Vên" war die Zugabe 'Lament'.
Von meiner Sicht heraus konnte die Band voll und ganz überzeugen und das Publikum wird von meiner Meinung wohl nicht ganz abweichen. Mein Nacken tat nicht umsonst noch einige Tage weh...

Bereichert wurde der Auftritt durch folgendes Material:
Spirit, Your Gaulish War, The Song Of Life, The Dance Of Victory, Of Fire, Wind & Wisdom, Aidu, Tegernako, Andro, Lament

Anschließend ließ ich mir erstmal gewisse Halsregionen massieren und griff erneut zum - glücklicherweise - noch kühlen Bier. Erstmal wieder runterkommen hieß die Devise und die nächste Band ließ nicht lange auf sich warten:
MORPHIA aus Holland - dem Land der Tulpenmeuchler, wie ich neulich erfuhr - kamen angeraucht. Selbst bezeichnen sie sich als Gothic-Doom-Metal-Band und klangen auch danach. Geboten bekam man doomige Riffs, welche nach einiger Aufwärmzeit den Hörer in eine Welt von - ich nenn es mal - emotionaler, hoffnungsvoller Aggression versetzte. Klingt komisch, ist aber so. Langsame und schnelle Passagen wechselten sich stets ab und der Sound war nicht gerade von schlechten Eltern. Dass es trotzdem einige Fehlgriffe bzw. Aussetzer gab, dürfte klar sein. Dem Publikum scheint es auf jeden Fall gefallen zu haben.

Wen's interessiert, bekommt noch die Setliste:
Again, Of Stars & Flowers, Fading Beauty, When Silence Fell, Sound Of Violence, Emptiness, Ithinielle

Ich entschied mich nun, in die oberen Bereiche der Halle zu gehen und mich erstmal auszuruhen, im Netz zu surfen (dies war dort kostenlos möglich), mir die hier verwendeten Setlisten besorgen - Vincent von MORPHIA behauptete übrigens felsenfest, dass er bei den BEATLES spiele - und einige Gespräche zu führen. Die Atmosphäre war nett und schön ruhig, die Bands gesprächsfreudig und die Aussicht nach unten interessant. DARK FORTRESS, der Headliner des Abends, konnte also ruhig kommen...

...und er kam auch. Und er brachte eine Menge Fans mit. Zu diesem Augenblick des Abends war die Tanzfläche definitiv am vollsten. Alle erwarteten die dunkle Festung. Schließlich stieg der Sänger, grim und frostbitten guckend, mit einem "Kill Me"-Shirt bekleidet, auf die Bühne und startete das Spektakel mit 'Harvest'. Leider war anfangs das Mikro etwas leise, was sich jedoch im Laufe des Gigs änderte. Trotzdem konnten DARK FORTRESS eine Black-Metal-typische, frostige Atmosphäre aufbauen und mit Abwechslung überzeugen. Auch wenn einige Songs wie 'Warlord' oder 'Moribound By Thy Creation' fehlten.

Gespielt wurden:
Harvest, Iconclasm, Self Mutilation, Poltergeist, Shardfigures, Catacomb, Stab Wounds, Daylight’s Fire , When 1000 Crypts Awake

Insgesamt war das Festival gut gelungen. Leider waren Besucher Mangelware, weshalb es sich für die Veranstalter nicht wirklich gelohnt hatte. Das angereiste Langhaarvolk zog jedoch Vorteile daraus, schließlich konnte sozusagen jeder der wollte direkt an vorderste Front gehen und sich die Bands aus aller Nähe anschauen. Verpflegungstechnisch kann gesagt werden, dass die Getränke für Festivalverhältnisse recht günstig waren: 2,50 Euro für ein Bier sind mal wirklich nicht zu viel verlangt. Die gelassene Atmosphäre bügelte kleinere Fehler wieder aus.

Von dem her: Gerne wieder!

Sebastian Wannweil (metal-world.org)

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