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Graveworm - Berlin

11.05.2007 | 21:35

29.04.2007, K17

Im K17 wurden schon unzählige rauschende Feste gefeiert - doch ab und an muss man sich auch mal selbst hochleben lassen. So ist es inzwischen Tradition, dass im Berliner Underground-Club jeder Jahrestag mit einer exklusiven Konzertreihe begangen wird. Zum achten Wiegenfeste gibt es sogar eine volle Woche Programm von Gothic bis Schwermetall, eben perfekt zugeschnitten auf die Zielgruppe der inzwischen mit sechs Konzert- und Partyfloors ausgestatteten Location.

Für den vorletzten Feier-Tag haben sich die Veranstalter das Südtiroler Aushängeschild GRAVEWORM eingeladen, was mich umso mehr freut, da die Tour zum letzten Album "(N)Utopia" seinerzeit abgeblasen wurde und ein Wiedersehen mit den Sympatikussen daher mehr als überfällig ist. Trotz des "Brückentages" vor dem ersten Mai hält sich der Zustrom allerdings in Grenzen, was der guten Stimmung jedoch keinen Abbruch tut.

Dafür sorgt zunächst die Berliner Black-Metal-Formation CAREWORN, sechs blutjunge Burschen, die offenbar im Vorfeld sämtliche Klassenkameraden mit Freitickets versorgt haben, damit sie vor der Bühne ordentlich Alarm machen. Da ich von ihrem Auftritt einerseits nicht viel mitbekomme und Schwarzmetall andererseits nicht gerade mein Fachgebiet ist, stützt sich mein Fazit auf das Urteil eines Konzertbesuchers, dass die Musik als "ziemlich jut" befunden hat. Wobei man hinzufügen muss, dass die Jungs weniger durch Professionalität als durch jugendlichen Enthusiasmus für sich einzunehmen wissen. Es wirkt halt schon etwas befremdlich, wenn lediglich Sänger Essgar im zünftigen Corpsepaint und mit waffenschein-verdächtigen Killernieten den Bösewicht markiert, während seine Mitstreiter genauso gut einer Nu-Metal-Kapelle angehören könnten.

Das schaut dann beim zweiten Opener sehr viel besser aus: "We are UNDERCROFT from Chile!", tönt Sänger/Bassist Eric Vieira mit unverkennbar südländischem Stolz, um danach ein Death/Thrash-Gewitter von der Bühne herunterkrachen zu lassen. Die jahrelange Erfahrung - die Ursprünge der Band gehen bis in die Mittneunziger zurück - strömt aus jedem grimmigen Blick, jeder bösen Pose und jedem brachialen Riff. Vom technischen Standpunkt her beherrscht der Vierer sein Handwerk bestens, doch am Wiedererkennungswert hapert es noch ein wenig. Kollege Thomas Mellenthin bekundet, dass sie auch nicht viel anders als ihre brasilianischen Kollegen KRISIUN klingen würden. Egal, denn eigentlich sind wir sowieso nur wegen des Hauptacts hier.

Dieser eröffnet mit 'I - The Machine' ein buntes Potpourri quer durch die neuere GRAVEWORM-Schaffensperiode. Die Italiener muss man einfach mögen, angefangen beim charmanten Dialekt von Sänger Stefan Fiori über das strahlende Lächeln der ansonsten dauerrotorbangenden Keyboarderin Sabine Mair bis zum häufig den Kontakt zum Publikum suchenden Sympathie-Bonus von Bassist Harry Klenk. Lediglich die Gitarrenfraktion hält sich etwas bedeckter, und Neuzugang Thomas Orgler wirkt als der einzige kurzhaarige Grabeswurm am Bühnenrand optisch wie ein Fremdkörper inmitten der vielen fliegenden Matten. Musikalisch hat er sich hingegen bestens eingefunden und beweist mit den beiden überwiegend aus seiner Feder stammenden neuen Songs des am 25. Mai erscheinenden "Collateral Defect"-Albums - 'Suicide Code' und 'Touch Of Hate' - auch sein Können als Songwriter. Einziger Wehrmutstropfen des ansonsten gewohnt tollen Konzerts ist das Fehlen einer der unterhaltsamen Cover-Versionen, für welche die Südtiroler fast schon berüchtigt sind. Es muss ja nicht immer 'Fear Of The Dark' sein, aber beispielsweise 'Losing My Religion' oder das auf dem kommenden Album vertretene 'I Need A Hero' hätten meinen persönlichen Spaßfaktor noch erhöht.

Setlist:
I - The Machine
Legions Unleashed
Dreaming Into Reality
(N)Utopia
Suicide Code
Unhallowed By The Infernal One
Hateful Design
Never Enough
Touch Of Hate
Abhorence

Redakteur:
Elke Huber

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