Full Of Hate Tour 2012 - Gießen

04.04.2012 | 21:13

03.03.2012, Hessenhalle

CANNIBAL CORPSE. BEHEMOTH. LEGION OF THE DAMNED. Und dazu noch drei weitere Bands. Die Full Of Hate Tour 2012 gehört unbestritten zu den ersten Tour-Highlights des Jahres und macht auf ihrer vorletzten Station halt in Gießen.

Die Metal-Szene ist nach der Meinung vieler Fans ziemlich übersättigt. Das hört man zumindest oft, wenn man auf Konzerten von Szene-Größen ist und die Halle nicht mal zur Hälfte gefüllt ist. Auch bei vielen Veranstaltern scheint sich dieser Umstand herumgesprochen zu haben. Denn das Paket, was die Full Of Hate Tour in diesem Jahr auffährt, ist amtlich. Neben den amerikanischen Extremisten MISERY INDEX und den niederländischen Hans-Dampf-in-allen-Gassen alias LEGION OF THE DAMNED sind mit den polnischen BEHEMOTH und den Death-Metal-Urgesteinen CANNIBAL CORPSE zwei echte Perlen mit dabei.

Bevor diese Bands aber die Bühne der Gießener Hessenhalle betreten stehen zwei Vorbands auf dem Programm. Eine dieser Kapellen ist NEXUS INFERIS. Ein paar neugierige Zuschauer finden sich sogar, die sich die Waliser mal anschauen möchten, werden aber für diese Entscheidung nicht wirklich belohnt. Das industrielle, schwarzlackierte Todesblei der Briten ist nicht wirklich spektakulär und nervt mit überflüssigen Wah-Wah-Gitarren. Auch optisch macht das ganze keinen großen Spaß, denn die Borg-ähnlichen Outifits der vier Musiker wirken eher affig als stimmungsvoll. Insgesamt ist das Gebotene zwar nicht wirklich schlecht, aber auch weit davon entfernt zu überzeugen. Stimmung kommt in Gießen jedenfalls keine auf.

Besser sind da im direkten Anschluss die griechischen Eighties-Metaller SUICIDAL ANGELS. Ihr Thrash Metal der alten Schule lockt schon mehr Leute vor die Bühne, was nicht zuletzt durch vier gute Scheiben in fünf Jahren und exzessive Tour-Präsenz erklärt werden kann. Songs wie zum Beispiel 'Bleeding Holocaust' oder 'Apokathilosis' sind eine starke Mischung aus EXODUS und KREATOR und gehen auch noch gut ins Ohr. Etwas dreist ist es dann allerdings mittendrin von der Bühne zu verschwinden und sich ein Intermezzo zu gönnen, dass atmosphärisch den nächsten Song ankündigen soll. Das kann man machen, wenn man zu den Headlinern zählt, aber als zweite von sechs Bands ist das schon ein wenig lächerlich. Nichtsdestotrotz ist der Gesamteindruck positiv. Das Riffing ist klasse und unterhält mit IRON-MAIDEN-Anleihen. Dem Publikum gefällt es und auch der Sound ist ebenso gut. Was will man mehr?

MISERY INDEX sind aber trotzdem noch mal um ein paar Stufen stärker und gehören an diesem Abend zu den härtesten Bands, die die Hessenhalle beben lassen. Die Amerikaner spielen knüppelharten Death Metal mit

einer Brise Grindcore und haben heute besonders gute Laune. Fronter Jason Netherton bewegt sich sehr viel und stachelt das Publikum an, es ihm gleich zu tun. Der Ami fordert einen Circle Pit und bekommt diesen auch umgehend. Bei so starken Songs wie 'The Great Depression' oder 'You Lose' ist das auch kein Wunder. Jeder Song wird gnadenlos abgefeiert und das etwas langsamere 'The Carrion Call' bewegt die Fans dazu, ihre Birnen zu schwenken. Der Titeltrack vom 2008er Album "Traitors" beendet einen starken Auftritt, der wohl der erste richtige Höhepunkt für viele Anwesenden gewesen ist.

Bevor es mit den beiden Todesblei-Höhepunkten losgeht, kommen die Hau-Drauf-Thrasher LEGION OF THE DAMNED auf die Bühne und legen energetisch los. Die Band-Hymne 'Legion Of The Damned' lockt viele Fans vom Bierstand weg und verursacht viel Betrieb in der Konzerthalle. Allerdings kann die Spannung nicht durchgängig aufrecht erhalten werden. Ob die Niederländer nun 'Son Of The Jackal' oder 'Cult Of The Dead' spielen, macht keinen Unterschied, denn die Songstruktur und der Aufbau ist immer der gleiche. Es ist wirklich unglaublich, wie eine Band 2012 noch mit so einem langweiligen Konzept soweit kommen kann. Allerdings kann man mit exzessivem touren wohl alles erreichen und sich sogar eine kleine Schar an Fans erspielen, die trotz der angesprochenen Defizite in Sachen Abwechselungsreichtum zu der verdammten Legion stehen. Immerhin ist der Gig für alle, die nichts mit der Band anfangen können, eine willkommene Gelegenheit, um in der Halle, wo Merch und Bier verkauft werden, eine kleine Auszeit zu nehmen. Denn für den folgenden Auftritt müssen die Akkus geladen sein.

Immerhin entert mit BEHEMOTH die beliebteste Death-Metal-Combo Osteuropas die Bühne und lässt sich erst einmal ausgiebig feiern. Bandleader Nergal begrüßt die Menge, ohne auch nur ein Wort zu sagen, und delegiert diese Aufgabe an sein Charisma weiter, das trotz Kurzhaarfrisur nichts von seiner Ausdruckskraft verloren hat. Musikalisch beginnt das Set mit einem relativ neuen Stück. 'Ov The Fire And The Void' vom 2009er Album "Evangelion" legt den Grundstein für einen regelrechten Siegeszug. Die Polen zocken nämlich eine super Performance runter, die von einer atmosphärischen Lightshow und einem stimmungsvollen Set flankiert werden, das sogar Demo-Klassiker wie '...From The Pagan Vastlands' beinhaltet. Im Mittelpunkt steht allerdings Nergal, der mit seinen Ansagen und einem sehr erhabenen Auftreten die Zuschauer schnell für sich gewinnt. Da ist es wenig überraschend, dass nach dem offiziellen Set noch nicht Schluss ist und noch zwei Zugaben folgen, wofür sich der Frontmann sogar extra noch mal in Schale schmeißt. So trägt der sympathische Sänger während des ersten Encore-Tracks eine Dornenkrone auf dem Haupt und zockt anschließend 'Lucifer' mit einer Maske, die den Besucher neben mir an Magneto aus X-Men denken lässt. Dennoch ist der Auftritt von BEHEMOTH der bisher beste Gig des Tages.

Da ist die Frage erlaubt, ob CANNIBAL CORPSE an diese Leistung anknüpfen kann. Allerdings hat die Band nicht nur den Legenden-Bonus auf ihrer Seite, sondern ist für viele Todesmetaller der Inbegriff des Death Metal. Außerdem ist George "Corpsegrinder" Fisher ein Szene-Original. Auch wenn er in den letzten Jahren nicht gerade dünner geworden ist, kann er mit seiner Birne immer noch schneller im Kreis bangen als die gesamte Mannschaft von AMON AMARTH. Das Set startet mit neueren Songs wie 'The Time To Kill Is Now' und 'Demented Aggression', die aber auch bei langjährigen Fans der Band gut ankommen. Da macht es auch nichts, dass Herr Fisher außer Birne schütteln keine große Bewegungsfreudigkeit an den Tag legt, aber das war ja ohnehin nie sein Markenzeichen. Hier ist das Songmaterial der Star. Romantische Songs wie 'I Cum Blood' oder das allseits beliebte 'Wrechted Spawn' räumen ab und rechtfertigen das ziemlich gut gefüllte Venue. Was natürlich auch nicht fehlen darf, ist das den Frauen gewidmete 'Fucked By A Knife'. Fisher fordert Hinterbänkler-"Bitches", die denken würden sie seien etwas Besseres, dazu auf, nach vorne zu kommen. Netter werden die Texte natürlich im weiteren Verlauf auch nicht und mit 'I Will Kill You' gibt es einen weiteren sehr beliebten Song auf die Ohren. Für viele Besucher könnte die Spielzeit unendlich sein, aber natürlich findet das offizielle Set der Männer aus Florida irgendwann ein Ende und obwohl Fishers Stimme auf diesem vorletzten Termin der Full Of Hate schon etwas angeschlagen klingt, gibt es auch hier natürlich die beiden obligatorischen Zugaben 'Hammer-Smashed Face' und 'Stripped, Raped And Strangled', die alles in den Schatten stellen, was vorher auf der Bühne stattgefunden hat. Wer jetzt noch unzufrieden nach Hause geht, dem ist definitiv nicht mehr zu helfen. Denn Gießen hat mit diesem Konzert das Death-Metal-Highlight Mittelhessens ausrichten dürfen, das viel Lust auf die Sommer-Gigs der Extreme-Metal-Institution aus Florida macht.

Redakteur:
Adrian Wagner

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