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GRASPOP METAL MEETING 2022: Schweiß und alte Männer - Dessel, Belgien

25.07.2022 | 20:56

16.06.2022, Festivalgelände

Endlich. Seit fast drei Jahren wieder einmal ein Festival. Und wenn man schon zurückkehrt, dann mit einem echten Kracher!

 

Normalerweise berichten wir ja nur über die Events im deutschsprachigen Raum, aber zum einen ist Belgien auch teilweise deutschsprachig und zum anderen liegt Dessel ja nun auch nicht allzu weit entfernt von der Grenze. Daher habe ich mich erstmals seit 2005 wieder zum Graspop Metal Meeting begeben und wenn ich schon mal da bin, kann ich ja auch berichten. Allerdings kann dieser Bericht nur einen Ausschnitt abbilden, denn mit fünf Bühnen ist die Veranstaltung viel zu groß, um von mir und meiner Tochter Katharina allein umfassend erlebt und berichtet zu werden. Aber ich nehme dich trotzdem einmal mit auf eine kleine Tour durch vier Tage Rock und Metal. Auf geht's!


Nach einer langen Anreise aus Süddeutschland bis nach Dessel geht es in einem durchaus ausgedehnten Fußmarsch zum Festivalgelände. Dabei kommen wir an einem riesigen Fahrrad-Parkplatz vorbei, der sich abends als gerade einmal adäquat erweisen sollte.  Kann sich das jemand in Deutschland vorstellen, mit dem Drahtesel zum Festival? Coole Sache. Dann sind wir viel zu früh am Gelände. Um nicht in einen Stau zu kommen, sind wir früh losgefahren und bereits um 9:30 Uhr mit Bändchen bewaffnet am Eingang, der erst um 10:00 Uhr öffnen soll. Na ja, besser so als stundenlang im Auto. Als dann die Tore öffnen, erkunden wir das Gelände und trinken einen Kaffee. Nachdem wir also unsere Orientierung gewonnen haben und die beiden Hauptbühnen North Stage und South Stage in Augenschein genommen haben, die beiden Hallenbühnen Marquee und Metal Dome begutachtet und auch der Jupiler Stage einen Besuch abgestattet haben, geht es auch schon los!

 

Zuerst darf im Metal Dome THE CURSE OF MILLHAVEN ran. Endlich Musik. Ich höre aber nur von außen ein wenig hinein, denn es ist doch ziemlich voll und Death Metal ist nicht ganz meine Baustelle. Obwohl ich zugeben muss, dass die Belgier technisch gut sind und der Sänger auch ganz ordentlich klingt. Ja, nicht übel! Im Marquee startet nach etwa dem halben Gig des Openers eine Band namens MISTHYRMING. Isländischer Black Metal, nun ja, das ist nun gar nicht meine Baustelle. Ich lausche kurz rein, aber so verzweifelt bin ich dann doch nicht. Deswegen geht es für mich erst mit der britischen Band WHILE SHE SLEEPS richtig los, die auf der North Stage losrocken darf. Metalcore, ja, das macht einen ersten, fetten Eindruck. 'Sleep Society' startet den Gig mit collen Melodien der beiden Gitarristen, von denen einer gleich mal ins Publikum steigt und aus dem Pit shreddet. Sehr coole Aktion! Ich bin zwar kein großer Fan von Sänger Adam "Sav" Savage, aber musikalisch macht das durchaus Laune. Ich glaube, von denen sollte ich mir das 2020er Album "Sleep Society" mal besorgen. Ein schöner Auftakt.

 

Um einen passenden Kontrast zu setzen, folgt nun auf der South Stage BATTLE BEAST. Musikalisch finde ich die Finnen ja eher so mittelmäßig, aber Sängerin und Hörnchenträgerin Noora hat einfach eine gewaltige Stimme und transportiert die eingängigen Melodien so kraftvoll, dass man über den hohen Schunkelfaktor und die Kleister-Keyboards schon mal hinweghören kann. Stimmung kommt jedenfalls auf und es haben sich auch schon zahlreiche Musikfreunde vor der Bühne versammelt, auch wenn genauso viele noch über das Gelände tigern, sich orientieren, einen ersten, vorsichtigen Versuch an der Gerstenkaltschale unternehmen oder es sich im Schatten gemütlich machen, denn es ist warm. Reichlich warm. Noora fragt, ob wir alle fucking bereit sind, Party zu machen, alle grölen und feiern endlich wieder gemeinsam. Dazu ist BATTLE BEAST auf jeden Fall bestens geeignet. Headbangen, Hüften schwingen, laut falsch mitsingen. Ach, was hat uns das gefehlt!

 

Kurz vor dem Festival gab es noch ein paar Umbesetzungen. Eine davon ist natürlich absolut grandios: FLOTSAM AND JETSAM ist ins Billing gerutscht. Ja, wie großartig ist das denn? Die Band darf 50 Minuten runterzocken, was natürlich viel zu wenig ist, und heizt gleich mal mit 'Dreams Of Death' ein. Aber leider ist der Sound im Marquee einfach mal Mist. Ich erkenne die Lieder am Gesang, an den Gitarren kann ich es nicht. Katharina, die ich hergeschleift habe, weil ich sagte, dass die Band so toll sei, guckt wenig begeistert. Das verstehe ich leider und bei 'Hammerhead' wird es auch nicht besser. Erst bei 'I Live You Die' hat sich der Soundmann ein wenig gefangen, aber das soll sich durch das ganze Festival ziehen: Der Sound im Marquee ist zumeist unterirdisch. FLOTSAM AND JETSAM lässt sich davon nicht beirren. Erik AK klingt super, auch wenn er ein paar Passagen alter Songs ein wenig tiefer singt, und überhaupt, die ganze Band thrasht uns mal gehörig etwas um die Ohren. Acht Lieder schaffen die Jungs, zur Hälfte Klassiker der ersten zwei Alben, drei Stücke vom aktuellen Album "Blood In The Water" und die Hommage an den heutigen Headliner 'Iron Maiden'. Die Stimmung ist super und speziell beim Rausschmeißer 'No PLace For Disgrace' geht die Halle mächtig mit. Trotzdem schade um den Sound, ansonsten gehen für FLOTSAM AND JETSAM alle Daumen hoch!

Setliste: Dreams Of Death, Hammerhead, Iron Maiden, I Live You Die, The Walls, Brace For Impact, Burn The Sky, No Place For Disgrace

[Frank Jäger]

 

Nach den ersten paar Songs fliehe ich zu BEARTOOTH, da mir die Flotzis eintönig vorkamen, was aber sicherlich auch am Sound gelegen haben dürfte. BEARTOOTH ist eine der wenigen mir bekannten Bands auf dem Festival. Als ich vor der North Stage ankomme, hat sich der Sänger Caleb Shomo bereits der Oberbekleidung entledigt und präsentiert dem Publikum stolz seinen Tattoo-Tiger, der von meiner Position nur aufgrund der großen Leinwände zu erkennen ist. Die Jungs aus Ohio hüpfen munter durch ihren Set, genau wie eine beachtliche Fanschar vor der Bühne. Im Laufe des Auftritts stelle ich fest, dass die Fünf meinen Lieblingssong, 'Hated', wohl schon gespielt haben. Doof. Trotzdem gut, aber mir ist das Schlagzeug zu laut und übertönt den Gesang. Das war bei WHILE SHE SLEEPS auch schon so, mal sehen, ob sich das später am Tage noch bessert.

[Katharina Jäger]

 

Mittlerweile ist es nach vier Uhr nachmittags und es ist Zeit für die Nahrungsaufnahme. Auf der South Stage spielt TREMONTI. Das würde ich mir gerne ansehen, aber da stellt sich erstmals für mich die Frage, welche Kapelle ich sehen möchte, denn 30 Minuten in den Set von TREMONTI hinein beginnt im Marquee IN EXTREMO. Also hören wir Mark und seine Truppe nur von weitem, aber was ich höre, klingt gut. Gleich mit dem Brecher 'Thrown Further' anzufangen, ist natürlich auch ein geschickter Schachzug. Klingt auch aus der Entfernung verdammt gut, aber viel mehr möchte ich dazu nicht sagen, denn ich bin einfach nicht nah genug dran.

 

Schade, aber ich habe mich für IN EXTREMO entschieden und da gehen wir jetzt hin. Denn der Herr Rhein hat mit seinen Mannen in den letzten Jahren eine interessante Wandlung durchgemacht von einer Mittelalterrockband zu einer Rockband und nun zu einer Rockband mit sehr effektiven Einsätzen mittelalterlicher Instrumente, quasi ihren eigenen Mittelweg. Dabei ist Sänger Michael Rhein zu einem echten Entertainer geworden und ein wirklich hervorragender Frontmann. Dass die Band in deutscher Sprache singt, ist für Belgier und Niederländer sowieso kein Hindernis, aber das Marquee ist hauptsächlich in der Hand der Fans aus Deutschland, sodass Rhein recht schnell auf Deutsch umschwenkt für seine Ansagen. Das finde ich jetzt etwas blöd, denn man kann davon ausgehen, dass auch Musikfreunde anwesend sind, die der deutschen Sprache eben nicht mächtig sind. So gewinnt man keine neuen Freunde im Ausland, aber nun ja, das ist ja die Entscheidung der Band. Die Ansagen sind sowieso nicht allzu lang, man hat ja auch nur 50 Minuten Spielzeit. Die ersten Lieder sind alles Granaten, 'Troja', 'Vollmond', 'Kompass zur Sonne', 'Rasend Herz', 'Störtebecker', nun ja, wer kann, der kann. Der Sound ist auch besser, die mittelalterlichen Instrumente sind einfacher abzumischen als zwei Gitarren und so kommt schnell Stimmung auf, und die sehr volle Halle singt laut mit. Ja, eine Top-Performance, gute Lichtshow, annehmbarer Sound, eine feierwütige Menge, das kann man wohl als uneingeschränkten Erfolg bezeichnen.

 

Leider wartet aber schon wieder der nächste Höhepunkt, sodass ich nach einer halben Stunde gut durchgewärmt rausgehe und zur North Stage marschiere, denn da spielt jetzt eine Band, die ich live noch nie gesehen habe: MASTODON. Der abgefahrene Stil und Sound der US-Amerikaner macht die Band ziemlich einzigartig, aber auch nicht gerade Easy Listening. Eigentlich erscheint MASTODON mir weiterhin eher als Insider-Tipp, aber als wir vor die Bühne gehen, scheint es hier ausgesprochen viele Insider zu geben. Nun ja, halb sechs, mittlerweile dürften auch alle Rocker eingetroffen sein, die heute kommen wollten. Müssen ja irgendwo hin. Warum dann nicht mit hochgezogenen Augenbrauen 'Pain With An Anchor' hören? Damit beginnt die Band aus Atlanta ihren Gig und mit psychedelischen Projektionen als Hintergrund. Das passt zur Musik, ist aber auch irgendwie das Äquivalent zu einem Batikshirt unter Metallern. Die Band agiert mit drei Sängern und sorgt auch so für Abwechslung, sodass mit Ausnahme der Sperrigkeit manche Lieder wenig gemein haben. Aber Lieder wie 'Teardrinker', Bladecatcher' und der Rausschmeißer 'Blood And Thunder' nehmen das Publikum durchaus mit, nicht nur die Fans vorn, sobald man sich erst einmal an den ungewöhnlichen Stil gewöhnt hat. Ich stelle dabei fest, dass ich nicht so text- und titelsicher bin, wie ich dachte, die Setliste ist daher ein wenig mit Vorsicht zugenießen.

Setliste: Pain With An Anchor; Crystal Skull; Megalodon; The Crux; Teardrinker; Bladecatcher; Black Tongue; Pushing The Tides; Mother Puncher; Blood And Thunder

 

Von originell und ungewöhnlich zu eingängig und plakativ. Zwar spielt DEATH TO ALL im Marquee, also DEATH ohne Chuck Schuldiner, aber mit echten Könnern an den Instrumenten und Max Phelps von CYNIC am Mikrophon, aber ein paar Töne genügen mir, um zu zeigen, dass der Sound weiterhin schlecht ist im Marquee. Nein, DEATH-Songs mit schlechtem Sound möchte ich nicht hören und Katharina würde dadurch nur abgeschreckt werden. Folglich ist Essenspause, bei der wir POWERWOLF auf der South Stage sehen und hören. Die Burschen zelebrieren mal wieder ihre Heavy Metal Messe, die inzwischen ziemlich perfektioniert wurde. Es werden einige der üblichen Gassenhauer gespielt, aber auch ein Song vom aktuellen Album "Call of the Wild", nämlich 'Blood On Blood'. Es fügt sich nahtlos ein, sodass man entweder sagen kann, dass die Band ihren Stil perfektioniert hat oder dass sie stagniert. Richtig ist sicherlich beides, je nachdem, ob man wohlwollend oder weniger zugetan an die Frage herantritt. Für ein Festival ist es jedenfalls sehr passend, es wird mitgesungen und getanzt, die Stimmung ist super, aber nachdem ich POWERWOLF bereits einige Male gesehen habe, reicht es mir als Hintergrundbeschallung. Der Headliner-Auftritt auf dem Bang Your Head 2018 setzt da den Maßstab und das können die Jungs heute und hier natürlich nicht toppen. Trotzdem: sehr unterhaltsam, ordentlich Pyros, immer etwas los auf der Bühne. Ich würde mich nicht wundern, wenn POWERWOLF in den nächsten Jahren klammheimlich immer höher auf den Festivalbillings rutschen würde, bis... mal abwarten.

Setliste: Fire And Forgive; Army Of The Night; Incense & Iron; Amen & Attack; Demons Are A Girl's Best Friend; Armata Strigoi; Stossgebet; Blood For Blood (Faoladh); Werewolves Of Armenia; Sanctified With Dynamite; We Drink Your Blood

 

Ein bisschen irischer Folk und Punk geht immer, auch wenn er aus den USA kommt. Die DROPKICK MURPHYS laden ein zum fröhlichen Tanzen und Trinken. Bei dem schönen Wetter und der fröhlichen Stimmung rennt die Band damit eine offene Drehtür ein, vorne wird wild mitgepogt, hinten wiegen sich die Fans im Takt und dazwischen findet man immer wieder tanzende Grüppchen, die sich von den Amerikanern gerne mitnehmen lassen nach Massachusetts und Boston und Suffolk County. Was übrigens auch das gleiche ist, Boston liegt im Suffolk County und das wiederum in Massachusetts und in diesem County stellen die Einwanderer irischer Abstammung die größte Bevölkerungsgruppe. Die MURPHYS sind also so irisch, wie es geht und deswegen nimmt man ihnen ihren Stil auch ab und singt lauthals mit zu 'The Boys Are Back', 'The Queen Of Suffolk County' und vor allem den beiden Rausschmeißern 'Rose Tattoo' und 'I'm Shipping Up to Boston'. Dabei wird nicht allzu viel Show gemacht, Sänger Al Barr läuft immer mal von einer Seite der Bühne auf die andere und intoniert die Lieder mit Rotz und Punkattitüde und Hingabe mehr, als auf musikalische Genauigkeit zu setzen. Das Graspop wird kurz zur größten irischen Kneipe der Welt, und auch wenn es kein Guinness gibt, heute gewinnt Grün!

Setliste: The Lonesome Boatman; The Boys Are Back; The State Of Massachusetts; The Bonny; Middle Finger; Johnny, I Hardly Knew Ya; Queen Of Suffolk County; Mick Jones Nicked My Pudding; Barroom Hero; Smash Shit Up; Good As Gold; Rose Tattoo; I'm Shipping Up to Boston

 

Jetzt ist es Zeit für den Headliner des Tages: IRON MAIDEN. Die Band zieht natürlich die Massen, auch wenn es sage und schreibe der zehnte Auftritt auf dem Graspop Festival ist. Es wird voll, ich empfinde es als einen großartigen Schachzug, dieses Zugpferd bereits am Donnerstag auftreten zu lassen und die Rocker zum Graspop zu ziehen. In jedem Fall war er sehr erfolgreich, denn es ist doch beachtlich was los und die Begeisterung groß, als die angestammten Töne des UFO-Klassikers 'Doctor Doctor' ertönen. Auf der Bühne wird die Deko hockgezogen, zwei Pagoden und eine Tempelkulisse, was jedoch später komplett ausgetauscht werden sollte, die das japanische Thema des aktuellen Albums "Senjutsu" aufgreift.

Der Titelsong eröffnet den Set und ein großer Eddie-Samurai taucht auf und setzt gleich mal einen ersten Akzent, denn seit ein paar Jahren ist IRON MAIDEN auch in Bezug auf die Show eine echte Headliner-Band geworden. Danach geht es weiter mit 'Stratego' und 'Writing On The Wall'. Für die Stimmung ist es sicher nicht die beste Wahl, aber für die Show muss es so sein, denn nach den drei Liedern von "Senjutsu", die trotzdem angemessen bejubelt werden, verschwindet die Japan-Kulisse und eine Maiden-Kathedrale erscheint in Form von neuen Bannern für 'Revelations', das sofort gefeiert wird. Ich denke mir allerdings, dass nach den drei langen und nicht allzu schnellen neuen Liedern mal etwas Fetziges gut wäre, ein 'Where Eagles Dare' oder 'Aces High', aber es folgt ein weiterer eher ruhiger Song.

Zeit für eine Bestandsaufnahme: Bruce Dickinson ist gut bei Stimme, die tieferen Passagen kommen toll und kraftvoll rüber, die hohen Lagen der alten Lieder klingen etwas angestrengt, aber das war schon immer so. Außerdem sind zwei der Musiker viel in Bewegung, Bruce in positivem Sinn und Yannick Gers in negativem. Ich verstehe weiterhin nicht, warum er überhaupt bei Maiden rumhampelt. Zu 'Blood Brothers' gibt es dann eine unmissverständliche Ansage zu Einigkeit und Befürwortung von Toleranz und Diversität, die mit Jubel aufgenommen wird, während 'Sign Of The Cross' die Erkenntnis bringt, dass Bruce im Schein der Pyros mit einem schwarzen Umhang eine wirklich coole Figur macht. Überhaupt finde ich es toll, dass auch aus dieser Phase mit Blaze Bayley ein Lied gespielt wird, trotz des etwas übertrieben plakativen Leuchte-Kreuzes. Diese Freude ist jedoch etwas, das ich später noch bereuen soll.

Doch zuvor kommt eine Riege an Klassikern mit häufig wechselnden Backdrops in einem Vorhangsystem, ein echtes Best-Off, mit ein paar Showelementen, besonders die passende Feuershow bei 'Number Of The Beast' ist zu erwähnen, bis zu 'Iron Maiden', zu dem ein riesiger, dreidimensionaler Eddie-Kopf hinter der Band hochgezogen wird. Moment mal, das ist doch eigentlich immer der Rausschmeißer? Die wollen doch wohl nicht bereits aufhören, sie haben noch fast eine halbe Stunde!

Nein, wollen sie nicht. Es folgen noch Zugaben, 'The Trooper' mit Bruce in der bereits bekannten Uniform und einem Schwertkampf mit Eddie, während die Saitenfraktion post und schön in Bewegung ist. Routiniert? Ja, sicher, aber auch klasse. Doch dann erklingen die ersten Töne von... ja, wovon denn? Ich brauche eine Weile, um den Song zu erkennen. Das ist... oh je, das ist 'The Clansman'. Okay, der Song ist nicht schlecht, aber auf der Platte bereits viel zu lang. Ich habe gesagt, ich fände es gut, dass die Bayley-Ära berücksichtigt wird. Ja, aber nicht mit diesem Song und nicht als Zugabe! Jetzt fällt mir meine Aussage mit Verve auf die Füße. Da hätte man doch zwei bessere Lieder unterbringen können. Aber immerhin folgt noch 'Run To The Hills' und danach noch eine weitere Zugabe, bei der die Band alle Register zieht, nämlich 'Aces High', komplett mit dem bekannten Ausschnitt aus Churchills Rede und alten Filmaufnahmen auf den Bildschirmen und einem Spitfire-Kampfflugzeug über den Musikern. Das sieht großartig aus! Das Lied und die Bühnendeko sind ein würdiger Abschluss für ein Konzert einer Band, die zeigt, dass sie auch nach viereinhalb Jahrzehnten noch eine Vollbedienung abliefern kann.

Setliste: Senjutsu; Stratego; The Writing On The Wall; Revelations; Blood Brothers; Sign Of The Cross; Flight Of Icarus; Fear Of The Dark; Hallowed Be Thy Name; The Number Of The Beast; Iron Maiden; Zugabe: The Trooper; The Clansman; Run To The Hills; Aces High

 

Nach diesem Auftritt kann nicht mehr viel folgen, oder? Na ja, wenn es nach den Festivalmachern geht, doch, es folgen noch zwei Bands. Wobei ich ja die beiden Bands, die parallel zu IRON MAIDEN gespielt haben, auch gerne noch sehen würde, denn BARONESS und die Skatecore-Recken SUICIDAL TENDENCIES wären unter anderen Umständen bei mir erste Wahl gewesen. Aber jetzt folgt im Marquee MERCYFUL FATE. Also hinein und recht weit nach vorn, damit wir den King auch ordentlich sehen können. Es gibt eine Bühnendeko, die ihm eine zweite, höhere Ebene ermöglicht und ein mächtiges umgedrehtes Kreuz über einem Pentagram, der King ist geschminkt und hat sein Knochen-Mikro dabei. Genau wie es sein muss. Allerdings ist der Gitarrensound anfangs wieder mächtig matschig und ich erkenne das Lied nur am Gesang. Wir stehen aber auch recht weit links, eventuell ist es in der Mitte besser. Nach zwei Liedern, von denen ich das zweite leider nicht kenne, gehen wir raus. Tatsächlich ist vor der Halle der Sound besser, wir hören 'A Corpse Without Soul', und King Diamond kreischt wie vor dreißig Jahren.

 

Aber jetzt spielt auf der Hauptbühne VOLBEAT und bläst uns den Sound rüber, wenn wir weiter rausgehen. Als vierten Song gibt es 'Lola Montez', das Publikum feiert weiter, die Band spielt vor einer Spinnwebendeko und nutzt die Bildschirme für eine eindrucksvolle Show. Das originellste an der Kapelle ist Sänger Michael Poulsen, der gut bei Stimme ist. Aber nachdem wir mittlerweile 14 Stunden in den Beinen haben, ist für uns der Moment gekommen, an dem wir das Gelände verlassen. Wie so oft nach einem Festivaltag bin ich bei den Headlinern etwas erschöpft. Es ist sicher gut, wenn man eine ausgeprägte musikalische Vorliebe hat, aber da ich gerne mal in verschiedene Sachen hineinlausche, gab es heute kaum eine Verschnaufpause. Daher: Zeit für das Bett. Leider.

[Frank Jäger]

 

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Redakteur:
Frank Jaeger

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