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Fury Fest - Le Mans (F)

27.07.2005 | 16:20

01.01.2000, Circuit des 24 Heures du Mans

Das musikalisch extremst Festival des Sommers: SLAYER meets DISSECTION meets IMMOLATION meets ENSLAVED...

Ein letzter Blick auf das Programm am frühen Morgen verrät: Dieser Tag wird hart. Apokalyptisch. Jede Band ab 15 Uhr könnte schon für sich ein Festival headlinen - ohne Pause sollen sie auftreten. Prost, Mahlzeit und rein in den Nacken-Suizid. (HK)
ULTRAVOMIT - die richtige Band zu dieser frühen Stunde um 11.20 Uhr. Der Main-Stage-Saal ist gut gefüllt - Heimspiel der Franzosen. Ihr schnell dargebotener Metal treibt den letzten Schlafsand aus den verquollenen Augen. Zwischen groovenden Moshparts gibt’s auch mal Grindbrecher, welche die 30-Sekunden-Mauer nicht durchbrechen. Originalität beweisen die Franzosen beim Griff in die musikalische Zitatenkiste, wenn QUEENS 'Another One Bites The Dust’ oder REEL II REALS 'I Like To Move It’ intoniert werden - in allen Genres zu Hause.
(Thomas Fritzsch)

Nun steht deutscher Besuch an. Und die Erkenntnis: KNORKATOR können französisch. Ansonsten ist die Show für deutsche Fans nicht sonderlich neu, für die Franzosen aber sichtlich überraschend, ein kleiner Kulturschock. Sänger Stumpen ist fast nackt, Keyboarder Alf an seinen Schaumstoffinstrumenten samt Mikro trägt ein Kleid. Manchmal schlägt er mit dem Keyboard um sich. Unauffälliger ist Gitarrist Buzz Dee mit einer Art Kuhkostüm und einer ständigen Zigarette im Mund. In diesem Outfit zelebrieren KNORKATOR Songs wie ‘Der ultimative Mann’. Am Ende steigt Stumpen auf ein reingebrachtes Klobecken und singt dort weiter. Gaaanz große Kunst.
(Henri Kramer)

Von KNORKATOR kommend, eilen die Frühaufsteher in Scharen zu EPICA, erwartet man doch das nächste Soprankehlchen. EPICA machen orchestrale Musik, so steht es geschrieben. Doch leider harmoniert an diesem Morgen gar nichts miteinander. Die Instrumentalfraktion scheint ein eigenes Konzert zu spielen, es rangiert in der Lautstärke einige Stufen leiser als die Vocals von Sängerin Simone. Die Fans vor der Hauptbühne schieben es auf den Sound der großen Halle und machen das Beste daraus. Auch ein ”a capella”-Konzert kann schön sein, aber beim nächsten Mal bitte doch alle zusammen.
(Markus Mirschel)

Neben ”Gemecker über den Sound” ist ”Suche die Band” ein ebenfalls beliebtes Spiel beim Fury Fest - zum Glück nicht zu oft, aber pro Tag schon ein- oder zweimal. Bianca erzählt...:
(Henri Kramer)

”In Erwartung der US BOMBS mache ich mich pünktlich 13.30 Uhr auf den Weg zur Forum-Stage. Wer da allerdings nicht auf die Bühne kommt, ist nicht besagte Band - sondern DIECAST, die eigentlich Opener des Freitags sein sollten, nun gut... auch nicht schlecht, aber nicht das, was ich sehen wollte. Derartige Änderungen gab's bereits und so gehe ich wieder und versuche in Erfahrung zu bringen, wann die gewünschte Band spielt... nahezu aussichtslos in Frankreich... ein hilfsbereiter, des Englischen ein wenig mächtiger Franzose hat 15.30 Uhr auf seinem Plan stehen. Gut, 15.30 Uhr wieder zur Stage und wer da wieder nicht auf der Bühne steht, sind die US BOMBS. Hm...? Somit reihen sich hinter CULT OF LUNA die US BOMBS in die Verlustliste ein. Na gut, nimmt man eben, was grad da ist, statt Punk also Straight-Edge-Hardcore: 25 TA LIFE spielen. Straight Edge mag Geschmackssache sein, aber letztlich zählt ja die Musik, die gespielt wird. Arschlange Dreads und tätowiert von oben bis unten, so kommt Sänger Rick auf die Bühne. Er liebt es publikumsnah und verlagert nach ein paar Songs seine Wenigkeit kurzerhand auf die Absperrung und in den Graben davor. Das wiederum kommt gut an und heizt zusätzlich kräftig ein: Nach wenigen Songs haben wir hier den ersten perfekten Circlepit des Festivals. Zum Abschluss einer mehr als gelungenen Show gibt’s noch eine Coverversion von CRUCIFIED.
(Bianca Schneider)

Fast zeitgleich vor der Hauptbühne bricht eine noch recht unbekannte Band auf, die Herzen von Freunden vertrackter Musik zu erobern: Knüppelhart und dennoch melodisch, so klingen MASTODON bei ihrem Auftritt. Sie schaffen es dabei, wie bei Bands von Relapse Records eigentlich üblich, sich jedem Schubladendenken zu entziehen. Hier ‘mal QUEENS OF THE STONEAGE, da ‘mal MACHINE HEAD-Riffs in der kraftvollen Variante, dort eine Spur DILLINGER ESCAPE PLAN und sogar ein Zipfel NEUROSIS. Die vier Leute haben es gleichzeitig technisch absolut drauf und kommen mit dieser Eigenständigkeit sehr gut an bei dem Pulk vor der Hauptbühne. Zwischendurch sind minutenlange Riff-Parts dran, die dennoch nicht langweilig werden. Toll - und sofort ab zur Velvet-Stage.
(Henri Kramer)

“Guggemerma, wo der Iltis post…”
(GFz)

Mit zwei Bieren bewaffnet entert Bo Summer mit ILLDISPOSED die Bühne. Die Dänen scheinen in Frankreich noch nicht den Status wie in Deutschland zu besitzen, was die etwas verhaltenen Reaktionen erklären würde. Dem zu Folge muss zunächst erklärt werden, was abgeht: ”We are gay and sensible persons and we are playing AT THE GATES-Swedish Death Metal.” - Aha. Aber irgendwie steckt heute trotz der Knaller des letzten Albums ”1-800 Vindication” der Wurm in den Danish Dynamites; die Gitarrenfraktion ist auf einen Teilnehmer geschrumpft, Bo Summer bangt mit der Grazilität eines Tanzbärs, wenn er nicht gerade ganz hinter der Bühne verschwunden ist und selbst die Frage ”Do you want some beer?” bewirkt keine Begeisterungsstürme bei den Anwesenden. So passt nach bereits 30 Minuten das ”Fuck Off!” Herrn Summers in Richtung Spielzeitverantwortlichen irgendwie zum Eindruck dieses Kurz-Gigs und ein sichtlich angepisster Sänger verlässt die Bühne und ward nimmermehr gesehen. (Thomas Fritzsch)

SOILWORK zur besten Sendezeit und in Topform! Nordische Coolness trifft auf französische Herzenswärme, denn die Schweden werden empfangen wie ein Headliner. Die Melodic-Deather lassen nichts anbrennen und zocken ihren Set von der Hit-Stange, Songs des aktuellen Longplayers "Stabbing The Drama" werden kredenzt. 'One With The Flies' kommt mit seinen cleanen Stellen erstaunlich gut im oft matschigen Sound der Main-Stage und so schallen die Refrains als Echo der Hörerschaft in Sprechchören zurück zur Bühne. Now he is one with the audience.
(Markus Mirschel)

BEHEMOTH bringen wie tags zuvor schon ENSLAVED die kleine Velvet-Stage zum kochen. Enthemmt-beseelte Gitarrenläufe aus ihrem aktuellen Album ”Demigod” schmettern auf die Fans nieder, während Sänger und Gitarrist Nergal sie immer wieder antreibt. Er und seine Kumpane sind allesamt dezent-böse angepinselt, doch des Frontmanns finstere Growlstimme macht ihn zum Anführer dieser teuflischen Horde aus den untersten Tiefen der Hölle. Dementsprechend müssen die Security-Leute vor der Bühne wieder kräftig den Inhalt von Wasserflaschen über dem Publikum verteilen, das die ungeheure Hitze im Raum nicht zu spüren scheint. Eine Hammer-Show, die BEHEMOTH eine Woche später beim Full Force in Leipzig locker wiederholen. Diese Polen sind wahre Dämonen der Finsternis, ooooourghhhhhhhhhh!
(Henri Kramer)

Ja, offensichtlich sind die Polen bei unseren westlichen Nachbarn angesagter als zuvor die Dänen ILLDISPOSED. BEHEMOTH bereitet es keine Mühe, die Fans vor der kleinsten der drei Bühnen in ihren finsteren Bann zu ziehen. Nergal hat sich dezent geschminkt hinter dem Zepter des Demigod postiert, rechts neben ihm in spikes-bewehrten Stiefeln hünenhaft Orion, bereit mit 'Conquer All’ Le Mans zu erobern. Infernalisch werden die Lieder der ”Zos Kia Cultus” und der letzten CD ”Demigod” mit kurzen Intros aufgelockert der begierigen Meute vor die Füße geworfen. Da reicht die Zwischenzeit auch mal für eine kurze Feuerspuckeinlage des Drummers Inferno. Vor dem finalen Stück verlässt Nergal die Bühne und wird wiedergeboren - in langem Mantel, Brustpanzer und Maske, wie ein Cenobit aus Clive Barkers "Hellraiser". In diesem Endzeit-Outfit zelebrieren die Polen als würdigen Höhepunkt 'Blackest Ov The Black’ völlig unkuschelig auf der angeheizten Velvet-Stage.
(Thomas Fritzsch)

Szenenwechsel in den Backstage-Bereich. Dort gibt Festival-Organisator Ben eine Pressekonferenz vor gut 30 Journalisten. Was er auf Französisch zu sagen hat? Er fühlt sich müde, ist aber froh über das gute Festival. Finanzielle Verluste wird es aber wohl auch wie schon 2004 geben. Der Kartenverkauf sei schlecht angelaufen, nun eben auch nicht so viele Fans wie erwartet da. Doch Ben - der mit seinem jungen Aussehen so gar nicht wie ein Festival-Boss wirken will - bleibt optimistisch: ”Nächstes Jahr gibt es wieder ein Fury Fest!” Das hoffen wohl alle, auch die Jungs und Mädels, die sich inzwischen vor der Hauptbühne eingefunden haben. Leider erwischen IN FLAMES dort einen etwas dumpfen Sound. Trotzdem rast das Publikum. Liegt es vielleicht daran, dass sie mit ‘Graveland’ einen selten gezockten Song aus ihrer goldenen ”Jester Race”-Ära im Gepäck haben? Kann sein, aber auch die anderen, neueren Stücke der Schweden kommen an - besonders, weil es Anders Fridén als Frontmann sicher versteht, die Massen für seine Band zu begeistern. Auch der Rest des Quintetts wirkt gut eingespielt, nur eben der Sound matscht vor sich hin. ‘My Sweet Shadow’ vom ‘Soundtrack To Your Escape’ beschließt den Gig, bei dem die Fans IN FLAMES alles in allem zu Recht abfeiern. Ab jetzt geht es Schlag auf Schlag.
(Henri Kramer)

Eine weitere Geschichte.
Ich mich auf den hastigen Weg zum nächsten Fotograben machend, traue meinen Augen nicht. Ein Gabelstapeltrecker zerrt am Schnürchen etwas hinter sich her…beim genaueren Hinblicken entdecke ich nur einen Unterkörper…wo ist der Rest?
Paar ausgestopfte Jeans mit angebasteltem Schuhwerk und den Spaß noch mit roter Farbe besudelt sind das ganze Geheimnis der Tragödie. Abrakadabra. Brutal Death Core Metal?
Ja, die Franzosen haben Humor!
(GFZ)

Endlich mal wieder ein NAPALM DEATH-Konzert. Es tut mal wieder richtig gut, die Engländer in Aktion zu sehen. Die Halle der Forum-Stage füllt sich das erste Mal am Tag randvoll und die Stimmung ist bis in die letzte Reihe bestens. Nach einem kleinen Zwischenfall - Barney muss sich wohl eine kleine Zerrung am Bein zugezogen haben - geht es mit dem Song ‘Suffer The Children’ locker weiter und NAPALM DEATH rocken die Halle. Eine grandiose, sympathische und vor allem publikumsnahe Band - Daumen hoch!
(Sebastian Walkoviak)

Le Mans, 18.00 Uhr, die Sonne scheint, das Bier schmeckt und man wartet auf OBITUARY - nur vor falscher Stage. Deshalb mit schnellen Schritten zur Main-Stage gehastet und eine Viertelstunde zu spät in die dicht gedrängte Menschenmasse eingetaucht. Bei 'Threatening Skies’ beginnend, ist die erstaunlich gewaltlose 30 Meter-Odyssee bei 'Chopped In Half’ beendet und es eröffnet sich einen guter Blick auf die Bühne über der ein überdimensionaler, bluttriefender OBITUARY-Schriftzug prangt. Ein bombastischer Sound, der die OBITUARY-typischen Gitarren auf brachiale Art entfaltet, weht hier um die Ohren und der gut halbe Haarmeter John Tardys rotiert dazu über dem Bühnenboden. Nach 'Cause Of Death’, bei dem die Bühne atmosphärisch in ein blau-lila Licht getaucht wird, gibt’s noch einen Titel von der im Juli erscheinenden CD ”Frozen In Time”. Wie von OBITUARY nicht anders erwartet, wird der Song von einem mächtigen Double-Bass-Rhythmus nach vorn gepeitscht. Zum Abschluss ist noch ein Griff in die Klassikerkiste fällig - 'Slowly We Rot’ - Kopf runter und abgebangt. (TF)
Ja, und nun wieder in die zur größten dunklen Metal-Disko umfunktionierte Forum-Stage. Dort spielen SAMAEL. Dancen. Dancen. Dancen, zu Hits wie ‘Reign Of Light’ oder dem viel, viel älteren 'Baphomets Throne’ in elektronischem Neugewand. Genial. Nachdenken geht natürlich auch, oder Sebastian?
(Henri Kramer)

Sphärische Sounds und düstere Songs, das haben sich SAMAEL seit einigen Jahren zum Markenzeichen gemacht. Ups, mein letztes Konzert der Schweizer liegt schon eine ganze Weile zurück und seitdem hat sich wohl einiges geändert. Nichtsdestotrotz, auch wenn ich eher ein Liebhaber der älteren Platten bin, muss ich gestehen, dass die neue Musik - wenn ich sie mal so bezeichnen darf - so gut ist wie nie zuvor. Frontmann Vorph ist sehr ausdrucksvoll, auch wenn er kaum in Bewegung ist - und da läuft es mir doch gleich eiskalt den Rücken herunter.
(Sebastian Walkoviak)

Nach dem Diskoende mit ‘The Ones Who Came Before’ nun die Pop-Black-Metal-Lounge: DIMMU BORGIR brauchen wie AMEN zwei Tage zuvor für ihre Show ein großes Hintergrundpentagramm, allerdings diesmal ohne Ami-Flagge. In lila-grünes Licht getaucht zocken sich die Norweger eine Dreiviertelstunde lang durch ihre Bandgeschichte, die neueren Stücke dominieren. Simen singt wie immer göttlich, Shagrath daneben verblasst mit seinem monotonen Gekeife - das ist aber auch nicht neu. Trotz des geringen Innovationspotentials der sechs Musiker sind die Sprechchöre im Publikum unüberhörbar laut. Besonders ‘Stormblast’ und zum Schluss natürlich ‘Mourning Palace’ sind die Renner des Abends - die Masse hebt ab, in die Sphären des satanischen Pop-Black-Metals. Geil ist das trotzdem.
(Henri Kramer)

MISFITS im Forum-Rund. Gute alte Schule. Zumindest in Sachen Posing mit allem Drum und Dran. Ohne Ende. Gnadenlos. Beim Soundcheck schon, der eigentlich bereits einen guten Teil der Show ausmacht, kokettiert der olle Doyle wie ein Pfau, der sich grad ein Weibchen angurrt. Vorspielige Vorspeis beendet, das Hauptmenü wird serviert. Allerdings mit fadem Beigeschmack. Die Würze fehlt. Liegt es etwa daran, dass Doyle verstärkt am Mikro kleben bleiben muss, da der Glen Danzig-Nachfolgesänger ja vor einiger Zeit dahinverschied und er somit nicht mehr ganz so heftigst seinen Bass herumschlenkern kann? Zumindest spüre ich keinen Pepp mehr dahinter. Die Zeit scheint wohl vorbei. Mistfitz. Schade.
(GFZ)

”Hello! We are MOTÖRHEAD and we are playing Rock’n'Roll!”…diese Ansage ist Programm! Lemmy wird bald 60 Jahre alt und die Band feiert ihr 30-jähriges Jubiläum… Herzlichen Glückwunsch und weiter so! Die Welt braucht Euch! Die Herren steigen auf die Bühne und die Massen toben. Jedes Lied wird mitgesungen und der Applaus ist grandios. Die Halle ist total überfüllt und auch der Letzte schwingt das Tanzbein. Man könnte doch vermuten, dass die Rockstars nun endlich mal einen Gang zurückschalten, aber das tun sie keineswegs - sie scheinen erst richtig loszulegen, bis zur niemals stattfindenden Rockerrente. Eine Band der Superlative, die straight ihr Ding durchzieht, ohne sich beeinflussen zu lassen. Ein Genuss für die Ohren! [SW] ... und die Augen: Lemmy mit Sonnenbrille sieht einfach nur edel aus... 45 Minuten später sind noch einmal Nordmänner dran.
(Henri Kramer)

Zeitgleich mit dem nachfolgend beschriebenen zu begutachtenden Nordvolk, zwar weniger nordisch aber umso PENNYWISE - gute alte Schule. Im Vergleich zu MISFITS, die zuvor dieselbe Spielwiese okkupierten, zwar nahezu selbe Altersstufe, doch bei weitem agiler und fetziger. Schnutenziehen brauchen sie nicht zwingend, unterstreicht den Spaß jedoch zusätzlich. Mann lässt sich begeistern, Frau auch. Ich inklusive. Rock on! Und: Hosen aus!
(GFZ)

Selbst abends um halb zehn ist es kein bisschen kühler geworden in der kleinen, stickigen Velvet-Stage. Der Saal ist prall gefüllt mit französischen Möchtegern-Wikingern. Der bemitleidenswerte Soundmann eilt eine halbe Minute vor Beginn des Gigs todesmutig an seinen Arbeitsplatz inmitten der Sauna, fernab jeglichen Luftzugs. Genau wie er trotzen auch AMON AMARTH und ihr Publikum der Hitze. Wer Glück hat, erwischt ein Plätzchen vor einer geöffneten Tür. Ein bisschen Sauerstoff, gute Aussicht auf die Bühne und akzeptabler Sound - was kann man mehr verlangen? Die Security verteilt für den Rest eifrig Wasser. Obwohl man schon allein vom Stillstehen Schweißausbrüche bekommt, gehen viele das Risiko ein, AMON AMARTH abzufeiern, wie es sich gehört. Es wäre einfach ein Ding der Unmöglichkeit, bei Schlachtschiffen wie ‘An Ancient Sign Of A Coming Storm’ und ‘Fate Of Norns’ ungerührt dazustehen. Die Band selber ist gewohnt agil und energiegeladen, sie treibt die Meute an, erstaunlicherweise werden keine Ohnmächtigen aus dem Hexenkessel gezogen. Immer wieder fordert das Publikum lautstark ”Dääs iiin faja” - jeder darf nun raten, welchen Song die Franzosen damit meinen... Natürlich wird der Wunsch zu guter letzt erhört und erfüllt - alle sind zufrieden. Mit einem freundlichen "Merci Beaucoup” verabschiedet sich die Band und eilt ins Freie, auch ihren schweißgebadeten Soundmann sieht man auf schnellstem Wege nach draußen stürzen. Wahrlich nicht das passende Klima für Schweden, aber sie haben sich sehr tapfer durchgekämpft.
(Sabine Schönfelder)

Zurück vor der Hauptbühne, wo letztes schon die unglaublichsten Sachen passierten. Und nun?
(Henri Kramer)

Was ist denn das? Die Meister spielen drei superkurze Songs, machen erst mal ein Break und jetzt verdunkeln sich die Scheinwerfer. Die Main-Stage ist so voll wie nie zuvor und alle wollen nur eins - ”Slayerrrrrrrrr!!!”. Nach minutenlangem Applaudieren und den berühmten Kampfschreien der Fans legen sie richtig los. Ein Hit nach dem anderen und Frontmann Tom Araya hält mit seinem ewigen Grinsen die Massen in Stimmung.
(Sebastian Walkoviak)

Die Lieder kennt doch eigentlich eh jeder. Bangen bei 60 Grad gefühlter Temperatur zu ‘War Ensemble’, zu ‘South Of Heaven’, zu ‘Raining Blood’. Die Woche drauf beim Full Force sind SLAYER längst nicht so hammermäßig tight wie in dieser vollgestopften Halle. Doch beim Fury Fest gibt es eben andere Regeln als bei ”normalen” Festivals. Kein Power Metal, sondern das volle Brett in die Magengrube. Nach SLAYER ist die letzte Band überstanden. Noch drehen sich die Synapsen im Kopf, versuchen, das Erlebte an diesem Tag zu verarbeiten. Es gelingt nur mühsam. Wenn andere Festivals sich sagen, dass es gut ist, auch zwischendurch mal eine etwas schlechtere Band zu haben - nein! Nur Headliner nacheinander zu platzieren, auch dieses Konzept funktioniert. Zumindest die Fans in Frankreich bangen drei Tage durch. Alkoholleichen gibt es dafür vergleichsweise wenig, für extremsten Alkoholkonsum ist bei der Masse an göttlichen Gruppen auch keine Zeit. Die Saufzeit bricht erst in der Nacht an, auch an diesem letzten Abend. Im Backstage läuft ein noch immer betrunkener ANOREXIA NERVOSA-Sänger Hreidmarr herum, sagt: ”Cool Festival...” Recht hat er, doch Steigerungsformen sind angebracht: Das Fury Fest 2005 darf sich getrost den Stempel ”Beste Extrem-Metal-Party Of The World” aufpappen - und nächstes Jahr hoffentlich wieder.
(Henri Kramer)

Redakteur:
Henri Kramer

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