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German Swordbrothers Festival - Lünen

11.04.2014 | 23:28

08.03.2014, Lükaz

Ein Festtag für alle Schwertschwinger und Hymnenträllerer!

Eines steht wohl für alle Anwesenden nach diesem Abend fest: Diejenigen, die diesen Samstag lieber auf der heimischen Couch verbrachten, haben definitiv etwas verpasst. Bei der dritten Ausgabe des German Swordbrothers Festival, das im Lükaz in Lünen stattfand, sorgten die Veranstalter für alles, was das geneigte Stahlherz begehrt. Wenn überdies, wie im vorliegenden Fall, das Line-Up keine Wünsche offen ließ, darf man in der Retrospektive mit Fug und Recht von einem perfekten Abend sprechen. Doch der Reihe nach.

Bevor sich die erste der insgesamt sechs Bands heute austoben darf, stampft der Besucher in eine für Konzerte dieser Art wohl bestens geeignete Location. Dank eines Imbissstandes, der jedoch zu meiner tiefen Trauer ausgerechnet heute die Krakauer vergessen hat, einer netten Auswahl auf dem Metalmarkt in der Nebenhalle sowie einer großen Aufenthaltshalle kommt wohl jeder der mehr als 300 Besucher vollends auf seine Kosten.

Nach der kurzen Bestandsaufnahme fängt das rege Treiben auch schon an und die ersten Reihen füllen sich allmählich, während die Leipziger Jungs von PROWLER die Bühne stürmen. Mit jedem weiteren Song strömen weitere Zuschauer vor die Bühne, sodass wirklich gelungene Brocken der Marke 'Stallions', 'Out Of The Night' oder auch 'Freedom' nicht vor leeren Rängen dargeboten werden. Ihr Glam-/Hard Rock passt bestens ins Bild, die glorreichen 80er werden also wiederbelebt. Die PROWLER-Truppe ist derweil sehr gut gelaunt, ihre Riffs sitzen und der Sound kann sich im Lükaz äußerst hören lassen. Ein gelungener Einstand einer hungrigen Band also, die zum einen dem Ende hin mit der SAXON-Einlage 'Princess Of The Night' überraschen und die man zum anderen auf dem Zettel haben sollte.

Nach diesem tollen Stelldichein kommt eine wirklich schwer einzuordnende Band auf die Bretter. WE ARE LEGEND aus Balingen kann mit ihrem teils wirren, etwas überfordernden Mix aus Power-, Progressive-, und Melodic Metal nur bedingt überzeugen und die Zuschauer vor der Bühne fesseln. Epik und Bombast hier, schnelles Riffing dort machen mancher Orts immensen Spaß, will vorliegend jedoch nur bedingt zünden. Dennoch kann man manchen Stücken eine gewisse Ohrwurmqualität nicht absprechen. Auch wenn mir persönlich bei diesem Auftritt, der abermals mit einem perfekt abgemischten Sound, der sich auch im Folgenden nicht verschlechtern sollte, unterlegt wird, etwas zu konfus ist, dem einen oder anderen scheint es doch zu gefallen.

Mit dem folgenden Beitrag wird es wieder etwas traditioneller. Die urmetallische Kraft von METAL WITCH entlockt vielen Besuchern ein Lächeln und eine fliegende Mähne. Dabei legen die Nordköppe ein Feuerwerk seinesgleichen hin: Ein bisschen Epik hier, massig Nostalgie dort und über allem thronen die Riffbretter, mit denen die fünf Herrschaften überzeugen. Das eröffnende 'Believe In The Power Of Rock', 'Hammer Of Anvil' und 'Valley Of The Kings' machen einfach nur Spaß und werden angenehm schnörkellos vom Stapel gelassen. Beim Abschlusstrack erobern auch die ersten Zuschauer die Bühne (es wird heute definitiv nicht das letzte Mal sein), denen METAL WITCH einen denkwürdigen, weil rundum geglückten Auftritt schenkt. Daumen hoch.

Dieses Niveau kann auch der folgende Auftritt halten: KING LEORIC hinterlässt mit ihrem hymnenreichen Schwermetall nicht nur bei mir einen bleibenden Eindruck. Die Niedersachsen sorgen für eine tolle Stimmung in der Halle und hier und dort einige reckende Fäuste und Kostproben wie 'Lingua Regis', das starke 'Stormcloud' sowie 'Downstairs' machen den Braten erst richtig fett. Viele Passagen und Momente schwirren mir auch noch Stunden später im Kopf rum, sodass es auch nicht verwundert, dass viele nach dem Auftritt des Vierers zum Merchandise-Stand spurten und nach KING LEORIC fragen. Doch es wird noch besser, meine Freunde, denn die letzten beiden Bands werden es in sich haben.

Zum einen beehren uns die Rheinländer von WARRANT, die wohl den Hauptgewinn heute gezogen haben. Ihr stimmungsvolles Gewand aus Hard Rock, schnellerem Metal und vielen Mitsing- und Klatsch-Passagen sorgen für gute Laune und das Trio lässt sich von der bombigen Stimmung anstecken. Neu-Drummer Thomas schlägt sich mit Bravur die Seele aus dem Leib, Frontmann und Bassist Jörg nutzt jede Gelegenheit, auch das letzte Funkchen Energie aus dem Publikum herauszukitzeln, und Klampfer Dirk rifft sich die Finger wund. Alteingesessene Klassiker der Marke 'Satan' und 'The Enforcer' (schöne Grüße an die Heimat, wo eben jener vergessen wurde) werden mit offenen Armen empfangen und stellenweise sogar mitgesungen. Derweil werden auch die Münder wässrig gemacht, denn die Düsseldorfer haben ein brandneues Album in der Mache, von dem es mit 'All The King’s Horses', sowie 'Keep Me In Hell' zwei geglückte Kostproben zu bestaunen gibt. So verwundert es auch nicht, dass viele Zuschauer die Bühne stürmen, um mit WARRANT den Geist der glorreichen 80er wiederaufleben zu lassen. Das macht Spaß.

Zum anderen wird es nun episch, majestätisch und mächtig. Bereits die ersten Takte werden von einer ungeheuren Atmosphäre begleitet und auch wenn die Band zwischenzeitlich mit kleineren Problemen zu kämpfen hat, so ist man sich sicher: ATLANTEAN KODEX ist eine absolute Macht. Doch nicht nur durch den Meilenstein "The Golden Bough" und dem jüngsten Geniestreich "The White Goddess" triumphieren die fünf Jungs heute auf gesamter Linie. Die Halle ist rappelvoll, das Licht sorgt für eine erhabene Stimmung und sämtliche Stücke werden mit Inbrunst mitgesungen, was die Band sichtlich beeindruckt. Die Gänsehaut ist permanent mit von der Partie. 'From Shores Forsaken', 'Twelve Stars And An Azure Gown', das anbetungswürdige 'Pilgrim' oder 'Sol Invictus', bei dem die aufgestaute Energie mit einem Schlag befreit wird, sorgen für einen (auch sehr sympathischen) Auftritt der Superlative. Spätestens nun weiß man, warum den Jungs in den vergangenen Monaten solch eine Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Nach 90 Minuten voller Epik kommt auch ATLANTEAN KODEX langsam zum Ende und die Halle leert sich allmählich. Wer Musik nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit dem Herzen, mit Sinn und Verstand hört und genießt, sollte sich diesen Act nicht entgehen lassen.

So verbleibe ich am Ende mit einem großen Dankeschön an die Veranstalter, es hat enormen Spaß gemacht und meine Festivalfreuden wieder beschworen. Der Abend hatte, nicht nur auf der Bühne, ein durchweg professionelles, hohes Niveau und konnte mit absoluten Überraschungen glänzen. Ich jedenfalls habe nicht nur neue Bands für mich entdeckt und bekam mit dem überragenden Headliner die voller Bandbreite. So muss ein Abend sein, Hut ab!

Redakteur:
Marcel Rapp

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