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Glühmet - Nürnberg

09.01.2017 | 07:25

29.12.2016, Hirsch

Party auf Burg FEUERSCHWANZ!

Wenn der Hirsch kocht, sind Profis am Werk: In Nürnberg feiert FEUERSCHWANZ seinen Jahresabschluss im ausverkauften Hirsch und sorgt dabei auch bei Minus-Graden im Außenbereich, dass die Besucher ordentlich ins Schwitzen geraten. Neben dem Mittelaltermarkt auf dem Außengelände der Location gibt es dabei nicht nur großartige Gäste auf der Bühne, sondern auch jede Menge... Met.

Dem vor der Veranstaltung nicht allzu reichlich zuzusprechen, lohnt sich jedoch, denn den Opener aus Norwegen genießt man am besten mit klarem Kopf. BERGTATT ist hierzulande leider wenigen Personen ein Begriff, Besucher des Wave Gothic Treffen mögen sich jedoch vielleicht an die zauberhafte Linn Katrin Öygard und ihre Jungs erinnern. In norwegischer Sprache bringen die fünf Musiker norwegische Folklore auf die Bühne. Trotz der rockigen Gitarrenriffs überwiegt im Klangbild jedoch Nyckelharpa und Drehleier - und webt einen dichten Teppich aus märchenhaften Klängen, der das Publikum abwechselnd zum Feiern und zum staunend-andächtigen Lauschen einlädt. Sehnsüchtige Balladen gehen in tanzbare Flötenweisen über, bei denen Linn beweist, dass sie nicht nur stimmlich für einen Schauder nach dem anderen sorgen kann. Und spätestens die norwegische Version des populärsten Spielmannslied überhaupt, der Raben-Ballade, 'Ravnene', lässt mich vergessen, dass es jemals andere Interpreten gab, die diese Nummer gesungen haben. Gänsehaut und ein seliges Lächeln gleich zu Beginn des Abends garantiert!

Auf die elfenhaften Töne von BERGTATT folgt der Paukenschlag: NACHTGESCHREI betritt die Bühne mit dem instrumentalen 'Kerberos' und zieht den Härtegrad des Abends gleich ordentlich an. Mit tightem Drumming und satten Gitarrenriffs bringt das Frankfurter Septett Mittelalter-Metal vom Allerfeinsten in den Hirsch. Und obwohl ich erst vor Kurzem auf dem Münchener "Tanzt!" das Glück hatte, NACHTGESCHREI live zu sehen, lassen auch heute die gekonnten Einsätze von Dudelsack und Drehleier mein Herz höher schlagen. Wenn jemand die Balance zwischen mittelalterlicher Folk-Musik und einschneidenden metallischen Sounds beherrscht, dann diese glorreichen Sieben. Mit ihrer Setliste bewegen sie sich souverän zwischen Schätzen aus dem mittlerweile ordentlich angewachsenen Fundus der Bandgeschichte sowie Stücken des neusten Albums "Staub und Schatten". Da wird die Neugierde auf dessen Nachfolger, "Tiefenrausch", der im März das Licht der Welt erblicken soll, doch nur noch mehr geschürt! Nach diesem Auftritt kocht der Hirsch im wahrsten Sinne des Wortes - Zeit, sich draußen abzukühlen. Denn das mittelalterliche Feeling auf dem Glühmet-Festival beschränkt sich nicht nur auf das Line-Up...

Auf dem Außengelände haben einige Händler, die einem auch auf den regionalen Mittelalter-Märkten über den Weg laufen, ihre Stände aufgeschlagen. Besonders hoch frequentiert: Der Metstand mit dem süßen Honigwein in gleich mehreren Varianten. Den 'Metnotstand im Märchenland', den FEUERSCHWANZ gleich daruf besingen, wird es im Hirsch an diesem Abend wohl nicht geben... Die Klamaukgaukler um Hauptmann und Prinz Hodi geben von Anfang an Vollgas und skandieren, von der obligatorischen Mieze begleitet, gleich das Motto des neuen Albums 'Sex Is Muss' mit vollem Körpereinsatz. Den beweist auch Johanna von der Vögelweide, spielt sie ihren Part an der Geige doch mit vollvergipstem Arm. Als Hemmschuh erweist sich dieser allerdings nicht, denn FEUERSCHWANZ beweist auch im späten Dezember mit ihrem frivol-anzüglichen Mittelalter-Rock, dass Frühlingsgefühle wirklich nicht vom Wetter abhängig sind. Spätestens beim 'Krieger des Mets' brechen beim Publikum dann alle Dämme - einmal sämtliche Klischees von drachenreitenden Helden aus dem Heavy- und Power Metal gekonnt durch den Kakao gezogen, großartig!

Danach hüte ich mich, das Wort "Rausschmeißer" in den Mund zu nehmen, wird der sonst so abwertende Begriff der letzten Bands des Abends doch nicht einmal in Ansätzen gerecht: FUCHSTEUFELSWILD aus Regensburg setzt dem Indoor-Festival die Krone auf. Beinahe frech und mit unglaublich viel Energie und Lebensfreude bringen die Mittelalter-Folker ihre Geschichten auf die Bühne. Denn was die Musiker dort präsentieren, ist mehr als nur Show: Griffige Texte mit Tiefgang, Melodien, die abwechselnd ins Herz und in die Beine gehen - mit ihrem Konzept schafft sich FUCHSTEUFELSWILD an diesem Abend jede Menge Sympathien und sorgt trotz später Stunde für anhaltend gute Laune. Neben dem grandiosen Zusammenwirken der beiden Leader Bastian und Ella warten die Füchse im Lauf ihres Auftritts auch mit zwei Überraschungsgästen auf. So begleitet Hodi von FEUERSCHWANZ in gewohnter Bühnenpräsenz die Band für einen Song, ehe es emotional wird: Alea von SALTATIO MORTIS singt gemeinsam mit den Regensburgern deren Lied 'Carpe Diem' und läutet damit langsam die letzten Songs ein - ein durch und durch gelungener Gig und ein würdiges Ende für das Glühmet in diesem Jahr. Wir werden in der kommenden Zeit hoffentlich noch viel aus dem Fuchsbau hören!

Redakteur:
Leoni Dowidat

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